Krank vor dem Urlaub

Immerhin besser als während des Urlaubs.

Gestern meinte Martin, ihm ginge es nicht so gut. Es fühlte sich schlecht, obwohl er kein Fieber hatte. Wir haben früh Feierabend gemacht, eingekauft, einige Vorbereitungen für die Reise erledigt, und sind zu ihm gefahren. Nichts gegessen, wir hatten beide kaum Hunger. Zwei Episoden von Game of Thrones geschaut. Ich kannte die Serie nicht, aber er ist begeistert davon, ich wollte endlich mal wissen, worum es geht. Um elf sind wir schon ins Bett gegangen. Heute Morgen ist er nicht aus dem Bett gekommen. Fieber hatte er diesmal wirklich. Ich habe ihm gesagt, er soll zum Arzt gehen, und bin alleine mit der S-Bahn zur Arbeit gefahren. Ausnahmsweise gab es weder Zugausfälle noch Polizei- oder Feuerwehreinsätze.

Ich hatte heute wieder so viel zu tun, dass ich mich gar nicht um meinen Vortrag kümmern konnte. Er ist zur Hälfte fertig, und ich muss ich übermorgen halten. Morgen will der Veranstalter der Tagung die Präsentation geschickt bekommen. Ich werde heute Abend noch spät dran sitzen müssen. Und dazu kam, dass ich ab dem Nachmittag Bauchschmerze bekommen habe, mit Stichen im Magen, begleitet von Übelkeit und Durchfall. Ein übles Gestank. Zum Glück war ich heute alleine im Büro. Nach einem heftigen Krampf und erneutem Klobesuch habe ich den Laptop gepackt und bin nach Hause gefahren, mit einem Zwischenstop bei der Apotheke. Die Frau an der Theke hat mir eine Flasche Iberogast, ein pflanzliches Heilmittel, für fast zehn Euro verkauft. Sie hat mir versichert, dass es kein homöopathischer Mittel ist, daher habe ich es, obwohl wenig überzeugt, mitgenommen. Auf dem Weg nach Hause hatte ich den Eindruck, dass es mir schon besser ging. Vielleicht doch kein Magen-Darm-Infekt, sondern etwas schlecht verdaut. Wenigstens scheint das Iberogast tatsächlich eine nachgewiesene Wirkung zu haben.

Martin hat einen viralen Infekt, meint sein Arzt. Er ist für den Rest der Woche krank geschrieben. Ich denke, er hat sich überanstrengt. Neben seinem Vollzeitjob organisiert er die Renovierung der Wohnung und ist ständig unterwegs. Zur Zeit werden die Wände gemalt. Wir verbringen viel Zeit in Küchenläden, wobei ich denke, wir haben jetzt eine gute Wahl getroffen. Die aktuelle Küche, von den vorherigen Eigentümern zurück gelassen, soll auf jeden Fall entsorgt werden. Sie hatten uns gefragt, ob wir sie nicht als Übergangslösung behalten wollten, und ich hatte nein gesagt. Nicht mal mit Handschuhen will ich sie anfassen. Ursprünglich weiße Möbel von schlechter Qualität, zwanzig Jahre alt, völlig vergilbt, mit orangefarbenen Spuren in den Schränken, wo die Umrandung der Teller und anderen Gefässen deutlich erkennbar ist. Ich kann mir gut vorstellen, wie die Gegenstände drin geklebt haben müssen, und mit welchen Geräusch man sie raus genommen hat. Die Spülmaschine, die uns als „relativ neu und gut funktionierend“ gelobt wurde, hat am unteren Innenrand der Tür riesige Rostflecken. Ich hätte mich geschämt, eine solche Küche anderen Personen zu zeigen. Irgendwie haben sie es geschafft, Martin absichtlich zu missverstehen und sich vor der Entsorgen der Müllküche zu drücken. Das müssen wir jetzt machen, weil der Maler noch an die Wände ran kommen muss. Danach ist der Parkettverleger dran. Es muss alles geregelt werden, bevor wir am Wochenende fliegen.

Davor findet die Tagung statt, für die ich meinen Vortrag vorbereiten muss. Mit intensivem Programm, von morgens halb neun bis abends halb zehn, außer am Samstag, wo wir gegen Mittag fertig sind. Zum Glück so gelegen, dass ich zu Hause übernachten kann, sonst hätte ich jetzt meinen Rucksack packen müssen. Die gute Nachricht ist, dass ich diesmal eine kostenlose Pflege für meine Katze gefunden habe. Mein Nachfolger, der bei mir im Büro normalerweise sitzt, hat sich mit seiner Frau, die noch in ihrer Heimat lebt, meine Wohnung angeschaut und beide sind begeistert davon. Da er ab Oktober keine Wohnung mehr hat, habe ich ihm angeboten, während meiner Abwesenheit bei mir zu wohnen. Danach werde ich ausziehen und er kann bis zur offiziellen Wohnungsübergabe auf der Couch bleiben. Die Vermieterin hat kein Problem damit, er muss nur ein bisschen Papierkram füllen. Da er meine ehemalige Arbeitsstelle hat, mit der gleichen Gehaltseingruppierung, sollte es glatt laufen.

Meine einzige Sorge ist jetzt meine Haut. Nachdem ich bei der Arbeit über meine allergische Reaktion berichtet habe, habe ich einen neuen Halsband in einer anderen Farbe bekommen, ohne Nickel-Teile, weil die verantwortliche Person meinte, ich hätte deswegen Hautprobleme. Ich habe ihn vor vier Tagen getragen und mir geht’s noch schlimmer. Der ganze Nacken ist mit einem roten schuppenden Fleck bedeckt, rechts und links bis zum Hals. Es hat am Wochenende fürchterlich gejuckt und hat sich bis zum Rücken verbreitet. Ich habe den Halsband zurück gegeben und mich mehrmals eingecremt. Es hat jedesmal gebrannt. Jetzt heilt es langsam wieder. Ich frage mich, wie ich mich im Salzwasser beim Tauchen fühlen werde. Hoffentlich habe ich bis dann keine Wunde mehr.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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2 Gedanken zu “Krank vor dem Urlaub

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