Sonnabend

Heute ist Sonnabend. Ich habe es auf dem Fahrplan gesehen, als ich nach dem Sport auf die Tram wartete. Da waren Fahrpläne für Montag bis Donnerstag, für Freitag, für Sonnabend, und für Sonntag und Feiertage. Ich habe mehrmals in den Spalten nach Samstag gesucht, bis ich verstanden habe, dass es unter Sonnabend zu finden war. Wikipedia hat es mir gerade bestätigt. Laut Plan sollte drei Minuten später eine Tram ankommen. Sie musste aber schon früher abgefahren sein, weil ich die Nächste genommen habe. Ein Glück, dass es nicht so kalt war. Ich habe festgestellt, dass die Leute in der Tram am frühen Samstagabend gut riechen. Warum schaffen sie das unter der Woche nicht? Wenn ich nach der Arbeit mit der Tram nach Hause fahre (nicht häufig, ich bin noch lieber mit Fahrrad unterwegs), sind meistens Menschen da, die stark nach Salami, Tabak oder Bier stinken, oder auch muffige Mäntel tragen. Wenn sie Hundebesitzer sind, wird es für mich an naßen Tagen unerträglich. Ich bin schon mal deswegen früher ausgestiegen und habe den Rest der Strecke zu Fuß gemacht, weil ich es satt war, meinen parfümierten Schal die ganze Zeit vor der Nase zu halten.

Ich war heute beim Sport, statt wie üblich am Sonntag, weil ich morgen vor habe, ein Museum zu besuchen. Ich habe am Dienstag kurz mit meinem Ex-Chef telefoniert, und er hat mich gefragt, was ich bis jetzt in Berlin besucht habe. Als ich ihm in Juni gesagt hatte, dass ich eine neue Stelle hier gefunden hatte, war er begeistert. Er liebt diese Stadt, weil es so viele Museen gibt. Ich musste zugeben, dass ich kulturell noch nicht so viel unternommen habe. Ich war letzte Woche mit dem Fahrrad am Deutschen Historischen Museum vorbei gefahren und wäre gerne spontan rein gegangen, aber es war schon drei Uhr nachmittags, und da ich noch anderthalb Stunden nach Hause brauchte und nicht gerne nachts Fahrrad fahre, habe ich es sein lassen. Für morgen habe ich mir die Dalí-Austellung am Potsdamer Platz ausgesucht. Ich habe schon lange den Traum, sein Museum in Figueres zu besuchen. Vielleicht im Sommer.

Ich merke, wie ich mit dem Gedanke spiele, nach dem Museumbesuch Martin “ganz spontan” anzurufen, um gemeinsam einen Glühwein trinken zu gehen. Ich frage mich, ob ich das machen soll. Ich glaube nicht, dass es ein Rückfall ist. Mir sind schon die Schuppen vor den Augen gefallen. Aber es wäre nicht schlecht, ihn ab und zu außerhalb der Arbeit zu treffen. Er hat mir so viel zu Hause geholfen, ich will nicht, dass er denkt, dass ich gar nichts mehr mit ihm zu tun haben will, jetzt, wo ich keine Hilfe mehr brauche. Und nett ist er, er ist nur nicht als Liebespartner für mich geeignet. Die Wahrscheinlichkeit ist eh sehr groß, dass er ablehnt, weil er Sonntags immer mit seinem Vater etwas unternimmt. Ich gehe kein großes Risiko ein. Ich könnte Mieke fragen, die auch in der Gegend wohnt. Ich habe den Eindruck, dass es ihr zur Zeit nicht so gut geht.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Werbeanzeigen