Wohin mit dem Fahrrad?

So ein Mist. Gerade aus dem Urlaub zurück gekommen, wurde ich heute Morgen vom Hausmeister begrüßt. Was in sich nichts Schlimmes ist, er hat sich trotz seiner bekannten Ausländerfeindlichkeit mit mir immer sehr freundlich verhalten. Er war gerade dabei, den Durchgang des Hauses zu fegen, wo alle Bewohner der Häuser ihre Fahrräder abstellen. So ist es immer gewesen, seitdem ich hier wohne. Ich erinnere mich, wie der Hausmeister selber mir bei meiner Besichtigung sagte, es wäre doch kein Problem, das Fahrrad im Durchgang zu lassen, alle Leute wären im Haus so freundlich. Es hatte die Wohnung für mich sofort attraktiv gemacht, da der breite Durchgang immer abgeschlossen ist und man drin die Fahrräder sicher und trocken übernachten lassen kann.

Der Durchgang ist eine Verbindung zwischen dem Parkplatz und dem Hinterhof. Es gibt nur zwei große Türe auf beiden Seiten. Der Zugang zu den Wohnungen erfolgt über den Hof, den man auch zu Fuß aus einer anderen Straße erreichen kann. Zugegeben, es ist seit einigen Monaten sehr eng im Durchgang geworden. Genauer gesagt, seitdem die kleine Familie im Frühling eingezogen ist, in die Wohnung der älteren Nachbarin, die mir wegen Umzug ihre neu aussehende Einbauküche samt Kühlschrank für gerade 1000€ verkauft hatte (ein tolles Geschäft). Plötzlich noch mehr Fahrräder, Kinderwagen, Schlitten, sogar Puppenwagen standen da. An manchen Abenden musste Martin sein teueres Rennrad zu mir in die Wohnung hochtragen, weil kaum Platz im Durchgang vorhanden war, um es mit meinem zusammen anzuschließen. Bei seinem Rennrad geht es gut, es ist so leicht. Mein Fahrrad ist verdammt schwer. Ich fand es von den neuen Nachbarn ziemlich umverschämt, vor allem, weil sie für ihren Umzug mit einem Zettel im Flur angekommen waren, um uns darum zu bitten, an dem Tag unsere Fahrräder woanders zu räumen. Damals war der Durchgang eigentlich noch gut begehbar. Bei meinem eigenen Umzug wäre ich nicht mal auf die Idee gekommen, und es war wirklich kein Problem gewesen.

Es muss einen Streit gegeben haben. Da ich die Hälfte der Zeit bei Martin bin und sowieso immer spät nach Hause komme, habe ich davon nichts mitbekommen. Das hatte der Hausmeister schon vor einem Monat angedeutet. Er meinte, das Abstellen von Gegenständen im Durchgang wäre nicht mehr erlaubt. Da keine schriftliche Meldung von den Vermietern gekommen war, haben sich aber alle Nachbarn wie immer verhalten und die Fahrräder weiterhin im Durchgang geparkt. Seit heute hängt ein Zettel im Flur:
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Es könnte auch seit letzter Woche da sein, keine Ahnung, ich war im Urlaub. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Es gibt kein Datum, keine Unterschrift, nicht mal eine Anschrift. Es könnte im Prinzip von irgendjemandem geschrieben worden sein, und ich glaube nicht, dass man damit rechtlich etwas begründen könnte. Es ist so unpersönlich formuliert, dass ich mich frage, ob der Hausmeister mit den Vermietern darüber diskutiert hat, oder ob es seine eigene Entscheidung war. Er meinte heute morgen, einige Mieter hätten sich do dumm angestellt, dass das Abstellen von Gegenständen ab jetzt allgemein verboten werden sollte. Ich kann nur vermuten, dass er die neue Familie meint. Gleichzeitig hat er sich darüber aufgeregt, dass einige Haushalte mehr als ein Fahrrad haben, als ob es unverschämt wäre. Ich sehe nicht, warum man pro Familie nur ein Fahrrad besitzen dürfte. Für ihn als dicker Bierbauch ist es vielleicht unerhört (er sieht wie der Stereotyp vom alkoholischen Hausmeister aus, deswegen habe ich es nie über mich gebracht, ihm ein Glas Wein anzubieten), aber es ist eigentlich normal, dass man zusammen Fahrrad fährt.

Der Zettel sieht nicht wie die üblichen Ankündigungen von den Vermietern aus, da sie sonst immer einen Briefkopf enthalten. Ich frage mich, ob sie überhaupt darüber in Kenntnis gesetzt wurden. Da sie Rechtsanwälte sind, denke ich, eher nicht, sonst hätten sie eine saubere Ankündigung gemacht. Als ich heute Abend nach Hause kam, waren immer noch genau so viele Fahrräder im Durchgang. Anscheinend hat sich niemand vom Zettel bedroht gefühlt. Ich habe mein Fahrrad auch dort wieder gestellt, weil ich nicht einsehe, dass ich die einzige bin, die ihr Fahrrad für Langfinger so einfach zur Verfügung stellen soll. Die Stellplätze für Fahrräder im Hof, die ich nie wahrgenommen hatte, weil sie gegen eine Hecke geschoben sind und von Vegetation überwachsen waren, sind immer noch leer. Der Hausmeister hatte heute Morgen darauf hingewiesen. Es sind die typischen Fahrradständer, bei denen der Abstand zwischen den Plätzen so eng ist, dass man nur jeden zweiten Platz belegen kann. Sie sind auch so tief, dass man damit unmöglich Rad, Rahmen und Stand zusammen anschließen kann. Oder man bräuchte zwei Schlößer. Wenn man genug Platz dafür hätte, weil die Hecke im Weg steht, um das Rad richtig anzuschließen. Ausreichend sind die Ständer auf keinen Fall, da man dort gerade sechs Fahrräder nebeneinander stellen kann, und ich schon mal über zwanzig Fahrräder im Durchgang gezählt habe (doch nicht so viel, für fünfzehn Wohnungen). Ich habe jedoch gemerkt, dass der Klavierspieler aus dem Erdgeschoss sein Fahrrad auf dem Balkon gestellt hat, und dass der Durchgang nicht mehr so voll wirkt (die Kinderspielsachen sind verschwunden).

Eigentlich sollte ich Kontakt mit den Vermietern nehmen, um nachzufragen, was tatsächlich Sache ist. Andererseits habe ich gerade in meinem Mietvertrag gelesen, dass das Abstellen von Fahrrädern im Durchgang ausdrücklich nicht erlaubt ist. Es war vom Anfang an so, und die Nutzung vom Durchgang wurde nur von allen so toleriert, ohne dass jemand sich darüber beschwert hat. Bis die neue Familie in die zweite Etage eingezogen ist.

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3 Gedanken zu “Wohin mit dem Fahrrad?

  1. Der Vermieter hat Hausrecht und darf entscheiden, was mit Durchgängen geschehen darf: http://www.anwalt.de/rechtstipps/rumpelkammer-treppenhaus_016188.html

    In den meisten Mietshäusern ist das Abstellen von Sachen in Durchgängen und Treppenhäusern aus Sicherheitsgründen untersagt (Brandgefahr). Ich gehe davon aus, dass der Hausmeister das bisher geduldet hat, als es überhand nahm, aber dies wieder zurück nahm (vielleicht ist der Aushang ja von ihm?).

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    • Sorry, ich habe erst jetzt gemerkt, dass der Kommentar automatisch zum Spam sortiert wurde.

      Ja, ich gehe stark davon aus, dass der Aushang vom Hausmeister kommt. Da im Mietvertrag das Abstellen von Fahrrädern im Durchgang verboten ist, habe ich nicht weiter gefragt.

      Die Ständer im Hof reichen trotzdem nicht, jetzt sind Fahrräder sogar an dünnen Bäume angeschlossen. Ich hoffe, die Bäume halten es durch. Ich habe entschieden, mein Fahrrad an die Sperre für meinen Parkplatz anzuschließen. So kann ich wenigstens Rad und Rahmen zusammen schließen.

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