Wochenrückblick

Eigentlich ist die Woche noch nicht vorbei. Morgen muss ich zur Arbeit.

Ich hatte vor, die ganze Woche mit dem Fahrrad hin und zurück zur Arbeit zu fahren. Am Dienstag ging es schleppend. Ich war langsam, meine Beine konnten nur schwer treten. Es war grau und kalt. Am Abend habe ich Krämpfe in beiden Beinen bekommen (genau als ich dabei war, Martin zu beglücken). Ich passe doch auf, dass ich genug trinke, jeden Tag Magnesium zu mir nehme und eine Banane zum Frühstück esse, seitdem ich so lange Fahrten mache. Vielleicht sollte ich mehr Dehnübungen machen. Ich denke, vor allem die Kälte hat sich bei mir negativ ausgewirkt. Ich hatte letztes Jahr schon gemerkt, dass ich im Sommer viel besser und schneller als im Winter Fahrrad fahre.

Wegen der Krämpfe bin ich am Mittwoch mit der Bahn gefahren. Ich habe an dem Tag endlich mal im Chemielabor hantiert, statt die ganze Zeit zu programmieren, und bin kaum zum Sitzen gekommen. Am Abend hat sich mein Ischias gemeldet. Ich hatte ihn inzwischen fast vergessen. Mein Knie hat ihm kurz danach Gesellschaft geleistet. Ich habe gedacht, gut, dass ich nicht radeln muss. Die Bahn war aber so voll, dass ich es bereut habe, das Fahrrad zu Hause gelassen zu haben.

Gestern habe ich es in der Bahn mitgenommen. Ich hatte einen Termin relativ früh und keine Zeit, vorher bei der Arbeit zu duschen (oder ich hätte um 07:00 das Haus verlassen sollen, was mir viel zu früh war). Wir mussten mit Ronald an einem Gerät Justierarbeiten machen. Mr Keen sollte dabei sein, da er das Gerät noch nicht kennt. Wir haben eine halbe Stunde auf ihn warten müssen (gut, wir haben uns anderweitig beschäftigt, es gibt genug zu tun). Ich hätte doch mit dem Fahrrad kommen können.

Nachmittags habe ich Mr Keen in die Nutzung unserer Geräte eingewiesen, wie Winfried es wollte. Er sollte in der Lage sein, selbstständig Messungen durchzuführen und sie zu auszuwerten, wenn er in Zukunft unsere Nutzer einweisen soll. Eine Geduldsprobe. Kate und unsere IT-Kollegin haben sich dazu gesellt. Und da ist etwas passiert, was ich einige Male bei ihm schon beobachtet habe: Wenn ich alleine mit ihm diskutiere, um ihm Sachen zu erklären, hört er mich ernsthaft zu und stellt Fragen. Ganz anders, wenn Kollegen in Hörweite sind. Dann unterbricht er mich ständig ab, betont hochnäsig, dass er Festkörperphysik studiert hat und alles versteht, und ich brauche ihm nichts zu erzählen. Blöd für ihn, ich habe nachgehackt und gesagt, er sollte dann seinen beiden Kolleginnen die Ergebnisse erklären, die ich gerade diskutieren wollte. Wechsel der Stimmenlage. Sehr undeutlich hat er einen wirren Satz von sich gegeben, mit zufällig ausgewählten Begriffen und es war allen klar, er hat keine Ahnung, wovon er redet. Dabei waren wir noch bei grundlegenden Konzepten, die ich an der Uni jahrelang Erstsemestlern beigebracht habe. Eigentlich soll er eine sehr verwandte Methode in seinem letzten Institut angewendet haben. Ich vermute, ohne Verstand, nach dem Prinzip „Klicke hier und das Ergebnis ist da“. Als ich dann endlich seine Ergebnisse ohne Unterbrechung erklären durfte: „Klar, das meinte ich auch“. Ahem. Kate hat mich danach zwei Mal für meine Geduld gelobt.

Abends, als ich die Experimentierhalle verlassen habe, habe ich gemerkt, wie dunkel es draußen war und was für einen starken Wind es gab. Fahrrad fahren kam nicht in Frage. Martin meinte, zu Hause würde es strömen. Es war vorbei, als ich angekommen bin. Die Luft war stickig. Wir haben uns auf der Suche nach einer Weinbar gemacht, über die Martin von einem Radiobericht erfahren hatte. Wir haben sie nicht gefunden und stattdessen bei einem Italiener gegessen. Zu Hause angekommen, habe ich meine Steuererklärung gemacht. Blöd ist, dass ich nur eine Lohnsteuerbescheinigung hatte. Die vom neuen Arbeitgeber habe ich nirgendwo gefunden. Zum Glück konnte ich alle Zahlen aus der Gehaltsabrechnung von Dezember übernehmen.

Heute war ich froh, abends wieder Fahrrad fahren zu können. Uschi hat beim Kaffee erzählt, er war diese Woche nur einmal geradelt. Bei ihm hat Mr Keen nichts gesagt, bei mir musste er gleich eine spöttische Bemerkung von sich geben. Ich habe ihm vorgeschlagen, erst zum Thema Fahrrad und Leistungsfähigkeit zu reden, wenn er selber mit dem Fahrrad zur Arbeit kommt (er wohnt nicht weit von mir). Er redet gerne andere klein, wenn es um sportliche Leistungen geht, dabei verrät seine Figur, dass er eher der Couchsportler ist. Dann ist es mir wieder eingefallen. Stefan. Genau so einer war er auch, nicht nur beim Bauchumfang. Ähnliche Stimme, minus das gelegentliche Stottern. Er hatte sich beim Thema Sport häufig beleidigt gefühlt und immer wieder erzählt, wie schlank er früher war und wie gut er beim Fechten trainiert hatte (zehn Jahre her), man musste ihm da nichts vorwerfen. Was frauenfeindliches Verhalten angeht, war er auch sehr ähnlich, er hatte es nie ausgehalten, wenn ich etwas besser wusste. Der einzige Trost ist, das Verhalten von Mr Keen fällt nicht nur mir auf. Im öffentlichen Dienst wird man aber nur in extremen Fällen nach der Probezeit entlassen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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