Festival – Tag 2

Auszug aus meinem Reisetagesbuch.

Wir sind wieder gegen 07:00 geweckt worden. Einige unserer Nachbarn können anscheinend den Tag nicht beginnen, ohne vorher laut herum zu brüllen. Wir sind erst gegen 08:30 zu den Frühstückstischen gegangen und haben uns gleich danach auf dem Weg nach Leuven gemacht. Ich musste mal, wie jeden Morgen. Ich habe es vermieden, zu viel zu trinken, damit ich noch bis zur Stadt warten konnte. Wir haben in einer Kneipe nah am Bahnhof Kaffee getrunken und die Batterien unserer Handys teilweise aufgeladen (auf dem Festival konnte man vorgeladene Ladegeräte für zwei Marken erwerben, die für zwei Stunden Strom liefern, nicht genug für uns beide).

Wir sind durch die Stadt spazieren gegangen. Wir hatten noch nicht alles besucht. Da wir an eine Apotheke vorbei gegangen sind, habe ich mir Ohrstöpsel aus Wachs besorgt. Die habe ich auch zu Hause, aber leider nicht mitgenommen. Vor der Universitätsbibliothek (bei der ich vor acht Jahren an eine Tagung teilgenommen hatte) war ein Markt. Wir sind vorbei gegangen und haben in einem Park im Schatten der Bäume auf der Wiese geschlafen. Da wir hungrig wurden, haben wir mittags am Ende einer sehr süßen engen Gasse am Rathhaus in einer Kneipe gegessen. Drin, weil die Tische draußen ziemlich wackelig waren. Das selbst gebraute Amber ist definitiv sehr empfeglenswert, aber nur, wenn jemand es vorher kurz davor schon bestellt hat. Sonst kriegt man einen unangenehmen metallischen Geschmack, das hatte ich beim zweiten Glas. Den Fischburger fand ich nicht so toll. Zu viel von der Panade und viel zu wenig vom Fisch.

Auf unserem Tisch ist plötzlich eine dicke Ameise mit Flügeln gefallen. Es musste Paarungszeit sein, die Kopulation findet bei denen beim Fliegen statt. Beeindruckend fand ich, wie die Ameise sich so schnell von ihren Flügeln getrennt hat. Es hat vielleicht zehn Sekunden gedauert, bis alle vier Flügel auf dem Tisch geblieben sind. Davon hatte ich nur gelesen, aber nie selber beobachtet. Sie muss erfolgreich schwanger geworden sein. Es konnte nur ein Weib sein, da die Männchen bei der Paarung sterben (ihre am Boden gefallenen Leichen werden von den Arbeiterinnen als Nahrungsquelle zum Bau geschleppt). Wir haben die neue Königin nach draußen gebracht, damit sie eine bessere Möglichkeit findet, ihre Kolonie in einem neuen Ort zu gründen. Später sind noch drei oder vier Ameisen auf unserem Tisch gefallen, die aber ihre Flügel behalten haben und herum gelaufen sind.

Wir sind später zum Camping zurück gefahren. Sie hatten große Leinwände für die Fußballspiele bereit gestellt. Wir haben Bier geholt und an den Tischen das Spiel geschaut. Es gab nicht viele Festivalbesucher, die sich für Deutschland-Frankreich interessiert haben. Am Nachbartisch saßen einigen meiner noch Landesgleichen. Als ich gesehen habe, wie einer einfach seine Hose geöffnet hat, um unter dem Tisch auf der Wiese zu pinkeln, habe ich beschlossen, dass Deutschland gewinnen musste. Ich habe mich gefreut, als sie es tatsächlich geschafft haben. Bei der Halbzeit hatte ich ein bisschen Hunger und habe bei der veganen Bude geschaut. Sie hatten asiatische Nudeln, die zwar überkocht aussahen, aber mit Gemüse, mal was anderes als Hotdogs und Pommes. Ich hätte gerne welche probiert, aber als es mir klar wurde, dass das „4t“ kein halb verwischtes „4€“ war, sondern „4 tickets“ bedeutete (also 10€ pro Portion), habe ich es sein lassen. Wir haben doch Pommes auf der Straße vor dem Festivalgelände gegessen.

Danach sind wir zum Festival-Gelände gegangen. Es gab gerade eine Pause auf der Hauptbühne. Die Arctic Monkeys waren geplant, und ich war milde daran interessiert zu schauen, was sie machen. Inzwischen regnete es leicht, aber meine Regenjacke hatte ich dabei. Um uns herum wurde es ganz eng und der Rauch von den vielen Zigaretten ist nicht wie gestern schnell verschwunden, sondern hing lange in der Luft. Ständig sind Leute um uns herum hin und her gegangen. Dabei sind wir noch mit Bier geduscht worden. Was ich für Metallica ertragen habe, wollte ich für andere Gruppen nicht unbedingt erleben. Vor allem unter Regen. Ich habe schnell die Schnauze voll bekommen und bin zum Zelt zurück gegangen. Mit meinem leichten Rock und dem stärkeren Regen wurde es mir zu kalt. Ich habe es mir im Schlafsack gemütlich gemacht und mein Tauchlehrbuch weiter gelesen (mein erster praktischer Kurs ist am Tag unserer Rückreise geplant). Martin hat sich den Konzert zu Ende angeschaut und war zufrieden. Als er zurück kam, konnten wir relativ schnell einschlafen. Wachsohrstöpsel sind für mich wirklich am besten.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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