SXF – STN und weiter

Ich bin diese Woche auf Dienstreise in England. Ich soll einen Kurs besuchen, der es mir erlauben sollte, eine bessere Ahnung davon zu haben, was die Nutzer unserer Geräte machen. Mit meiner täglichen Arbeit hat es eigentlich nichts zu tun und ich sehe nicht, was es mir bringen sollte.

Ich wäre auf die Idee nie gekommen, wenn Winfried, unser Ersatzchef, es mir in November nicht erwähnt hätte. Von dem Kurs hätte ich sonst nichts erfahren. Als er mich eine Woche später fragte, ob ich mich schon zum Kurs angemeldet hatte, wurde mir klar, dass er es wirklich von mir erwartete. Ich habe mich beworben und wurde für den Kurs angenommen. Meine Begeisterung ist nicht sehr groß. Dazu kommt, dass Uschi völlig überrascht war, als ich ihm davon erzählte und meinte, ich würde ihn dazu zwingen, mich zum Kurs gehen zu lassen, weil er schon vergessen hatte, dass Winfried mit ihm darüber diskutiert hatte. Jetzt sieht es so aus, als ob es mein Wunsch gewesen wäre.

Ich habe einen Flug mit Ryanair für heute Morgen um 09:35 von Schönefeld aus gebucht. Das heißt, ich musste heute um halb sieben aufstehen, um eine Stunde später am Flughafen zu sein. Martin hatte sich das Auto von seinem Vater ausgeliehen, um mich bequem dahin begleiten zu können, obwohl ich unweit von meiner Wohnung eine Haltestelle für eine direkte Buslinie bis zum Flughafen habe. Blöderweise sind wir auf dem Weg geblitzt worden. Er muss ganz knapp über 50km/h gewesen sein, mit der Anzeige kann man das nicht so genau ablesen (ein Tachometer mit Nadel).

Wir wollten am Flughafen frühstücken. Ich habe mein Gepäck abgegeben und wir sind zum einzigen Café im Erdgeschoss gegangen. Wenn ich eine Liste der zehn schlechtesten Frühstücken in meinem Leben führen würde, hätte sich dieses Café jetzt einen Platz dabei verdient*. Die Kellner konnten/wollten kein Englisch reden und haben sich mit der italienischen Gruppe vor mir in der Schlange zur Kasse sehr unfreundlich verhalten. Als der letzte Italiener mit wiederholten Fragen auf Deutsch bombardiert wurde und nichts davon verstand, hat er kurz zweimal mit der Münze in seiner Hand gegen die Theke geklopft, was die Kellnerin sofort dazu gebracht hat, eine Kopfschmerzmiene anzusetzen und ihn anzubellen. Die selbe Kellnerin hat danach während fast unseres gesamten Aufenthaltes im Café Orangen in einer elektrischen Maschine gepresst, die so laut war, dass man sich kaum unterhalten konnte. Ich war zusätzlich über das Café geärgert, weil ich im Nachhinein festgestellt habe, dass ich ein Frühstück bestellt hatte und der Kellner mir die Einzelpreise angerechnet hatte, statt das Frühstücksangebot zu berücksichtigen, was natürlich teurer war.

Mit Ryanair war ich noch nie geflogen, und von Schönefeld aus auch nicht. Der Weg bis zur Wartezone war sehr lang. Wir sind entlang eines engen Korridors gegangen, wo Leute für andere Flüge in Schlangen standen, ohne irgendeine Sitzmöglichkeit. Ich empfand es als eine unverschämte Zumutung, und dachte schon, das gleiche würde mich erwarten. Aber ich war so früh da, dass sehr wenige Leute aus meinem Flug vor mir standen. Ich habe den Grund der Schlangen verstanden: Vor jedem Wartezimmer war eine kleine Kabine, in der zwei Mitarbeiter die Pässe aller Passagiere geprüft haben. Danach wurden erneut die Pässe mit den Flugkarten verglichen. Der Warteraum selbst war schlimm. Es war offensichtlich, dass der Raum nur dafür da war, Zweibeiner so lange zu parken, bis sie zu einem anderen Ort transportiert werden können. Sitzplätze waren nicht hinreichend vorausgesehen. Nichts wurde gemacht, um den Komfort nur ein bisschen zu erhöhen. Keine Möglichkeit, etwas zu kaufen. Wir saßen hinter riesigen Glastür direkt vor der Parkfläche von Fliegern. Die gekippten Fenster haben einen üblen Geruch reingelassen. Sehr schnell gab es so viele Leute in dem Raum, dass es nicht genug Sitzplätze gab. So verging eine halbe Stunde.

Als der Flugzeug bereit gestellt wurde, konnten wir einsteigen. Mit meiner Karte durfte ich mit der ersten Gruppe einsteigen. Den Grund dafür habe ich nicht verstanden. Mein Sitzplatz war am Gang, warum sollte ich vor meinen Sitznachbarn einsteigen dürfen? Natürlich gab es Chaos, bis alle zu ihren Sitzplätzen gelangen konnten. Es gibt tatsächlich Leute, die den ganzen Tag dafür bezahlt werden, eine effiziente Prozedur zum schnellen Einstieg zu entwickeln, sich die Mühe gegeben haben, die Einstiegsreihenfolge auf die Passagierkarten hinzuzufügen, um zu einem solchen Mist als Ergebnis anzukommen. Als wir endlich gestartet sind, nachdem sich der Pilot mehrmals über die Passagiere für ihre Unfähigkeit, schnell zu sitzen, geärgert hat, dachte ich, ich könnte den Rest meiner kurzen Nacht weiter schlafen. So einfach ging es nicht. Zuerst die Sicherheitseinweisung. Klar, die muss es geben. Dann wurde auf die „Gastronomie“-Angebote hingewiesen, die wir schon beim Einsteigen in die Hände gedrückt bekommen hatten. Obwohl ich ganz normal saß, hat es eine Stewardess in der Zeit zwei Mal geschafft, mich beim Vorbeigehen anzurempeln, ohne sich dafür zu entschuldigen. Dann kam der Speisewagen. Die Stewardess hat die Tür des Wagens gegen mein Sessel geknallt. Danach hatten wir die ganzen Duty-Free Produkte. Es folgte noch eine Aufforderung, an ein Gewinnspiel teilzunehmen, um Geld für kranke Kinder zu spenden. Eine Migräne hat sich installiert und mich nicht mehr verlassen.

In Stansted konnte ich am Automat Geld holen. Ich dachte zuerst, ich könnte meine Euros wechseln, aber die Rate war mir zu hoch. Als ich dies dem Mitarbeiter am Schalter sagte, änderte er plötzlich „nur für mich“ die Rate für die Rechnung, aber am Automat war’s noch günstiger. Das heißt, wenn keine Gebühr für die Nutzung meiner Karte im Ausland kassiert wird. Irgendwie wird man immer verarscht. Die Suche nach der richtigen Zuggesellschaft hat gedauert. Überall sieht man diese Stansted Express Schalter, aber sie fahren nur nach London. Als ich meine Karte nach Cambridge kaufen konnte (um die 12£), habe ich mir Fruchtsaft und eine Pastry mit Kartoffeln und Zwiebeln geholt. Es hat die Migräne gelindert. In Cambridge angekommen, musste ich meine Fahrkarte in eine Maschine stecken, um aus dem Bahnhof raus gehen zu können. Blöderweise konnte man die Karte am Ende nicht zurück bekommen, sie ist in der Maschine geblieben. Kein Fehler, es ist so vorgesehen. Mir fehlt jetzt ein Beleg für meine Reisekostenabrechnung.

Der Spaziergang in Cambridge hat mir gut getan. Ich habe viele Orte besucht, Shopping gemacht, und sogar eine Whisky-Flasche erwerben können. Danach musste ich mit dem Bus bis zum Kursort weiter fahren. Ich hatte mir die Verbindung für heute auf Internet ausgesucht, aber was ich gedruckt hatte entspricht nicht der Realität. Es hat eine halbe Stunde, drei verschiedenen Busfahrer und die Rückkehr meiner Migräne gedauert, bis ich festgestellt habe, dass Sonntags doch kein Bus zu meinem Zielort fährt (ein Dorf mit 320 Einwohner mitten im Nichts). Ich habe beschlossen, dahin mit dem Taxi zu fahren (25£). Mir wurde während der Fahrt schlecht. An der Hotelrezeption konnte ich für 1£ eine Dose Paracetamol kaufen. Die Organisatorin des Kurses hatte uns einen Tisch im lokalen Pub für heute Abend gebucht, aber mir geht’s nicht gut genug. Der Kurs fängt eh erst morgen an.

  • Ein in Erinnerung gebliebenes Frühstück war ebenfalls in Berlin, während einer Fachtagung vor gut sieben Jahren, in einem Hotel. Der Frühstückraum war im Untergeschoss. Über dem Büfett war ein Hotelzimmer. Der Gast war zum Frühstück herunter gegangen und hatte dabei vergessen, den Wasserhahn im Badezimmer zuzudrehen. Die einzelnen Platten an der Decke haben sich verdächtig gebogen, bis Wasser auf einmal zum Büfett geflossen ist.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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