Jetzt weiß ich es wieder

Warum mein rechter Knie seit einer Woche so schmerzt. Es ist mir gestern wieder eingefallen, als wir bei seiner Familie zu Besuch waren und uns über Urlaub unterhalten haben.

Urlaub… Das nächste Mal in einem Monat. Wir wollen beim Rock-Festival zelten. Stimmt. Als wir am letzten Samstag zu mir mit Fahrrad unterwegs waren, haben wir an einigen Outdoor-Läden Pause gemacht. Zuletzt bei Globetrotter. Einige Zelten waren dort ausgestellt. Bei einem bin ich herein gekrabbelt, um mir eine bessere Idee davon zu machen. Eine Matte lag am Boden und sah kuschelig aus. War sie aber nicht. Als ich auf allen vieren mit dem Knie nach vorne rein kam, bin ich gegen den harten Boden voll geknallt. Die Matte hat nichts gedämpft, und der Boden muss, von der Matte versteckt, noch höher als draußen gelegen haben, weil es mich so überrascht hat. Es hätte mir fast Tränen gebracht, so weh es getan hat, aber ich wollte nicht so tollpatschig wirken und habe nichts gesagt.

Und dann habe ich es wieder vergessen. Am Samstagabend habe ich Schmerze gespürt und mich gewundert, warum auf einmal. Ich dachte, es müsste am Fahrrad liegen. Es würde bald vorbei gehen. Ich habe am Dienstag auf Sport verzichtet, als es am Anfang der Woche stärker wurde. Als wir am Mittwochabend ein japanisches Restaurant verließen und unter dem Regen uns beeilten, hat ein starker Schmerz meinen Knie von links nach rechts durchgestochen. Ich hatte den Eindruck, mein Knie würde meinen Gewicht nicht mehr tragen können. Martin hat mir zu Hause eine Kompresse für den Knie gegeben, und ich habe mich wieder gefragt, warum ich plötzlich vom Fahrrad fahren Schmerze bekomme. Bis mir gestern der Vorfall beim Zelt wieder einfiel. Irgendwie blöd.

Vom Wochenende

Das Wetter war toll, richtig sommerlich. Wir sind am Samstag mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. Einmal quer durch Berlin, West-Ost, von seiner Wohnung bis zu meiner. Dreiundzwanzig Kilometer. Ich habe mich daran gewöhnt, mindestens einmal pro Woche die Strecke zu raddeln. Am Samstag sind wir mit Pausen zwischendurch gefahren, da ich wieder mit meinen Perioden dran war. Es hilft leider nicht viel. Seitdem wir zusammen sind, nehme ich langsam aber sicher wieder zu. Schuld ist für mich sicherlich das Abendessen, das ich vorher immer vernachlässigt hatte. Außerdem habe ich am Samstagabend leichte Schmerze im rechten Knie gespürt. Ich sollte die Höhe vom Sattel prüfen.

Am Sonntag war Wahltag. Ich bin zuerst zu meinem Wahllokal in meinem Bezirk für die Europawahl gegangen. Es war in einem hohen Wohngebäude, mit unauffälligen A4-Blättern als Schilder. Ich bin drei Mal mit dem Fahrrad vorbei gefahren, bevor ich es gefunden habe. Zwei Rentner, die direkt gegenüber wohnten, konnten mir auch nicht sagen, wo das Wahllokal war. Gehen sie denn nie wählen? Danach sind wir, wieder mit Fahrrad, zur französischen Botschaft gefahren. Meine Vertreter am Konsulat wurden ebenfalls an dem Tag gewählt. Und am Ende waren wir wieder in seinem Bezirk. Nachdem er auch seine Stimme abgegeben hat, haben wir ein Bier draußen getrunken.

Über das Ergebnis der Europawahl will ich nicht diskutieren. Es haben sich schon genug darüber geärgert. Meine Stimme zählt sowieso nicht zu den französischen Ergebnissen, da ich in Deutschland für eine deutsche Partei gewählt habe. So viel sei gesagt: Ich habe mir dadurch vorgenommen, die lang in Erwägung gezogene doppelte Bürgerschaft endlich zu beantragen. Nächste Woche gehe ich zum Rathaus. Formal erfülle ich die Bedingungen, und die Gebühren sind kein Hindernis. Ich hoffe sehr, dass es klappt, da ich schon so lange in Deutschland wohne und nicht vor habe, beruflich zurück nach Frankreich zu ziehen, wo ich eh nie gearbeitet habe. Ob ich wirklich die doppelte Bürgerschaft nehme oder sogar die Französische komplett aufgebe, bleibt dann zu sehen.

Mein IT-Kollege konnte sich am Montag Kommentare über die Wahlergebnisse nicht verkneifen. Besonders lustig fand er, dass in Frankreich „vor kurzem noch ein Feiertag als Erinnerung an das Ende des zweiten Weltkrieges und somit den Sieg über Nazismus statt fand“, und gleichzeitig ein Viertel der (wählenden) Bevölkerung für eine rechtsextremiste Partei gestimmt hat. Interessant fand ich das Ergebnis der Wahl der Vertreter im Konsulat, die nur von den im Ausland lebenden Franzosen gewählt wurden. Dort hat die Partei von Le Pen gerade 4% erreicht. Mein IT-Kollege meinte, es wäre klar, da „nur Leute mit einer Arbeit in Deutschland leben würden und diese keine Existenzangst hätten“. Meine Erklärung ist eher, dass man sich als Ausländer nicht selbst in den Knie schießt.

Apropos, mein Knie schmerzt immer noch, und viel mehr als am Wochenende. Ich konnte gestern bei der Arbeit die Treppe nur schwer hoch oder runter gehen, und bin mit dem Bus nach Hause gefahren. Bei fast jedem Schritt spüre ich, wie er leise knackt. Er zeigt auch eine leichte Schwellung an der Seite. Ich habe gestern den ganzen Abend Eis drauf gelegt, ohne nennenswerte Besserung.

Ich hatte es geahnt

Meine Zweifel haben sich bestätigt. Nicht über uns als Paar, selbst wenn ich mir weiterhin gerne mehr Zeit für mich alleine wünschen würde. Wir verstehen uns gut, auch wenn wir uns nicht immer einig sind. Er neigt aber dazu, zu viel Geld ausgeben zu wollen und über seine Verhältnisse zu leben, und es macht mir Sorgen. Ich kann es aber nicht richtig schätzen, vielleicht bilde ich es mir nur ein. Ich weiß nicht mal, wieviel er im Monat verdient, nur, dass er eine niedrigere Einstufung als ich hat. Der Sex ist weiterhin wunderbar.

Ich meine eher sein berufliches Engagement. Letzte Woche hat Winfried mit ihm gesprochen. Er hat zu wenige Ergebnisse bekommen, um eine Doktorarbeit noch rechtzeitig zu schaffen, er sollte sich ab jetzt auf seine Stärke konzentrieren. Es war mir schon lange klar, aber ich habe mich nicht in der Lage gesehen, es ihm zu sagen. Es ist die Aufgabe von Uschi und Winfried, nicht meine. Hinweise habe ich ihm gegeben, es hat nicht geholfen. Sebst bei seinen späteren Messungen hat er sich nicht genug Zeit genommen. Es hat es letztens verpennt, seine Daten rechtzeitig auszuwerten, mit dem Ergebniss, dass sie aus unserem Server gelöscht wurden. Archiviert hatte er sie nicht. Das Thema hat ihn einfach nicht genug interessiert. Er hat es angenommen, weil es ihm angeboten wurde, aber ohne Begeisterung. Es gab noch gestern ein Treffen mit Uschi. Das Thema Doktorarbeit ist nun aus. Sein Arbeitsvertrag wird nächstes Jahr nicht verlängert. Ich habe ihm gesagt, er soll sich jetzt schon auf Stellen bewerben.

Klar, wenn er sich in seinem Thema vertieft hätte, hätte er zwangsweise Überstunden gemacht. Das ist nicht gut, wenn die Arbeitszeit geprüft wird. Man wird nach zu vielen Überstunden gemahnt. Mit seinem vollzeitigen Arbeitsvertrag hätte er es sehr schwer gehabt, nebenbei eine Doktorarbeit zu machen. Er hätte auch weniger Zeit gefunden, um mit mir zu sein, und ich bin froh, dass wir viel Zeit für einander haben. Ich habe mich schon gefragt, wie Uschi und Winfried es je für realistisch halten konnten, dass man in zwei Jahren neben einem normalen Job genug Ergebnisse bekommt, um erfolgreich zu promovieren. Was haben sie sich denn gedacht? Ich habe selber fast vier Jahren gebraucht, als ich zwanzig Jahre jünger als er jetzt und so fit war, und meine Stelle war aus Drittmitteln nur für meine Doktorarbeit finanziert, ein Luxus. Andererseits ist es mir manchmal nervig zu sehen, wie langsam er seine Aufgaben erledigt. Ich denke, mit einer besseren Plannung seiner Arbeitszeit hätte er sicherlich mehr schaffen können. Ich denke aber nicht, dass er wirklich in der Lage dazu gewesen wäre. Sonst hätte er sein Physikstudium fertig gebracht. Und mit Mitte vierzig frage ich mich, welchen Vorteil ein frisch erworbener Doktortitel noch bringen kann.

Es hat ihn auf jeden Fall zum Nachdenken gebracht. Er stellt sich selber in Frage und wundert sich, ob er geeignet für eine Doktorarbeit war, oder von vorne rein zum scheitern verurteilt war. Ich weiß nicht. Als er das Angebot bekommen hat, kannten ihn Winfried und Uschi kaum. Vielleicht meinten sie ernsthaft, es würde klappen. Ich habe aber bei unseren Gruppen-Meetings früh im Sommer gemerkt, dass Uschi nicht ganz mit seiner Art zufrieden ist und ihm mit Mühe zuhört. Er ist häufig ungeduldig mit ihm gewesen, weil er seine Arbeit nicht schnell genug macht. Dafür hat er ihm nicht viel Hilfestellung gegeben, kaum Anweisungen erteilt, und das würde man aus einem Doktorvater, den man täglich sehen kann, schon erwarten. Aber vielleicht bin ich in meinem früheren Institut zu verwöhnt gewesen.

Mir gegenüber verhält er sich gut. Er ist besorgt, aber eine Doktorarbeit wollte er nicht unbedingt machen. Es war nur für ihn gut, weil er dadurch eventuell in der Gruppe auf eine Stelle kommen könnte, um ein Gerät wissenschaftlich zu betreuen. Es könnte daraus eine unbefristete Stelle werden, so hat er es erzählt bekommen. Außerdem meinte er, sich in der Industrie mit einem Doktortitel auf bessere Stellen bewerben zu können. Ich habe ihm nicht erzählt, dass Uschi und Winfried mir angeboten haben, genau das gleiche Gerät zu übernehmen, wenn ich im kommenden Sommer den Arbeitgeber wechsle und in der Gruppe integriert werde. Ich hatte damals schon den unangenehmen Eindruck, dass sie mich als Ersatz für ihn gesehen haben. Dass es eine unbefristete Stelle geben soll, habe ich allerdings nicht von ihnen gehört. Ich denke, das hat er sich selber eingeredet.

Gereizt

Winfried hatte sich seit einiger Zeit mit einem Doktoranden beschäftigt, der bei uns einen Haufen Messungen gemacht hat. Dabei wollten sie mein Programm benutzen. Leider ging etwas schief. Was das Problem war, ist mir nicht klar. Aus irgendeinem Grund konnte Winfried in seinen eigenen Verzeichnissen keine neue Dateien anlegen, obwohl er die Rechte dazu hätte. Mit mir hat es sicherlich nichts zu tun, mein IT-Kollege ist eher dafür zuständig. Die Konsequenz davon ist aber gewesen, dass ich die ganzen Datensätze vom Doktoranden auswerten durfte. Es hat mir drei Tage in Anspruch genommen. Als ob ich sonst nichts zu tun hätte…

Als Vorbereitung zu dieser Messung hatte mich Winfried schon vor zwei Monaten darum gebeten, eine neue Funktion im Programm einzubauen, und einen Testdatensatz damit auszuwerten. Die Auswertung hing von einem Startmodell ab, das der Doktorand mir gegeben hatte. Die Ergebnisse hatte ich ihm danach geschickt, mit der Bitte, sie sich genau anzuschauen, um zu wissen, ob das Startmodell für seine Zwecke in Ordnung war. Da ich keine Rückmeldung bekommen hatte, bin ich davon ausgegangen, dass er damit zufrieden war. Heute kam der Doktorand, um sich die Ergebnisse mit mir anzuschauen (dass er ursprünglich mit Winfried zusammen arbeiten sollte, ist nichts mehr zu merken). Und da merkte er auf einmal, dass sein Startmodell viele Wassermoleküle enthält und er dadurch keine Aussage über das Ergebnis treffen konnte. Drei Tage Arbeit umsonst. Er hatte sich offensichtlich die Testergebnisse gar nicht angeschaut. Er meinte dann, ich könnte die ganze Arbeit mit dem neuen Modell wieder starten. Ich hätte ihn erwürgen können.

Von meinem Vorhaben für diese Woche konnte ich nichts machen. Uschi hatte mir einige wichtigen Aufgaben gegeben, dazu blieb mir keine Zeit. Jetzt muss ich ihm noch bei unserem Projekttreffen am Montag begründen, warum ich sie nicht erledigen konnte. Es macht keinen Spaß, zwei Chefs zu haben, die sich nicht mal darüber einig sind, was ich machen soll. In der Job-Beschreibung stand aber definitiv nicht, ich sollte die Drecksarbeit von Studenten machen.

Neuer Besuch beim Dermatologe

Einen Termin hatte ich eigentlich vor zwei Wochen kurz vor dem Mini-Urlaub bei meinen Eltern bekommen, bei dem Arzt, den ich nach meiner telefonischen Suchaktion während seiner Sprechzeit besucht hatte. Ich hatte nach dem Besuch doch beschlossen, keinen der hart vereinbarten Terminen abzusagen, man weiß ja nie. Für meine Kopfhaut wollte ich auf jeden Fall noch mal hin. Ich war nicht von seiner ersten Leistung begeistert, aber ich dachte, mit einem geplanten Termin würde er sich mehr Zeit nehmen. Als ich zum besagten Termin ankam, meinte die Sekretärin, es würde noch lange dauern, der Arzt hätte noch viele Patienten. Es kam mir merkwürdig vor, und ich fragte sie zur Sicherheit, ob mein Termin wirklich um die Uhrzeit geplant wäre. Ich hatte schließlich dafür die Arbeit mitten in einer Umzugsaktion verlassen und musste möglichst schnell zurück, um meine Kartons fertig zu packen. Da sagte sie, ich hätte doch keinen Termin an dem Tag. Ich war nicht begeistert. Als sie mir vorschlug, erst Ende Juni zurück zu kommen, sagte ich, ich hätte schon einen Termin in einer anderen Praxis und würde dann diesen lieber vorziehen. Mit diesem Arzt habe ich jetzt die Schnauze voll.

Ich bin also zur anderen Praxis gegangen. Der Arzt war fast pünktlich (er hatte eine Viertelstunde Verspätung, was bei Ärzten hier ziemlich kurz ist). Zuerst kam eine junge Helferin, die mich Fragen stellte und einen Formular im Rechner für den Arzt bereitstellte. Als er endlich kam, hatten wir gerade eine Minute zusammen gesprochen, bevor eine andere Helferin ohne zu klopfen ins Zimmer kam, um uns ohne Entschuldigung zu unterbrechen und sich beim Arzt über einen anderen Patienten aufzuregen, der keinen Termin für eine Blutuntersuchung gemacht hatte. Ich habe gedacht, mit einem solchen Verhalten gehört sie sofort gefeuert. Sie hat ja die ganze Zeit vertrauliche Informationen über einen anderen Patienten vor mir geplaudert. Der Arzt hat ihr gesagt, jetzt wäre kein günstiger Zeitpunkt, und sie sollte sich mit ihm lieber nach seinen Terminen darüber unterhalten, was sie einfach ignorierte. Erst als sie ihren Frust komplett entladen hatte, konnten wir unsere Besprechung fortsetzen. Er hat sich danach bei mir dafür entschuldigt; es würde mich nicht wundern, wenn ich sie beim nächsten Mal nicht mehr sehe.

Einen guten Eindruck habe ich von ihm bekommen. Er hat sich Zeit genommen und wirklich geschaut, wie meine Kopfhaut aussieht, nicht wie beim anderen Dermatologen. Er hat mir ein neues Mittel zur täglichen Anwendung gegeben. Ein neuer Termin ist in sechs Wochen geplant. Über meinen Hautausschlag habe ich auch berichtet, aber es gab nichts mehr zu sehen und er konnte sich davon kein Bild machen. Abends habe ich aber auf einmal wieder warme und stark juckende Ohren bekommen, gefolgt von Schuppenbildung, genau wie in März. Die Brust und der Hals fangen wieder an, leicht zu jucken. Wenn ich mich nicht darum kümmere, kann ich es ihm vielleicht beim nächsten Termin zeigen. Wenn es sich in Grenzen hält.

Weltuntergang

Mein Traum von gestern früh war schon wieder so skurril, dass ich ihn schriftlich festhalten will, bevor ich ihn vergesse.

Ich saß in einem hellen weißen Raum mit einem ehemaligen Kommilitonen, den ich aus der Zeit meiner Doktorarbeit kenne[1]. Der Raum war eine Kontrollstation für einen nuklearen Reaktor. Etwas Furchtbares war passiert, eine höchst ansteckende und fatale Seuche hatte sich in der Bevölkerung ausgebreitet. Die einzige Hoffnung bestand darin, den roten Knopf vor uns zu drücken, der eine derart starke Atombombe auslösen würde, dass die Erde dadurch komplett zerstört sein würde. Sonst war die Menschheit dazu verdammt, unter langen und starken Schmerzen zu leiden, bis sie komplett vernichtet wird. Sicherlich wäre die Atombombe eine bessere Alternative, da es nur kurz dauern würde und schnell vorbei wäre. Ich konnte es aber nicht über mich bringen, den Knopf zu drücken. Ich hatte Angst.

Nach einiger Zeit hat Hobbes die Initiative ergriffen und den roten Knopf gedrückt. Ich habe mich auf eine starke Explosion vorbereitet, aber es passierte zunächst nichts. Eine radioaktive Substanz wurde in einem Aquarium freigesetzt. Die kleinen Fische drin haben angefangen zu sterben. Als sie alle vertikal kopfüber an der Oberfläche standen, musste das Überwachungssystem des Reaktors merken, dass etwas nicht in Ordnung war und die Atombombe auslösen. Das Überwachungssystem war aber defekt. Die Atombombe blieb aus.

Als ich mich wieder aus dem Reaktor nach draußen getraut habe, waren viele noch gesunde Menschen im All geflohen. Es gab kaum noch Leute auf der Straße. Ich hatte Hunger und bin zu einem Supermarkt gegangen. Die Regale waren fast leer. Es gab keine Schlange an der Kasse. Die Kassiererin sah gesund aus und verhielt sich sehr freundlich. Ich habe gedacht, die Seuche wäre bis hier nicht angekommen. Vielleicht würde dieser Ort erspart bleiben.

Ich bin plötzlich aufgewacht, es war 06:00. Der Wecker war erst für eine Stunde später geplant, aber es ist mir nicht gelungen, wieder einzuschlafen.

[1] Jedes Mal, wenn ich ihn sehe, muss ich an Hobbes denken.

Mit Kindern fliegen

Für einige eine Herausforderung, wie ich schon mal erfahren durfte.

Gestern sind wir aus unserem verlängerten Wochenende bei meinen Eltern zurück gekommen. Martin wollte meine Familie kennen lernen, und zum Glück hat sich mein Vater einigermaßen normal verhalten, was bei ihm nicht unbedingt zu erwarten ist. Es gab nicht zu viel von seiner üblichen vulgären Sprache zu merken (es hat auch geholfen, dass Martin nicht perfekt Französisch beherrscht), und von seinem letzten Zwischenfall ist er doch nicht so begeistert gewesen, wie ich vermutet hatte, im Gegenteil. So lange sind wir nicht bei ihm geblieben, da wir bei meiner Mutter auch zu Besuch waren. Aber ich weiche vom Thema ab.

Der Rückflug ging nicht direkt nach Berlin, und wir mussten in Frankfurt umsteigen. Wir sind mit Lufthansa geflogen, da wir uns so spät um die Reiseplanung gekümmert haben, dass es keinen großen Preisunterschied mehr mit anderen Fluggesellschaften gab. Wir waren in der letzten Reihe. Vor uns saßen eine ältere Frau am Gang und ein Mann. Der Sitzplatz am Fenster war unbesetzt. Kurz vor dem Start ist eine Stewardess zum Mann gekommen und hat ihm mitgeteilt, er sollte einen anderen Sitzplatz benutzen, als den, den er schon gebucht hatte. Die Begründung: Nur so könnte eine Frau mit ihrer noch sehr jungen Tochter zusammen sitzen. Hatte die Frau es verpennt, sich um die Sitzplatzreservierung rechtzeitig zu kümmern? Mit Martin hatten wir es erst am Tag davor gemacht, und es waren noch einige freie Paare von Sitzplätzen vorhanden. Gut, es kann sein, dass sie im letzten Moment den Flug buchen musste.

Wofür ich weniger Verständnis habe, ist, wie sie sich dabei verhalten hat. Dass der Mann aus seinem Sitzplatz weg musste, schien ihr völlig normal zu sein, sie hat sich nicht mal für die Störung entschuldigt oder dafür bedankt, dass er den Platz für sie frei gemacht hat. Da sie ursprünglich vorne saß, und alle anderen Gästen schon auf ihren Sesseln waren, hat sie ihr Gepäck mitgenommen, um dann festzustellen, dass es keine Möglichkeit mehr gab, es in ihrer Nähe aufzuräumen. Den kleinen Koffer hat sie einfach mitten im Gang gelassen und sich nicht mehr darum gekümmert. Als ein Mitarbeiter vorbei kam und dies merkte, nahm er den Koffer mit, um ihn weiter vorne zu packen, und sagte der Frau, im Gang könnte er nicht bleiben, da die Gehwege frei bleiben sollten. Wie reagierte die Frau? Sie hat sich über den Mann aufgeregt, und dabei versucht, ihre Sitznachbarin in ihrer Lästerei über die Lufthansa einzuwickeln (was erfolglos blieb).

Genau wie die Frau, die die Windel ihres Kindes mitten im Flugzeug gewechselt hat, hätte sie eigentlich die Mitarbeiter im Flugzeug um Hilfe fragen können. Ob sie auf das zweite Kind während des Umziehens des Anderes in den dafür aufgerüsteten Toiletten aufpassen oder den Koffer woanders packen könnten, bestimmt wäre es ohne Problem und ohne Ärger gewesen. Wollen sie sich dadurch als „starke Frauen“ angeben? Der Eindruck, den ich dabei habe, ist vor allem, dass Erziehung und gute Manieren an ihnen vorbei gegangen sind.