Aprikosen

Nach der Arbeit bin ich zum Fitness-Studio gefahren. Das Wetter war schön, aber ich habe mir innerlich den Hinten getreten und habe es geschafft. Bauch, Beine, Rücken, so schnell kann eine Stunde vorbei gehen. Vorsichtig, mein Ischias schmerzt noch. Martin wollte mich gleich mit Kuchen belohnen, ich habe es abgelehnt. Es wäre kontraproduktiv gewesen.

Ich bin mit dem Bus nach Hause gefahren. Beim Aussteigen war die Haltestelle direkt vor dem Kaiser’s. Ich habe gedacht, ich könnte Obst als Ersatz zum Kuchen mitbringen. Es gab Aprikosen. Eigentlich ist es noch nicht die Zeit dafür. Wir hatten einen Aprikosenbaum im Garten, als ich klein war, in Südfrankreich. Ein Traum. So leckere Aprikosen habe ich später selten gefunden. Sehr kleine Früchte, aber unglaublich aromatisch und nicht zu süß. Die Pelle war mit ihren feinen „Haaren“ ein wenig rau. Wir hatten sie immer im Juli gesammelt, erst nachdem die Vögel dran waren. Ich erinnere mich an die braunen Narben an der Oberfläche der Früchte, wo die Vögel sie mit dem Schnabel geschnitten hatten. Sie waren richtig gut. Die Aprikosen beim Kaiser’s heute hatten genau die gleiche rote Farbe wir unsere Sonnengebadeten Aprikosen von damals. Und ein toller Geruch ist in meine Nase eingedrungen. Gekauft. Teuer.

Reingefallen. Natürlich war es viel zu früh für Aprikosen. Ich habe nur einen Biss probiert. Ekelhaft. Hart, faserich, mega sauer. Bläh. Was haben sie denen angetan, dass sie so realistisch verführerisch ausgesehen haben und gleichzeitig so ungenießbar sind? Ich denke lieber nicht darüber nach. Jetzt frage ich mich, was wir mit dem Rest anstellen sollen. Nachreifen tun sie nicht.

Wochenrückblick

Eigentlich ist die Woche noch nicht vorbei. Morgen muss ich zur Arbeit.

Ich hatte vor, die ganze Woche mit dem Fahrrad hin und zurück zur Arbeit zu fahren. Am Dienstag ging es schleppend. Ich war langsam, meine Beine konnten nur schwer treten. Es war grau und kalt. Am Abend habe ich Krämpfe in beiden Beinen bekommen (genau als ich dabei war, Martin zu beglücken). Ich passe doch auf, dass ich genug trinke, jeden Tag Magnesium zu mir nehme und eine Banane zum Frühstück esse, seitdem ich so lange Fahrten mache. Vielleicht sollte ich mehr Dehnübungen machen. Ich denke, vor allem die Kälte hat sich bei mir negativ ausgewirkt. Ich hatte letztes Jahr schon gemerkt, dass ich im Sommer viel besser und schneller als im Winter Fahrrad fahre.

Wegen der Krämpfe bin ich am Mittwoch mit der Bahn gefahren. Ich habe an dem Tag endlich mal im Chemielabor hantiert, statt die ganze Zeit zu programmieren, und bin kaum zum Sitzen gekommen. Am Abend hat sich mein Ischias gemeldet. Ich hatte ihn inzwischen fast vergessen. Mein Knie hat ihm kurz danach Gesellschaft geleistet. Ich habe gedacht, gut, dass ich nicht radeln muss. Die Bahn war aber so voll, dass ich es bereut habe, das Fahrrad zu Hause gelassen zu haben.

Gestern habe ich es in der Bahn mitgenommen. Ich hatte einen Termin relativ früh und keine Zeit, vorher bei der Arbeit zu duschen (oder ich hätte um 07:00 das Haus verlassen sollen, was mir viel zu früh war). Wir mussten mit Ronald an einem Gerät Justierarbeiten machen. Mr Keen sollte dabei sein, da er das Gerät noch nicht kennt. Wir haben eine halbe Stunde auf ihn warten müssen (gut, wir haben uns anderweitig beschäftigt, es gibt genug zu tun). Ich hätte doch mit dem Fahrrad kommen können.

Nachmittags habe ich Mr Keen in die Nutzung unserer Geräte eingewiesen, wie Winfried es wollte. Er sollte in der Lage sein, selbstständig Messungen durchzuführen und sie zu auszuwerten, wenn er in Zukunft unsere Nutzer einweisen soll. Eine Geduldprobe. Kate und unsere IT-Kollegin haben sich dazu gesellt. Und da ist etwas passiert, was ich einige Male bei ihm schon beobachtet habe: Wenn ich alleine mit ihm diskutiere, um ihm Sachen zu erklären, hört er mich ernsthaft zu und stellt Fragen. Ganz anders, wenn Kollegen in Hörweite sind. Dann unterbricht er mich ständig ab, betont hochnasig, dass er Festkörperphysik studiert hat und alles versteht, und ich brauche ihm nichts zu erzählen. Blöd für ihn, ich habe nachgehackt und gesagt, er sollte dann seinen beiden Kolleginnen die Ergebnisse erklären, die ich gerade diskutieren wollte. Wechsel der Stimmenlage. Sehr undeutlich hat er einen wirren Satz von sich gegeben, mit zufällig ausgewählten Begriffen und es war allen klar, er hat keine Ahnung, wovon er redet. Dabei waren wir noch bei grundlegenden Konzepten, die ich an der Uni jahrelang Erstsemestlern beigebracht habe. Eigentlich soll er eine sehr verwandte Methode in seinem letzten Institut angewendet haben. Ich vermute, nach dem Prinzip „Klicke hier und das Ergebnis ist da“. Als ich dann endlich seine Ergebnisse ohne Unterbrechung erklären durfte: „Klar, das meinte ich auch“. Ahem. Kate hat mich danach zwei Mal für meine Geduld gelobt.

Abends, als ich die Experimentierhalle verlassen habe, habe ich gemerkt, wie dunkel es draußen war und was für einen starken Wind es gab. Fahrrad fahren kam nicht in Frage. Martin meinte, zu Hause würde es strömen. Es war vorbei, als ich angekommen bin. Die Luft war stickig. Wir haben uns auf der Suche nach einer Weinbar gemacht, über die Martin von einem Radiobericht erfahren hatte. Wir haben sie nicht gefunden und stattdessen bei einem Italiener gegessen. Zu Hause angekommen, habe ich meine Steuererklärung gemacht. Blöd ist, dass ich nur eine Lohnsteuerbescheinigung hatte. Die vom neuen Arbeitgeber habe ich nirgendwo gefunden. Zum Glück konnte ich alle Zahlen aus der Gehaltsabrechnung von Dezember übernehmen.

Heute war ich froh, abends wieder Fahrrad fahren zu können. Uschi hat beim Kaffee erzählt, er war diese Woche nur einmal geradelt. Bei ihm hat Mr Keen nichts gesagt, bei mir musste er gleich eine spöttische Bemerkung von sich geben. Ich habe ihm vorgeschlagen, erst zum Thema Fahrrad und Leistungsfähigkeit zu reden, wenn er selber mit dem Fahrrad zur Arbeit kommt (er wohnt nicht weit von mir). Er redet gerne andere klein, wenn es um sportliche Leistungen geht, dabei verrät seine Figur, dass er eher der Couchsportler ist. Dann ist es mir wieder eingefallen. Stefan. Genau so einer war er auch, nicht nur beim Bauchumfang. Ähnliche Stimme, minus das gelegentliche Stötern. Er hatte sich beim Thema Sport häufig beleidigt gefühlt und immer wieder erzählt, wie schlank er früher war und wie gut er beim Fechten trainiert hatte (zehn Jahre her), man musste ihm da nichts vorwerfen. Was frauenfeindliches Verhalten angeht, war er auch sehr ähnlich, er hatte es nie ausgehalten, wenn ich etwas besser wusste. Der einzige Trost ist, das Verhalten von Mr Keen fällt nicht nur mir auf. Im öffentlichen Dienst wird man aber nur in extremen Fällen nach der Probezeit entlassen.

Pfingstmontag

Ein toller Tag heute. Und was habe ich gemacht? Zu Hause geblieben.

Heute Morgen haben wir auf der Terrasse gefrühstückt. Die Sonne war ab und zu durch dicke Wolken versteckt, aber es war trotzdem angenehm warm. Bienen haben unsere Blumenkasten besucht. Die Mischung „Bienenfreude“ war offensichtlich eine gute Wahl. Im Kasten links davon wachsen die Tomatenstauden. Nur die Hälfte hat überlebt, nachdem wir sie von den Vögeln geschützt haben müssen. Die Katze hat sich kurz zu uns gesellt, geschuppert und fand es doch besser im Wohnzimmer. Wir hatten nichts interessantes für sie auf dem Frühstückstisch.

Ich habe die Wohnung weiter geputzt. Staub gewischt. Mit der Katze gespielt. Die letzten Vorlesungen vom Kurs Java für Einsteiger gehört, da die Frist für die Abgabe der Tests verlängert wurde. Der Workshop ist nach September verschoben worden. Es gab viele technische Probleme bei der Platform für die Übungen, die für den Kurs anscheinend neu entwickelt wurde. Den Stoff der Vorlesungen direkt in Programmieraufgaben zu bearbeiten fand ich toll. Nicht die häufigen „Leider ist ein Fehler aufgetreten“ Meldungen bei der Bewertung der Übungen. Die letzten Bonus-Aufgaben haben Spaß gemacht. Man musste eine LED-Matrix steuern, um ein bestimmtes Muster zu erzeugen. Ein schön symmetrisches Muster mit drei konzentrischen Quadraten verschiedener Größen und Farben… Beim Ausführen hat man ein Foto von der Matrix geschickt bekommen, die irgendwo in den Büros von openHPI durch eine Webcam überwacht wird. Mein Lösungsansatz hat die Symmetrie des Musters benutzt und zu einer zyklomatischen Komplexität von 6 geführt, während die „einfache“ Methode mit drei doppelten for Schleifen, die im Forum diskutiert wurde, eine zyklomatische Komplexität von 7 besitzt. Ich bin schon stolz darüber, selbst wenn es für die Bewertung nichts bringt. Insgesamt sehr zufrieden. Java gelernt, Objekte und Klassen endlich richtig verstanden. Und das hat Spaß gemacht, wenn man den Frust mit der Programmierungsplatform vergißt.

Martin hat in der Zeit eine Spazierfahrt mit dem Motorrad gemacht. Ich bin noch nie mit ihm gefahren. Die Ausrüstung fehlt mir. Und, na ja, es muss nicht sein. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, am Wochenende zum Fitness-Studio zu gehen. Nach der Woche auf dem Fahrrad habe ich aber Lust auf Erholung und kein Bock mehr gehabt. Gestern sind wir eh schon zum seinem Vater geradelt.

Zum Abendessen gab’s eine asiatische Rindfleischpfanne. Nun, Sojasprossen hatte ich beim Edeka nicht gefunden, als ich am Samstag dort war, dafür gab’s eine Sprossenmischung. Reis hatten wir doch nicht, ich habe den Rest von der Packung Dinkel gemacht. Und statt Chiliflocken habe ich eine rote Schotte klein geschnitten und mitgebraten. Sie war nicht so scharf. Martin war auf jeden Fall begeistert.

Cake mit Roquefort und Walnüssen

Ein Knaller bei unserer Einweihungsfeier vor einigen Wochen.

Die Zutaten

  • 150 Mehl
  • 3 Eier
  • 1 Päckchen Hefe
  • 12,5 cL Milch
  • 5 cL Walnussöl
  • 5 cL Sonnenblumenöl
  • 100 g geriebener Emmentaler oder Gruyère
  • 200 g Roquefort
  • 100 g Walnüsse
  • Salz ganz wenig, Pfeffer ordentlich

Die Zubereitung

  • Backofen bei 180 °C vorheizen.
  • In einer Salatschüssel, Mehl, Hefe, Eier, Salz und Pfeffer zu einer homogenen Masse rühren. Öl hinzufügen. Milch erwärmen und mit dem geriebenen Emmentaler unter dem Teig rühren.
  • Walnüsse brechen und mit dem zerbröselten Roquefort zum Teig hinzufügen.
  • Alles in einer rechteckigen Backform gießen. Bei 180 °C drei Viertelstunden lang backen lassen.
  • Cake in Scheiben schneiden (1 cm dick) und servieren.

Bilder gibt es leider keine. Es ist zu schnell aufgegessen worden.

Nährwertangaben

pro 100 g fürs Rezept
Energie (kcal) 324 2809
Eiweiß (g) 14,9 129,3
Kohlenhydrate (g) 15,3 132,5
davon Zucker (g) 1,7 14,5
Fett (g) 22 190,7
Ballaststoffe (g) 1,2 10,8

Heute wieder nicht überfahren

Das grenzt langsam an einem Wunder.

Heute Morgen fuhr ich nicht besonders schnell mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit. Ich habe mir am Wochenende einen neuen Lenker besorgt, um die Schmerze in den Handgelenken zu vermeiden. Das scheint zu klappen, aber ich muss mich an die geänderte Haltung gewöhnen, es fühlt sich nicht mehr so stabil an. Vielleicht ist er zu hoch gestellt. Heute Morgen fuhr ich also hinter einem helmlosen Opa mit weißen Haaren auf dem Radweg, zwischen geparkten Autos und Bürgersteig. Auf einmal ist eine Autofahrerin nach rechts abgebogen, um zu einem Gebäude zu fahren, und hat den Opa erst gemerkt, als er kurz vor ihr war, obwohl das Sichtfeld an der Stelle sehr gut ist. Sie hat halbwegs auf dem Radweg notgebremst, das Auto hat einen leichten Sprung gemacht und der Motor ist ausgegangen. Schreck für den Opa, zum Glück hat sie ihn gerade nicht erwischt. Er ist weiter gefahren. Ich kam einige Sekunden hinterher und dachte, sie muss jetzt gemerkt haben, dass es hier einen Radweg gibt. Nein. Ich war gerade dabei, den Ausweichbogen vor ihrer Haube auf dem Bürgersteig zu machen (kein Rentner in Sicht), als sie den Motor wieder startete und schnell weiter fahren wollte, wieder ohne vorher rechts zu schauen. Wieder notgebremst, erneuter Motorstillstand. Es war sehr knapp. Die blöde Kuh hat noch geschimpft.

Heute Abend war es ein alter Motorrad- oder Scooterfahrer mit dickem weißem Schnurrbart, der mich auf dem Radweg überfahren wollte. Wieder eine Stelle mit sehr gutem Blickfeld, eigentlich, es hätte echt nicht passieren dürfen. Der Mann kam sehr schnell aus der entgegengesetzten Richtung und hat im letzten Moment auf dem feinen Kiesel vor dem Radweg und links von mir gebremst. Fast wäre er ausgerutscht. Sehr wahrscheinlich wollte er zum Scooter-Laden. Ich habe einen großen Schreck bekommen. Selbst die Autos auf der Straße haben kurz angehalten.

Ich frage mich, ob ich die neue Streikperiode der Bahn heil überleben werde. Es fängt erst morgen an.

Zurück ins Fitness-Studio

Seit dem letzten Umzug bin ich kaum dazu gekommen, zum Fitness-Studio zu gehen. Früher hatte ich einfach auf dem Weg nach Hause dort trainiert. Jetzt ist es ein Umweg, und da ich danach noch eine Stunde mit der S-Bahn bis nach Hause brauche, nehme ich mir nicht mehr die Zeit dafür. Am Anfang des Jahres bin ich in der Mittagspause hin gegangen, zwei oder drei mal pro Woche. Es tat gut, aber das macht jedesmal Pausen von zwei Stunden. Zu lang.

Mit der Tagung habe ich aufgehört. Zwei Monate sind schon vergangen. Am Wochenende sind wir in unserem Viertel spazieren gegangen. Die Hauptstraßen kenne ich, der Rest ist mir noch unbekannt. Ich war überrascht, als ich hinter einer Kirche plötzlich ein weiteres Studio von meiner Fitness-Kette entdeckt habe (ich hätte auch googeln können). Gestern habe ich meine Sporttasche von der Arbeit geholt, früh Feierabend gemacht und dort trainiert. Die Ausstattung ist viel besser als in meinem Stammstudio. Modernere Geräte, viel mehr Platz. Die Kundschaft sieht genau so aus, obwohl die Bezirke sehr unterschiedlich sind. Voll geschminkte Teenies, die Jungs sind noch jünger geworden, ich war bestimmt die einzige über 25. Vielleicht lag es an der Tageszeit. Ich werde meistens nur am Wochenende hin gehen.

Ich hatte ernsthaft darüber nachgedacht, meinen Vertrag zu kündigen. Er läuft noch bis Oktober. Wenn ich zur Arbeit mit dem Fahrrad fahre (und ab morgen wird wieder bei der Bahn gestreikt), dann habe ich täglich 42 Kilometer zu radeln und gehe sicherlich nicht dazu noch ins Fitness-Studio. Jetzt kann ich bequem am Wochenende von zu Hause aus trainieren gehen. Wahrscheinlich kündige ich trotzdem. In meiner früheren Stadt hatte ich schon bessere Studios gesehen. Hier finde ich das Angebot an Kursen sehr mangelhaft und das Personal nicht sehr kundenfreundlich.

Alleine zu Hause

Martin ist gestern zu einem Vorstellungsgespräch gefahren. Die Firma ist in Berlin, aber sein Termin war in Nordrhein-Westfalen. Es lief gut, der zweite Termin ist schon für nächste Woche geplant. Das freut mich, diesmal klingt es auch wirklich, als ob die Stelle ihn begeistert. Er hat bei Freunden dort übernachtet und kommt heute Abend zurück.

Ich bin alleine. Die Katze hat ausnahmsweise mit mir die Nacht verbracht. Sie schläft sonst immer im Wohnzimmer, weil nicht genug Platz im Bett ist. Meine gestrige Migräne ist nur noch eine schlechte Erinnerung. Ich bin um 07:00 aufgestanden. Heute ist Feiertag. Und ich kann wirklich tun was ich will. Den ganzen Tag in bequemen Klamotten rum hängen. Essen was ich will, wann ich will. Ahem. Noch mal kurz ins Institutsnetz einloggen, an meinem Programm#2 fummeln, mit der Katze schmusen, Programm an Datensätzen testen, das dauert lange, zwischendurch Divine Divinity spielen (ja, uralt), Tests prüfen, da ist etwas nicht richtig gelaufen, Code korrigieren, nochmal testen…

Ups, es ist schon so spät. Bald kommt Martin zurück. Ich muss noch die Spülmaschine leer machen, duschen und mich anziehen.

Migräne

Es hat bei der Mittagspause angefangen. Statt ein Espresso habe ich ein Chai Latte bestellt, schon ein Zeichen dafür, dass etwas nicht in Ordnung war. Bei Migränen will ich Süßes haben. Manchmal hilft’s, aber meistens nicht. Im Büro konnte ich mich nicht lange konzentrieren, auch nach einer heißen Schokolade. Ich hätte gerne früh Feierabend gemacht, wenn wir nicht einen Vortrag von einem Gast zu hören gehabt hätten. Paracetamol-Pille geschluckt, ohne Wirkung. Es ist immer so, dass Schmerzmittel mir nichts bringen, solange die Migräne nicht richtig ausgebrochen ist.

Der Vortrag plus Diskussion hat eine Stunde gedauert. Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, so gut zuzuhören und sogar Fragen zu stellen. Mir war schwindelig und ich hab mich übel gefühlt. Um fünf habe ich meine Sachen gepackt und bin nach Hause gefahren. Mit der S-Bahn. Mit dem Fahrrad konnte ich sowieso nicht, da ich heute sehr starke Periode habe (eine Woche zu früh, und das war’s mit Baby-Versuch 3.0).

In der Bahn ging’s mir mies. Ich hatte den Eindruck, mein Schädel würde explodieren. Die Übelkeit hat zugenommen. Den Weg zu Fuß nach Hause habe ich sehr langsam gemacht, damit es nicht pocht. Drei Etagen hoch, und bei der Nachbarin zwischendurch gehalten, da sie ein Päckchen für uns in Empfang genommen hatte. Kurz nach sechs endlich in der Wohnung, Aspirin genommen, auf der Couch mit der Katze geschlafen. Langsam geht’s besser.

Abzocke im Taxi

Letztes Jahr hatten alle berliner Zeitungen über Talip M. berichtet, der wegen extravaganten Rechnungen an Reisenden vom Flughafen Tegel ab in 22 Fällen angezeigt wurde und dafür zu drei Jahren Haft verurteilt wurde. Damit war aber nicht Schluss. Betrügerische Taxifahrer in Berlin gibt es immer noch.

Wir hatten letzte Woche einen Wissenschaftler aus einer ausländischen Universität für eine Veranstaltung eingeladen. Ein alter Herr, der längst in Rente hätte gehen können, wenn die Begeisterung für seine Forschungsarbeit nicht wäre. In Tegel gelandet, hat er ein Taxi genommen, um zum Hotel zu fahren. Die S-Bahn streikt ja gerade. Die Rechnung: 160€. Das Vierfache vom maximalen Normaltarif.

Wie der Betrug erkannt wurde, weiß ich nicht. Wahrscheinlich, als er seine Rechnung zu unserer Verwaltung gebracht hat, um die Rückerstattung seiner Reisekosten zu beantragen. Ich weiß nicht, ob er sein Geld jemals wieder sehen wird. Unsere Verwaltung ist der Meinung, dass er hätte wissen sollen, wieviel die Taxifahrt kostet, weil die Information auf unserer Webseite steht. Wenn man weiß, wo man suchen soll, die Seite ist selbst für mich nicht leicht zu finden. Andererseits ist er direkt zum Hotel gefahren, und wenn man von vornerein plant, mit dem Taxi zu fahren, sucht man nicht, wie man zu einem bestimmten Ort ankommt.

Es gab eine Anzeige bei der Polizei, die nicht viel gebracht hat. Nur die Rechnung hatte unser Gast dabei. Ohne Angabe vom Autokennzeichen und von einer anderen Nummer des Taxis, die man drin vorne sehen sollte, kann die Polizei nichts machen. Unser Gast hat sich natürlich nichts davon notiert. Wer macht das schon? Eigentlich sollten wir uns alle diese ganzen  Nummer aufschreiben, jedesmal, wenn wir in ein Taxi einsteigen. Die Erklärung der Polizei: Angeblich kann die Taxifirma nicht nachvollziehen, wer von ihren Angestellten von A nach B um einer bestimmten Uhrzeit gefahren sein kann. Jetzt, wo alle Taxis mit Navis usw. ausgestattet sind?

Den gleichen Unsinn hatte ich übrigens schon von der ASEAG erklärt bekommen, als ich vor einigen Jahren mit meiner Fahrkarte eine Beschwerde einreichen wollte. Seitdem merke ich mir immer die Nummer vom Bus, wenn etwas nicht in Ordnung läuft. Und habe dabei festgestellt, dass bei der ASEAG diese Nummer immer auf der Fahrkarte steht, die man im Bus kauft. Ich habe gedacht, die Angestellte dort müssen die Anweisung haben, möglichst wenige Beschwerde zu bearbeiten.

Eine Woche Bahnstreik

Na ja, vier Tage diese Woche… Ich hätte wieder mit Bus und U-Bahn fahren können, aber es dauert viel länger und so pünktlich ist der Bus auch nicht. Wir haben seit Monaten Bauarbeiten vor dem Haus und viele Fahrspuren sind gesperrt. Das letzte Mal kam der Bus deswegen zehn Minuten zu spät. Ich habe diesmal beschlossen, mit dem Fahrrad zu fahren. Hin und zurück zur Arbeit, selbst wenn ich dann zweimal am Tag duschen muss. Für diese Woche habe ich knapp 170 Kilometer hinter mir.

Es war toll. Ich fühle mir super. Ich bin sogar unter 75 Minuten für die gesamte Strecke runter gekommen, also fast 20 Kilometer pro Stunde im Durchschnitt (es gibt 38 Ampeln auf dem Weg). Es hilft, dass ich mich nicht mehr verfahre. Ich habe ein Kilogramm zugenommen und das Gefühl, Oberschenkel und Po aus Betonstahl zu haben, obwohl heftige Muskelkater ausgeblieben sind.

Was genervt hat sind Autofahrer, die auf dem Radweg parken (und dabei lächeln wenn sie einen Radfahrer gerade ankommen sehen, und trotzdem auf dem Radweg bleiben), die Schnecken, die man wieder vor sich hat, weil sie sich an keine Verkehrsregel halten und einen bei rot überholen und weiter fahren (das ohne Helm), die halbtauben Opas, die ihre Taschenhunde auf dem Radweg Gassi führen (eine neue Klingel muss jetzt her), die vielen Insekten, die einem ins Gesicht prallen (heute hatte ich sogar eine Spinne, die auf meine Wange herunter gelaufen ist, brrr), die Schmerzen im Handgelenk, trotz guter Federung, weil die Radwege in einem miesen Zustand sind…

Vor allem hat es mir gefallen, unter fallenden Baumblüten zu fahren, neue kleine Straßen zu entdecken, doch meistens alleine auf dem Radweg zu sein, doch auch von fröhlichen fremden Menschen begrüßt zu werden (in Berlin!), und mich jeden Tag immer fitter zu fühlen. Ich merke, wie ich bei der Arbeit die hohen Treppen schnell ohne Mühe hoch laufen kann. Von mir aus kann der Streik länger dauern, ich will jetzt die ganze Sommersaison auf dem Rad verbringen.

Obwohl… Seit einigen Tagen sagt mir ein leichtes ständiges Zucken im Unterleib, dass es vielleicht nicht lange möglich sein wird. Schon merkwürdig, dass ich so früh merke, wenn ich schwanger bin, und andere Frauen ihre Schwangerschaft wochenlang nicht wahrnehmen. Das werde ich auf jeden Fall ausnutzen, um bei der Arbeit erst ab dem dritten Monat Bescheid zu sagen. Falls es diesmal nicht wieder mit einem Spontanabort endet.