Freitagabend

Letztes Wochenende kam es im Gespräch. Martin hatte erwähnt, dass er sehr gerne den zweiten Teil vom Hobbit sehen würde. Den ersten Teil hatte ich mit Freunden letztes Jahr gesehen. Das Buch habe ich sonst zwei-drei Male gelesen. Ich habe gegoogelt und festgestellt, dass der Film diese Woche raus kommen sollte. Wir haben uns für eine 3D OV Darstellung gestern Abend entschieden. Ziemlich spät, weil er vorher noch einen Sport-Termin hatte.

Ich hatte gestern bei der Arbeit den ganzen Tag vor allem Frust empfunden. Fehlermeldungen beim Testen der Installation meines Programmes, Probleme, bei denen ich am Anfang gar nicht wusste, wie ich vorgehen sollte (fehlende Bibliothekteilen wie libgomp.so.1, weil ich ein 32-Programm auf einer 64-Maschine laufen lassen wollte). Als mein IT-Kollege nach seinem Treffen mit seiner vielleicht-Geliebte zurück ins Büro kam, bemerkte er, ich würde ihn so entsetzt schauen. Ich habe ihm erklärt, es läge nicht an ihm.

Martin ist kurz nach 16:00 zu mir ins Büro hoch gekommen. Eine Seltenheit. Das letzte Mal, dass er bei mir war, liegt schon ein paar Wochen zurück. Ich bin viel häufiger bei ihm zu Besuch, da unsere Kaffeemaschine bei meinen anderen Kollegen zwei Etagen tiefer steht. Er wollte sich verabschieden, weil er sich auf dem Weg zum Schwimmbad machen wollte. Wann könnten wir uns später treffen? Mir wurde plötzlich warm. Mein IT-Kollege sitzt gegenüber von mir, und ich weiß, wie er mich manchmal amüsiert schief guckt, wenn ich mit Martin bin. Ich habe ihm gesagt, er sollte mich einfach nach dem Sport anrufen. Der Film war sowieso erst um 23:00.

Der Arbeitstag endete erfolgreich, da ich es endlich geschafft habe, mein Programm auf Scientific Linux fehlerfrei zum Laufen zu bringen. Ich bin um halb sechs deutlich entspannter in den Feierabend gegangen. Jetzt muss ich mich um Ubuntu kümmern. Ich denke, es wird schneller gehen, da ich viele unsaubere Teile von meinem Vorgänger systemunabhängig umschreiben musste. Maverick wird nach dem Urlaub in Angriff genommen. Hoffentlich gibt es bis dahin eine neuere Qt4.8.6 Version. Sonst probiere ich Qt5.2, das Release mit „many fixes to improve support for OS X Maverick“ ist diese Woche raus gekommen. Uschi meinte gestern, ich sollte zusätzlich Suse testen. Jedesmal heißt es für mich, auf einer neuen Partition meines alten langsamen Testrechners selbst das OS installieren, dann die fehlenden Komponenten wie z.B. ssh oder PyQt installieren, und rätseln über neue Fehlermeldungen… So eine Aufgabe hatte ich mir damals nicht vorgestellt, als meine Haupttätigkeit beschrieben wurde. Aber ich muss es positiv sehen, ich lerne etwas Neues, beim nächsten Mal wird es besser klappen.

Ich war so erleichtert, meine Tests auf Scientific Linux abgeschlossen zu haben, dass ich gar nicht nach Hause gefahren bin. Ich habe beschlossen, direkt in die Stadt zu fahren und ein bisschen Shopping zu machen, bis Martin mich anruft. Ein Glühwein musste auch her, um mich für die gute Leistung zu belohnen. Ich bin mit der S-Bahn gefahren. Ich wollte am Ostkreuz umsteigen, um weiter in Richtung Alexanderplatz zu fahren. Das ist mir nicht gelungen. Kurz vor Ostkreuz habe ich mir noch gesagt, dass ich gleich aufstehen müsste. Etwas hat mich dann an Martin erinnert, ich habe kurz an ihn gedacht, und plötzlich hieß es, die nächste Haltestelle wäre Frankfurter Allee. Ich bin dort ausgestiegen. Ich wollte mit U-Bahn weiter fahren, und habe gemerkt, dass es auch hier ein Einkaufszentrum gibt. Ich habe Leckerlies für meine Katze gekauft und bin durch die Läden gegangen. Als ich die vier oder fünf Etagen durch hatte, bin ich zur U-Bahn-Station gegangen.

Dort habe ich Axel kennen gelernt. Er stand am Gleis vor dem Automat. Als ich an ihm vorbei gegangen bin, hat er mich um Hilfe gefragt. Da ich ein Abo habe, wusste ich schon nicht mehr, welche Fahrkarte er kaufen sollte. In dem Moment kam schon die U-Bahn. Mir fiel ein, dass es schon spät genug war, und ich habe ihm angeboten, mit mir auf meiner Karte zu fahren. Wir wollten beide zum Alexanderplatz; er war dort mit Kumpeln verabredet. Wir haben uns während der ganzen Fahrt unterhalten. Keine Telefonnummer getauscht, er ist deutlich älter und vergeben, aber es war ganz nett, mit ihm zu plaudern. Ich sollte häufiger um die Uhrzeit mit der BVG fahren.

Am Alexanderplatz bin ich durch den Weihnachtsmarkt gegangen. Der Grünkohl mit Mettwurst schmeckt nicht so lecker wie auf dem Aachener Weihnachtsmarkt. Der Glühwein hat mir gut getan. Ich bin noch durch das Kaufhaus ziellos spazieren gegangen. Gerne hätte ich mir ein schönes reizendes Nachtkleid gekauft. Ich wünsche mir seit längerer Zeit ein eng geschnittenes rotes Kleid mit schwarzem Rand. Ich fand das Angebot gestern nicht so interessant. Ich hatte mal etwas schönes bei C&A gesehen, obwohl pink, aber das synthetische Material wollte ich nicht haben. Gegen neun bin ich wieder raus gegangen. Eine Nachricht von Martin war auf dem Anrufbeantworter. Ich hatte wohl keinen ausreichenden Empfang im Kaufhaus. Ich habe ihn zurück gerufen und wir haben uns am Potsdamer Platz verabredet.

Ich war noch nie im IMAX gewesen. Der Platz davor war beeindruckend. Es gab eine beleuchtete Skulptur von Smaug, die ich mir angeschaut habe. Martin ist kurz nach mir angekommen. Es war noch früh, wir haben im Lokal nebenan ein Bier getrunken. Obwohl so viele Leute da waren, gingen die Bestellungen sehr schnell. Im Kino selbst fand ich es sehr gemütlich. Der Sound war zu laut, der Boden hat teilweise vibriert, aber die Sessel waren ungewöhnlich breit und bequem. Ich hatte im Laufe des Abendes starke Ischiasschmerze beim Shoppen bekommen; sie sind nach dem Film wieder verschwunden. Der Film war unterhaltsam genug, dass ich kaum gemerkt habe, dass er über zweieinhalbstunden dauert.

Danach haben wir auf seinen Vorschlag hin ein Bier in der Nähe getrunken. Wir haben über den Film diskutiert. Einige Erfindungen gab es, die dem Buch nicht treu waren, wie häufig. Es hat ihn gestört, dass eine Liebesgeschichte eingebaut werden musste. Ich weiß nicht, wie ich das verstehen soll. Als wir beim Weihnachtsmarkt vor zehn Tagen waren, hatte er schon etwas merkwürdiges in der Richtung erzählt. Da lief gerade die deutsche Version von Ti amo, und er musste sagen, dass er solche Lieder immer gehasst hätte. Was für ein Gesülze, seiner Meinung nach. Das habe ich schon von Männern gehört, die allerdings damals noch in der Pubertät waren. Ich frage mich manchmal, ob er überhaupt jemals eine Freundin hatte. Wir sind bis halb drei in der Kneipe geblieben. Ich hatte die leise Hoffnung, dass er mir anbieten würde, bei ihm zu übernachten, aber das wollte er anscheinend nicht. Er wirkte wieder sehr distanziert. Deutsche Männer zicken wirklich total. Obwohl er sich freundlich verhalten hat, habe ich gemerkt, dass er kühler geworden ist. Ganz anders als letztes Wochenende. Da weiß er nicht, was er verpasst. Ich frage mich, ob es nicht mit meinem Zyklus zu tun haben könnte. Er scheint immer vor allem von mir angezogen zu sein, wenn ich nahe am Eisprung bin. Und ich frage mich auch, ob ich nicht für ihn einfach nur da bin, um Lücken in seinem Zeitplan zu füllen, wenn er keine Lust hat, alleine zu sein. Wenn er ernsthaft Interesse an mich hätte, hätte er mir anbieten können, heute Abend mit seinen Freunden auszugehen, da er mit ihnen etwas geplant hat. Stattdessen hat er mich gefragt, ob ich morgen nachmittags Lust hätte, an irgendeiner Kunstauktion teilzunehmen. Da er sonst keinen Termin hat. Ich habe keine konkrete Antwort gegeben.

Anyway… Die Rückfahrt nach Hause hat lange gedauert. Ich habe kein gutes Gefühl, wenn ich um die Uhrzeit alleine unterwegs bin. Es gab zum Glück noch genug Leute auf der Straße und in der Bahn. Um vier Uhr morgens habe ich meine Wohnung betreten. Ich habe heute festgestellt, dass ich einen Nachtbus hätte benutzen können, der mir eine halbe Stunde gespart hätte. Ich kenne mich noch nicht so gut mit den Fahrplänen aus.

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