Vom Wochenende

Das Wetter war toll, richtig sommerlich. Wir sind am Samstag mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. Einmal quer durch Berlin, West-Ost, von seiner Wohnung bis zu meiner. Dreiundzwanzig Kilometer. Ich habe mich daran gewöhnt, mindestens einmal pro Woche die Strecke zu radeln. Am Samstag sind wir mit Pausen zwischendurch gefahren, da ich wieder mit meinen Perioden dran war. Es hilft leider nicht viel. Seitdem wir zusammen sind, nehme ich langsam aber sicher wieder zu. Schuld ist für mich sicherlich das Abendessen, das ich vorher immer vernachlässigt hatte. Außerdem habe ich am Samstagabend leichte Schmerze im rechten Knie gespürt. Ich sollte die Höhe vom Sattel prüfen.

Am Sonntag war Wahltag. Ich habe zuerst das Wahllokal in Köpenick für die Europawahl besucht. Es war in einem hohen Wohngebäude, mit unauffälligen A4-Blättern als Schilder. Ich bin drei Mal mit dem Rad vorbei gefahren, bevor ich es gefunden habe. Zwei Rentner, die direkt gegenüber wohnten, konnten mir nicht sagen, wo das Wahllokal war. Gehen sie denn nie wählen? Danach sind wir, wieder mit Fahrrad, zur französischen Botschaft gefahren. Meine Vertreter am Konsulat wurden ebenfalls an dem Tag gewählt. Vermutlich haben sie diesen Tag ausgewählt, weil sie dachten, die meisten Franzosen gehen eh schon für die Europawahl zum Konsulat, dann können sie gleich an eine zweite Wahl teilnehmen. Nun, ich bin lange genug in Deutschland, um mich eher für die deutsche Politik zu interessieren. Am Ende waren wir wieder in Charlottenburg. Nachdem er auch seine Stimme für die Europawahl abgegeben hat, haben wir ein Bier draußen getrunken.

Über das Ergebnis der Europawahl will ich nicht diskutieren. Es haben sich schon genug darüber geärgert. Meine Stimme zählt sowieso nicht zu den französischen Ergebnissen, da ich in Deutschland für eine deutsche Partei gewählt habe. So viel sei gesagt: Ich habe mir dadurch vorgenommen, die lang in Erwägung gezogene doppelte Bürgerschaft endlich zu beantragen. Nächste Woche gehe ich zum Rathaus. Formal erfülle ich die Bedingungen, und die Gebühren sind kein Hindernis. Ich hoffe sehr, dass es klappt, da ich schon so lange in Deutschland wohne und nicht vor habe, beruflich zurück nach Frankreich zu ziehen, wo ich eh nie gearbeitet habe. Ob ich wirklich die doppelte Bürgerschaft nehme oder sogar die Französische komplett aufgebe, bleibt dann zu sehen.

Mein IT-Kollege konnte sich am Montag Kommentare über die Wahlergebnisse nicht verkneifen. Besonders lustig fand er, dass in Frankreich „vor kurzem noch ein Feiertag als Erinnerung an das Ende des zweiten Weltkrieges und somit den Sieg über Nazismus statt fand“, und gleichzeitig ein Viertel der (wählenden) Bevölkerung für eine rechtsextremistische Partei gestimmt hat. Interessant fand ich das Ergebnis der Wahl der Vertreter im Konsulat, die nur von den im Ausland lebenden Franzosen gewählt wurden. Dort hat die Partei von Le Pen gerade 4% erreicht. Mein IT-Kollege meinte, es wäre klar, da „nur Leute mit einer Arbeit in Deutschland leben würden und diese keine Existenzangst hätten“. Meine Erklärung ist eher, dass man sich als Ausländer nicht selbst in den Knie schießt.

Apropos, mein Knie schmerzt immer noch, und viel mehr als am Wochenende. Ich konnte gestern bei der Arbeit die Treppe nur schwer hoch oder runter gehen, und bin mit dem Bus nach Hause gefahren. Bei fast jedem Schritt spüre ich, wie er leise knackt. Er zeigt auch eine leichte Schwellung an der Seite. Ich habe gestern den ganzen Abend Eis drauf gelegt, ohne nennenswerte Besserung.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

2 Gedanken zu “Vom Wochenende

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