Am Wochenende aufgeschnappt

Es war schön sonnig am Samstagmorgen. Wir haben uns zum Frühstücken an der Terrasse einer Bäckerei in Friedenau hingesessen. Außer uns war an einem Tisch eine Gruppe von zwei Männern und einer Frau (alle Raucher). Ich genoss meine Spiegeleier mit Bacon, während einer der Männer am Rauchertisch die Diskussion führte, in der hauptsächlich die Rede von einer „Tussi“ war. Nachdem die junge Angestellte ihnen ihre Bestellung zum Tisch gebracht hatte, wechselte das Gespräch in Richtung Ernährungswissenschaft. Ungefähr so: „Wisst ihr, dass in einem richtigen Butter-Croissant 800 Kalorien stecken? Das glaubt man kaum, ist aber wahr“, fuhr der Mann mit der „Tussi“ fort. „Boah,“ war die allgemeine Reaktion.

Nein, das glaube ich nicht (annehmend, der Mann meinte Kilokalorien statt Kalorien, wie das Wort so häufig missbraucht wird). Nach einer schnellen Google-Suche kommt man für 100 g Butter-Croissant auf etwa 373 kcal (hier, auch bei Brigitte, und 381 kcal hier). In Frankreich haben die Croissants vielleicht ein bisschen mehr Butter, weil man dort auf 405 kcal pro 100 g kommt. Das sind längst keine 800 kcal. Dann muss man sich noch überlegen, wie viel ein Croissant wiegt. Der durchschnittliche französische Croissant bringt 50 g auf die Waage. Wenn man dem ersten Link Glauben schenkt, von 50 g bis 100 g in Deutschland[1]. Also von 200 kcal bis 400 kcal. Natürlich, wenn man nichts drauf schmiert. Es ist schließlich kein Brot.

Ich glaube, die Kalorienanzahl vom Butter-Croissant hat den gleichen inflationären Wachstum erlitten wie die Größe von der selbst gefischten Forelle, die bei jeder Wiedererzählung von meinem Bruder an Zentimetern gewonnen hatte.

[1] Portionen sind in Deutschland immer größer. Ich hatte zum Beispiel vor sechzehn Jahren als frisch zugewanderte Französin über die Größe der Joghurtbecher im Supermarkt gestaunt, 150 g statt die für mich übliche 125 g. Oder ich hatte den Fehler gemacht, bei meinem ersten Besuch eines griechisches Restaurants einen Salat vorweg zum Spinat-Auflauf zu bestellen. Jetzt weiß ich Bescheid.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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