Ein schöner Tag

Ich bin trotz Müdigkeit recht früh aufgewacht. Wieder die Kleine oben, die einen Alptraum hatte und ihre Eltern beim Weinen geweckt hat. Was für eine anstrengende Zeit. Dass es über ein halbes Jahr dauern kann, wusste ich aus meiner eigenen Kindheit nicht mehr. Immerhin konnte ich dadurch den Status des Fluges meiner Mami prüfen und sie direkt nach der lang erwarteten Landung anrufen.

Ich war gerade mit der Dusche fertig, als Martin mir eine Nachricht schickte. Ob wir uns um 13:00 treffen könnten? Ich habe mich fertig gemacht und bin los gegangen. Es hat mit Bus und Bahn gerade zeitlich geklappt. Wir haben eine Ausstellung besucht. Über drei Stunden sind wir dort geblieben. Wie kann es sein, dass ich beim Spazierengehen mit meiner Mami solche starke Ischiasschmerze gespürt habe, und mich total gut fühle oder nur eine leichte Störung merke, wenn ich mit ihm unterwegs bin? Die wahrscheinliche Antwort gefällt mir nicht. Die Schmerze sind doch real.

Nach der Ausstellung haben wir in einer Kneipe nebeneinander gesessen. Wieder viel geredet. Bier getrunken. Nach einiger Zeit hat er meine Hand in seine genommen und sie nicht mehr los gelassen. Klar habe ich mich nervös gefühlt, auch wenn ich es so schön fand. Bei seinem Vorschlag, ein drittes Bier zu trinken, musste ich die Bremse ziehen. Ich wusste noch, wie es mir gestern auf dem Weg nach Hause ging. Stattdessen sind wir essen gegangen. Und auf dem Weg dahin haben wir Händchen gehalten. Die Strecke kam mir viel zu kurz vor. Hunger hatte ich sowieso nicht. Wie auch? Nach dem Essen hat er vorgeschlagen, zur U-Bahn zurück zu gehen. So früh. Ich habe gedacht, wir hätten doch in der Kneipe bleiben sollen. Aber stimmt, morgen fängt die Arbeit wieder an. Wir sind Hand in Hand zur U-Bahn langsam gegangen. Mein Zug kam zu schnell an. Ich habe ihn umarmt. Er hat nicht versucht, mich zurück zu halten. Küssen, nicht küssen? Er hat nicht ausgesehen, als ob er das möchte. Ich bin in den Zug eingestiegen. Völlig durcheinander. Bei der nächsten Station wollte ich schon aussteigen und zu ihm zurück laufen. Aber nein, ich bin doch weiter gefahren.

Es gibt also Männer, die sich mit einer Frau richtig süß verhalten können, ihren Herzen völlig wild zum Schlagen bringen, und sie anschließend alleine nach Hause gehen lassen. Eigentlich wollte ich nichts erwarten und mich nicht zerreißen lassen. Es klappt nicht so gut.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Gestriges Date

In einem Wort zusammengefasst: Frust.

Wir hatten uns in einer Kneipe am Hackeschen Markt verabredet. Die mag ich sehr, sie bietet richtig bequeme hängende Sessel auf der Terrasse an. Es war ein bisschen kalt, aber die nette Kellnerin hat uns Decken verteilt. Wir haben zuerst Kaffees bestellt. Es gab vieles zu diskutieren, er ist ständig unterwegs gewesen. Als die Zeit verging, wurden wir hungrig. Er vor allem, ich nicht wirklich. Ich hatte schon wieder Kribbeln im Bauch. Nach einem Cocktail haben wir uns auf der Suche nach einem Restaurant gemacht.

Es wurde eine Pizzeria. Er war sich nicht sicher, ob er dahin gehen möchte, weil er sie nicht kannte. Wieder ein Ausdruck seiner Entschlussunfähigkeit? Ich habe ihm gesagt, wenn er nichts probiert, kann er sich keinen Urteil bilden. Wir sind hingegangen. Da sie voll war, wurden wir zuerst zur Gin-Bar nebenan geleitet. Natürlich musste es eine Kostprobe geben. Kurz danach wurde ein Tisch frei. Ein Pizza war mir eigentlich zu viel. Es war lecker. Dazu gab’s noch ein Glas Rotwein. Es hätte nicht sein müssen. Mir wurde sehr warm. Im Gegenteil zu ihm, weil er noch kalte Hände hatte. Ich habe sie erwärmt. Es ist nicht das erste Mal. Er hat meine Hände so sanft gestreichelt, dass ich den Eindruck hatte, dass mein Brustkorb viel zu klein ist und explodieren könnte. Und danach ist nichts geschehen. Ich könnte heulen.

Wir sind noch ins Kino gegangen und haben The Secret Life of Walter Mitty geschaut. Es hat mir sehr gefallen. Um ehrlich zu sein, habe ich mich in dem Hauptcharakter mit seinen Tagesträumereien total erkannt. Das ist nicht gut. Als er am Ende endlich mit seiner Verliebte Händchen gehalten hat, wollte ich Martin sagen, „siehst du, so einfach geht’s“. Ich hab’s nicht geschafft. Wir haben uns an der S-Bahn verabschiedet. Ich hatte eigentlich Kopfschmerz, mir ging’s übel, im Kino war’s mir zu warm gewesen, mein Puls war viel zu hoch. Ich glaube, er hat’s nicht mitbekommen. Als ich endlich zu Hause angekommen war, habe ich ihm buchstäblich eine gute Nacht SMS geschickt.

Heute treffen wir uns wieder.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Unwetter

Ich könnte gerade meine Meinung über easyJet ändern.

Ich habe gestern meine Mami zum Flughafen begleitet. Da ich sie über Internet schon eingecheckt hatte, mussten wir nicht so früh da sein. Sie hatte diesmal wirklich nur ein Handgepäck dabei, weil sie viele Sachen bei mir fürs nächste Mal gelassen hat. Sie ist sofort zur Sicherheitskontrolle gegangen, und ich habe mich auf dem Weg zur Stadt gemacht, um ein bisschen vor meinem Date zu shoppen. Ich war noch in der S-Bahn, als meine Mami mich anrief und sagte, ihr Flug würde sich verspäten. Genaueres konnte sie mir nicht erzählen. Als ich bei Dussmann vor den CDs stand, rief sie mich erneut an. Es gab anscheinend Unwetter in Nizza, deswegen würde sie erst nach 22:00 fliegen können. Der Var ist aus seinem Bett übergelaufen. Die Fluggesellschaft hat allen Passagieren Gutscheine fürs Abendessen gegeben. Ich habe ihr gesagt, sie soll mir sofort Bescheid sagen, falls sie doch nicht an dem Tag fliegt. Eine Stunde später bekam ich zwei SMS von easyJet, die mich über die Verspätung informierten. Am Abend habe ich Martin davon erzählt, als wir im Restaurant saßen. Er fragte, ob ich jetzt eine neue Nachricht bekommen hätte. Ich hatte nichts gehört, aber auf meinem Handy gab es tatsächlich eine weitere SMS von easyJet. Der Flug war für Sonntag früh umgeplant. Keine Nachricht von meiner Mami. Ich habe sie angerufen. Sie meinte, sie wäre gerade zum Hotelzimmer angekommen, easyJet hat die Kosten übernommen. Ich bin beeindruckt.

2009 habe ich eine ähnliche Erfahrung gemacht, als ich für Weihnachten zu meinen Eltern fahren wollte. Ich hatte mich bei Germanwings umgeschaut und musste feststellen, dass die Uhrzeiten für die Flüge von Köln nach Nizza sehr ungewöhnlich waren. Ich hätte ganz früh morgens fliegen sollen, und da ich vorher mit dem Zug zum Flughafen fahren musste, hätte ich am Tag vorher dort sein sollen. Ich habe deswegen zum ersten Mal bei Air Berlin gebucht. Ich bin an einem Sonntagmorgen zum Flughafen Düsseldorf angekommen. Ich glaube, mein Flug war um 10:30 geplant. Als ich ankam, gab’s ein bisschen Schnee. Alle Flüge waren schon als verspätet angekündigt. Ich habe den ganzen Tag im Warteraum verbracht. Jede Stunde sagte uns die Frau, dass unserer Flug sich um eine Stunde verspäten würde. Um 23:30 sagte sie uns endlich offiziell, dass der Flugzeug nicht mehr starten würde. Der Flug wurde nicht am nächsten Tag verschoben, sondern einfach annulliert. Wir waren somit die allerletzten Passagiere im ganzen Flughafen, die von ihrer Fluggesellschaft darüber informiert wurden. Alle anderen wurden schon früher für die Nacht entweder im Hotel unterbracht oder nach Hause geschickt worden. Wir mussten selber gucken, wie wir die Nacht verbringen sollten. Und das am Flughafen von Düsseldorf, der mitten im Nichts steht. Mit dem angesammelten Schnee fuhr inzwischen kein Zug mehr, und an Taxis war aus dem selben Grund nicht mehr zu denken. Ich habe die Nacht auf irgendeiner freien Fläche mit einem allein reisenden jungen Mädchen aus dem gleichen Flug verbracht, damit es sich sicherer fühlt. Der nächste Flug nach Nizza wäre fast eine Woche später gewesen, nach Weihnachten, aber das war alles, was Air Berlin uns anbieten wollte. Sonst konnten wir am nächsten Tag nach Paris umgebucht werden, und selber die weitere Reise organisieren. Das habe ich gemacht, mir blieb keine Wahl (natürlich gab’s die üblichen jahreszeitlichen Streiks im RER, und Schneechaos mit der Bahn…). Ich habe mir geschwört, nie wieder mit Air Berlin zu fliegen. Nicht mal Wasser haben wir an dem Tag von ihnen bekommen.

Ich wüsste gerne, wie Germanwings die gestrige Lage behandelt hat. Meine Google-Suche hat keine Ergebnisse darüber geliefert.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.