Am Telefon

Ich bin vor kurzem auf dem Handy von einer unbekannten Nummer angerufen worden. Ich bin in solchen Fällen immer misstrauisch und benutze dann als Begrüßung die französische Formel „Allo?“, die mir erlaubt, zu antworten, ohne meinen Namen zu verraten. Man weiß ja nie. Das hat mich an den ersten Anruf erinnert, den ich auf meiner aktuellen O2 Nummer bekommen habe, vor etwa neun Jahren. Den Vertrag hatte ich am Tag davor abgeschlossen. Nur meine Mutter kannte meine neue Nummer. Gegen mittags wurde ich von einer unbekannten, deutschen Nummer angerufen. Ich also: „Allo?“ Eine Frau, in einem geärgerten Ton: „Ja, kann ich denn wissen, mit wem ich rede?“ Ich war verblüfft, habe aber geantwortet, dass sie doch selber wissen sollte, wen sie anruft. Nach einer kurzen Pause meinte die Frau, sie hätte die Nummer von ihrem Sohn gewählt und war irritiert, dass er nicht dran ging, da sie ihn schon seit einigen Tagen zu kontaktieren versuchte. Wer wäre ich denn? Ich habe ihr erklärt, dass ich meine Nummer erst vor kurzem bekommen hatte und ihren Sohn nicht kannte. Sie klang nicht überzeugt, hat sich aber entschuldigt und aufgelegt. Vielleicht hatte sie ihren Sohn derart mit Anrufen genervt, dass er seine Handynummer ändern lassen hatte.

Bei dem Anruf von letzter Woche hat sich ein Mann, mit freundlicher Stimme, als Angestellter von einem Umfrageinstitut vorgestellt und wollte wissen, ob ich gerade Zeit für ihn hätte. Ich hatte doch explizit O2 verboten, meine Telefonnummer weiter zu geben. Werbungterror will ich mir nicht antun lassen. Ich bin auch in keinem Telefonbuch eingetragen. Ich habe also den Mann erstmal gefragt, woher er meine Nummer hatte. „Ganz einfach“, meine er. „Ich habe Ihre Nummer aus einem auf Zufall basierten Telefonnummergenerator bekommen.“ Na toll. Er klang, als ob ich mich darüber glücklig schätzen sollte, auserwählt geworden zu sein. Da ich bei der Arbeit war, konnte ich den Anruf schnell beenden, mit dem Hinweis, dass ich für Befragungen nicht angerufen werden will. Immerhin hat er sich verständnisvoll gezeigt und nicht mehr versucht, mich zu kontaktieren.

Irgendwie sind die Leute aus Call-Centern häufig überrascht, dass man gerade arbeitet, obwohl sie selber während ihrer Arbeitszeit anrufen. Den Fall hatte ich bei meinem früheren Institut, als ich von der Postbank angerufen wurde. Es war spät abends, um die 19:00. Damals, als ich single war und meine Arbeitszeit nicht erfasst wurde, hatte ich den größten Teil meines Lebens am Institut verbracht. Der Mann am Telefon war mein Berater, den ich eigentlich nur drei Jahren zuvor bei der Eröffnung meines Kontos gesehen hatte. Damals war ich gerade nach Deutschland zurück gekehrt und hatte noch keine Telefonnummer, außer bei der Arbeit. Stimmt nicht, meine ehemalige deutsche Handynummer hatte ich noch, aus der Zeit meiner Doktorarbeit, aber ich wollte sie nicht so einfach geben. Wozu auch? „Um mich zu kontaktieren, falls es Probleme gibt“. An dem Abend gab es kein Problem. Mein Berater hatte schon mehrmals versucht, mich durch persönliche und sogar handgeschriebene Briefe per Post zu überzeugen, Produkte zu kaufen; jetzt wollte er es per Telefon probieren. Es wirkte ziemlich verzweifelt.

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