Statistik

Oder: Wie subjektiv Prozentangaben wahrgenommen werden können.

Vor Kurzem habe ich einen Dokumentarfilm über James Cook gesehen. Drin wurde erzählt, dass damals große Expeditionen mit Schiffen sehr gefährlich waren, weil jede fünfte Reise mit einem Unglück endete. Wie furchtbar, dachte ich. Die Wissenschaftler von damals waren wahre Helden, da sie trotz solchen hohen Risiken so viele Forschungsreisen unternommen haben.

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit meinem Doktorvater, nicht so lange her. Er erzählte mir, dass die Erfolgsquote für Einzelanträge bei der DFG drastisch gesunken wäre. Knapp über zwanzig Prozent der Anträge wären jetzt genehmigt (mit sinkender Tendenz). Ich fand’s beängstigend. Wie sollte man da bei solchen geringen Chancen ernsthaft eine Förderung für die eigene Zukunft erwarten? Ich würde mich lieber auf Stellenanzeigen bewerben, statt viel Zeit für einen Antrag zu investieren, bei dem das Ergebnis so unsicher ist.

Zwanzig Prozent, zu gering als Erfolgsquote. Wahrscheinlichkeit von einem Fünftel für ein Schiffsunglück, ein viel zu hohes Risiko. Interessant, wie die gleiche Zahl völlig unterschiedlich interpretiert werden kann.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.