Ein schönes Wochenende

Vielleicht sollte ich aufhören, mir Vorsätze über meine Gefühle zu machen. Einfach das Leben nehmen, wie es kommt, und mir keinen Kopf mehr machen. Fakt ist, ich bin gerne mit ihm zusammen. Ich will meine Zeit mit ihm genießen. Vielleicht wird es was, es wäre schön, vielleicht nicht. Das wäre auch nicht dramatisch.

Nanu? Was ist denn schon wieder los? Eigentlich nichts, und vieles.

Als wir am Freitag aus der Weihnachtsfeier zur S-Bahn unterwegs waren, hatte ich ihn gefragt, wann wir den Weihnachtsmarkt in seinem Viertel besuchen würden. Er hatte ihn schon mehrmals letzte Woche als wunderschön beschrieben, und ich hatte mein Interesse bekundet. Wir haben uns auf Samstagabend geeinigt. Gesagt, getan. Ich habe anderthalb Stunden mit S-Bahn und Bus gebraucht. Es hat geschneit. Kurz vor sechs habe ich bei ihm geklingelt. Wir haben zuerst auf dem Sofa gequatscht. Es war kalt gewesen draußen, er meinte, ich sollte mich wieder aufwärmen, bevor wir los gehen.

Als wir uns eine Stunde später auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt machten, fragte er sofort, ob ich wüsste, wie der junge Mann aus der Weihnachtsfeier hieß, mit dem wir gesprochen hatten. „Keine Ahnung“, sagte ich, „ich dachte, du wüsstest es. Warum?“ „Ach, einfach so“, erwiderte er. „Unsere Studentin hatte vorher mit ihm geredet, vielleicht kann sie es dir sagen, wenn du es unbedingt wissen willst“, meinte ich uninteressiert. War das gerade Erleichterung auf seinem Gesicht? Er fing dann an, über ihn zu lästern. Irgendwie süß. „Wie kann man sich als Metal-Fan behaupten und Metallica nicht kennen?“ regte er sich auf. Ich hatte ja während der Diskussion am Vorabend erwähnt, das Martin und ich zu einem Rock-Festival im Sommer nach Belgien fahren wollen (yeah!), weil sie diese Woche angekündigt haben, dort zu spielen. Der Balg schien überrascht zu sein. Von Metallica hätte er nur am Rande etwas mitbekommen, und war da nicht eine Geschichte mit dem Herunterladen von Musik? „Er ist einfach zu jung“, meinte ich. „Ja, er hat keine Ahnung“, sagte er abwertend. Hahaha, Männer verhalten sich bei manchen Sachen recht ähnlich. Er muss ihn als ernsten Rivalen gesehen haben. Ich habe den Eindruck, dass es ihn beschäftigt hat. Gut so.

Wir haben Glühwein geholt und sind durch den Weihnachtsmarkt und am Schloss spazieren gegangen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, worüber wir uns unterhalten haben. Es war einfach schön, dicht an seiner Seite zu gehen. Ich habe die Hütten kaum beobachtet. Wir haben in einem Zelt gegessen. Es gab viele lange Blickkontakte mit süßen Lächeln. Ich habe wieder Kribbeln im Bauch bekommen. Er hat sogar für einen kurzen Moment meine Wange ganz sanft berührt. Ich war zu überrascht, um die Gelegenheit am richtigen Zeitpunkt zu nutzen. Und das war’s. Ich habe gedacht, er muss wirklich sehr scheu sein. Das bin ich auch. Das kann lange dauern.

Als wir den Zelt verlassen haben, hat er mich spontan gefragt, ob ich nicht Lust hätte, bei ihm einen Film zu schauen. Klar. Für ihn komme ich jederzeit gerne zu einem letzten Glas / Film / was-auch-immer mit. Wir haben es uns wieder bequem auf dem Sofa gemacht. Blöderweise hat er zwischen uns noch Gläser gestellt. Nette Idee, aber ich konnte mich dadurch nicht bei ihm einkuscheln. Das fand ich sehr frustrierend. Als der Film zu Ende ging, war es schon halb eins. Er hat mich geschaut, als ob er etwas sagen wollte und sich nicht traute. Mund auf, eingeatmet, Mund zu. Ich habe einfach gewartet. Beim dritten Versuch meinte er, ich könnte auch bei ihm übernachten. Ich habe gedacht, meiner übergewichtigen Katze würde es ausnahmsweise nicht schaden, den Futternapf über Nacht nicht gefüllt zu bekommen. Ich habe zugesagt. Er meinte, ich könnte auf dem Sofa schlafen. Seufz.

Heute Morgen sind wir spazieren gegangen. Wir haben in einem Kaffee gegessen. Wieder verliebte Blicke ohne Folge. Da er nachmittags verabredet war und ich zum Sport gehen wollte, hat er mich zur S-Bahn begleitet. Sein Gesicht war schön warm, als wir uns zum Abschied umarmt haben. Er hat dabei gelächelt. Ein breites Grinsen hat sich im Zug auf meinem Gesicht eingenistet und wollte während der ganzen Fahrt nicht mehr weg gehen. Ich habe getan, als ob ich gegen die Fensterscheibe schlafen würde und habe es versteckt.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Ein Gedanke zu “Ein schönes Wochenende

  1. […] Letztes Wochenende kam es im Gespräch. Martin hatte erwähnt, dass er sehr gerne den zweiten Teil vom Hobbit sehen würde. Den ersten Teil hatte ich mit Freunden letztes Jahr gesehen. Das Buch habe ich sonst zwei-drei Male gelesen. Ich habe gegoogelt und festgestellt, dass der Film diese Woche raus kommen sollte. Wir haben uns für gestern Abend entschieden. Ziemlich spät, weil er vorher noch einen Sport-Termin hatte. […]

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