Osterwochenende

Wie letztes Jahr sind wir bei Gudrun zum Osterfeuer aufs Land eingeladen worden. Diesmal sind wir drei Tage bei ihr geblieben. Das war anstrengend.

Gudrun ist die Mutter von Axel, einem engen Schulfreund von Martin. Sie hat auch eine ältere Tochter, Sonia, die Teil unserer Tauchergruppe in den Seychellen war. Martin war viel mit der Familie zusammen seit der Kindheit, sogar im Urlaub. Wahrscheinlich, weil er seine Mutter so früh verloren hat und sein Vater sich nicht so gut um ihn kümmern konnte. Er hat jedenfalls jedes Osterwochenende mit ihnen verbracht.

Im Gegenteil zum letzten Jahr war Axel dabei. Er ist meistens mit seiner eigenen Familie so beschäftigt, dass wir ihn kaum sehen, obwohl wir ziemlich nah zu einander wohnen. Er ist mit Frau und Kindern gekommen. Zwei Jungen, sechs und vier, ein Mädchen, gerade über ein Jahr alt. Das Wochenende hat sich wie ein ständiges Geschrei angefühlt. Wenigstens haben sie in ihrem neuen Wohnanhänger übernachtet. Gestern sind wir von der ganzen Truppe geweckt worden. Geheul, Streit, Gelächter. Mit dem heftigen Kater vom Osterfeuer am Abend davor nicht besonders toll. Ich hätte auch aufpassen können, ich hasse Kater. Ich habe zwei Aspirin-Tabletten gebraucht, um mich für den Tag fit genug zu fühlen.

Nach dem Frühstück haben wir einen langen Spaziergang gemacht. Die Kinder sind eigentlich pflegeleicht. Sie wären sicherlich viel ruhiger gewesen, wenn die Mutter nicht ständig ihnen gesagt hätte, was sie tun sollten und was nicht. Selbst im Garten durfte die Kleine keine zehn Meter von ihr entfernt spielen, obwohl überall Erwachsene waren, die im Notfall helfen konnten. Ich habe später den Ältesten beim Tischdecken damit beschäftigt, Seerosen aus Pappservietten zu basteln. Er war begeistert. Die Mutter war überrascht zu sehen, wie ruhig und konzentriert er an einem Tisch sitzen konnte.

Der jüngere Bruder wirkt dagegen häufig deprimiert und kränklich. Ich habe den Verdacht, dass er eine harte Zeit damit hatte, seitdem seine Schwester geboren wurde und er nicht mehr der Jüngste der Familie ist. Bei jeder Mahlzeit ging es ihm nicht gut und er wollte nur noch auf der Couch liegen bleiben, statt mit uns zum Tisch zu gehen. Es passiert anscheinend häufig. Wahrscheinlich, weil die Eltern nur noch damit beschäftigt sind, die Kleine zu füttern. Heute morgen saß er verkrochen auf einem Stuhl und weinte leise, als wir den Frühstück vorbereitet haben. Er hat es aber nicht zugeben wollen und meinte nur, dass er Schnupfen hatte. Ich habe seine Schwester zu ihm geschickt, mit der Aufgabe, ihm ein Küsschen zu geben. Es hat wie ein Wunder gewirkt. Plötzlich hat er gestrahlt und ist aufgestanden, um mit uns zu essen. Süßes Kerlchen.

Wir sind relativ früh nach Hause zurück gefahren. Ich bin müde vom Wochenende. Und habe Kopfschmerz. Schon wieder beim Eisprung. Aber nach dem Wochenende finde ich es sowieso hart, mich für eigenen Nachwuchs zu begeistern.

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