Im Zug nach Frankfurt

Ich war heute nur vormittags bei der Arbeit. Mein IT-Kollege hat seit gestern Urlaub. Dafür haben wir seit Montag eine neue Mitarbeiterin im Büro. Ganz frisch aus ihrer Doktorarbeit. Ich bin immer noch nicht daran gewöhnt, mit anderen Frauen zu arbeiten. Wenn ich am Rechner sitze, arbeite ich halt. Konzentriert. Jetzt muss ich ab und zu auch Small Talk leisten. Das stört mich. Und sie fühlt sich jedesmal angesprochen, wenn ich beim Arbeiten mal ein bisschen laut seufze oder vor mir hin fluche (gerade wenn ich vergessen habe, dass sie im Zimmer auch ist, hinter ihrem Bildschirm versteckt). Leises Fluchen ist normal in unserem Zimmer, mein IT-Kollege macht es genau so. Heute Morgen fragte sie mich, was los war. Ich: „Ach, ich habe bloss ein Fehler gemacht.“ Sie meinte antworten zu müssen, „Dann lösche es wieder weg!“ Wie eine Mutter mit ihrem Kind sprechen würde, obwohl sie gut zehn Jahre jünger ist. Ohne eine Ahnung darüber zu haben, was ich gerade machte. Mit Programmierung hat sie gar nichts am Hut (das wird auch klar, mit der Art, wie sie mit ihrem Rechner umgeht). Ich habe sie als blöde Zicke kategorisiert. Und ich muss sie für die nächsten Jahre ertragen.

Zum Glück war ich früh weg. Wir fahren ja mit Martin zu seiner Familie nach Frankfurt. Zu zweit lässt sich die lange Fahrt schon viel besser ertragen. Ich habe das Buch The Ocean at the End of the Lane von Neil Gaiman mitgenommen, ein wunderschönes Buch, wie viele von ihm. Martin hört gerade Musik und schläft halbwegs. Am Tisch auf der anderen Seite vom Gang saß bis vor Kurzem ein Mann um die vierzig. Ich war angenehm überrascht, als er sein Mittagessen auspackte und sich eine frische gelbe Paprika zubereitet hat. Es roch sehr lecker. Mal was Anderes als die stinkende billige Salami.

In knapp zwanzig Minuten sind wir endlich da. Ich bin gespannt. Das einzig blöde ist, dass ich keine Betreuung für meine Katze am Wochenende gefunden habe. Meine beiden vertrauten Nachbarn sind momentan gar nicht da. Die neu eingezogene Familie will ich gar nicht fragen. Sie nerven, wie sie so häufig beim Hausmeister fragen, ob ich ihnen meinen Parkplatz überlassen könnte (es gibt nicht genug Parkplätze für alle und unsere vorherige Nachbarin hatte kein Auto). Nein habe ich schon gesagt. Auch wenn ich es nicht so häufig benutze, finde ich es sehr praktisch. Sie müssen doch gesehen haben, dass er gelegentlich benutzt wird. Egal. Ich frage sie nichts, damit haben sie nichts von mir als Gegenleistung zu erwarten. Ich habe jetzt überall Futter für die Mieze in die Wohnung verteilt. Zwei Schalen Wasser habe ich vorbereitet. Sie wird die zwei Tage ohne mich aushalten müssen. Ich muss unbedingt nach Katzensittern suchen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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