Bloody Valentine

Nachträglich. Der Titel hört sich wie ein Horrorfilm an.

Ich habe die Nacht bei Martin verbracht. Wir waren am Abend im Kino gewesen. Diesmal nicht Berlinade, sondern reguläres Programm. 12 years a slave, der spät in einem kleinen Kino in Neukölln lief. Auf dem Rückweg zur U-Bahn habe ich Geld am Automat geholt. Martin auch. Eine junge Frau stand am Schalter neben uns, und zwei Obdachlosen schliefen in einer Ecke. Es war schön warm drin. Als wir raus gehen wollten, fragte die Frau Martin, ob er ihr helfen könnte, eine Überweisung durchzuführen. Ich war sehr skeptisch. Entweder ist die Frau extrem naiv und vertraut jedem, oder sie ködert rum und will irgendwas unternehmen, dachte ich. Ich habe seinen Rucksack die ganze Zeit nicht aus den Augen gelassen. Es sah tatsächlich so aus, als ob sie nur Hilfe wollte. Aber irgendwie hat sie nichts von dem verstanden, was Martin ihr erzählt hat. Wir haben gefühlt fast zehn Minuten bei ihr gestanden. Nachdem er ihr zum dritten Mal erklärt hat, was eine IBAN ist und sie ihn mit kleiner Stimme fragte, welche Nummer sie denn eintippen sollte (seine? Er hielt ja seinen ausgedruckten Kontostand zur Erklärung in der Hand…), habe ich die Geduld verloren und gesagt, sie sollte sich doch am nächsten Tag am Schalter bei den Angestellten der Bank erkundigen, die ja dafür ausgebildet und bezahlt sind. Ich dachte, wie sie sich anstellt, macht sie sonst noch ein Fehler und beschuldigt uns dafür. Wir haben die U-Bahn verpasst und sind fast um 01:00 bei ihm angekommen. Wir waren müde und haben nur geschlafen.

Beim Aufwachen habe ich mich bei Martin eingekuschelt. Aufstehen wollte ich nicht. Ich habe es irgendwann geschafft und bin als erste duschen gegangen. Dabei habe ich plötzlich gemerkt, dass ich meine Periode habe. Wie ein offener Hahn ist Blut auf einmal herunter geströmt. Zum Glück habe ich nichts versaut (ich habe später nachgeprüft) und es war noch dunkel im Schlafzimmer. Ich habe meine Kleider und meine Tasche geholt und bin schnell mit zusammen gepressten Beinen zur Dusche gegangen. Er hat davon nichts gemerkt. So schlimm habe ich es seit langer Zeit nicht erlebt. Kein Wunder, dass ich am Tag davor solche starke Schmerze hatte. Ich habe so viel Blut verloren, dass ich mittags noch eine Box Tampons kaufen gehen musste. Die drei, die ich immer in der Tasche parat hatte, waren für den Vormittag nicht genug. Ich habe mich gefragt, warum wir in den Toiletten bei der Arbeit keinen Automat dafür haben.

Ich habe mich abends noch zum Sport geschleppt und meinen Trainingsplan durchgeführt. Ich hatte mich mit Martin später in der Stadt verabredet. Zu Hause geduscht, parfümiert, und sogar mit Lippenstift leicht geschminkt. Enges Kleid mit Pumps. Die hatte ich seit unserem ersten Kuss gar nicht mehr getragen. Nein, Valentinstag ist mir egal. Es ist mir auch egal, ob er noch weiß, was ich damals getragen hatte. Ich wollte mich einfach nur für ihn wieder schön machen. Ein Volltreffer, seinem Blick nach zu beurteilen. Wir hatten nichts Besonderes geplant und sind ein bisschen spazieren gegangen. Wir haben uns ein Pizza geteilt. Wir wollten noch zur Cocktail-Bar am Anhalter Bahnhof gehen, aber die Türsteher haben uns gewarnt, es wäre schon voll, es wäre ja Valentinstag. Wir haben es nicht probiert und sind zu einem hispanischem Lokal gegangen, bevor wir zu ihm mit Taxi gefahren sind (der Taxifahrer hatte wunderschöne Origami-Stücke für seine Kinder gemacht und mir einen davon geschenkt). Wir sind ins Bett gegangen und haben gekuschelt. Und wieder keinen Sex gehabt. Blöde Tage.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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