Wohnung gekauft!

Wer hätte das gedacht? Nach so langem hin und her zögern, nach so vielen Wohnungsbesichtigungen, hat er sich endlich für eine Wohnung entschieden. Es hat über ein Jahr gedauert. Um fair zu sein, so weit war er schon vor zwei Monaten, aber eine Immobilienagentur hatte sich vorher als interessiert gemeldet und die Wohnung vor seiner Nase gekauft. Weil er sich noch Zeit zum Überlegen nehmen wollte. Entscheidungen treffen ist immer noch nicht seine Stärke.

Als er dann kurz vor dem Urlaub sagte, er hätte großes Interesse für eine neue Wohnung, habe ich ihm zuerst gesagt, wenn es so ernst ist, dürfte er keine Zeit verlieren. Er hat mir die Unterlagen gezeigt. Von der Beschreibung her ist es unglaublich, dass sie noch nicht verkauft wurde. Es muss die beste Wohnung sein, die er je besichtigt hat. Für den gleichen Preis hat er deutlich kleinere Wohnungen gesehen, die auch nicht so schön eingerichtet waren. Er hat den Kaufvertragsentwurf beantragt und während des Urlaubes per Email bekommen. Seine Cousine, die Rechtsanwältin ist, hat ihn gelesen und ihm gesagt, es wäre in Ordnung. Letzte Woche habe ich mit ihm die Wohnung besucht. Sie ist wirklich sehr schön, in einem grünen Viertel. An der letzten Etage, aber nicht zu hoch, mit einem großen Balkon, vier Zimmern, und sehr ruhig gelegen. Sogar Tiefgarage und abgeschlossener Raum für Fahrräder (zugegeben, schon sehr voll) sind vorhanden. Man müsste nur den Boden komplett ändern (Parkett statt Teppichboden) und die Wände neu streichen. Eine neue Küche käme dazu, die, die von den Besitzern drin gelassen wurde, gefällt uns nicht. Das Badezimmer sieht auch nicht gerade toll aus, aber es ist nicht schwierig, erst später Arbeiten drin zu machen, da ein Gästebadezimmer vorhanden ist.

Es gab noch viele Diskussionen mit dem Makler, der bis gestern die einzige Kontaktmöglichkeit mit den Besitzern darstellte. Und gestern Abend war es so weit: Ich habe ihn zum Notar begleitet, damit der Kaufvertrag durchgelesen und von allen Parteien unterschrieben wird. Wie der Makler da am Tisch gesessen hat, habe ich die ganze Zeit an einen Vampir gedacht. Die Besitzer sind ein Paar, die sich ein neues Haus bauen lassen haben und die Wohnung aus diesem Grund verkaufen wollen. Der Mann, im Anzug, übergewichtig, meinte gleich, ich wäre Spanierin. Wahrscheinlich, weil ich dunkle Haare habe und vom Urlaub noch braun bin. Was für eine Frechheit, sich bei einem ersten Treffen Äußerungen über das Aussehen von anderen Personen zu erlauben. Seine Frau, auch fettleibig, ist selber Spanierin, aber ihre Haut war sehr hell. Ein bisschen gezwungenes Small-Talk gab es, bevor es um den eigentlichen Grund des Treffens ging. Ein bisschen Ärger gab es schon mit dem Makler, nachdem die Vertreterin des Notars den Kaufvertrag unterschreiben lassen hat, weil er eine frühere Version des Provisionsvertrages gebracht hatte, statt die aktuellste, die er durch Diskussionen am Telefon überarbeitet und per Email geschickt hatte. Blutsauger, echt. Martin hat den Vertrag trotzdem unterschrieben. Eigentlich hätte ich gar nicht dabei sein müssen, aber ich wollte ihn moralisch unterstützen. Danach habe ich ihn zu einer Cocktail-Bar eingeladen, als Belohnung dafür, dass er endlich seinen Traum realisiert hat.

Das heißt auch, in nicht zu weit entfernter Zeit ziehen wir zusammen. Das hatte er mich schon ganz früh gefragt, deswegen hat er angefangen, nach größeren Wohnungen zu suchen. Ich freue mich. Ich würde mich aber auch freuen, wenn wir zusammen zu einer Mietwohnung umziehen würden. Erstmal abwarten, bis die Finanzierung durch seine Bank bewilligt wird. Ich verstehe das Ganze nicht wirklich. Warum kann eine Bank ein persönliches Angebot für eine Finanzierung bei Kunden machen, wenn sie danach doch nein sagen kann? So ist es mit dem ersten potentiellen Käufer der Wohnung gelaufen (die Besitzer haben erzählt, dass die Finanzierung gescheitert war, weil der Interessent keinen Startkapital bringen konnte). Martin wollte eine Wohnung vor allem kaufen, weil es für ihn eine sichere Anlage für sein Vermögen ist. Kann ich verstehen. Wenn wir zusammen ziehen, werde ich mich natürlich an den Laufkosten beteiligen. Wahrscheinlich wird es so hoch wie meine aktuelle Miete sein.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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4 Gedanken zu “Wohnung gekauft!

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