In Stockholm

Ich bin zum ersten Mal da. Direkt nach der Arbeit hierher geflogen, komme ich schon morgen Abend wieder nach Berlin. Ein kurzer Aufenthalt, um mit meinem Geldgeber über mein Projekt zu diskutieren. Es gibt keine Zeit für Sehenswürdigkeiten. Winfried und Uschi sind auch dabei, und früher als ich gekommen, da sie heute andere Geschäfte wickeln wollten.

Der Flug mit Air Berlin ging wunderbar. Es wäre nicht meine Wahl gewesen, aber Uschi hatte mir ausdrücklich gesagt, ich sollte dort buchen. Wir fliegen morgen zusammen zurück. Ich bin mit der Nacht angekommen. Die Wegbeschreibung zum Hotel hatte ich mir aus Google maps geholt. Es war viel einfacher, als ich mir gedacht hatte. Zum einen habe ich festgestellt, dass ich gar keine schwedische Krone brauche. Als ich am Gepäckband vorbei gegangen bin, habe ich Automaten für Busfahrkarten gesehen, bei denen man mit Kreditkarte bezahlen konnte. Zum anderen waren die Fußwege, die von Google maps angegeben waren, viel komplizierter als nötig. Anders als beschrieben war die Haltestelle am Flughafen direkt vor meinem Ankunftsgate. Von der Haltestelle in der Stadt bis zum Hotel musste ich nur eine Kreuzung überqueren. Laut Google maps hätte ich über 600 Meter zu Fuß entlang mehrere kleinen Straßen gehen sollen.

Direkt nach meiner Ankunft habe ich Winfried kontaktiert und wir sind essen gegangen. Uschi hatte wohl schon „ein Date“ mit einer schwedischen Wissenschaftlerin für den Abend. Ich dachte ursprünglich, dass er eine feste Freundin hatte. Im Sommer hatte er noch davon erzählt, dass er nach einer größeren Wohnung suchen würde, um mit ihr und ihrem jungen Sohn umzuziehen. Jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher. Er hat schon lange nicht mehr von ihr geredet. In Dezember kam eine Gastwissenschaftlerin aus dem Südeuropa-Raum, die auch zu unserer Weihnachtsfeier gekommen ist. Ich war ein wenig überrascht, als sie so nah neben einander gesessen haben, aber ich dachte, Alkohol bringt die Leute näher zu einander, und Südländerbewohner sind nicht so distanziert wie die Deutsche. Kurz nach 22:00 haben sich die beiden als erste leicht beschwipst zusammen verabschiedet. Unsere fette Diplomandin hat keine Zeit verloren, um sich hinter seinem Rücken darüber lustig zu machen und über die Wissenschaftlerin bei jeder Gelegenheit zu lästern. Mit ihrer komischen Stimme und ihrer Art, langweilige Dinge tausend mal zu erzählen, hatte sie mich schon immer genervt; dieser bösartige Ausdruck von Neid war die Krönung. Ich bin froh, dass sie jetzt nicht mehr bei uns ist. Wie auch immer. Mit der Gastwissenschaftlerin hat er seitdem einen etwas längeren dienstlichen Auslandsaufenthalt gehabt, der wieder zu Lästereien bei der Arbeit geführt hat. Und jetzt heute Abend. Es ist mir im Grunde egal, mit wem er gerade seine Zeit verbringt und was für Beziehungen er mit Frauen hat. Ich hätte aber erwartet, dass er mit uns den Abend verbringen würde, wenn er uns zu einer gemeinsamen Reise bestellt.

Im Laufe des Abends hat sich Winfried mit mir über meine Arbeit und meine befristete Stelle unterhalten. Er hat mir ausdrückliche Vorschläge gegeben, wie ich meine Stelle zu einer Dauerstelle machen könnte. Ich hätte schon große Chancen, müsste mich nur in bestimmte Gebiete vertieft einbringen, um mich unersetzlich zu machen. Natürlich bin ich daran interessiert. Die Arbeit kann stressig sein, aber im Ganzen macht es mir Spaß. Irgendwie glaube ich leider nicht, dass es so glatt laufen würde, wenn ich schwanger werden soll. Martin will wirklich Kinder haben. Ich muss nicht unbedingt, habe auch nichts dagegen, wenn es bei einem bleibt. Aber wenn wir Eltern werden wollen, dann jetzt. So jung bin ich nicht mehr, das Risiko einer Trisomie steigt jederzeit. Und gerade jetzt könnte ich wieder schwanger sein. Ich spüre seit dem Wochenende ein leichtes zittern im Unterleib, genau wie in Dezember, bevor meine Periode ausgefallen war. Wenigstens nehme ich jetzt Folsäure mit Jod ein, nach der Empfehlung der Frauenärztin.

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3 Gedanken zu “In Stockholm

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