Angebaggert

Ich weiß nicht, was heute anders als sonst war. Eigentlich nichts.

Ich bin nicht zum Fitness-Studio gegangen. Ich habe gestern eine große Garderobe aus Metall bei IKEA geholt und nach Hause geschleppt, meine Schultermuskeln schreien noch. Stattdessen bin ich zum Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt gegangen. Ich würde gerne alle Weihnachtsmärkte Berlins besuchen, aber das geht zeitlich nicht. Ich bin eine Stunde geblieben. Den Glühwein fand ich mäßig (den besten habe ich mit Martin am Prenzlauer Berg probiert). Danach bin ich ganz oben im Französischen Dom gestiegen und habe Fotos aufgenommen. Mir ging’s super, ich habe die vielen Treppenstufen kaum gemerkt.

Es war noch früh nachmittags als ich wieder runter kam. Südkreuz lag fast auf meinem Rückweg, und wir hatten heute verkaufsoffener Sonntag. Ich habe beschlossen, weitere kleinere Möbelstücke bei IKEA zu kaufen (meine Mami kommt bald zu Besuch, ich beeile mich, um die Wohnung endlich fertig zu bekommen). Also zuerst mit U6 zum Tempelhof. Ich habe mich bequem gegen die Fensterscheibe gelehnt und vor mich hin geträumt. Ich habe mich gefragt, wie es Martin geht. Er ist gerade bei Freunden zu Besuch. Danach Familienbesuch, und wieder bei Freunden… Ich werde ihn wohl erst in Januar wieder sehen. Er sagte, er würde sich bei mir melden, sobald er wieder hier ist. Hätte ich am Mittwoch bloß den Mut gehabt, ihn zu küssen…

Einige Stationen weiter ist ein junger Mann eingestiegen und hat einen Platz gegenüber von mir genommen. Ich habe ihn nicht beachtet und mich meiner Träumerei weiter gewidmet. Er hat mich angesprochen. Ich habe zuerst nichts verstanden. Er sprach zu leise. Die Wörter ergaben keinen Sinn. Da ich meine „Häh?“-Miene aufgesetzt habe, fragte er mich, ob ich Türkin wäre. Nein, bin ich nicht. Ich habe das Gespräch für beendet gehalten und mich wieder zurück gezogen. Einladend konnte es wirklich nicht wirken. Aber er hat weiter mit mir reden wollen. Ob ich Kopfschmerze hätte? Ich saß mit Ellbogen gegen das Fenster und mit der Stirn in der Hand. Es war mir bequem so. Ich hatte keine Lust, mit ihm darüber zu diskutieren. Wenn er glauben will, dass ich Kopfschmerze habe, von mir aus. Vielleicht gibt er dann Ruhe. „Ja“, habe ich geantwortet, und mich zurück zum Fenster gewandt. „Warum?“, wollte er noch wissen. Ich habe die Frage ignoriert. Er hat meine Beine deutlich geglotzt (ich trug eine enge Hose). „Wo fährst du hin?“ Notlüge… „Zu meinem Freund“. Geärgerte Reaktion. Kurz danach ist er aufgestanden und hat sich einen neuen Platz auf der anderen Seite des Ganges ausgesucht.

Zwei Stunden später saß ich am Gleis mit meinen Kartons aus IKEA und wartete auf die S-Bahn. Ich habe nicht besonders aufgepasst. Plötzlich stand ein unbekannter Mann unweit von mir und lächelte mich intensiv an. Was, zwei mal am gleichen Tag? Als die S-Bahn ankam, hat er einige Schritte in meiner Richtung gemacht. Ich war schneller. Im Handumdrehen habe ich alle meine Kartons gesammelt und bin sehr schnell zu einem Wagen ganz weit weg gegangen. Er ist mir nicht gefolgt.

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