Haustiere

Seit meiner frühesten Kindheit bin ich daran gewöhnt, mit Haustieren zu leben. Mein Vater hat gerne deutsche Schäfer gehabt. „Zum Schutz“. Ursprünglich waren sie ständig in unserer Etagenwohnung in meiner Geburtsstadt, später nur noch im Garten der Villa, die er selber Jahre lang an Wochenenden gebaut hat. Daher weiß ich, dass ich keine große Hunde mag. In Erinnerung habe ich die stinckende Stelle im Garten behalten, wo die Hunde ihre Exkremente hinterlassen haben, und die Gelegenheiten, als sie sich agressiv verhalten haben. Das regelmäßige Bellen hat mich auch gestört, sowie der Eigengeruch von Hunden. Ich habe mich immer möglichst fern von ihnen gehalten. Eine kleine Hündin mit grauen Haaren hatten wir auch. Sie war nicht größer als eine Katze. Mit ihr bin ich im Sommer häufig in den Voralpenbergen um das Dorf gejoggt und gewandert.

Bei Katzen ist es anders. Wir haben immer mehrere gehabt. Die allererste Katze war eine Haustiegerin namens Daisy. Wir hatten sie von einer Freundin meiner Mami bekommen, weil sie sie in ihrer neuen Wohnung nicht behalten durfte (ich erinnere mich an einen Tag, als meine Mami mit geöffneten Fesntern die Wohnung geputzt hat, eine große Fliege herein gekommen und aus dem Fenster weg geflogen ist, und wie Daisy hinterher gesprungen und ganz überrascht in den Feigenbaum im Innenhof gelandet ist). Mein Vater hat sich immer als Katzenfeind angegeben, aber er ist es gewesen, der die meisten Kätzchen gerettet und nach Hause gebracht hat. Deswegen habe ich morgens regelmäßig die Blutspuren von kleinen Tieren vor der Haustür gewischt. Der Kater meiner Schwester hatte uns einmal sogar eine sauber geschnittene kleine Leber vor der Tür gelassen. Ich habe sie direkt zum Mülleimer gebracht.

Ich habe nie die Absicht gehabt, selber eine Katze zu haben. Zum einen habe ich immer nur in Stadtwohnungen gelebt. Eine Katze könnte nie raus gehen, weil die Gefahr so groß ist, dass sie überfahren wird. Genau diesen Schicksal hatte unsere Hündin, als sie eines Tages aus dem ausnahmsweise geöffneten Tor entlaufen ist (mit ihrer Haarfarbe war sie kaum aus dem Asphalt zu unterscheiden). Zum anderen hätte ich nicht mehr die Freiheit, einfach so Ausflüge am Wochenende zu machen, weil ich mich jedesmal um die Versorgung der Katze kümmern müsste.

Als ich vor meiner Rückkehr nach Deutschland in der Villa meiner Eltern gelebt habe, waren sie gerade dabei, sich zu trennen. Eine Scheidung war geplant und die Villa musste verkauft werden. Ich habe häufig Zeit im Dorf verbracht, weil wir keine Internetverbindung zu Hause hatten, was meine Arbeitssuche besonders erschwerte. Als ich endlich einen neuen Vertrag bekommen habe, in dem Institut, in dem ich meine Doktorarbeit gemacht hatte, war ich eines Tages im Internetcafé, als meine Mutter anrief. Sie musste gleich zurück zu Arbeit und jemand wäre zu Hause zu Besuch. Um die Villa zu kaufen, dachte ich. Aber nein, „jemand“ war ein sechs Wochen alter Haarball, der ganz leise vor sich hin miaute. Meine Katze. Meine Mami meinte, da ich in Kürze nach Deutschland umziehen würde, wollte sie mir eine Katze geben, damit ich mich nicht zu sehr alleine fühle. Ich fand die Idee am Anfang komisch. Ein paar Tage lang ist sie ohne Name geblieben, bis ich mich für „Chipie“ entschieden habe. Ich habe später enttäuscht festgestellt, dass dieser Name bei weiblichen Katzen sehr häufig in Frankreich verwendet wird.

Ich wollte ursprünglich Grenzen ziehen und ihr zum Beispiel nicht erlauben, bei mir im Bett zu schlafen. Als sie es aber nach mühsamen Versuchen endlich geschafft hatte, aufs Bett zu kommen, und so stolz anfing, vor sich hin laut zu schnurren, habe ich es nicht übers Herz gebracht, sie wieder herunter zu bringen. Sie war so leicht, dass ich immer Angst hatte sie zu verletzen, wenn sie neben mir gelegen hat. Seitdem verbraucht sie nachtsüber einen erheblichen Teil meines Bettes, und ich darf selber gucken, wie ich gemütlich schlafen kann. Und wehe, ich wage es, mich zu bewegen! Sofort fängt sie an zu fauchen und meine Füße durch die Decke zu beißen. Was ich natürlich nicht einsehe, deswegen schmeiße ich sie runter vom Bett. Seitdem Martin bei mir schläft, hat sie sich beruhigt. Sie traut sich noch nicht ganz, sich mit ihm frech zu verhalten. Süß ist sie aber auch. Schmusattacken sind bei ihr üblich. Morgens holt sie mich aus dem Bett, wenn ich nach dem Wecker zu lange brauche, um aufzustehen (mir ist klar, dass sie auf ihr Frühstück wartet). Ich darf nicht duschen, ohne die Tür vom Badezimmer offen zu lassen, weil sie sonst an der Tür kratzt und miaut (wie kleine Kinder, wenn sie plötzlich merken, dass Mami nicht mehr im Raum ist). Und wenn ich zu lange abwesend bin, wie letzte Woche, beschwert sie sich bei meiner Rückkehr deutlich, obwohl ich immer dafür sorge, dass jemand auf sie aufpasst.

Haare

Mein erstes graues Haar („weißes Haar“ auf Französisch) habe ich schon vor drei Jahren entdeckt. Ich war gerade Mitte Dreißig. Es war in einer vorderen Locke und vor dem Spiegel zwischen den ganzen dunkel braunen Haaren nicht zu übersehen, wenn ich nicht wie üblich einen Zopf mache. Meine Haare sind natürlich stark gelockt, aber das graue Haar war es nicht so sehr und hatte seine eigene Dynamik. Ich habe mir ebenfalls die üblichen Fragen gestellt: Warum merkte ich es erst auf einmal, warum war es auf der ganzen Länge grau und nicht nur ab einem bestimmten Punkt… Aber man hört immer wieder Geschichte von Leuten, die wegen Stress von heute auf morgen viele graue Haare bekommen. Seltsam. Natürlich habe ich es nicht rausgezupft. Stolz darauf, habe ich meine Kollegen darüber aufmerksam gemacht (und musste dabei meist suchen, wo das Haar sich gerade versteckte).

Es hat mich sehr gefreut, da ich mich lange darüber beschwert habe, viel jünger als mein Alter auszusehen (ich habe kaum Falten). Ich bilde mir ein, dass ich dadurch bei Vorstellungsgesprächen als Arbeitssuchende nicht richtig ernst genommen wurde. So viele graue Haare sind es leider noch nicht geworden. Meine Studenten, die offensichtlich nicht mal in der Lage waren, ihren Vorlesungsplan richtig zu lesen, haben mich noch lange für eine HiWi gehalten, und selbst vor kurzem hat mich eine neu kennengelernte Freundin von Martin gefragt, was ich denn studieren würde. Genau wie letzte Woche bei dem Kurs in England, als Doktoranden wissen wollten, wie lange ich noch bis zur Prüfung hätte. Sie sehen immer überrascht aus, wenn ich sage, dass ich sie schon seit elf Jahren hinter mir habe. Oder wenn ich mein Alter verrate, weil ich einfach nicht einsehe, dass ich es geheim halten sollte.

Weniger schön finde ich Gesichtshaare. Als Studentin hatte ich in einem Magazin gelesen, dass Südländerinnen zwar schön sind, aber ab dreißig den Bach runter gehen, mit starken dunklen Haaren auf Kinn und Oberlippen. Ich hatte gedacht, die Verfasserin des Artikels hätte bestimmt einen Minderheitskomplex und würde versuchen, sich dadurch besser zu fühlen. Jetzt, wo ich den Alter erreicht habe, merke ich, dass es einen Funken Wahrheit drin gibt. So extrem wie es in dem Artikel dargestellt war ist es nicht, aber es stört mich schon. Den ersten Haar auf dem Kinn habe ich wegen seiner übertriebenen Länge gemerkt. Die Farbe war sehr hell, und es fühlte sich stärker als die andere Haare an. Ich habe es rausgezupft, und es ist immer wieder zurück gekommen. Meine Mami wurde nach Ratschlägen gefragt und ich bin zur Kosmetikerin gegangen. Ein Fehler. Sie hat mir eine Haarentfernung mit Wachs gemacht und dadurch die ganz feine Haare auf dem Kinn gebrochen. Die Folgen: Pickel, weil der Wachs zu warm war, und plötzlich viele harte dunkle Haare. Es hat einige Besuche gedauert, bis ich beschlossen habe, nicht mehr hinzugehen. Jetzt zupfe ich sie Stück pro Stück mit der Pinzette. Es nimmt Zeit in Anspruch und muss immer wieder gemacht werden, aber sie werden langsam nicht mehr so deutlich und verlieren an Farbe und Härte. Vor allem jetzt, wo ich nicht mehr Single bin, muss ich extra aufpassen, dass mein Kinn sich ganz sanft anfühlt.

Nachts unterwegs

Ich war nachts alleine in der Stadt zu Fuß unterwegs. Ich hatte gerade mit Leuten in einer Kneipe gegessen und bis spät getrunken. Es war um die zwei Uhr morgens. Den Weg nach Hause kannte ich nicht so gut. Ich war sehr müde. Ich habe kurz daran gedacht, einen Taxi zu bestellen. Ich habe beim Gehen die Augen kurz zu gemacht. Als ich sie wieder geöffnet habe, ging die Sonne gerade auf. Ich habe mich gefragt, was in der ganzen Zeit passiert war. Ich wusste nicht mehr, wo ich mich befand. Gegenüber von mir stand eine Kneipe, von einer Wiese mit vereinzelten Bäumen umgeben, und ich bin herein gegangen, um zu frühstücken und mich von meinem Schreck zu erholen.

Ich habe mir einen Tisch ausgewählt, wo auch ein schlecht angezogener Mann und eine Frau saßen. Ich habe weiße Bohnen in Tomatensauce gegessen. Der Mann hat angefangen mit mir zu reden, worüber, weiß ich nicht mehr. Nach einer Weile hat die Frau ebenfalls an unserem Gespräch teilgenommen. Weil wir uns so gut verstanden haben, habe ich drei kantenverknüpften Vierecke von meinem Gürtel gefeilt, die aus einem Muster von quadratisch angeordneten Gummispitzen bestanden (wie eine Fußmatte). Ich habe der Frau erzählt, dass ich in der Nacht beim Gehen durch die Stadt eingeschlafen war und beim Sonnenaufgang woanders aufgewacht war. Diese Vorstellung hat sie erschreckt.

An der Theke neben dem hinteren Ausgang standen Leute mit Kindern. Die Kinder haben mich böse angestarrt. Ich fand sie gruselig. Ihre Gesichter waren häßlich. Aus ihren kleinen Münden konnte ich scharfe Zahnenspitzen erahnen. Ich dachte, sie hatten etwas damit zu tun, wie ich nachts beim Gehen eingeschlafen bin.

Bevor ich irgendwas gegen sie unternehmen konnte, bin ich aufgewacht. Der Wind wehte heute Nacht so stark, er hat mich mehrmals aus dem Schlaf gerissen.

Morgen zurück nach Hause

Ich freue mich.

Der interessanteste Teil des Kurses ist vorbei, jetzt gibt es nur noch Themen, die mit meiner Arbeit gar nichts zu tun haben. Ich höre zu, aber ich zweifle daran, dass ich sie je beruflich anwenden werde. Daher fiel es mir heute Nachmittag schwer, bei einer Übung mit zu machen, vor allem, da die Serverkapazitäten wieder überfordert waren. Die Präsentation davor hatte mich schon genervt, so unprofessionell wie sie vorbereitet war: Es gibt anscheinend noch Leute, die es schaffen, mit einer blauen Schrift auf einem dunkel blauen Hintergrund zu schreiben und sich wundern, dass es auf der Projektion nicht zu lesen ist. Draußen war das Wetter so schön, ich habe für eine halbe Stunde den Raum verlassen und die Sonne genossen. Ich bin erst bei der Kaffeepause wieder aufgetaucht. Das war eine gut ausgenutzte Gelegenheit, weil die Wolken schon zurück gekommen sind.

Ich gehe bald zur Mensa. Es wäre unhöfflich, einfach nicht hinzugehen und mit den anderen Teilnehmern nicht zu reden. So empfinde ich es mindestens, auch wenn ich mich wie ein Dinausorier fühle (die sind alle Doktoranden und mindestens zehn Jahre jünger als ich). Es war eine harte Woche, was meine Kalorienannahme betrifft, ich warte nur darauf, zurück zum Fitness-Studio zu gehen. Gestern Abend haben wir bei einem College in Cambridge gegessen. Alles sehr lecker.

Martin will mich morgen Abend am Flughafen abholen. Es freut mich. Ich vermisse ihn. Er hat sich diese Woche um meine Mieze gekümmert und sogar bei mir geschlafen, damit sie sich nicht zu sehr verlassen fühlt. Trotz seiner Allergie. Ich bin gespannt, wie sie sich verhält, wenn ich nach Hause komme.

Telefonwerbung

Vor einem Monat habe ich auf dem Handy einen Anruf von 034133173063 bekommen, eine mir völlig unbekannte Nummer. Ich war überrascht, da sehr wenige Leute meine Nummer kennen, bin aber dran gegangen. Am Telefon war eine Frau, die sich als O2 Mitarbeiterin identifiziert hat. Da ich in dem Moment mein Büro verlassen musste, um zu einem Meeting zu gehen, habe ich ihr gesagt, ich hätte gerade keine Zeit. Ich wollte aber wissen, worum es ging. Anrufe von O2 bekomme ich sonst nie.

Nachdem sie mir zwecks Identifizierung meinen vollen Namen, sogar mit mittlerem Vornamen, nannte, sagte sie, ich hätte ja zugesagt, über Angebote von O2 und Partner informiert zu werden. Das mit dem „Partner“ kam mir merkwürdig vor. Ich kann mich nicht daran erinnern, O2 die Erlaubnis erteilt zu haben, meine Telefonnummer an Dritte weiter zu geben. Die Frau meinte, sie hätte ein tolles Angebot für eine Versicherung. Ich habe ihr gesagt, da ich gleich weg musste, könnte sie mir eher eine Email schicken, da ich meine Adresse bei meinem neuen Vertrag angegeben hatte, mit dem Hintergedanke, die Email meinem Junk-Filter hinzuzufügen und meine privaten Einstellungen bei O2 sofort zu ändern. Gleichzeitig habe ich mich gefragt, seit wann O2 mit Versicherungen zu tun hat. Die Frau hat geantwortet, es wäre ein Angebot, das nur heute und nur übers Telefon gehen würde. Ich habe wiederholt, dass ich gerade keine Zeit hatte, und habe das Gespräch beendet. Die Nummer habe ich mit „O2 Werbung“ in meinem Telefonbuch gespeichert und ich bin zum Meeting gegangen. Es hat so lange gedauert, dass ich das Telefongespräch gleich wieder vergessen habe.

Am nächsten Tag habe ich Anrufe von der gleichen Telefonnummer bekommen, die ich einfach ignoriert habe. Ich habe nach der Nummer gegoogelt und fand heraus, dass es sich gar nicht um eine Nummer von O2 handelte. Nach einem Vorschlag im O2 Forum habe ich meine Einstellungen für die Nutzung meiner persönlichen Daten geprüft und gesehen, dass drin tatsächlich stand, dass O2 meine Daten weiter geben darf. „Das ändere ich jetzt“, dachte ich. Ging aber nicht. Jedes Mal, wenn ich auf „Jetzt ändern“ geklickt habe, ist nichts passiert. Genau das Problem hatte ich, als ich meine neue private Adresse nach meinem Umzug angeben wollte. Ich habe gedacht, ich müsste zurück zum O2-Shop gehen, und habe es natürlich wieder vergessen. Die Nummer hat eine Zeit lang nicht mehr angerufen.

Ende März ging’s wieder los. Anscheinend wurden nicht genug Versicherungen verkauft und die Leute in Leipzig haben angefangen, mich mehrmals am Tag anzurufen. Am Montag ab 10:30, Dienstag ab 09:30, Mittwoch ab 08:30, als ob verzweifelt getestet wurde, um wieviel Uhr ich endlich dran gehen würde. Ich habe gleich wieder versucht, vom Büro aus meine Einstellungen zu ändern, ohne Erfolg. Bis ich eine geniale Idee bekommen habe: Den Browser zu wechseln. Ich arbeite immer mit Firefox, aber auf meiner Maschine habe ich auch Opera installiert, was ich nie benutze. Gedacht, probiert, und Wunder, auf einmal ging’s. Die Anrufe haben noch ein paar Tage gedauert und vor zwei Wochen aufgehört. Hoffentlich endgültig.

Streit

Ein halb vergessener Traum, der mir unter der Dusche wieder ins Gedächtnis zurück gekommen ist.

Ich war mit Martin auf einer Kirmes. Es war abends, der Himmel war grau. Wir saßen auf Hockern vor einer Wurstbude und wollten etwas essen. Martin legte einen großen Wert darauf, auf seinen Kumpel Alex zu warten, der irgendwie nicht telefonisch zu erreichen war. Wir haben Stunden lang auf ihn gewartet. Als es mir zu spät wurde, wollte ich mich auf dem Weg nach Hause machen. In dem Moment ist Alex aufgetaucht. Ich habe mit den Beiden gegessen. Es war nachts, und wir hatten mit Martin geplant, danach bei mir zu schlafen. Aber jetzt, wo Alex da war, wollte er nicht mehr zu mir kommen. Es hat mich sehr sauer gemacht. Ich habe ihn angeschrien* und bin weg gegangen, mit dem Entschluss, ihn nicht mehr zu kontaktieren.

In dem Moment ertönten aus meinem Handy die ersten Noten von Devil’s Dance, die mich äußerst effektiv aus dem Schlaf gerissen haben.

  • Blöde Rechtschreibreform.

Erster Kurstag vorbei

Ich muss meine Meinung ändern: Der Kurs ist für meine Arbeit sehr passend. Nicht nur inhaltlich, der Kontakt mit den anderen Teilnehmern ist auch interessant. Zum Beispiel konnte ich einige Flyers über mein Programm und unsere Geräte unter Leute verteilen, die unsere Aktivitäten in Berlin noch nicht kannten. Die Flyers haben wir erst vor einem Monat für das letzte Meeting machen lassen. Eine Idee von mir, die Uschi sofort gefallen hatte. Diesmal kann ich die Flyers nicht so öffentlich verteilen, weil die Organisatoren des Kurses etwas wie Konkurrenten von uns sind. Ich habe sie in meiner Tasche parat gehalten und bei Bedarf während privaten Diskussionen raus geholt. Einen neuen Kunden aus Italien habe ich schon gewonnen.

Das Programm für heute war schon anstrengend. Was mir nicht so gut gefallen hat, ist, dass die Rechner durch virtuelle Maschinen auf den selben Server zugreifen, und wir alle auf einmal die gleichen CPU-intensiven Jobs gestartet haben, was nicht so glatt lief. Anscheinend wurde nicht im Vorraus getestet, ob die Übungen mit 30 Teilnehmern auszuführen sind. Außerdem lief in dem Raum die Klimaanlage die ganze Zeit, was das Tragen von Kontaktlinsen sehr unangenehm gemacht hat. In der Mittagspause musste ich sie kurz ausziehen und in Flüssigkeit tauchen, weil sie so trocken waren, dass sie drohten, von alleine runter zu fallen. Morgen werde ich meine alte Brille tragen, die ich als Notlösung immer überall rum schleppe.

Nach dem Abendessen habe ich mit einer kleinen Gruppe die Kneipe des Konferenzzentrums besucht. Wir haben den ganzen Abend Dominos gespielt. Ich habe mir ein Stout bestellt. Der Mann hinter der Theke sah nicht fit aus und musste sich festhalten, jedesmal, wenn er nicht am Sitzen war. Ich hatte den Eindruck, er wäre schon so besoffen, dass er nicht mehr stehen konnte. Den größten Teil des Abendes hat er mit einem Buch auf einem Hocker vor einem Ventilator verbracht. So warm war es wirklich nicht. Martin hat mich angerufen, aber da ich für den Kurs das Handy auf leise gestellt hatte, habe ich es nicht gemerkt. Jetzt schläft er bestimmt, dort ist es eine Stunde später. Mein Handy hatte ich übrigens gestern Abend aufgeladen, und die Batterie ist jetzt schon leer. So schnell.

SXF – STN und weiter

Ich bin diese Woche auf Dienstreise in England. Ich soll einen Kurs besuchen, der es mir erlauben sollte, eine bessere Ahnung davon zu haben, was die Nutzer unserer Geräte machen. Mit meiner täglichen Arbeit hat es eigentlich nichts zu tun und ich sehe nicht, was es mir bringen sollte.

Ich wäre auf die Idee nie gekommen, wenn Winfried, unser Ersatzchef, es mir in November nicht erwähnt hätte. Von dem Kurs hätte ich sonst nichts erfahren. Als er mich eine Woche später fragte, ob ich mich schon zum Kurs angemeldet hatte, wurde mir klar, dass er es wirklich von mir erwartete. Ich habe mich beworben und wurde für den Kurs angenommen. Meine Begeisterung ist nicht sehr groß. Dazu kommt, dass Uschi völlig überrascht war, als ich ihm davon erzählte und meinte, ich würde ihn dazu zwingen, mich zum Kurs gehen zu lassen, weil er schon vergessen hatte, dass Winfried mit ihm darüber diskutiert hatte. Jetzt sieht es so aus, als ob es mein Wunsch gewesen wäre.

Ich habe einen Flug mit Ryanair für heute Morgen um 09:35 von Schönefeld aus gebucht. Das heißt, ich musste heute um halb sieben aufstehen, um eine Stunde später am Flughafen zu sein. Martin hatte sich das Auto von seinem Vater ausgeliehen, um mich bequem dahin begleiten zu können, obwohl ich unweit von meiner Wohnung eine Haltestelle für eine direkte Buslinie bis zum Flughafen habe. Blöderweise sind wir auf dem Weg geblitz worden. Er muss ganz knapp über 50km/h gewesen sein, mit der Anzeige kann man das nicht so genau ablesen (ein Tachometer mit Nadel).

Wir wollten am Flughafen frühstücken. Ich habe mein Gepäck abgegeben und wir sind zum einzigen Café im Erdgeschoss gegangen. Wenn ich eine Liste der zehn schlechtesten Frühstücken in meinem Leben führen würde, hätte sich dieses Café jetzt einen Platz dabei verdient*. Die Kellner konnten/wollten kein Englisch reden und haben sich mit der italienischen Gruppe vor mir in der Schlange zur Kasse sehr unfreundlich verhalten. Als der letzte Italiener mit wiederholten Fragen auf Deutsch bombardiert wurde und nichts davon verstand, hat er kurz zweimal mit der Münze in seiner Hand gegen die Theke geklopft, was die Kellnerin sofort dazu gebracht hat, eine Kopfschmerzmiene anzusetzen und ihn anzubellen. Die selbe Kellnerin hat danach während fast unseres gesamten Aufenthaltes im Café Orangen in einer elektrischen Maschine gepresst, die so laut war, dass man sich kaum unterhalten konnte. Ich war zusätzlich über das Café geärgert, weil ich im Nachhinein festgestellt habe, dass ich ein Frühstück bestellt hatte und der Kellner mir die Einzelpreise angerechnet hatte, statt das Frühstücksangebot zu berücksichtigen, was natürlich teurer war.

Mit Ryanair war ich noch nie geflogen, und von Schönefeld aus auch nicht. Der Weg bis zur Wartezone war sehr lang. Wir sind entlang eines engen Korridors gegangen, wo Leute für andere Flüge in Schlangen standen, ohne irgendeine Sitzmöglichkeit. Ich empfand es als eine unverschämte Zumutung, und dachte schon, das gleiche würde mich erwarten. Aber ich war so früh da, dass sehr wenige Leute aus meinem Flug vor mir standen. Ich habe den Grund der Schlangen verstanden: Vor jedem Wartezimmer war eine kleine Kabine, in der zwei Mitarbeiter die Pässe aller Passagiere geprüft haben. Danach wurden erneut die Pässe mit den Flugkarten verglichen. Der Warteraum selbst war schlimm. Es war offensichtlich, dass der Raum nur dafür da war, Zweibeiner so lange zu parken, bis sie zu einem anderen Ort transportiert werden können. Sitzplätze waren nicht hinreichend vorrausgesehen. Nichts wurde gemacht, um den Konfort nur ein bisschen zu erhöhen. Keine Möglichkeit, etwas zu kaufen. Wir saßen hinter riesigen Glastür direkt vor der Parkfläche von Fliegern. Die gekippten Fenster haben einen üblen Geruch reingelassen. Sehr schnell gab es so viele Leute in dem Raum, dass es nicht genug Sitzplätze gab. So verging eine halbe Stunde.

Als der Flugzeug bereit gestellt wurde, konnten wir einsteigen. Mit meiner Karte durfte ich mit der ersten Gruppe einsteigen. Den Grund dafür habe ich nicht verstanden. Mein Sitzplatz war am Gang, warum sollte ich vor meinen Sitznachbarn einsteigen dürfen? Natürlich gab es Chaos, bis alle zu ihren Sitzplätzen gelangen konnten. Es gibt tatsächlich Leute, die den ganzen Tag dafür bezahlt werden, eine effiziente Prozedur zum schnellen Einstieg zu entwickeln, sich die Mühe gegeben haben, die Einstiegsreihenfolge auf die Passagierkarten hinzuzufügen, um zu einem solchen Mist als Ergebnis anzukommen. Als wir endlich gestartet sind, nachdem sich der Pilot mehrmals über die Passagiere für ihre Unfähigkeit, schnell zu sitzen, geärgert hat, dachte ich, ich könnte den Rest meiner kurzen Nacht weiter schlafen. So einfach ging es nicht. Zuerst die Sicherheitseinweisung. Klar, die muss es geben. Dann wurde auf die „Gastronomie“-Angebote hingewiesen, die wir schon beim Einsteigen in die Hände gedrückt bekommen hatten. Obwohl ich ganz normal saß, hat es eine Stewardess in der Zeit zwei Mal geschafft, mich beim Vorbeigehen anzurempeln, ohne sich dafür zu entschuldigen. Dann kam der Speisewagen. Die Stewardess hat die Tür des Wagens gegen mein Sessel geknallt. Danach hatten wir die ganzen Duty-Free Produkte. Es folgte noch eine Aufforderung, an ein Gewinnspiel teilzunehmen, um Geld für kranke Kinder zu spenden. Eine Migräne hat sich installiert und mich nicht mehr verlassen.

In Stansted konnte ich am Automat Geld holen. Ich dachte zuerst, ich könnte meine Euros wechseln, aber die Rate war mir zu hoch. Als ich dies dem Mitarbeiter am Schalter sagte, änderte er plötzlich „nur für mich“ die Rate für die Rechnung, aber am Automat war’s noch günstiger. Das heißt, wenn keine Gebühr für die Nutzung meiner Karte im Ausland kassiert wird. Irgendwie wird man immer verarscht. Die Suche nach der richtigen Zuggesellschaft hat gedauert. Überall sieht man diese Stansted Express Schalter, aber sie fahren nur nach London. Als ich meine Karte nach Cambridge kaufen konnte (um die 12£), habe ich mir Fruchtsaft und eine Pastry mit Kartoffeln und Zwiebeln geholt. Es hat die Migräne gelindert. In Cambridge angekommen, musste ich meine Fahrkarte in eine Maschine stecken, um aus dem Bahnhof raus gehen zu können. Blöderweise konnte man die Karte am Ende nicht zurück bekommen, sie ist in der Maschine geblieben. Kein Fehler, es ist so vorgesehen. Mir fehlt jetzt ein Beleg für meine Reisekostenabrechnung.

Der Spaziergang in Cambridge hat mir gut getan. Ich habe viele Orte besucht, Shopping gemacht, und sogar eine Whisky-Flasche erwerben können. Danach musste ich mit dem Bus bis zum Kursort weiter fahren. Ich hatte mir die Verbindung für heute auf Internet ausgesucht, aber was ich gedruckt hatte entspricht nicht der Realität. Es hat eine halbe Stunde, drei verschiedenen Busfahrer und die Rückkehr meiner Migräne gedauert, bis ich festgestellt habe, dass Sonntags doch kein Bus zu meinem Zielort fährt (ein Dorf mit 320 Einwohner mitten im Nichts). Ich habe beschlossen, dahin mit dem Taxi zu fahren (25£). Mir wurde während der Fahrt schlecht. An der Hotelrezeption konnte ich für 1£ eine Dose Paracetamol kaufen. Die Organisatorin des Kurses hatte uns einen Tisch im lokalen Pub für heute Abend gebucht, aber mir geht’s nicht gut genug. Der Kurs fängt eh erst morgen an.

* Ein in Erinnerung gebliebenes Frühstück war ebenfalls in Berlin, während einer Fachtagung vor gut sieben Jahren, in einem Hotel. Der Frühstückraum war im Untergeschoss. Über dem Büfett war ein Hotelzimmer. Der Gast war zum Frühstück herunter gegangen und hatte dabei vergessen, den Wasserhahn im Badezimmer zuzudrehen. Die einzelnen Platten an der Decke haben sich verdächtig gebogen, bis Wasser auf einmal zum Büfett geflossen ist.

Beim Dermatologe

Ich habe doch eine Praxis gefunden, die Sprechzeiten anbietet. Ich kann meine ausgemachten Termine ab dem nächsten Monat absagen. Gestern vor der Arbeit war ich dort und habe es geschafft, ziemlich schnell dran zu sein, so dass meine Abwesenheit im Büro nicht mal aufgefallen ist (natürlich hatte ich vorher erwähnt, dass ich mich verspäten könnte).

Vom Besuch selbst war ich sehr enttäuscht. Es hat gerade drei Minuten gedauert. Der Dermatologe hat sich meine Haut von weitem angeschaut, ich habe ihm die ganze Geschichte prägnant zusammengefasst, und er hat mir einen Rezept erstellt, ohne mir überhaupt zu sagen, worum es sich handeln könnte. Eine Creme zum drauf schmieren, und ein Shampoo, für 12€ bei seiner Sekretärin erhältlich, weil ich auch in der kurzen Zeit von meinem Psoriasis erzählen konnte. Die Creme hat er mir gleichzeitig für die Hautausschläge und für die Kopfhaut verschrieben, was mir sehr suspekt vorkam. Das sind doch zwei unterschiedliche Sachen.

Gestern Abend habe ich wie verschrieben die Creme auf die Hautpartien verteilt. Heute nach der Dusche war ich schon sehr überrascht, weil ich festgestellt habe, dass das Jucken fehlte. Ich musste zum Eincremen visuell nach den roten Hautstellen suchen, statt wie noch gestern einfach mit den Fingern die Schwellungen spüren. Ich bin verblüfft. Mit der Kopfhaut wird es bestimmt länger dauern. Ich trage die Creme nur ein, wenn ich weiß, dass ich am nächsten Tag mir die Haare wasche. Wie heute. Bei Martin ginge es nicht. Er wohnt auf der letzten Etage eines Altbaus und sein Vermieter will sich die Mühe nicht geben zu gewährleisten, dass genug Wasserdruck bis zu seiner Wohnung ankommt. Gestern habe ich deswegen auf eine Dusche verzichten müssen, nachdem ich vergeblich fünf Minuten lang in der Badewanne mit offenem Hahn auf Wasser gewartet habe. Für mich ein klarer Fall von Mieteminderung, aber darum hat er sich nicht gekümmert.

Internetworking mit TCP/IP

Nachdem ich den letzten online Kurs vom openHPI über Parallelprogrammierung erfolgreich abgeschlossen habe (das Zertifikat lässt noch auf sich warten), dachte ich, ich könnte mit dem nächsten Kurs weiter machen. Es geht diesmal um Internetprotokolle. Nicht, dass ich es für die Arbeit brauche, aber als allgemeine Bildung kann es nicht schaden. Die erste Woche hat gerade angefangen.

Der Kurs ist wieder auf Englisch gestaltet. Der Dozent hat offensichtlich große Probleme damit. Es ist für mich mühsam, ihn zuzuhören, da er häufig zwischendurch seufzt und so viele typisch deutsche Fehler in der Aussprache macht. Nach einiger Zeit kann man sich daran gewöhnen. Diesmal ist das Niveau des Kurses höher geschraubt. Ich fühle mich viel mehr beansprucht. Die Darstellung des Protokollstapels war so abstrakt, dass ich sie mir zwei Mal anhören musste. Die Vorlesungen dauern insgesamt länger als beim letzten Kurs, ich muss noch mehr Zeit einplanen. Momentan schwierig, da ich bei der Arbeit viel zu tun habe. Mal schauen, wie lange ich mithalten kann.