Erster Tauchgang

Ich dachte fast, dass ich nicht dazu kommen würde.

Am Samstagabend sind wir weg geflogen. Es ging mir gut. Der erste Flug mit Air Berlin nach Abu Dhabi war kein Spaß. Wir hatten uns bequemere Sitzplätze am Notausgang „für mehr Beinfreiheit“ extra gebucht, aber ich bin nicht überzeugt, dass es sich lohnt. Zum Einen hatte ich den Platz am Fenster: Als alle eingestiegen waren, ist die Tür geriegelt worden und ich konnte die Beine doch nicht mehr strecken. Zum Anderen hat man auf diesen Plätzen keinen Netz vor sich, um Gegenstände aufzuräumen. Der Flug selbst war sehr laut. Die Flugbegleiter waren nur am Laufen, weil die Besatzung für die Anzahl der Passagiere nicht ausreichend war. Ich habe zuerst einen Film schauen wollen, aber die verteilten Kopfhörer waren so schlechter Qualität, dass ich trotz hoher Lautstärke kaum etwas verstehen konnte. Ich habe aufgegeben und versucht zu schlafen, was mir nicht gelungen ist. Die Flugbegleiter haben ständig im Raum neben uns gequatscht und gelacht. Als wir gegen 06:00 gelandet sind, hatte ich maximal eine Stunde Schlaf hinter mir. Der zweite Flug mit Air Seychelles war deutlich angenehmer. Auch A330, trotzdem viel leiser, und die freundliche Besatzung verleiht gleich eine ganz andere Atmosphäre. Ich habe bis zum Ziel schlafen können.

Kurz vor der Landung habe ich Gewitter im Bauch gespürt und dachte, ich würde gleich explodieren. Als alle Passagiere noch im Gang warteten, ist eine Lampe zur Toilette grün geworden und ich habe mir den Weg bis dahin gebannt. Wieder Durchfall. Bestimmt vom zu fetten Abendessen bei Air Berlin, dachte ich. Es würde gleich wieder gehen. Eine Viertelstunde später musste ich die Schlange zur sanitären und Pass-Kontrolle verlassen, um die Toilette zu besuchen. Zum Glück war Martin noch am stehen, sonst hätte ich wieder von hinten aus warten müssen. Nach der Kontrolle, als ich mein Gepäck bekommen habe, musste ich wieder hin. Es ist hier auch so warm und schwül, selbst das Atmen fand ich anstrengend. Wir sind mit Auto vom Vermieter des Hauses abgeholt worden. Ich habe zwei Loperamid-Tabletten geschluckt, die mir der Arzt empfohlen hatte, und nicht mal fünf Minuten später ging es wieder gut.

Der Ort, wo wir unterbracht sind, ist einfach traumhaft. Fotos werden erst nach meiner Rückkehr hochgeladen. Wir haben uns das Haus mit sechs anderen Personen geteilt, alle aus Berlin. Vier davon sind Freunde von Martin (Sonia, Michael, Mara und Anton), das andere Paar ist durch Mara, meine Tauchlehrerin, dabei. Eva, die Frau, ist ganz nett, auch wenn ein wenig zu esoterisch; ihren Mann mag ich nicht, aber wir unternehmen nicht viel miteinander. Das liegt daran, dass ich bis heute an keinem Tauchgang teilnehmen konnte. Ich musste noch einige Übungen im freien Wasser machen, bevor ich mitmachen darf.

Am Montag wollte ich mich von der Reise erholen. Mit dem Durchfall am Tag davor fand ich es ein bisschen früh. Außerdem waren die Wetterbedingungen nicht gut genug. Ich habe den Tag auf der Terrasse verbracht und die Vogel und Flughunde beobachtet. Am Abend haben wir den Markt besucht. Es gab einen leckeren Mangosalat und salzige Bananenchips. Am Dienstagmorgen sind alle beim Tauchen gewesen, außer Eva, die es gar nicht mitmacht, und ich war wieder im Haus. Das Wetter ließ keine gute Möglichkeit für die Übungen. Am Mittwoch hätte es endlich geklappt, aber am Dienstagabend hatte ich wieder Durchfall. Die Gespräche am Abend waren so blöd gewesen, es hätte auch davon kommen können. Die anderen Bewohner des Hauses glauben wirklich jeden Blödsinn, den sie auf Internet lesen, und es ging den ganzen Abend um ernsthafte Hoaxdiskussionen, in dem Stil „Und wisst ihr, dass Kamelenmilch der absolute Heilmittel gegen Krebs ist, und dass die Pharmalobby dies unterdrückt“ und blablabla. Jemand hat sogar das Thema freie Energie erwähnt. Vielleicht war das häufige Klobesuchen eine Art Befreiung vom ganzen Quatsch. Ich bin am Mittwoch mit Martin am Strand spazieren gegangen und habe bei unserer Pause in einer Strand-Bar wieder Durchfall bekommen. Gestern hat der lokale Tauchführer abgesagt, weil sein Schüler, mit dem ich mitmachen soll, krank war. Stattdessen haben wir Shopping in Victoria gemacht.

Heute war es endlich so weit. Leider bin ich anscheinend nicht fürs Tauchen gebaut. Wieder meine zu schmalen Ohren, deswegen ich sehr langsam abtauchen muss. Wir waren für die ersten Übungen nicht besonders tief gewesen, gerade vier Meter. DerSchwimmbad war 3,5 Meter tief, der Unterschied ist minimal. Beim Auftauchen ging es mir zu schnell, obwohl wir die normale Aufstiegsgeschwindigkeit gehalten haben. Aber es ist klar, dass ich langamer sein muss, wenn ich in die andere Richtung schon länger brauche. Beim Auftauchen habe ich mich plötzlich schwindelig gefühlt und an Mara festgeklammert, weil ich dachte, ich würde gleich umkippen. Kein schönes Gefühl. Ich war bereit, auf der Stelle aufzugeben und den Rest vom Urlaub nur noch am Strand zu verbringen, und Scheiß auf den gebuchten Tauchpaket und die nicht abgeschlossene Ausbildung. Das haben meine Tauchlehrerin und der lokale Führer nicht eingesehen und mich nachmittags zu einem zweiten Tauchgang gezwungen. Wieder vom Strand aus, diesmal sehr sanft nach unten und zurück, bis 7,5 Meter Tiefe am Korallenrand entlang. Es ging. Es hat sogar Spaß gemacht, die ganze Unterwasserwelt zu sehen. Trotdzem glaube ich nicht, dass es meine Leidenschaft wird. Und mein rechtes Ohr fühlt sich jetzt an, als ob Wasser drin gefangen wäre. Ein kleines Barotrauma.

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