Zum Hausarzt

Seitdem ich in Berlin wohne, habe ich noch keinen Hausarzt. Ich bin nicht so häufig krank. Martin hat sich diese Woche einen Arzt in der Nähe unserer neuen Wohnung ausgesucht. Da er heute vormittags Sprechstunden anbietet, fahren wir zusammen dahin. Es macht Sinn, einen Hausarzt in der Nähe der Wohnung zu haben.

Eigentlich sollte ich bei der Tagung sein, für die ich meinen Vortrag vorbereitet habe. Der Vortrag war für gestern Abend geplant. Ich war schon seit einigen Stunden dort, als ich merkte, dass ich Kopfschmerze hatte. Nichts schlimmes, immerhin hatte ich schon kein Fieber mehr. Mieke, die kronisch unter Migränen leidet, hat mir eine Aspirin gegeben. Sie hat gewirkt. Kurz danach habe ich mich aber komisch im Bauch gefühlt. Als ich dann innerhalb einer Stunde drei Mal zum Klo rennen musste, weil ich wieder Durchfall bekommen habe, habe ich beschlossen, nach Hause zu fahren, bevor es schlimmer wird. Winfried hatte ja zugesagt, meinen Vortrag für mich zu halten, falls es mir nicht gut genug dafür geht.

Ein mieses Gefühl. Es ist das erste Mal, in meiner schon fünfzehnjährigen beruflichen Tätigkeit, dass aufgrund einer körperlicher Schwäche jemand meine Arbeit für mich erledigen muss. Ich hasse das. Krank bin ich sonst meistens im Urlaub, wenn überhaupt. Heute fahre ich also zum Arzt, um einen Zettel für die Personalabteilung zu holen. Gestern Abend war es schon zu spät dafür. Wichtig ist es auch, für morgen eine Bescheinigung vom Arzt zu bekommen. Auch für Martin, der gestern den ganzen Tag im Bett verbracht hat. Wir brauchen diese Bescheinigungen für die Reiserücktrittversicherung, falls wir morgen doch nicht in den Urlaub fliegen können. Ich hoffe sehr, dass es nicht dazu kommen wird.

Bei Sprechstunden ist es normal, lange zu warten. Nicht so, wenn man einen Termin hat. Ich werde ein Buch mitnehmen – The Long Mars.

Krank vor dem Urlaub

Immerhin besser als während des Urlaubs.

Gestern meinte Martin, ihm ginge es nicht so gut. Es fühlte sich schlecht, obwohl er kein Fieber hatte. Wir haben früh Feierabend gemacht, eingekauft, einige Vorbereitungen für die Reise erledigt, und sind zu ihm gefahren. Nichts gegessen, wir hatten beide kaum Hunger. Zwei Episoden von Game of Thrones geschaut. Ich kannte die Serie nicht, aber er ist begeistert davon, ich wollte endlich mal wissen, worum es geht. Um elf sind wir schon ins Bett gegangen. Heute Morgen ist er nicht aus dem Bett gekommen. Fieber hatte er diesmal wirklich. Ich habe ihm gesagt, er soll zum Arzt gehen, und bin alleine mit der S-Bahn zur Arbeit gefahren. Ausnahmsweise gab es weder Zugausfälle noch Polizei- oder Feuerwehreinsätze.

Ich hatte heute wieder so viel zu tun, dass ich mich gar nicht um meinen Vortrag kümmern konnte. Er ist zur Hälfte fertig, und ich muss ich übermorgen halten. Morgen will der Veranstalter der Tagung die Präsentation geschickt bekommen. Ich werde heute Abend noch spät dran sitzen müssen. Und dazu kam, dass ich ab dem Nachmittag Bauchschmerze bekommen habe, mit Stichen im Magen, begleitet von Übelkeit und Durchfall. Ein übles Gestank. Zum Glück war ich heute alleine im Büro. Nach einem heftigen Krampf und erneutem Klobesuch habe ich den Laptop gepackt und bin nach Hause gefahren, mit einem Zwischenstop bei der Apotheke. Die Frau an der Theke hat mir eine Flasche Iberogast, ein pflanzliches Heilmittel, für fast zehn Euro verkauft. Sie hat mir versichert, dass es kein homöopathischer Mittel ist, daher habe ich es, obwohl wenig überzeugt, mitgenommen. Auf dem Weg nach Hause hatte ich den Eindruck, dass es mir schon besser ging. Vielleicht doch kein Magen-Darm-Infekt, sondern etwas schlecht verdaut. Wenigstens scheint das Iberogast tatsächlich eine nachgewiesene Wirkung zu haben.

Martin hat einen viralen Infekt, meint sein Arzt. Er ist für den Rest der Woche krank geschrieben. Ich denke, er hat sich überanstrengt. Neben seinem Vollzeitjob organisiert er die Renovierung der Wohnung und ist ständig unterwegs. Zur Zeit werden die Wände gemalt. Wir verbringen viel Zeit in Küchenläden, wobei ich denke, wir haben jetzt eine gute Wahl getroffen. Die aktuelle Küche, von den vorherigen Eigentümern zurück gelassen, soll auf jeden Fall entsorgt werden. Sie hatten uns gefragt, ob wir sie nicht als Übergangslösung behalten wollten, und ich hatte nein gesagt. Nicht mal mit Handschuhen will ich sie anfassen. Ursprünglich weiße Möbel von schlechter Qualität, zwanzig Jahre alt, völlig vergilbt, mit orangefarbenen Spuren in den Schränken, wo die Umrandung der Teller und anderen Gefässen deutlich erkennbar ist. Ich kann mir gut vorstellen, wie die Gegenstände drin geklebt haben müssen, und mit welchen Geräusch man sie raus genommen hat. Die Spülmaschine, die uns als „relativ neu und gut funktionierend“ gelobt wurde, hat am unteren Innenrand der Tür riesige Rostflecken. Ich hätte mich geschämt, eine solche Küche anderen Personen zu zeigen. Irgendwie haben sie es geschafft, Martin absichtlich zu missverstehen und sich vor der Entsorgen der Müllküche zu drücken. Das müssen wir jetzt machen, weil der Maler noch an die Wände ran kommen muss. Danach ist der Parketverleger dran. Es muss alles geregelt werden, bevor wir am Wochenende fliegen.

Davor findet die Tagung statt, für die ich meinen Vortrag vorbereiten muss. Mit intensivem Programm, von morgens halb neun bis abends halb zehn, außer am Samstag, wo wir gegen Mittag fertig sind. Zum Glück so gelegen, dass ich zu Hause übernachten kann, sonst hätte ich jetzt meinen Rucksack packen müssen. Die gute Nachricht ist, dass ich diesmal eine kostenlose Pflege für meine Katze gefunden habe. Mein Nachfolger, der bei mir im Büro normalerweise sitzt, hat sich mit seiner Frau, die noch in ihrer Heimat lebt, meine Wohnung angeschaut und beide sind begeistert davon. Da er ab Oktober keine Wohnung mehr hat, habe ich ihm angeboten, während meiner Abwesenheit bei mir zu wohnen. Danach werde ich ausziehen und er kann bis zur offiziellen Wohnungsübergabe auf der Couch bleiben. Die Vermieterin hat kein Problem damit, er muss nur ein bisschen Papierkramm füllen. Da er meine ehemalige Arbeitsstelle hat, mit der gleichen Gehaltseingruppierung, sollte es glatt laufen.

Meine einzige Sorge ist jetzt meine Haut. Nachdem ich bei der Arbeit über meine allergische Reaktion berichtet habe, habe ich einen neuen Halsband in einer anderen Farbe bekommen, ohne Nickel-Teile, weil die verantwortliche Person meinte, ich hätte deswegen Hautprobleme. Ich habe ihn vor vier Tagen getragen und mir geht’s noch schlimmer. Der ganze Nacken ist mit einem roten schuppenden Fleck bedeckt, rechts und links bis zum Hals. Es hat am Wochenende fürchterlich gejuckt und hat sich bis zum Rücken verbreitet. Ich habe den Halsband zurück gegeben und mich mehrmals eingecremt. Es hat jedesmal gebrannt. Jetzt heilt es langsam wieder. Ich frage mich, wie ich mich im Salzwasser beim Tauchen fühlen werde. Hoffentlich habe ich bis dann keine Wunde mehr.

Erschöpft

Müde mit Migräne. Kurz vor fünf habe ich eingesehen, dass es keinen Zweck hatte, länger bei der Arbeit zu bleiben. Ich konnte nur noch gähnen. Ich bin mit dem Fahrrad nach Hause gefahren, da ich morgen früh anfangen muss und mit dem Fahrrad schneller als mit der Tram bin. Ich bin langsam gefahren und habe jede Bodenunebenheit auf der Straße gespürt. Jedes Mal hat es einen stechenden Schmerz in der linken Schläfe ausgelöst, bis zum Auge.

Ich habe mir diese Woche nicht genug Schlaf gegönnt. Es war schon stressig, da wir seit dem Wochenende mit Martin viele Möbel-Läden besucht haben, um uns Küchen für die neue Wohnung anzuschauen. Zeitverschwendung. Wenn in Läden Preise stehen, beziehen sie sich nie auf das, was man ausgestellt sieht, sondern auf das Foto auf dem Plakat. Man kann sich so keine Vorstellung vom Endpreis machen. Wir sollten mit einem Plan der Küche kommen und sagen, was wir uns als Material und Geräte vorstellen, und einen Preisvorschlag erstellen lassen. Meine Mami sagt, dafür sollte man pro Laden gut anderthalb Stunden planen.

Heute Morgen bin ich von Martin’s Wohnung aus mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. Ich hatte es seit fast drei Wochen nicht mehr gemacht. Ich habe anderthalb Stunden gebraucht. Mir ging’s zuerst gut, dachte ich, aber danach habe ich mich doch müde gefühlt. Kaffees und Schokoriegel haben nicht geholfen. Gegen 14:00 habe ich die ersten Anzeichen von einem Kopfschmerz wahrgenommen und Paracetamol geschluckt. Ohne Wirkung.

Bei der Arbeit ging es sowieso seit dem Morgen schleppend. Ich habe viel Zeit damit verbracht, Google-Suchen über Qwt5 und PyQt4 zu machen. Ich habe Daten, die mein Vorgänger in meinem Programm in einigen Plots dargestellt hatte. Ganz einfache x:y Daten. Die Darstellung sollte aber 1/x2:y sein, mit den Werten für x auf der x-Achse, nicht für 1/x2. Ein Kopfzerbrechen. Ich habe den Eindruck bekommen, dass QwtScaleEngine gebraucht wird. Was QwtScaleEngine macht, ist aber, zwischen linearer und logaritmischer Darstellung zu wechseln, mehr nicht. Ich müsste eine neue Funktion definieren, um eine eigene Darstellung mit 1/x2 zu kreieren. Es würde QwtScaleTransformation involvieren. Wie, ist mir nicht ganz klar, so spärlich die Qwt-Dokumentation ist. Dort ist nichts erklärt, es gibt nur eine Auflistung von allen Klassen und Attributen. Keine Ahnung, wie man sie benutzen soll. Ich habe sowieso nur die Dokumentation für die Version 6.1.1 gefunden, und ich arbeite mit einer älteren Version, bei der QwtPowerTransform nicht existiert. Ein Beispiel für eine personalisierte Skalierung habe ich gefunden, mit vielen neuen Klassen zu definieren, was mir zu aufwendig war. Eine einfache Lösung des Problemes scheint es nicht zu geben. Kein Wunder, dass mein Vorgänger stattdessen

myengine = self.ui.qwtPlot.axisScaleEngine(Qwt.QwtPlot.xBottom)

Qwt.QwtScaleEngine.setAttribute(myengine, Qwt.QwtScaleEngine.Inverted)

benutzt hat. Das löst das Problem leider nicht wirklich.

Ich habe meine Suche aufgegeben, als Uschi nachmittags zu mir kam und meinte, er würde meine Daten über die Download-Statistik vom Programm, die ich ihm gestern geliefert hatte, für merkwürdig halten und ich sollte sie überprüfen, bevor er sie in seinem Vortrag morgen benutzt. Seit der Freigabe in Februar hat sich die Anzahl der Nutzer verdoppelt. Es kam ihm suspekt vor, weil wir bei jedem Download eine automatische Email bekommen, da die Nutzer ein Registrierungsformular ausfüllen müssen, und er hätte nicht so viele in seinem Postfach. Ich habe meine Zahlen geprüft, was mir eine Stunde gekostet hat, und dasselbe Ergebnis wie gestern bekommen. Das mache ich anhand einer Mailing-Liste, die per Hand gepflegt werden muss. Wir hatten unsere IT-Abteilung gefragt, die Email-Adressen der Nutzer automatisch in der Liste zu speichern, aber „es geht nicht“. Ich muss regelmäßig alle Emails öffnen und prüfen, ob die Adresse schon in der Liste ist, bevor ich eine neue einfüge (wenn ich Updates ankündige, laden die Nutzer das Programm erneut herunter).

Es hat meine Stimmung nicht verbessert, dass Kate mich immer wieder zwischendurch mit idiotischen Fragen belästigt. Heute wollte sie wissen, wie man mit PowerPoint unter Linux PDF-Dateien erzeugen kann. Seufzer. Wie häufig habe ich ihr schon gesagt, dass es unter Linux kein PowerPoint gibt? „Ach nee, mit OpenOffice“, korrigierte sie sich dann. WIr haben eigentlich LibreOffice, aber diese Feinheit habe ich nicht mehr erwähnt. Programm selber geöffnet, unter „File“ geschaut, und da war, mittig, nicht zu übersehen, die Zeile „Export as PDF“. Hätte sie bloss die Menü-Punkte gelesen, hätte sie die Frage nicht stellen müssen. Promovierte blöde Kühe gibt es wohl.

Ich wollte eigentlich heute Abend mit dem Vortrag anfangen, den ich nächste Woche bei einer Tagung halten soll. Mit der Migräne wird es heute nichts mehr.

Der Duft von Lavendel

Ich bin mit Lavendel groß geworden. Jedes Mal, wenn ich bei meinen Eltern zu Besuch bin, bringe ich einige Honiggläser nach Deutschland zurück. Ein Stück Heimat. Unser ehemaliger Nachbar, ein Imker, hatte selber seinen Lavendelhonig produziert und auf dem Markt verkauft, bis er vor zwei Jahren im Alter von fünfundseibzig Jahren beschlossen hat, in Rente zu gehen. Es gab immer weniger Bienen, und die übrig gebliebenen Bienenstöcke, die er noch auf den Feldern hatte, wurden zu häufig randaliert.

Parfüm aus Lavendel habe ich selten gehabt. Es riecht mir zu stark, um getragen zu werden, ohne gleich wie eine Oma zu riechen (meine Oma mütterlicher Seite hatte immer Lavendel getragen). Ich habe die trockenen Blüten bevorzugt in Beuteln gekauft, um sie im Kleiderschrank zu stecken. Vor einigen Jahren hat mir jedoch meine Mami eine Flasche Lavendel-Parfüm aus meiner Geburtsstadt geschenkt. Ich habe sie kaum benutzt, nur ab und zu einen Tropf im Spülwasser benutzt, wenn ich bestimmte Kleidungsstücke per Hand waschen musste. Die Flasche ist auf einem Regal im Badezimmer gelagert worden, in meiner ehemaligen Dachwohnung. Manchmal habe ich sie kurz beim vorbei gehen geöffnet, um den Geruch zu riechen.

Eines Tages im Sommer bin ich einkaufen gegangen. Es war richtig heiß. Mein Nachbar, der Deutschlehrer, wohnte noch im Haus: Ich hatte noch nicht meine Wohnung mit seinem Zimmer erweitert. Die Temperatur war bei mir sehr hoch, und da ich kaum Lüftungsmöglichkeiten hatte, mit allen Fenstern auf der selben Seite des Hauses, bin ich häufig im Sommer tagsüber unterwegs gewesen. An solchen Tagen war die Lieblingsbeschäftigung meiner Katze, in der Badewanne ganz breit zu liegen und sich nicht zu bewegen.

Bei meiner Rückkehr aus dem Supermarkt bin ich die vier Etagen zu meiner Wohnung gestiegen. Auf der ersten Etage, wo meine Vermieterin wohnte, habe ich einen leckeren Duft wahrgenommen und habe gedacht, dass sie bestimmt gerade raus gegangen war. Auf der zweite Etage war der Geruch stärker: Es war doch nicht meine Vermieterin. Auf der dritten Etage fand ich den Geruch sehr stark. Erst dann habe ich gemerkt, dass es sich um Lavendel handelte. Auf meiner Etage angekommen, war der Geruch so intensiv, dass er nicht mehr auszuhalten war. Bevor ich die Tür geöffnet habe, wusste ich, dass er aus meiner Wohnung kommen musste. Und tatsächlich, im Badezimmer roch es am stärksten. Auf dem Regal gab es noch ein bisschen Parfüm, auf dem Holz verteilt und im Rest der Flasche, die wegen der Hitze und des dadurch gestiegenen Innendruckes wohl explodiert hatte. Überall auf dem Boden waren Glasstücke zerstreut. Ich habe gesammelt, was ich finden konnte, und die anderen Flaschen in den Kühlschrank gepackt.

Polyester ist schuld

Ich bin mir jetzt ziemlich sicher, dass ich daran allergisch bin. Oder an einem Weichmacher, der mit Polyester verwendet wird.

Bei meinem ersten Hautausschlag hatte ich den Verdacht, dass es einen Zusammenhang mit dem Meeting gab, das ich eine Woche davor besucht hatte. Ich hatte es dem Dermatologen erwähnt, aber er hatte meine Bedenken mit einem Schulterzucken beiseite geschoben. Ich dachte ja, dass ich vielleicht in Kontakt mit jemandem gekommen war, der eine ansteckende Hautkrankheit hatte. Obwohl es anscheinend stimmt, dass es mit dem Meeting zu tun hatte, so einfach war es doch nicht.

Die Creme, die ich zum drauf schmieren bekommen hatte, hatte wunderbar geholfen. Innerhalb zwei Tage waren die betroffenen Hautpartien schon geheilt. Es hat leider ab und zu wieder angefangen. Ich konnte lange keine Ursache dafür finden. Beim Urlaub in Juli ist es wieder stark aufgetreten und ging nicht mehr weg, trotz Anwendung der Creme, die ich mitgenommen hatte. Es machte das Tragen von meinem Rucksack unerträglich, vor allem danach in Spanien. Nach dem Urlaub habe ich deswegen angefangen, den Rucksack im Fahrradkorb zu transportieren, statt auf dem Rücken. Und meiner Haut ging es wieder gut.

Meinen Rucksack habe ich seit einem Jahr. Ich habe ihn nach meinem Fahrradunfall mit der Straßenbahnschiene gekauft. Es war damals nicht mehr warm genug, um ohne Jacke unterwegs zu sein. Ich habe erst seit dem Frühling angefangen, den Rucksack direkt auf der Haut zu tragen, als die Temperaturen wieder angenehm wurden. Und obwohl ich am Anfang keinen Zusammenhang gesehen habe, versursacht mein Rucksack diese Hautausschläge. Genauer gesagt, die Träger. Die sind ganz schön weich und flexibel. Ehrlich gesagt fand ich das Gefühl mit den Fingern beim Kauf komisch, habe mir aber eingeredet, dass es nichts Schlimmes sein könnte, weil es sonst nicht zum Verkauf zugelassen wäre. Tja. Ich vermeide es jetzt, ihn in Kontakt mit der Haut zu tragen. Es geht wieder.

Allein ist der Rucksack nicht schuld, deswegen bin ich nicht sofort auf die Idee gekommen. Beim Meeting in März hatte ich noch meinen dünnen schwarzen Mantel mit. Was ich aber hatte, war ein neues Band, um meinen Namensschild um den Hals zu tragen. Die Veranstalter vom Meeting hatten diese Halsbänder von einem Sponsor bekommen, bei dem ich mich übrigens auch mal beworben hatte. Da der heftige darauf folgende Hautausschlag den ganzen Oberkörper betroffen hat, habe ich zuerst nicht gedacht, dass das Halsband der Auslöser war. Der Hautausschlag kam auch nicht sofort, sondern nach einigen Tagen. Nun, ein ähnliches Band habe ich auch bei der Arbeit, um meinen Pass zu tragen. Nachdem ich vor kurzem, endlich wieder völlig frei von Beschwerden, nach drei Wochen Urlaub zurück zur Arbeit gekommen bin, habe ich das Band wieder getragen. Gleich kamen erneut rote juckende Stellen am Hals, gefolgt von Juckreiz im Rücken, an der gleichen Stelle wie in März. Ich trage jetzt das Band gar nicht mehr.

Und nachdem ich geprüft habe, aus welchem Material der Rucksack und das Band bestehen, weiß ich, dass ich eine Allergie zum Polyester entwickelt habe. Oder zu einem Weichmacher vom Polyester. Da das Band vom Meeting ganz neu war, kann es sein, dass es noch eine hohe Konzentration von Weichmachern hatte, die den plötzligen Ausschlag gegeben haben. Ich hatte bis jetzt nie wirklich darauf geachtet, aus welchem Material meine Kleider gemacht werden. Es wird sich nun ändern müssen.

Einbruch

Ich war im Haus meiner Eltern, mit meiner Katze. Im Wohnzimmer hatte ich meinen Arbeitsplatz mit Rechner. Ich habe dort den ganzen Nachmittag gesessen. Eine weitere weibliche Person war anwesend, die ich nicht kannte und kaum gesehen habe. Ich habe mich nur um meinen Kramm gekümmert.

Als ich fertig war und gehen wollte, habe ich gemerkt, wie der Bereich links vom Arbeitsplatz, der durch einen Raumtrenner versteckt war, unordentlich war. Auf dem Couchtisch war nichts mehr vorhanden. Der Regal links vom Tisch wurde aufgeräumt, Sachen lagen auf dem Boden verteilt, sowie zerknitterte Papierbälle, mit denen meine Katze spielte. Selbst mein Rechner[1] war verschwunden, musste ich Martin (auf Deutsch) erzählen, der gerade aufgetaucht war und fragte, was los war. Mit dem Verschwinden vom Rechner hatte ich viele Fotos verloren, die ich auf meine Speicherkarten nicht behalten hatte. Ich war sehr geärgert darüber.

Ich habe mich so blöd gefühlt. Wie konnte ich nichts mitbekommen, obwohl ich mich im gleichen Raum befunden habe? Die Einbrecher mussten wirklich sehr leise gewesen sein, damit ich nichts merke. Wie konnten sie denn ins Haus eindringen? Martin meinte, bestimmt nicht durch die Haustür, sie ist zu laut, wenn man sie öffnet, ich hätte sie schon gehört. Oder durch die Fenster, habe ich gedacht, falls die unbekannte Frau, die noch im Haus war, gerade am Lüften war, wie meine Mami es früher jeden Morgen getan hatte. Es war doch unwahrscheinlich, weil die Fenster mit Klappläden aus Holz ausgestattet sind, die wir im Sommer als Sonnenschutz halb geschlossen lassen. Der Platz hätte nicht gereicht.

Es sei denn, jemand hätte die Einbrecher im Haus eingeladen. Wer war eigentlich diese Frau, die noch im Haus war? Wir haben sie gesucht und draußen gefunden. Hinter dem Haus befand sich eine kleine Kneipenterrasse, wo Leute auf ihr Frühstück warteten. Die Frau war die Kellnerin und dabei beschäftigt, Spiegeleier zu braten. An einem kleinen weißen runden Tisch saßen zwei Männer, die mir sehr verdächtig vorkamen. Beide trugen einen kurzen Bart, der genau dem Umriss vom Kinn bis zu den Ohren folgte. Es hat mich an die jüngsten Fernsehberichte aus Syrien erinnert. Sie haben mich genau angeschaut, und ich wusste, dass sie für den Einbruch verantwortlich waren. Beweise hatte ich leider nicht.

[1] Mit dem ich die ganze Zeit gearbeitet hatte, wohlgemerkt.

Test: Negativ

Es war merkwürdig. Eigentlich passen wir schon auf. Ich trage jeden Morgen meine Temperatur ein und weiß, wann wir besser Kondome benutzen sollen. Ich habe nicht wirklich geglaubt, schwanger zu sein. Wenn es nicht dieses komisches Gefühl in der Nase gegeben hätte, das mir ständig den Eindruck gibt, gerade geniest zu haben. Das hatte ich noch nie. Bei einer Google-Suche bin ich gleich auf Forums für Schwangere gestossen. Andere „Symptome“ hätten sich auch dadurch erklären lassen.

Zeitlich könnte es nicht schlechter passen, ganz abgesehen von dem geplanten Tauchurlaub in drei Wochen. Ich habe gerade den Arbeitgeber gewechselt und bin wieder in der Probezeit. Ich weiß, dass keine Gefahr besteht, nach den sechs Monaten nach einer Arbeit suchen zu müssen. Aber mit einem Baby im Bauch? Da könnte ich glatt für mehrere Monate meine ganze experimentelle Arbeit liegen lassen, auf die ich mich so gefreut habe. Wie Uschi darauf reagiert hätte, kann ich mir sehr gut vorstellen. Er hat schon erzählt, wie er für eine ausgeschriebene Stelle bei uns eine Bewerberin absagen musste, weil sie ihm zugegeben hatte, schwanger zu sein. Wir arbeiten mit ionisierender Strahlung. Schwangere dürfen gar nicht an Experimenten teilnehmen. Er hätte sie umsonst eingestellt. Außerdem hat sich Martin gerade eine Wohnung gekauft, wir ziehen bald zusammen ein. Mit der Rückzahlung hat er schon eine hohe Belastung. Ich wollte mich an den laufenden Kosten beteiligen. Einen Gehalt würde ich aber nicht mehr lange beziehen, wenn ich schwanger werden sollte.

Ich habe gedacht, ich warte erstmals ab, ob meine Periode kommt. Sie war letzte Woche fällig, am Donnerstag. Das Wochenende davor waren wir unterwegs, als ich plötzlich starke Schmerze im Bauch und im tieferen Rücken gespürt habe, als ob ich gerade meine Periode bekommen würde. Es kam nichts. Am Dienstag habe ich braune Ausscheidungen bekommen, bis Sonntag. Genau wie ich es über den Verlauf von einer Schwangerschaft gelesen hatte. Meine Brust, die sonst immer kurz vor der Periode angespannt ist, hat nichts anmerken lassen. Ich habe mich schon gefragt, ob ich nicht besser anfangen sollte, nach Kindermöbeln zu suchen, statt einen zweiten Arbeitszimmer einzurichten. Dabei habe ich schon früher angekündigt, mich um die Küche kümmern zu wollen. Wieder viel Geld ausgeben.

Wir waren am letzten Wochenende bei einer Freundin von Martin zu Besuch, die ihren Geburtstag in Südfrankreich feierte. Die Reise war anstrengend, wir sind am Samstag um 04:00 aufgestanden und um 06:00 im Flieger eingestiegen. Bescheuert. Er hat für mich bezahlt, um meine Bedenken zu mildern. Die Feier hat nicht sehr lange gedauert, aber mir ging’s nicht so gut. Ich habe mich schwindelig gefühlt. Am Sonntag nach dem Aufwachen habe ich dann gemerkt, dass ich meine Periode hatte. Sehr stark. Das Schwindelgefühl habe ich den ganzen Tag behalten. Beim Gehen musste ich mich an Martin lehnen, weil ich ständig den Eindruck hatte, gleich umzukippen. Die Schmerze im Bauch waren so stark wie nie. Es war doch nicht normal. Als wir abends in Berlin gelandet sind, sind wir mit Taxi zu mir gefahren. Mit der Bahn konnte ich nicht mehr.

Heute Morgen hatte ich keine Blutung mehr. Ich habe den Schwangerschafttest gemacht, den ich mir gestern geholt hatte. Negativ. Was das Ganze seit zwei Wochen soll, keine Ahnung.

Arbeitgeberwechsel

Ich freue mich, endlich zurück zur Arbeit zu gehen. Die gezwungene Pause, um den Resturlaub von meinem letzten Arbeitsvertrag zu nehmen, ist vorbei. Seit gestern bin ich offiziell Angestellte von dem Institut, in dem ich schon seit dem letzten Jahr arbeite.

Geändert hat sich kaum etwas. Ich sitze auf dem gleichen Drehstuhl, entwickle mein Programm weiter und betreuue gelegentlich Wissenschaftler, die unsere Geräte nutzen. Mit der Wartung der Geräte bin ich ein bisschen mehr beschäftigt. Ich verdiene genau so viel, und eventuell mehr, da ich ab jetzt an Wochenenden einsetzbar bin. Hinzu kommt ein kleines wissenschaftliches Projekt, das sich aus einer Zusammenarbeit mit einer schwedischen Gruppe ergeben hat. Genauer gesagt ist dank dieses Projektes die Drittmittelfinanzierung zustande gekommen, die mir erlaubt, länger zu arbeiten, da es wegen des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes sonst nicht mehr möglich gewesen wäre. Anstatt einer Restarbeitszeit von zehn Monaten habe ich jetzt zweieinhalb Jahre bekommen. Geplant waren drei, aber aufgrund meiner höheren Eingruppierung reicht das Geld für die Postdoc-Stelle nicht für die gesamte Dauer.

Eine Stellenanzeige musste es geben. Sie wurde exakt für mein Profil geschrieben. Die Anzeige wurde nur intern veröffentlicht, mit einer Bewerbungsfrist von einer Woche. Es gab trotzdem eine andere Bewerbung, die Person konnte jedoch nicht alle Anforderungen erfüllen. Den neuen Arbeitsvertrag habe ich am Anfang des Sommers unterschrieben, und kurz danach habe ich den anderen Vertrag gekündigt. Mein Nachfolger fängt schon diese Woche an. Er wird in meinem Zimmer sitzen, wenn er bei uns tätig ist. Er wird häufiger als ich mit dem Institut vom meinem früheren Arbeitgeber zu tun haben. In meiner ganzen Zeit dort musste ich nur hin, um administrative Sachen zu regeln, ich habe sonst nur mit meiner aktuellen Gruppe gearbeitet.

Diese Woche sitze ich alleine im Büro. Inzwischen sind wir zu viert drin, aber Kate ist dienstlich unterwegs, mein IT-Kollege hat seinen Schreibtisch räumen müssen, um Platz für meinen Nachfolger zu machen, und der andere Postdoc, Pawel, hat gerade Urlaub. Ich geniesse es, in Ruhe arbeiten zu können, auch wenn ich es so schade finde, dass mein IT-Kollege nicht mehr hier sitzt. Ich hätte ihn gerne gegen Kate getäuscht, die mich auf Dauer nervt, weil sie ständig nach trivialen Sachen über den Umgang mit ihrem Rechner fragt. Aber er muss sich jetzt einen Besenkammer mit einer neuen Informatikerin teilen.