Gereizt

Winfried hatte sich seit einiger Zeit mit einem Doktoranden beschäftigt, der bei uns einen Haufen Messungen gemacht hat. Dabei wollten sie mein Programm benutzen. Leider ging etwas schief. Was das Problem war, ist mir nicht klar. Aus irgendeinem Grund konnte Winfried in seinen eigenen Verzeichnissen keine neue Dateien anlegen, obwohl er die Rechte dazu hätte. Mit mir hat es sicherlich nichts zu tun, mein IT-Kollege ist eher dafür zuständig. Die Konsequenz davon ist aber gewesen, dass ich die ganzen Datensätze vom Doktoranden auswerten durfte. Es hat mir drei Tage in Anspruch genommen. Als ob ich sonst nichts zu tun hätte…

Als Vorbereitung zu dieser Messung hatte mich Winfried schon vor zwei Monaten darum gebeten, eine neue Funktion im Programm einzubauen, und einen Testdatensatz damit auszuwerten. Die Auswertung hing von einem Startmodell ab, das der Doktorand mir gegeben hatte. Die Ergebnisse hatte ich ihm danach geschickt, mit der Bitte, sie sich genau anzuschauen, um zu wissen, ob das Startmodell für seine Zwecke in Ordnung war. Da ich keine Rückmeldung bekommen hatte, bin ich davon ausgegangen, dass er damit zufrieden war. Heute kam der Doktorand, um sich die Ergebnisse mit mir anzuschauen (dass er ursprünglich mit Winfried zusammen arbeiten sollte, ist nichts mehr zu merken). Und da merkte er auf einmal, dass sein Startmodell viele Wassermoleküle enthält und er dadurch keine Aussage über das Ergebnis treffen konnte. Drei Tage Arbeit umsonst. Er hatte sich offensichtlich die Testergebnisse gar nicht angeschaut. Er meinte dann, ich könnte die ganze Arbeit mit dem neuen Modell wieder starten. Ich hätte ihn erwürgen können.

Von meinem Vorhaben für diese Woche konnte ich nichts machen. Uschi hatte mir einige wichtigen Aufgaben gegeben, dazu blieb mir keine Zeit. Jetzt muss ich ihm noch bei unserem Projekttreffen am Montag begründen, warum ich sie nicht erledigen konnte. Es macht keinen Spaß, zwei Chefs zu haben, die sich nicht mal darüber einig sind, was ich machen soll. In der Job-Beschreibung stand aber definitiv nicht, ich sollte die Drecksarbeit von Studenten machen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.