Eins stinkt mir

Und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll.

Es geht um meine Familie. Ich sehe sie kaum, da ich so weit weg lebe. Bei meiner Mami wünsche ich mir, dass wir uns häufiger sehen könnten. Sonst bin ich eher froh, so wenig Kontakt mit den Anderen zu haben. Vor allem seit letzter Woche.

Ich weiß nicht, wer wen so schlecht beeinflusst hat. Tatsache ist, dass mein Bruder und mein Vater sich immer mehr dem Rechtsextremismus nähern. Ihre Ausländerfeindlichkeit habe ich schon früher gemerkt, vor allem bei meinem Vater. Dagegen zu argumentieren hilft nicht. Mein Vater hat nur Vorurteile im Kopf, die der Realität nicht entsprechen, und ist überfordert, wenn er darüber hinaus nachdenken muss (was häufig mit Wutausbrüchen endet). Seine Freundin ist nicht besser. Sie braucht nur eine Frau mit Kopftuch zu sehen, um sich sofort aufzuregen und vor sich hin zu schimpfen. Sie kann sich dabei extrem bösartig verhalten. Als wir vor einigen Jahren am Strand in Fréjus waren, sind einmal drei jungen Araber an uns vorbei gegangen, zwei Männer und eine Frau, die sich unterhielten. Barfuß, da es überall Sand gibt. Als die Frau näher kam, habe ich eine gebrochene Glasflasche im Sand gemerkt und sie darauf aufmerksam gemacht. Die Freundin meines Vaters war sauer darüber, weil sie sich so sehr gefreut hätte, wenn die Frau sich verletzt hätte. Sie hat wirklich einen Dachschaden. Bei meinem Bruder hatte ich bis jetzt nicht so viel in die Richtung gemerkt, was wohl daran liegen muss, dass ich ihn seit seiner Schulzeit kaum gesehen habe. Er war noch minderjährig, als ich vor fünfzehn Jahren nach Deutschland umgezogen bin.

Jetzt sind die Beiden dabei, an Veranstaltungen vom Front National teilzunehmen und lokalen Kandidaten zu unterstützen. Das war letzte Woche. Und sie sind so stolz darauf, dass sie Fotos davon auf Facebook hochladen, wo sie strahlend neben den Parteimitgliedern stehen. Mir stinkt’s gewaltig. Mit Rechtsextremisten will ich nichts zu tun haben. Ich denke, ich sollte den Kontakt mit ihnen völlig abbrechen. Mit meinem Vater kommuniziere ich sowieso extrem selten. Etwa an Geburtstagen und Feiertagen. Sonst rufe ich ihn nicht an, und er mich auch nicht, außer wenn es ihm gerade schlecht geht, wie im Sommer. Es wird keinen Unterschied machen. Wir hatten mit Martin vor, ein Wochenende in Mai in Südfrankreich zu verbringen, er wollte meine Familie kennen lernen. Ich meine, es reicht, wenn wir nur meine Mutter besuchen.

Außerdem finde ich diese politische Gesinnung in meiner Familie umso mehr lächerlich, wenn man weiß, dass wir ursprünglich gar nicht aus Frankreich sind. Mein Vater ist in Tunesien geboren. Seine Eltern waren aus Malta dahin umgezogen, bevor sie 1956 gezwungen wurden, das Land zu verlassen. Wie kann man sich mit einem solchen Migrationshintergrund als Ausländerfeindlich erklären?


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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