Am Telefon

Ich bin vor kurzem auf dem Handy von einer unbekannten Nummer angerufen worden. Ich bin in solchen Fällen immer misstrauisch und benutze dann als Begrüßung die französische Formel „Allo?“, die mir erlaubt, zu antworten, ohne meinen Namen zu verraten. Man weiß ja nie. Das hat mich an den ersten Anruf erinnert, den ich auf meiner aktuellen O2 Nummer bekommen habe, vor etwa neun Jahren. Den Vertrag hatte ich am Tag davor abgeschlossen. Nur meine Mutter kannte meine neue Nummer. Gegen mittags wurde ich von einer unbekannten, deutschen Nummer angerufen. Ich also: „Allo?“ Eine Frau, in einem geärgerten Ton: „Ja, kann ich denn wissen, mit wem ich rede?“ Ich war verblüfft, habe aber geantwortet, dass sie doch selber wissen sollte, wen sie anruft. Nach einer kurzen Pause meinte die Frau, sie hätte die Nummer von ihrem Sohn gewählt und war irritiert, dass er nicht dran ging, da sie ihn schon seit einigen Tagen zu kontaktieren versuchte. Wer wäre ich denn? Ich habe ihr erklärt, dass ich meine Nummer erst vor kurzem bekommen hatte und ihren Sohn nicht kannte. Sie klang nicht überzeugt, hat sich aber entschuldigt und aufgelegt. Vielleicht hatte sie ihren Sohn derart mit Anrufen genervt, dass er seine Handynummer ändern lassen hatte.

Bei dem Anruf von letzter Woche hat sich ein Mann, mit freundlicher Stimme, als Angestellter von einem Umfrageinstitut vorgestellt und wollte wissen, ob ich gerade Zeit für ihn hätte. Ich hatte doch explizit O2 verboten, meine Telefonnummer weiter zu geben. Werbungterror will ich mir nicht antun lassen. Ich bin auch in keinem Telefonbuch eingetragen. Ich habe also den Mann erstmal gefragt, woher er meine Nummer hatte. „Ganz einfach“, meine er. „Ich habe Ihre Nummer aus einem auf Zufall basierten Telefonnummergenerator bekommen.“ Na toll. Er klang, als ob ich mich darüber glücklig schätzen sollte, auserwählt geworden zu sein. Da ich bei der Arbeit war, konnte ich den Anruf schnell beenden, mit dem Hinweis, dass ich für Befragungen nicht angerufen werden will. Immerhin hat er sich verständnisvoll gezeigt und nicht mehr versucht, mich zu kontaktieren.

Irgendwie sind die Leute aus Call-Centern häufig überrascht, dass man gerade arbeitet, obwohl sie selber während ihrer Arbeitszeit anrufen. Den Fall hatte ich bei meinem früheren Institut, als ich von der Postbank angerufen wurde. Es war spät abends, um die 19:00. Damals, als ich single war und meine Arbeitszeit nicht erfasst wurde, hatte ich den größten Teil meines Lebens am Institut verbracht. Der Mann am Telefon war mein Berater, den ich eigentlich nur drei Jahren zuvor bei der Eröffnung meines Kontos gesehen hatte. Damals war ich gerade nach Deutschland zurück gekehrt und hatte noch keine Telefonnummer, außer bei der Arbeit. Stimmt nicht, meine ehemalige deutsche Handynummer hatte ich noch, aus der Zeit meiner Doktorarbeit, aber ich wollte sie nicht so einfach geben. Wozu auch? „Um mich zu kontaktieren, falls es Probleme gibt“. An dem Abend gab es kein Problem. Mein Berater hatte schon mehrmals versucht, mich durch persönliche und sogar handgeschriebene Briefe per Post zu überzeugen, Produkte zu kaufen; jetzt wollte er es per Telefon probieren. Es wirkte ziemlich verzweifelt.

Wochenendausflug

Die Idee kam mir ganz spontan am Freitag. Wir wollten schon seit einigen Wochen mal richtig ausschalten und am Wochenende entspannen. Zum Beispiel zur Sauna gehen. Oder eine Schneewanderung machen. Es kam bisher nicht dazu, da ich für die Arbeit immer so viel zu tun hatte, selbst zu Hause. Und bei der Berlinade haben wir auch viel Zeit verbracht.

Ich habe vorgeschlagen, einen Wochenendausflug zu machen. Vorausgesetzt, er fährt vorsichtig (so viel zum Thema „nie wieder„). Wir haben uns für das Erzgebirge entschieden. Am Samstag ein Hotel gefunden, und sofort weg gefahren, nachdem die Katze reichlich versorgt wurde. Über vierundzwanzig Stunden ohne uns ist ihr schon zuzumuten.

Die Fahrt verging problemlos. Na ja, einige Idioten direkt hinter Schönefeld gab es, die sich für Formel 1 Fahrer hielten und mit Vollgas die anderen Autos abwechselnd von links und rechts überholten, aber danach war’s ruhig.

Im Hotel haben wir uns gleich in die Sauna gestürzt. Außer uns war niemand da. Zwei Stunden purer Entspannung. Abends im Hotel gegessen. Die Hummersuppe auf Jakobsmuscheln werde ich nicht so schnell vergessen. Ein Traum. Viel besser als das Süppchen vorweg, das wir als Kostprobe aus ihrem Menü für einen Wettbewerb bekommen haben.

Der gestrige Tag war sportlicher. Ein bisschen frischer Schnee war in der Nacht gefallen. Der Himmel war grau, die Sonne nur selten zu sehen. Wir haben uns Schneeschuhen geliehen und den Auerberg erklommen. Zwei Stunden haben wir gebraucht. Oben angekommen, mussten wir die Gaststätte besuchen. Die Zwiebelsuppe hat nach der Anstrengung köstlich geschmeckt; das schwarze Bier passte hervorragend dazu. Der Rückweg ging deutlich schneller, obwohl ich schon spüren konnte, wie müde meine Oberschenkelmuskel waren.

Auf der Rückfahrt bin ich fast eingeschlafen, so sicher fühlte ich mich. Er hat seinen Fahrstil tatsächlich verbessert. Fragt sich nur, für wie lange. Als Belohnung für die lange Rückfahrt habe ich uns zu Hause ein Bad vorbereitet. Inklusiv Massage. Was danach noch geschah behalte ich jetzt für mich.

Die Grippe ist unterwegs

Heute Morgen in der S-Bahn konnte man diese Nachricht in verschiedenen Titelvariationen auf Zeitungen lesen. Die Grippewelle hat Berlin erreicht, hieß es. Ich war gewarnt.

Uschi klang total erkältet, als ich ihn heute früh in seinem Büro besuchte. Er hat sich geweigert, unseren heutigen Besuchern die Hand zu schütteln, um weitere Ansteckungen zu vermeiden, und hat ganz früh Feierabend gemacht. Bei unserem Symposium hat eine Teilnehmerin während allen Präsentationen ständig geniest und gehustet. Sie wäre besser zu Hause geblieben. Am schlimmsten fand ich einen jungen Mann in unserer Mensa beim Mittagessen, der alleine an einem langen Tisch saß und sein Tablett mit so vielen verbrauchten Taschentüchern versaut hatte, dass sein leerer Teller fast keinen Platz mehr drauf hatte. Er ist gut fünf Minuten stehen geblieben, um zu niesen und seine Nase zu putzen, bevor er mit dem Tablett den Raum verlassen hat. Ich habe Mitleid mit den Putzkräften der Mensa gespürt. Bei der Rückgabe von Tabletten gibt es keinen Mülleimer, und ich glaube kaum, dass er sich die Mühe gemacht hat, alle Taschentücher zu sammeln, es waren zu viele.

Mir egal, ich habe mich im Herbst bei der Arbeit impfen lassen. Obwohl. Es heißt, der Impfstoff soll gegen einen der aktuell laufenden Erregern nicht gut wirken. Aufpassen muss ich doch.

Probezeit bestanden

Ich habe gestern auf meinem Schreibtisch ein von Uschi unterschriebenes Formular über das Bestehen meiner Probezeit gefunden. Es freut mich, aber eigentlich war es nicht anders zu erwarten. Uschi hätte mir sonst keinen neuen Arbeitsvertrag angeboten, wenn er nicht von meiner vorherigen Arbeit überzeugt gewesen wäre. Das Formular habe ich ebenfalls unterschrieben und zurück geschickt. Wenigstens bin ich froh, dass ich mir wegen einer eventuellen Schwangerschaft keine Sorge mehr machen muss. Jetzt heißt es, alles tun, um meine Chance für einen unbefristeten Vertrag zu erhöhen, wie Winfried es mir empfohlen hat.

Autofahren

„Kartoffel“. Das ist das erste Wort, das ich gehört habe, als der Radiowecker an ging. Es waren die Werbungen vor den Nachrichten um 07:00. Ich war schon länger wach. Mein letzter Traum war stressig.

Ursprünglich war ich zu einem kleinen Dorf dienstlich gefahren. Es hatte mir so gut gefallen, dass ich beschlossen hatte, dorthin mit Martin für ein Wochenende zurück zu fahren. Wir sind nachtsüber mit dem Auto seines Vaters gefahren. Es war stockdunkel, man konnte kaum die weißen Markierungen auf dem Asphalt sehen. Martin fuhr viel zu schnell. Ich habe es ihm gesagt, aber es hat ihn nur geärgert. Plötzlich war eine T-Kreuzung da. Links die Straße, rechts die Straße, geradeaus das Meer. Von der linken Seite kam ein Auto. Martin hat nicht gebremst. Er wollte keine Zeit wegen der Vorfahrt verlieren und ist mit voller Geschwindigkeit nach rechts gebogen. Das Auto war dabei nicht so gut zu kontrollieren und wir wären fast ins Wasser gerutscht. Ich habe geschrien, was Martin noch mehr geärgert hat. Es wäre doch nichts schlimmes passiert, meinte er. Wir sind endlich zum Hotel angekommen. Ich wollte aber nicht mehr mit Martin sein und bin alleine zum mittelalterliche Viertel gegangen, das abseits vom Dorf lag, während er noch im Badezimmer von unserem Zimmer war. Das Viertel bestand aus vielen kleinen Holzhütten, alle ohne Etage. Die kleinen Straßen selbst waren aus Baumstämmen gebaut. In einem Lokal habe ich etwas gegessen, in einem anderen ein Bier getrunken. Es wurde spät. Ich wollte in einem der Häuschen übernachten, hatte aber meinen Koffer im Hotelzimmer gelassen. Ich wollte nicht, das Martin mich sieht. Er konnte von mir aus alleine bleiben. Ich habe mich im Hotel hereingeschlichen. Martin war gerade nicht da. Ich habe meinen Koffer geholt und meine Unterwäsche gewechselt.

Zufällig war der Traum nicht. Es passiert ab und zu, dass Martin beim Autofahren zu schnell und aggressiv fährt. Wir wären schon vor drei Wochen beim Verlassen der Wohnung fast in ein Auto gefahren, das zur roten Ampel fuhr. Einfach, weil Martin nach unserer Ausfahrt sofort zur linken Spur der Straße wechseln wollte, ohne zu beachten, dass Autos aus der anderen Fahrtrichtung einige Meter weiter ebenfalls dabei waren, in unsere Richtung abzubiegen. Nur im letzten Moment hat er es geschafft, das langsam fahrende Auto zu vermeiden und vor den abbiegenden Autos an der Ampel zu kommen. Dass ich völlig entsetzt war konnte er nicht verstehen. Es gab noch genug Platz, meinte er. Immerhin hat er sich danach entschuldigt. Gestern kam wieder so eine blöde Situation. Wir waren auf einer vierspurigen Straße rechts sortiert und wollten geradeaus fahren. Vor uns stand ein Auto, das nach rechts blinkte, an der roten Ampel. Geradeaus war die Ampel grün. Links hinter uns kamen rasende Autos. Statt zu bremsen ist Martin aber schneller gefahren, um sich zwischen den ankommenden Autos einzuschleichen. Als er die Spur gewechselt hat, wäre er nicht mehr in der Lage gewesen, rechtzeitig zu bremsen, um das stehende Auto zu vermeiden. Was wäre gewesen, wenn die Fahrer hinter uns sich genau so stur wie er verhalten hätten und beschleunigt hätten, um ihn nicht durchfahren zu lassen? Ein in Berlin durchaus plausibler Scenario. Ich bin in Panik geraten. Die Folgen sind klar: Mein Unterleib hat kurz danach plötzlich heftig gezittert und geschmerzt. Und heute Morgen war meine Temperatur gesunken. Ich habe noch leichte Schmerzen gespürt. Ich gehe jetzt davon aus, nicht mehr schwanger zu sein, warte aber noch erstmal ab, um sicher zu sein. Ich bin richtig sauer. Dass er sich wiederholt entschuldigt reicht langsam nicht mehr, wenn er sein gefährliches Verhalten nicht einstellt. Mit ihm Auto fahren kommt auf jeden Fall nicht mehr in Frage.

Eine Frechheit von t-online

Mein privates Email-Konto ist gelöscht worden. Ohne Vorwarnung, einfach so. Ich hatte es am Anfang der Woche noch benutzt, um mir von zu Hause aus Daten zu meiner dienstlichen Adresse zu schicken, um meine Präsentation in Stockholm zu vorbereiten. Seit meiner Rückkehr sagt mir Thunderbird, „Login auf dem Server secureimap.t-online.de fehlgeschlagen“. Die Email-App auf meinem Handy hatte auch Schwierigkeiten und wollte plötzlich ein Passwort haben, statt sich automatisch zu verbinden, wie ich am Mittwoch am Flughafen feststellen musste. Mein Passwort kenne ich nicht auswendig. Bei t-online ist es mir sowieso immer ein Kopfzerbrechen gewesen, welche Login-Passwort-Kombination ich brauche, um an meine Emails zu kommen, abhängig davon, von welcher Oberfläche aus ich es versuche. Ich habe zuerst an ein vorübergehendes Problem gedacht. Da ich jetzt aber seit zwei Tagen meine Emails nicht mehr abrufen konnte, habe ich mir von der dienstlichen Adresse aus eine Test-Email geschickt. Direkt danach kam eine Nachricht vom Mail Delivery System: „Undelivered Mail Returned to Sender“. Der Grund: host mx01.t-online.de[194.25.134.72] said: 550-5.1.1 user unknown 550 5.1.1 Unknown recipient. Eine Frechheit.

In Stockholm

Ich bin zum ersten Mal da. Direkt nach der Arbeit hierher geflogen, komme ich schon morgen Abend wieder nach Berlin. Ein kurzer Aufenthalt, um mit meinem Geldgeber über mein Projekt zu diskutieren. Es gibt keine Zeit für Sehenswürdigkeiten. Winfried und Uschi sind auch dabei, und früher als ich gekommen, da sie heute andere Geschäfte wickeln wollten.

Der Flug mit Air Berlin ging wunderbar. Es wäre nicht meine Wahl gewesen, aber Uschi hatte mir ausdrücklich gesagt, ich sollte dort buchen. Wir fliegen morgen zusammen zurück. Ich bin mit der Nacht angekommen. Die Wegbeschreibung zum Hotel hatte ich mir aus Google maps geholt. Es war viel einfacher, als ich mir gedacht hatte. Zum einen habe ich festgestellt, dass ich gar keine schwedische Krone brauche. Als ich am Gepäckband vorbei gegangen bin, habe ich Automaten für Busfahrkarten gesehen, bei denen man mit Kreditkarte bezahlen konnte. Zum anderen waren die Fußwege, die von Google maps angegeben waren, viel komplizierter als nötig. Anders als beschrieben war die Haltestelle am Flughafen direkt vor meinem Ankunftsgate. Von der Haltestelle in der Stadt bis zum Hotel musste ich nur eine Kreuzung überqueren. Laut Google maps hätte ich über 600 Meter zu Fuß entlang mehrere kleinen Straßen gehen sollen.

Direkt nach meiner Ankunft habe ich Winfried kontaktiert und wir sind essen gegangen. Uschi hatte wohl schon „ein Date“ mit einer schwedischen Wissenschaftlerin für den Abend. Ich dachte ursprünglich, dass er eine feste Freundin hatte. Im Sommer hatte er noch davon erzählt, dass er nach einer größeren Wohnung suchen würde, um mit ihr und ihrem jungen Sohn umzuziehen. Jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher. Er hat schon lange nicht mehr von ihr geredet. In Dezember kam eine Gastwissenschaftlerin aus dem Südeuropa-Raum, die auch zu unserer Weihnachtsfeier gekommen ist. Ich war ein wenig überrascht, als sie so nah neben einander gesessen haben, aber ich dachte, Alkohol bringt die Leute näher zu einander, und Südländerbewohner sind nicht so distanziert wie die Deutsche. Kurz nach 22:00 haben sich die beiden als erste leicht beschwipst zusammen verabschiedet. Unsere fette Diplomandin hat keine Zeit verloren, um sich hinter seinem Rücken darüber lustig zu machen und über die Wissenschaftlerin bei jeder Gelegenheit zu lästern. Mit ihrer komischen Stimme und ihrer Art, langweilige Dinge tausend mal zu erzählen, hatte sie mich schon immer genervt; dieser bösartige Ausdruck von Neid war die Krönung. Ich bin froh, dass sie jetzt nicht mehr bei uns ist. Wie auch immer. Mit der Gastwissenschaftlerin hat er seitdem einen etwas längeren dienstlichen Auslandsaufenthalt gehabt, der wieder zu Lästereien bei der Arbeit geführt hat. Und jetzt heute Abend. Es ist mir im Grunde egal, mit wem er gerade seine Zeit verbringt und was für Beziehungen er mit Frauen hat. Ich hätte aber erwartet, dass er mit uns den Abend verbringen würde, wenn er uns zu einer gemeinsamen Reise bestellt.

Im Laufe des Abends hat sich Winfried mit mir über meine Arbeit und meine befristete Stelle unterhalten. Er hat mir ausdrückliche Vorschläge gegeben, wie ich meine Stelle zu einer Dauerstelle machen könnte. Ich hätte schon große Chancen, müsste mich nur in bestimmte Gebiete vertieft einbringen, um mich unersetzlich zu machen. Natürlich bin ich daran interessiert. Die Arbeit kann stressig sein, aber im Ganzen macht es mir Spaß. Irgendwie glaube ich leider nicht, dass es so glatt laufen würde, wenn ich schwanger werden soll. Martin will wirklich Kinder haben. Ich muss nicht unbedingt, habe auch nichts dagegen, wenn es bei einem bleibt. Aber wenn wir Eltern werden wollen, dann jetzt. So jung bin ich nicht mehr, das Risiko einer Trisomie steigt jederzeit. Und gerade jetzt könnte ich wieder schwanger sein. Ich spüre seit dem Wochenende ein leichtes zittern im Unterleib, genau wie in Dezember, bevor meine Periode ausgefallen war. Wenigstens nehme ich jetzt Folsäure mit Jod ein, nach der Empfehlung der Frauenärztin.

Eine Andere

Die Freundin von Martin war zurückgekommen. Ich wusste bisher nichts von ihr, musste aber sofort aus unserem gemeinsamen Schlafzimmer ausziehen[1]. Die Frau sah nicht besonders attraktiv aus, klein, mit kurzen schwarzen glatten Haaren und einem langweiligen Gesicht. Sie hat sich in der Wohnung breit gemacht. Meine Sachen habe ich zu einem anderen Zimmer gebracht. Ich habe mich richtig mies gefühlt, vor allem bei dem Gedanke, dass sie ab jetzt mit Martin schlafen würde und ich nicht mehr. Ich konnte es nicht verkraften und habe Martin gesucht, um ihm zu sagen, dass ich mit der neuen Situation nicht zufrieden war. Er war nirgendwo zu finden. Ich habe mich auf meinem Bett geschmissen, wo mein ganzer Kram, noch nicht aufgeräumt, verteilt war. Unter anderen, die aufgebrochene rote Packung Kondome[2]. In dem Moment ist mein Vorgänger ins Zimmer gekommen. Er hat mir erzählt, dass Martin in seiner Diplomarbeit beim Parallelprogrammieren mit Pools gearbeitet hatte. Ich war entsetzt, dass Martin mir bei meinem Projekt nicht geholfen hatte, da ich die ganze Zeit versucht hatte, mit Queues zu arbeiten, womit ich es natürlich nicht schaffen konnte, um parallele Jobs zu starten. Ich wollte noch mal zu ihm und konnte ihn nicht finden.

In dem Moment ist die Katze ins Bett gekommen und hat angefangen, laut zu schnurren und das Kopfkissen zu kneten. Wieder gegen 06:00. Ich habe die Katze gehoben, um sie zum Boden zu bringen. Sie hat sich mit ihren Krallen am Kopfkissen fest gehalten. Ich habe sie stärker gehoben. Dabei hat mein Kopf nicht mehr so stark aufs Kopfkissen gedrückt. Der Impuls wurde zu groß. Die Katze ist samt Kopfkissen geflogen und auf dem Boden am Fuß des Bettes gelandet. Ich habe das Kopfkissen wieder geholt. Spürbar beleidigt, hat die Katze mit einem dezidierten Schritt das Schlafzimmer verlassen.

[1] Die Wohnung hatte übrigens, wie häufig im Traum, nichts mit der Realität zu tun.

[2] Die wir nicht mehr benutzen.

Beim Kaiser’s

Nach der Arbeit bin ich auf dem Weg nach Hause zum Kaiser’s gegangen.

Allgemein mag ich diese Supermarktkette nicht besonders. Ich finde selten alles, was zu meiner Grundernährung als Südfranzösin gehört: Auberginen und Zucchini sind kaum vorhanden, selbst im Sommer, und Kichererbsen habe ich dort nie gesehen. Zu exotisch für die Betreiber? Mangos und asiatische Produkte bieten sie doch ständig an. Wahrscheinlich liegen sie geographisch schon so weiter weg von dem Südeuropäischen Raum, dass Kaiser’s keine Gefahr sieht, unerwünschte Bewohnergruppen anzuziehen… Nur mein Verdacht, aber ich finde es schon seltsam, dass bestimmte Lebensmittel grundsätzlich nicht angeboten werden, weder in Berlin noch in Aachen. Außerdem dürfte Kaiser’s der teureste Anbieter von Katzenfutter und Leckerlies sein. Andererseits sind sie jetzt direkt vor der Haustür an der Haltestelle. Beim Aussteigen ist es bequemer, bei ihnen einzukaufen, statt zehn Minuten bis zum Edeka zu gehen, nur um Brot und Schinken zu holen. Und bis vor kurzem hatten sie eine tolle Marke von frischen Suppen verkauft, die völlig frei von Konservierungsmitteln und Geschmacksverstärkern war. Anscheinend ein Flop, ich habe wahrscheinlich den größten Teil vom Angebot selber gekauft. Die letzten Packungen waren im Preis bis 60% heruntergesetzt, und danach gab’s die Suppe nicht mehr. Ich muss wieder zum Kaufhof für gute schnelle Suppen, und das bedeutet jedesmal Dreiviertelstunde Busfahrt.

Heute war ich also beim Kaiser’s. Nach dem langen Tag Arbeit habe ich leicht geistesabwesend an der Kasse gestanden. Zwei Personen waren vor mir. Als der (trotz Bemühungen von Kaiser’s) offensichtlich Südeuropäer noch am bezahlen war, interpellierte die Frau vor mir (eine kurzhaarige Blonde, um die 50) den jungen Angestellte, der zufällig hinter der Kasse vorbei ging. In einem aggressiven Ton fragte sie ihn, ob er ihr die Freundlichkeit erweisen könnte, einen von mir akustisch nicht verstandenen Gegenstand am oder vor dem Eingang zu entfernen, der seit drei Tagen da läge und gefährlich wäre, weil man drauf treten könnte. Ich fand es seltsam, da ich täglich vorbei gehe und nichts gemerkt habe. Die Gegend ist sehr sauber, Haufen gab es keine. Der Kunde an der Kasse hat etwas gesagt, ich weiß nicht was. Die Frau hat ihn daraufhin angebellt, sich noch bei der Kassiererin beschwert, und sich in meine Richtung umgedreht. Vielleicht hatte sie sich Unterstützung erhofft. Bei ihrem unhöfflichen Verhalten konnte sie aber keine Sympathie von mir erwarten. Es war wieder diese typische deutsche Zickenart, die ich so abscheulich finde. Nein, ich meine nicht, dass alle Deutsche zickenartig sind. Diese Verhaltensweise habe nur ich erst hier überhaupt beobachtet, und leider nicht so selten wie Auberginen bei Kaiser’s. Sie hat sich mich also angeschaut, gemerkt, dass ich mit meinen dunklen lockigen Haaren nicht wie eine Deutsche aussehe, und mir sofort ohne Wort den Rücken wieder zugekehrt. Endlich hat sie ihre Packung Zigaretten bezaht und den Laden verlassen. Beim rausgehen habe ich mich extra umgeschaut und wirklich nicht gesehen, was so viele Aufregung verursachen konnte. Vielleicht war’s einfach Zickentag.

Döner-Box

Wir sind heute spät bei der Arbeit geblieben. Ich wollte schon früher Feierabend gemacht haben. Martin musste auf etwas warten, und ich kann mich immer beschäftigen. Jetzt schreibt Programm #1 seine versteckte Logdatei, auf die ich endlich zugreifen kann, wenn es mal wieder hängen bleibt.

Gegen 19:00 haben wir das Gebäude verlassen. Ich hatte Hunger und Lust auf eine Döner-Box. Das letzte Mal ist ewig lange her. Wir sind zu meinem ehemaligen Viertel gefahren. Dort ist ein Imbiss, wo ich immer gerne war. Sie machten mit Abstand das beste Döner in der Gegend. Es war ein Umweg, aber ich habe mich gefreut, wieder dahin zu gehen. Wir haben einen Parkplatz in der Nähe gefunden. Es war kalt draußen. Ich habe vorgeschlagen, dort zu essen, statt etwas zu mitnehmen, weil es bestimmt nicht so lange warm bleiben würde.

Im Lokal war fast niemand. Ein Mann stand hinter der Thecke, ein Mitarbeiter, den ich schon häufiger gesehen hatte. Ein anderer Mann, ein Kunde, saß am Tresen, im hinteren Teil des Lokals. Martin hatte schon unsere Bestellung angegeben, als ich hinter ihm herein kam. Ich habe es gleich bereut, aber es war zu spät. Der Gestank von Zigaretten war umwerfend. Ich habe nicht mal eine Minute drin gestanden und beschlossen, draußen in der Kälte zu warten. Seit wann wird denn in dem Lokal geraucht? Ich war vor meinem Umzug so häufig dort und hatte nie etwas davon gemerkt. Heute, obwohl ich so kurz drin war, habe ich mich draußen von meinem Schal geeckelt gefühlt, weil er schon so stark gestunken hat.

Wir haben im Auto gegessen. Ich hatte schon keine Lust mehr dazu. Wer weiß, was vom Zigarettenrauch auf die herumliegenden Lebensmitteln kommt. Der Hunger hat gesiegt, aber ich werde nie wieder dorthin zurück gehen.