Am frühen Donnerstagmorgen

Ich hatte eigentlich den Wecker für 06:00 gestellt, nicht für 04:00. Trotzdem bin ich so früh aufgewacht. Direkt über mich hörte ich, wie jemand durch die Wohnung ging. Wahrscheinlich war jemand gerade aufgestanden, um zur Arbeit zu gehen. Es hat eine knappe halbe Stunde gedauert, bis die Person die Wohnung verlassen hat. Es ist nichts neues, auch wenn ich bis jetzt nur von der Nachbarin zwei Etagen höher so früh geweckt wurde, die um 05:30 weg geht. In letzter Zeit habe ich sie nicht mehr so häufig wahrgenommen. Heute hat mich das Rumgetrampel direkt oberhalb von meinem Bett aus dem Schlaf gerissen. Als die Person raus ging dachte ich, ich könnte endlich weiter schlafen, aber ich war schon hell wach. Vielleicht weil ich früher als sonst ins Bett gegangen bin und fünf Stunden geschlafen habe. Um 05:00 habe ich aufgegeben und bin aufgestanden. Weil ich die Nacht alleine verbracht habe. Martin musste einiges bei sich erledigen. Ich freue mich auf den Umzug. Die Wohnung ist unter dem Dach. Das begrenzt den Lärm durch Nachbarn erheblich.

Ich hätte heute eventuell ganz früh zur Arbeit gehen sollen. Normalerweise bin ich dort um 09:00, aber ich wollte Testmessungen an einem Gerät durchführen, falls unsere gestrigen Nutzer dort früher fertig sind, und bevor die nächste Gruppe um 09:00 kommt (wir haben Betrieb rum um die Uhr). Sie hätten bis 01:00 bleiben sollen, aber aufgrund von technischen Problemen, die ich heute weiter untersuchen wollte, haben wir ihre Messzeit verlängert. Ich habe ihnen meine Handynummer gelassen, damit sie mir Bescheid sagen, wenn sie gehen. Noch keine Nachricht bekommen. Meine Tests werden bis nächster Woche warten müssen.

Heute bin ich sowieso nicht lange bei der Arbeit. Meine Überstunden habe ich schon deutlich reduzieren können, und um 11:00 habe ich einen Termin beim Zahnarzt. Graus. Seit Dienstag habe ich starke Schmerze oben links. Es ist diffus, ich kann es nicht lokalisieren. Wenn ich nach dem Zähneputzen mit Zahnseide zwischen den Zähnen gehe, spüre ich nichts. Aber wohl, wenn ich esse, oder kalten Saft trinke. Wenn ich zu schnell gehe pocht es richtig. Gestern habe ich bei der Arbeit Paracetamol dagegen genommen, es hat geholfen. Ich habe in meiner Praxis gefragt, wann ich behandelt werden könnte, und heute geht’s. Erst gestern Abend bin ich auf die Idee gekommen, mit einem kleinen Handspiegel vor dem Schrank im Badezimmer meine Zähne zu untersuchen. Da ist ein Riesenloch auf der Innenseite von G4! Ich wundere mich, dass ich es nicht früher gespürt habe. Heute wird also vermutlich gebohrt. Ich war schon bei diesem Zahnarzt in Oktober und weiß, dass er gut arbeitet und alles tut, damit sich seine Patienten wohl fühlen. Die Helferin hatte mir sogar die Hand gehalten. Ich hoffe, es wird nicht ewig dauern. Und auch, dass die Betäubung am Nachmittag schnell nachlässt, damit ich mich normal unterhalten kann.

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Krämpfe

Keine schöne Art, den Tag zu starten. Ich hatte den Wecker für 08:00 gestellt, da ich heute Abend spät bei der Arbeit bleiben werde. Kurz vor acht war ich schon wach und versuchte im Bett, die Krämpfe in meinen Waden zu mildern. Nicht nur links, sondern in beiden Beinen.

Gestern habe ich wohl übertrieben. Ich hatte versucht, Krämpfe zu vermeiden, und hatte beim Frühstück zusätzlich eine Banane gegessen. Danach bin ich mit dem Fahrrad zu Martin gefahren. Falls es wieder warm werden sollte, hatte er mich gefragt, seine Pflanzen zu gießen. Ich habe bei ihm nach den 27km eine Stunde Pause gemacht. Viel getrunken. Danach bin ich zum Zoo gefahren. Das ist nicht weit von seiner Wohnung, liegt auf dem Rückweg zu meiner, und ich habe eine Jahreskarte. Das Wetter war schön. Ich habe mir an einem Stand eine Bratwurst im Brötchen geholt. Die junge Frau wollte mir aus meinem 5€ schein 1€ weniger zurück geben (klingt absolut betrachtet wie nicht viel aus, ist aber 20% Verlust), und da es mir in letzter Zeit vermehrt passiert, hatte ich das Geld gar nicht angefasst und ihr den Fehler zeigen können. Entschuldigt hat sie sich nicht mal.

Nach zwei Stunden Spaziergang durch den Zoo wurde es mir zu warm. Eis kaufen wäre gut gewesen, aber nicht bei 3€ pro Magnum, was ich sonst für 1,90€ in unserem Kaffee neben der Arbeit bekomme. Ich bin raus gegangen und habe beim Ullrich am S-Bahnhof eingekauft. Der einzige mir bekannte Supermarkt, der am Sonntag auf hat. Sheba-Dosen für meine Mieze brauchte ich, und nur dort weiß ich, dass ich die Sorte mit Meeresfrüchte immer finden kann. Gekühlte Buttermilch gekauft, statt Eis. Und ab nach Hause. Durch Kreuzberg Fahrrad zu fahren macht keinen Spaß. Die Autos und Taxis fahren auf der Straße viel zu schnell. Keiner beachtet den Radweg. Ein junger Mann hat sich wenigstens entschuldigt, als ich geklingelt habe, weil er sich fast im letzten Moment ohne sich umzuschauen vor meinen Rädern geworfen hätte.

Kurz vor Schöneweide habe ich wieder einen Krampf in der linken Wade gespürt. Pause gemacht. Banane gegessen, Buttermilch ausgetrunken. Von den ganzen Männern überholt worden, die ich vorher hinter mir gelassen hatte. Ich war eigentlich den ganzen Tag langsamer als sonst gefahren, da ich keine Eile hatte. Trotzdem war ich müde. Gestern Abend habe ich viel getrunken. Brot mit Käse gegessen. Nicht besonders früh ins Bett gegangen, da Martin mich gegen halb zwölf angerufen hat.

Ich vermute, ich leide unter Magnesium-Mangel. Bananen essen reicht nicht. Wenn es weiter geht muss ich zu den Tabletten greifen.

Beruhigt

Denn er hat mich angerufen. Er hat seit unserem letzten Telefonat wirklich kein Netz gehabt. Wie könnte es anders zu erwarten sein, bei 2800m im Gebirge? Als er heute Abend zurück in der Hütte war, hat er mich angerufen.

Das Handy lag auf dem Tisch neben mir. Seit gestern liegt das Handy ständig neben mir. Wie häufig habe ich bei WhatsApp geschaut, um festzustellen, dass er seit Donnerstag Abend nicht online war? Wie häufig habe ich auf Google nach den letzten Nachrichten in der Gegend gesucht, und jedes Mal meinen Herzen sinken gespürt, wenn ich etwas von einem Unfall gelesen habe? Ich hatte schon mit dem Gedanken gespielt, seinen Vater zu kontaktieren, um zu wissen, ob er von ihm gehört hätte. Und was wäre, wenn er irgendwo im Krankenhaus liegen würde?

Die Nummer am Display kannte ich nicht, aber von der Vorwahl her musste es von ihm sein. Das Handy habe ich gerade ein Mal klingeln lassen. Er tat so gut, seine Stimme zu hören. Ihm geht’s gut. Mir jetzt auch wieder. Ich werde besser einschlafen können. Morgen Abend will er sich wieder melden.

Katzenbetreuung

Als ich vom Urlaub zurück gekommen bin und meine Wohnung betreten habe, habe ich mich gleich um meine Mieze gekümmert, die von einer Katzensitterin aus meinem Viertel betreut wurde. Das war nicht so einfach, eine Betreuung zu finden. Für das verlängerte Wochenende bei meinen Eltern hatte ich schon danach gesucht. Bei meinen Suchen auf Google bin ich immer wieder auf die Agentur Mary Poppins gestolpert, die mir mit ihren auf Führungszeugnis geprüften Betreuern am meisten einen seriösen Eindruck gemacht hat. Auf ihrer Webseite verspricht sie

während der Arbeitszeit, während des Urlaubs oder einfach nur, wenn unerwartet Bedarf besteht […] einen liebevollen und zuverlässigen Katzensitter in Berlin – auch für eine spontane und kurzfristig Katzenbetreuung.

Interessant. Eine „spontane und kurzfristige Katzenbetreuung“ war genau das, was ich suchte. Ich habe am Freitag, eine Woche vor dem Wochenende, angerufen. Niemand ging dran. Am Montag konnte ich jemanden erreichen. Die Betreuung sollte ab dem Donnerstag statt finden. Die Frau wollte wissen, wo ich wohne. „Oh, so weit weg, ich werde bis Donnerstag niemanden finden können“, war ihre Reaktion auf meine Antwort. Enttäuscht. Ich wohne nicht in Mitte, aber immer noch in Zone B, und bin gut mit ÖPNV zu erreichen. Ich habe meinen Hausmeister nach Rat gefragt, und er hat mir eine Nachbarin empfohlen, die gerade Zeit hatte.

Ich wollte sie jetzt nicht so schnell wieder wegen Katzenbetreuung belästigen, selbst wenn sie sagte, sie hätte sich gerne um meine Mietze gekümmert. Das glaube ich, und meiner Katze ging’s sehr gut, als ich zurück gekommen war. Aber ich hätte den Eindruck gehabt zu übertreiben, obwohl sie sich damals über die leckeren mitgebrachten Spezialitäten aus meiner Gegend gefreut hat. Ich habe erneut nach Katzensittern in Berlin gegoogelt. Auf betreut.de konnte ich viele selbst angemeldete Betreuer finden, aber um Kontakt aufnehmen zu dürfen, musste man gleich eine Premium-Gebühr bezahlen. Ohne zu wissen, ob die kontaktierte Person antwortet, oder zuverlässig ist. Ich habe mein neu erstelltes Konto gleich wieder gelöscht.

„Versuch’s doch wieder bei Mary Poppins“, habe ich mir gedacht. Diesmal mit mehr Vorlaufzeit, zwei Wochen vor meiner geplanten Abreise. Von einer „spontaner“ Betreuung kann schon mal keine Rede mehr sein. Wieder niemanden am Telefon erreicht. Was treiben sie denn die ganze Zeit? Ich habe das Kontaktformular benutzt, um eine Email zu schicken. Am folgenden Montag, nachmittags, kam eine Antwort. Drin stand ein Angebot, mit einer Angabe über minimalen Tagessatz und dem Hinweis, dass ich die Person selber anstellen müsste, da die Agentur nur Ermittlungen macht. Ich sollte zurück antworten, ob das Angebot mir passt. Habe ich gemacht, mit einem unangenehmen Eindruck, da ich nicht genau weiß, wieviel ich am Ende wirklich bezahlen muss. Ich dachte, ich würde dann die Kontaktdaten der Person bekommen. Aber nein, die nächste Email, am nächsten Tag, enthielt eine Rechnung der Ermittlungsagentur (59,50€) und den Satz: „Nach Zahlungseingang werden wir Ihnen den Kontakt zur Betreuerin benennen. Diejenige nimmt mit Ihnen dann kurzfristig Kontakt auf, um sich mit Ihnen abzustimmen.“ Moment mal. Auf deren Webseite steht doch in der rechten Seite unter „Zufriedenheitsgarantie“, nicht zu übersehen:

Sie bezahlen unseren Service erst, wenn Sie mit der Vermittlung zufrieden sind.

Wie soll ich wissen, dass ich mit der Vermittlung zufrieden sein werde, wenn ich vorher bezahlen muss? Außerdem fand ich die Abreichung der Rechnung merkwürdig. Keine PDF-Datei im Anhang, sondern eine gescannte Kopie der Rechnung, im unsauberen JPG-Format. Unpraktisch, man kann BIC und IBAN nicht mit der Maus einfach kopieren und einfügen. Ich habe mit Martin diskutiert, ob ich wirklich bezahlen sollte, habe es am Ende gemacht. Nun, ich wusste nicht, wie lange die Überweisung dauern würde. Ich habe den Umsatzauskunft als PDF-Datei geschickt, mit der Bitte, möglichst schnell einen Kontakt mit der Betreuerin herzustellen, da das Datum für meine Abreise sich näherte. Zwei Tage vor meiner Abreise bekam ich eine Antwort, und am Abend rief mich die Betreuerin an. Also, die „spontane und kurzfristige Katzenbetreuung“ ist glatt gelogen. Sowie die „Zufriedenheitsgarantie“.

Wir haben uns für den kommenden Tag verabredet. Zum Glück hat sie gepasst. Musste sie ja. Ich hätte schlecht ablehnen können, da ich sonst in der knappen Zeit niemanden mehr hätte finden können (außer vielleicht die Nachbarin). Von ihrem Verhalten mit meiner Mieze her habe ich sofort gemerkt, dass sie viel mehr mit Hunden zu tun hat. Niemand streichelt eine Katze so unsanft auf dem Rücken. Vor allem eine mit langen Haaren. Ihr hat es auch nicht gefallen, und sie hat gleich die Pfote geschickt und gefaucht. Fast hätte sie gebissen. Ich habe zur Sicherheit der Katzenbetreuerin gezeigt, wo ich Verbandkasten und Desinfizierungsmittel habe.

Als ich vom Urlaub zurück gekommen bin, habe ich meine Mieze in die Arme nehmen wollen, wie immer, wenn ich nach Hause komme. Sie wirkte ein bisschen benommen, dass ich so lange weg war, und hat lieber am Boden bleiben wollen. Ich habe mit ihr geschmust. Auf ihrem Rücken habe ich sofort einen risiegen Knotenpaket gespürt. Mist. Das war lange nicht mehr passiert. Das muss ich jetzt entfernen, und es wird ewig dauern. Den Kamm kann ich vergessen. Ich darf sie schon im Normalfall kaum kämmen, nur wenn sie durch Leckerlies gerade abgelenkt ist. Ihre Haut ist sehr empfindlich. Die Knoten ziehen zusätzlich ständig dran, was eine Reizung für sie ist. Und das Kämmen funktioniert nur bei kleinen Knoten. Der ist jetzt so dick, dass nur noch die Schere hilft. Ich habe bei Fressnapf eine Effilierschere gefunden. Hoffentlich kann sie mir die Arbeit erleichtern.

Freitag

Heute war ich wieder bei der Arbeit. Ich musste sogar ganz früh dort sein, da ich einen Termin hatte. Schwierig, nach dem ich gestern Abend so spät ins Bett gegangen bin.

Ich hatte es nicht vor gehabt. Ich war gerade dabei, einige Dateien hochzuladen, als ich plötzlich keine Internetverbindung mehr hatte. Auf das Symbol für Drahtlosnetzwerkverbindungen geklickt und versucht, mich wieder zu verbinden: Fehlgeschlagen. Router genauer angeschaut: Er sah zuerst ganz brav aus. Ich habe im Adressefeld des Browsers o2.box eingegeben, um das Konfigurationsprogramm vom Router zu starten. Da war eine neue Meldung rechts, die sagte, ich hätte den voreingestellten WLAN-Schlüssel nicht geändert, was ein Sicherheitsproblem wäre. Wahrscheinlich deswegen meinte die Box, ohne Vorwarnung plötzlich zu streiken und mir keine Internet-Verbindung mehr zu liefern. Ich habe unter Firefox versucht, einen neuen Schlüssel im Konfigurationsprogramm zu setzen: Die LED für Internet an der Box wurde rot, was bedeutet, dass meine Zugangsdaten falsch sind. Es hat eine Stunde gedauert, bis ich den Schlüssel erfolgreich ändern konnte. Die Hilfe war dabei nicht sehr hilfreich, da nicht klar beschrieben wurde, in welcher Reihenfolge wie was gemacht werden sollte. Hier also zusammengefasst:

  1. Im Internet Explorer mit o2.box das Konfigurationsprogramm der Box gestartet.
  2. Bei leuchtender WLAN-LED den Taster „WLAN/WPS“ an der hinteren Seite der Box mindestens fünf Sekunden lang gedrückt.
  3. Im Konfigurationsprogramm unter „Internet“ war eine Eingabemaske für den neuen Schlüssel, den ich angegeben habe. Wahrscheinlich habe ich noch auf „Verbinden“ geklickt.
  4. Nochmal den WLAN-/WPS-Taster kurz gedrückt.
  5. Auf das Symbol für Drahtlosnetzwerkverbindungen geklickt und erneut mit dem Router verbunden, unter Angabe des neuen Schlüssels.

Und das war’s, wenn ich im Nachhinein nichts vergessen habe. Ich habe allerdings nicht gefunden, wie ich den WLAN-Schlüssel der Box in meinem Handy (Nokia C5) ändern kann, das heißt, ich kann mein Festnetz-WLAN erstmals nicht mehr aufs Handy zu Hause benutzen, um das mobile Datenvolumen zu verringern. Heute Abend nach dem Hochfahren vom PC war ich vom Router getrennt und musste wieder Punkt 5 ausführen. Aber eine gute Nachricht: Nach monatenlanger Störung funktioniert meine Telefonverbindung plötzlich wieder, ohne dass ich mich darum gekümmert habe. Ich vermute, dass O2 versucht hat, mich zu erreichen (zwecks Werbung, was sonst), und festgestellt, dass ich nicht anrufbar bin. Martin hat mich letzte Woche zu meiner Überraschung von seinem Festnetz aus angerufen, und mit meinem Handy geht’s auch. Ich habe sogar mit meiner Mami telefonieren können.

Apropos Martin. Seit gestern Abend nach unseren gute-Nacht-Nachrichten habe ich gar nichts mehr vom ihm gehört. Er ist bestimmt bei seiner Wandertour zu sehr beschäftigt. Oder er hatte einen Unfall. Oder David ist dabei, hat ihm von unserer Beziehung vor fünfzehn Jahren erzählt, und jetzt schmollt er. Oder er hatte was heute Nacht mit Floriane, seiner ehemaligen und sehr ledigen Kollegin, bei der er gerade übernachtet hat, und traut sich nicht mehr, sich zu melden. Keine Panik. Vielleicht hat er einfach gerade kein Netz.

Um 16:00 habe ich Feierabend gemacht. Ich bin mit dem Fahrrad nach Hause gefahren. Zwei Straßen von meiner Wohnung entfernt, als ich gerade gebremst hatte, um Kinder nicht zu überfahren, die direkt vor mir über die Straße gelaufen sind, fing plötzlich ein heftiger Schauerregen an. Ich bin durchnäßt in die Wohnung angekommen und habe mich zuerst ausziehen müssen. Pfff. Gestern bin ich auch unter Regen gefahren, da ich entschieden habe, von Tegel aus wieder nach Hause zu fahren. Insgesamt 36km, ich habe mich ab dem Aquarium verfahren. Nach Schöneweide habe ich mich müde gefühlt und kurz danach einen Krampf im linken Fuß gespürt. Und heute Morgen wog ich 300g mehr als gestern.

Ein leichter Kopfschmerz droft, da ein der Kinder im Hause (es sind zwei, noch im Kinderwagenalter) gerade auf die tolle Idee kam, Flöte im Treppenhaus zu spielen. Allerdings schlecht und nur ein Ton, der gar nicht klar gespielt wurde. Ich dachte, es geht schnell vorbei, bis es zu seiner Wohnung ankommt, aber anscheinend fühlte es sich gerade auf meiner Etage wohl. Nach leichtem Klopfen an die Wohnungstür (ich wollte mich nicht dafür wieder anziehen) meinte eine erwachsene weibliche Stimme direkt dahinter etwas wie „Ups“, und kurz danach hörte das nervige Pfeifen auf.

Alleine

Heute ist er für ein verlängertes Wochenende in die Alpen weg geflogen. Eine Wanderung mit seinem früheren Bergsteigerverein ist geplant. Obwohl er nicht mehr dort wohnt, ist er immer noch Mitglied. Er hatte mich gefragt, ob ich mitkommen wollte, aber es wäre mir zu viel.

Ich habe ihn heute Nachmittag am Flughafen getroffen. Er war morgens bei der Arbeit und hatte Sachen zu Hause vergessen. Da ich heute Nacht bei ihm geschlafen habe, und momentan sowieso frei habe, bin ich mit dem Fahrrad dahin gefahren. Eine halbe Stunde habe ich gebraucht, mehr nicht. Der Zugang zu Tegel mit dem Fahrrad ist nicht so einfach. Kein Radweg, und die Autos rasen so schnell an einem vorbei, dass ich beschlossen habe, lieber auf dem Gehweg zu fahren, der kaum benutzt wird. Die meisten Leute sind mit Auto oder Bus unterwegs. Vergeblich habe ich nach einem Parkplatz für Fahrräder gesucht. Mir wurde einen Parkplatz empfohlen, der aber nur für Motorräder geeignet ist (zwei Räder, wo ist der Unterschied?). Ich habe mein Fahrrad an einem Verkehrsschild angeschlossen.

Er hat sich gefreut, dass ich gekommen bin. Ich mache mir Sorgen. Ich hoffe, er kommt heil zurück. Unfälle hat er schon mal in den Alpen gehabt. Es gibt außerdem zur Zeit schreckliche Nachrichten mit Flugzeugen. Und ich weiß nicht, wer sonst noch bei der Wanderung ist. Die Gruppe ist klein, mit weniger als zehn Teilnehmern. Der Verein ist vom Forschungszentrum, und dort arbeitet David, der außer eine große Klappe auch ein begeisterter Bergsteiger ist. Die Beiden kennen sich, obwohl Martin ihn anscheinend nicht mag. Ich denke lieber nicht daran.

Heute Abend hat er mich angerufen. Er übernachtet bei einer ehemaligen Kollegin, die ihn morgen früh auf dem Weg zur Arbeit zum Wandertreff mit dem Auto bringt. Er hat mir schon viel von ihr erzählt. Anita kennt sie auch. Sie waren eine große Freundengruppe. Das Wochenende verbringt er danach mit der Wandergruppe in Hütten.

Das heißt, ich bin bis Montag alleine. Zeit für mich. Ich sollte sie besser nicht verschwenden.

Wohnung gekauft!

Wer hätte das gedacht? Nach so langem hin und her zögern, nach so vielen Wohnungsbesichtigungen, hat er sich endlich für eine Wohnung entschieden. Es hat über ein Jahr gedauert. Um fair zu sein, so weit war er schon vor zwei Monaten, aber eine Immobilienagentur hatte sich vorher als interessiert gemeldet und die Wohnung vor seiner Nase gekauft. Weil er sich noch Zeit zum Überlegen nehmen wollte. Entscheidungen treffen ist immer noch nicht seine Stärke.

Als er dann kurz vor dem Urlaub sagte, er hätte großes Interesse für eine neue Wohnung, habe ich ihm zuerst gesagt, wenn es so ernst ist, dürfte er keine Zeit verlieren. Er hat mir die Unterlagen gezeigt. Von der Beschreibung her ist es unglaublich, dass sie noch nicht verkauft wurde. Es muss die beste Wohnung sein, die er je besichtigt hat. Für den gleichen Preis hat er deutlich kleinere Wohnungen gesehen, die auch nicht so schön eingerichtet waren. Er hat den Kaufvertragsentwurf beantragt und während des Urlaubes per Email bekommen. Seine Cousine, die Rechtsanwältin ist, hat ihn gelesen und ihm gesagt, es wäre in Ordnung. Letzte Woche habe ich mit ihm die Wohnung besucht. Sie ist wirklich sehr schön, in einem grünen Viertel. An der letzten Etage, aber nicht zu hoch, mit einer großen Terrasse, vier Zimmern, und sehr ruhig gelegen. Sogar Tiefgarage und abgeschlossener Raum für Fahrräder (zugegegen, schon sehr voll) sind vorhanden. Man müsste nur den Boden komplett ändern (Parket statt Teppischboden) und die Wände neu streichen. Eine neue Küche käme dazu, die, die von den Besitzern drin gelassen wurde, gefällt uns nicht. Das Badezimmer sieht auch nicht gerade toll aus, aber es ist nicht schwierig, erst später Arbeiten drin zu machen, da ein Gästebadezimmer vorhanden ist.

Es gab noch viele Diskussionen mit dem Makler, der bis gestern die einzige Kontaktmöglichkeit mit den Besitzern darstellte. Und gestern Abend war es so weit: Ich habe ihn zum Notar begleitet, damit der Kaufvertrag durchgelesen und von allen Parteien unterschrieben wird. Wie der Makler da am Tisch gesessen hat, habe ich die ganze Zeit an einen Vampir gedacht. Die Besitzer sind ein Paar, die sich ein neues Haus bauen lassen haben und die Wohnung aus diesem Grund verkaufen wollen. Der Mann, im Anzug, übergewichtig, meinte gleich, ich wäre Spanierin. Wahrscheinlich, weil ich dunkle Haare habe und vom Urlaub noch braun bin. Was für eine Frechheit, sich bei einem ersten Treffen Äußerungen über das Aussehen von anderen Personen zu erlauben. Seine Frau, auch fettleibig, ist selber Spanierin, aber ihre Haut war sehr hell. Ein bisschen gezwungenes Small-Talk gab es, bevor es um den eigentlichen Grund des Treffens ging. Ein bisschen Ärger gab es schon mit dem Makler, nachdem die Vertreterin des Notars den Kaufvertrag unterschreiben lassen hat, weil er eine frühere Version des Provisionsvertrages gebracht hatte, statt die aktuellste, die er durch Diskussionen am Telefon überarbeitet und per Email geschickt hatte. Blutsauger, echt. Martin hat den Vertrag trotzdem unterschrieben. Eigentlich hätte ich gar nicht dabei sein müssen, aber ich wollte ihn moralisch unterstützen. Danach habe ich ihn zu einer Cocktail-Bar eingeladen, als Belohnung dafür, dass er endlich seinen Traum realisiert hat.

Das heißt auch, in nicht zu weit entfernter Zeit ziehen wir zusammen. Das hatte er mich schon ganz früh gefragt, deswegen hat er angefangen, nach größeren Wohnungen zu suchen. Ich freue mich. Ich würde mich aber auch freuen, wenn wir zusammen zu einer Mietwohnung umziehen würden. Erstmals abwarten, bis die Finanzierung durch seine Bank bewilligt wird. Ich verstehe das Ganze nicht wirklich. Warum kann eine Bank ein persönliches Angebot für eine Finanzierung bei Kunden machen, wenn sie danach doch nein sagen kann? So ist es nämlich mit dem ersten potentiellen Käufer der Wohnung gelaufen (die Besitzer haben erzählt, dass die Finanzierung gescheitert war, weil der Interessent keinen Startkapital bringen konnte). Martin wollte eine Wohnung vor allem kaufen, weil es für ihn eine sichere Anlage für sein Vermögen ist. Kann ich verstehen. Wenn wir zusammen ziehen, werde ich mich natürlich an den Laufkosten beteiligen. Wahrscheinlich wird es so hoch wie meine aktuelle Miete sein.

Migränewetter

Ich sollte an diese Hitze gewöhnt sein. In meiner Heimat ist es im Sommer meistens sehr heiß. Und vor Kurzem in Spanien hatten wir sogar 39°C. Mir geht’s schlecht.

Es kann sein, dass ich in letzter Zeit übertrieben habe. Ich war schon froh, bei meiner Rückkehr aus dem Urlaub festzustellen, dass ich gar nicht zugenommen hatte. Tapas und den leckeren frischen Fisch habe ich in Spanien reichlich genossen. Vermutlich liegt es daran, dass wir so viel zu Fuß unterwegs waren. Da das Wetter hier so schön wurde, habe ich beschlossen, häufiger mit dem Fahrrad zu fahren. Seit letzter Woche habe ich jeden Tag 25km geschafft. Am Samstag sind wir zum Strandbad Wannsee gefahren. Ich hatte die Idee, danach zu mir zu fahren, und damit am Tag 60km zurück zu legen, aber bei der Hitze war es völlig unrealistisch. Wir sind von dort aus mit der Bahn gefahren. Gestern wurde die geplante Spazierfahrt aufgrund der Hitze auch verkürzt. Wir haben Pause in einem Biergarten im Schatten gemacht und ich habe einen Liter Fassbrause getrunken.

Heute Morgen hatte ich seit letzter Woche keinen Gramm abgespeckt. Irgendwie frustrierend. Laut BMI bin ich nicht im Übergewicht, immer noch im grünen Bereich, aber ich sollte mich in Acht nehmen, die obere Grenze ist nicht so weit.

Vielleicht habe ich mich mit dem vielen Fahrradfahren überanstrengt. Oder das Wetter ist Schuld. Heute war es wieder zu warm im Büro. Ich bin mehrmals zur Toilette gegangen, um mir den Kopf naß zu machen. Der Ventilator war im Einsatz. Am Ende des Tages musste ich Testmessungen an den Geräten im klimatisierten Raum durchführen, der gut zehn Grad kühler als mein Büro ist. Als ich zurück zu meinem Schreibtisch kam, habe ich mich schlecht gefühlt. Schwindelig. Mein Bauch hat geschmerzt, und eine Migräne hat sich bemerkbar gemacht. Draußen sammelten sich graue Wolken. Mir ging’s früher immer sehr schlecht kurz vor einem Gewitter, ich musste mich sogar häufig auf dem Boden hinlegen, aber es hatte nachgelassen, seitdem ich mit Sport angefangen hatte. Heute hat es mich umgehauen, und es gab zum Schluß doch nicht mal richtig Gewitter, was vorher bei diesem Zustand für mich immer wie eine Befreiung gewirkt hatte.

Ich habe Paracetamol eingenommen, ohne nennenswerte Wirkung. Kurz danach habe ich beschlossen, Feierabend zu machen. Es war schon 18:30. Ich habe das Fahrrad bei der Arbeit gelassen. Ich wollte bei Kaufland einige Sachen besorgen. Dabei hatte ich im Supermarkt ständig das Gefühl, dass ich gleich umkippen würde. Ich war alleine, Martin war noch bei der Arbeit beschäftigt. Ich bin mit der Tram nach Hause gefahren und habe eine Packung Pringles gefressen (ich hatte im Kaufland plötzlich Lust drauf). Kalten Grüntee getrunken, den ich gestern vorbereitet hatte. Die Migräne hat langsam nachgelassen. Jetzt bin ich nur noch sehr müde. Gut, dass ich diese Woche ab morgen noch drei Tage frei genommen habe. Ich muss meinen Resturlaub los werden, da ich demnächst den Arbeitgeber wechseln werde. Ich habe noch drei Wochen in August geplant. Anders ausgedrückt, ich habe bis jetzt einfach zu wenig Anspruch auf meinen Urlaub genommen.

Eine neue Zickengeschichte

Gestern Abend, um die 21:00, in der S42, kurz vor Südkreuz gesehen.

Die Bahn ist voll. Zwischen zwei Türen, nicht weit von mir, stehen zwei Frauen, eine ältere und eine jüngere, um die zwanzig oder weniger. Mit ihnen reist ein Mädchen, bestimmt unter zehn Jahre alt, und ein kleiner Hund mit schwarzer Rückenjacke an der Leine. Sie fallen mir plötzlich auf, weil die junge Frau, mager mit langen schwarzen Haaren und Piercing, in einem geekelten Ton laut von sich gibt, dass sie hier nicht mehr bleiben könnte und bei der nächsten Station aussteigen müsste. Aus meinem Sitzplatz schaue ich in ihre Richtung. Die Leute um sie herum starren den Boden an und gehen ohne Wort einige Schritte zurück. Dort, vom Hund aus, verläuft eine gelbe Flüssigkeit, mit Gras gemischt. Offensichtlich hat sich der Hund gerade übergeben. Der Zug bremst, wir sind fast am Südkreuz. Die Frauen ziehen an der Leine vom Hund und gehen mit dem Mädchen zur Tür.

Auf der anderen Seite der Tür steht ein Paar. Er ist kahl und hellhäutig, vielleicht Mitte vierzig, sie ist braun mit lockigen Haaren, bildhübsch, und hält eine Rolle Papier in der Hand. Der Mann sagt den Frauen in einem höflichen Ton, sie können doch nicht einfach aussteigen und das Erbrechen da liegen lassen. Die Frauen wirken irgendwie beleidigt, dass jemand es gewagt hat, sie anzusprechen und ihnen Vorwürfe zu machen. „Was sollen wir denn machen?“ fragt die ältere Frau. Er sagt, sie könnten wenigstens mit einem Taschentuch die Flüssigkeit entfernen, die sich immer noch im ganzen Gang im Bremssrichtung verbreitet. Die junge Frau kichert. Die ältere Frau zuckt arrogant mit den Achseln, sagt, sie haben kein Taschentuch, und beide Frauen steigen mit geradem Rücken mit dem Hund aus, ohne um sich herum zu schauen. Das Mädchen schaut besorgt zurück, wird aber mitgeschleppt. Am Bahnsteig angekommen, fragt die alte Frau, ob sie denn das Erbrechen vom Hund hätte lecken sollen. Eine tolle Idee, denke ich, das würde ich gerne sehen, dafür, dass sie nicht mal auf die Idee gekommen ist, sich bei den anderen Gästen überhaupt zu entschuldigen (wäre es nicht das Minimum?).

Die Tür geht wieder zu, wir fahren gleich weiter. Erst jetzt wagt es die junge Frau, dem im Zug gebliebenen Paar anzuschimpfen. Sie ruft „Fickt euch!“ nach ihnen, indem sie den mittleren Finger hoch hebt (und bringt damit wunderbar ihr Niveau zum Ausdruck). „Assis“, denke ich. Ich weiß nicht, ob das Paar die Rufe der Frau gehört haben. Durch die geschlossene Tür habe ich es kaum wahrgenommen, so leise es war, wenngleich die Schimpfworte deutlich waren (ich habe ja feine Ohren). Andere Leute am Bahnsteig haben sie schon komisch geschaut. Der Mann, der einzige, der die Frauen angesprochen hat (alle andere Gäste haben sich vom Anfang an verhalten, als ob plötzlich in die andere Richtung etwas super spannendes statt finden würde), hat auf jeden Fall nichts gemerkt, er stand die ganze Zeit mit dem Rücken zur Tür. Die Frau, die mit ihm reiste, hat gelacht und dem Mann gesagt, „das ist dein Volk“. Das alles sagt schon, was für ein Eindruck Ausländer von Deutschen bekommen.

Eigentlich hätte man die Frauen wegen Beleidigung anzeigen lassen sollen. Ich hatte Zeit, ich hätte mich sogar als Zeugin bereit gestellt. Vom Verhalten und Aussehen der Frauen her glaube ich kaum, dass sie viel verdienen. Es würde ihnen nicht schaden, als Erziehungsmaßnahme Strafgeld für ihr Benehmen zu bezahlen. Schließlich hat mein Vater selber schon auf dieser Weise von einem verbalen Angreifer Geld bekommen. Leider fuhr der Zug schon weg, und wenn die Betroffenen von der Beleidigung nichts merken, kann ich auch nichts für sie machen.

Wohin mit dem Fahrrad?

So ein Mist. Gerade aus dem Urlaub zurück gekommen, wurde ich heute Morgen vom Hausmeister begrüßt. Was in sich nichts Schlimmes ist, er hat sich trotz seiner bekannten Ausländerfeindlichkeit mit mir immer sehr freundlich verhalten. Er war gerade dabei, den Durchgang des Hauses zu fegen, wo alle Bewohner der Häuser ihre Fahrräder abstellen. So ist es immer gewesen, seitdem ich hier wohne. Ich erinnere mich, wie der Hausmeister selber mir bei meiner Besichtigung sagte, es wäre doch kein Problem, das Fahrrad im Durchgang zu lassen, alle Leute wären im Haus so freundlich. Es hatte die Wohnung für mich sofort attraktiv gemacht, da der breite Durchgang immer abgeschlossen ist und man drin die Fahrräder sicher und trocken übernachten lassen kann.

Der Durchgang ist eine Verbindung zwischen dem Parkplatz und dem Hinterhof. Es gibt nur zwei große Türe auf beiden Seiten. Der Zugang zu den Wohnungen erfolgt über den Hof, den man auch zu Fuß aus einer anderen Straße erreichen kann. Zugegeben, es ist seit einigen Monaten sehr eng im Durchgang geworden. Genauer gesagt, seitdem die kleine Familie im Frühling eingezogen ist, in die Wohnung der älteren Nachbarin, die mir wegen Umzug ihre neu aussehende Einbauküche samt Kühlschrank für gerade 1000€ verkauft hatte (ein tolles Geschäft). Plötzlich noch mehr Fahrräder, Kinderwagen, Schlitten, sogar Puppenwagen standen da. An manchen Abenden musste Martin sein teueres Rennrad zu mir in die Wohnung hochtragen, weil kaum Platz im Durchgang vorhanden war, um es mit meinem zusammen anzuschließen. Bei seinem Rennrad geht es gut, es ist so leicht. Mein Fahrrad ist verdammt schwer. Ich fand es von den neuen Nachbarn ziemlich umverschämt, vor allem, weil sie für ihren Umzug mit einem Zettel im Flur angekommen waren, um uns darum zu bitten, an dem Tag unsere Fahrräder woanders zu räumen. Damals war der Durchgang eigentlich noch gut begehbar. Bei meinem eigenen Umzug wäre ich nicht mal auf die Idee gekommen, und es war wirklich kein Problem gewesen.

Es muss einen Streit gegeben haben. Da ich die Hälfte der Zeit bei Martin bin und sowieso immer spät nach Hause komme, habe ich davon nichts mitbekommen. Das hatte der Hausmeister schon vor einem Monat angedeutet. Er meinte, das Abstellen von Gegenständen im Durchgang wäre nicht mehr erlaubt. Da keine schriftliche Meldung von den Vermietern gekommen war, haben sich aber alle Nachbarn wie immer verhalten und die Fahrräder weiterhin im Durchgang geparkt. Seit heute hängt ein Zettel im Flur:
14072014924k
Es könnte auch seit letzter Woche da sein, keine Ahnung, ich war im Urlaub. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Es gibt kein Datum, keine Unterschrift, nicht mal eine Anschrift. Es könnte im Prinzip von irgendjemandem geschrieben worden sein, und ich glaube nicht, dass man damit rechtlich etwas begründen könnte. Es ist so unpersönlich formuliert, dass ich mich frage, ob der Hausmeister mit den Vermietern darüber diskutiert hat, oder ob es seine eigene Entscheidung war. Er meinte heute morgen, einige Mieter hätten sich do dumm angestellt, dass das Abstellen von Gegenständen ab jetzt allgemein verboten werden sollte. Ich kann nur vermuten, dass er die neue Familie meint. Gleichzeitig hat er sich darüber aufgeregt, dass einige Haushalte mehr als ein Fahrrad haben, als ob es unverschämt wäre. Ich sehe nicht, warum man pro Familie nur ein Fahrrad besitzen dürfte. Für ihn als dicker Bierbauch ist es vielleicht unerhört (er sieht wie der Stereotyp vom alkoholischen Hausmeister aus, deswegen habe ich es nie über mich gebracht, ihm ein Glas Wein anzubieten), aber es ist eigentlich normal, dass man zusammen Fahrrad fährt.

Der Zettel sieht nicht wie die üblichen Ankündigungen von den Vermietern aus, da sie sonst immer einen Briefkopf enthalten. Ich frage mich, ob sie überhaupt darüber in Kenntnis gesetzt wurden. Da sie Rechtsanwälte sind, denke ich, eher nicht, sonst hätten sie eine saubere Ankündigung gemacht. Als ich heute Abend nach Hause kam, waren immer noch genau so viele Fahrräder im Durchgang. Anscheinend hat sich niemand vom Zettel bedroht gefühlt. Ich habe mein Fahrrad auch dort wieder gestellt, weil ich nicht einsehe, dass ich die einzige bin, die ihr Fahrrad für Langfinger so einfach zur Verfügung stellen soll. Die Stellplätze für Fahrräder im Hof, die ich nie wahrgenommen hatte, weil sie gegen eine Hecke geschoben sind und von Vegetation überwachsen waren, sind immer noch leer. Der Hausmeister hatte heute Morgen darauf hingewiesen. Es sind die typischen Fahrradständer, bei denen der Abstand zwischen den Plätzen so eng ist, dass man nur jeden zweiten Platz belegen kann. Sie sind auch so tief, dass man damit unmöglich Rad, Rahmen und Stand zusammen anschließen kann. Oder man bräuchte zwei Schlößer. Wenn man genug Platz dafür hätte, weil die Hecke im Weg steht, um das Rad richtig anzuschließen. Ausreichend sind die Ständer auf keinen Fall, da man dort gerade sechs Fahrräder nebeneinander stellen kann, und ich schon mal über zwanzig Fahrräder im Durchgang gezählt habe (doch nicht so viel, für fünfzehn Wohnungen). Ich habe jedoch gemerkt, dass der Klavierspieler aus dem Erdgeschoss sein Fahrrad auf dem Balkon gestellt hat, und dass der Durchgang nicht mehr so voll wirkt (die Kinderspielsachen sind verschwunden).

Eigentlich sollte ich Kontakt mit den Vermietern nehmen, um nachzufragen, was tatsächlich Sache ist. Andererseits habe ich gerade in meinem Mietvertrag gelesen, dass das Abstellen von Fahrrädern im Durchgang ausdrücklich nicht erlaubt ist. Es war vom Anfang an so, und die Nutzung vom Durchgang wurde nur von allen so toleriert, ohne dass jemand sich darüber beschwert hat. Bis die neue Familie in die zweite Etage eingezogen ist.