Ein beschissener Tag

Heute bin ich sehr früh aufgestanden, weil ich mir eine Vorlesung an der Uni anhören wollte. Wir haben nächste Woche ein Praktikum, und ich habe gedacht, es wäre nicht schlecht zu erfahren, was die Studenten vorher von den Kollegen erzählt bekommen. Außerdem richtet sich die Veranstaltung an Biologen, und ich hatte gehofft, dadurch nützliche Informationen für mich zu bekommen. Ich hätte es mir sparen können. Der Stoff ist genau das, was ich an meiner früheren Uni für die Materialwissenschaftler unterrichtet hatte, mit dem Unterschied, dass es jetzt für die Biologen weniger Formeln gab. Ich hatte sogar teilweise die gleichen Abbildungen in meinen Präsentationen benutzt. Mein Besserwissergen, den ich normalerweise im Zaun halte, hat mich nicht in Ruhe gelassen, und ich musste während der Pause dem vorlesenden Professor einen grundsätzlichen Fehler in seiner Präsentation erklären. Wobei ich denke, dass die Studenten es gar nicht gemerkt haben. Den Punkt hat er trotzdem am Ende wieder angesprochen und korrigiert. Ich bin beeindruckt, selbst wenn ich mit Takt vorgegangen bin, dass er nicht gereizt reagiert hat.

Martin war heute Morgen auch dabei. Er hört sich die Vorlesungen seit letzter Woche an. Für mich waren die ersten Stunden viel zu trivial. Ich dachte, es würde erst ab heute interessant sein. Auf dem Weg zurück zur Arbeit in der U-Bahn habe ich Martin wieder das Phasenproblem erklärt, weil es ihm heute nicht klar wurde. Irgendwie seltsam, den Stoff hat er schon im Sommersemester beim letzten Praktikum gehört. Er ist nicht mit mir bis zur Arbeit gefahren, weil er einen neuen Termin für eine Wohnungsbesichtigung bekommen hat. Nachdem er letzte Woche gesagt hatte, dass er jetzt aufgeben würde und sich mit seiner gemieteten Wohnung zufrieden geben würde. Ich musste ihn schimpfen und sagen, dass er nicht weiß, was er will. Es ist mir echt schwer zu ertragen, und es hat nicht nur mit der Art zu tun, wie er mit mir umgeht, mal den Verliebten spielen, mal völlig uninteressiert wirken. Ich mache nicht mehr mit.

Der Nachmittag war frustrierend. Ich habe jetzt die Entwicklung meines Programmes gestoppt, da die ersten wichtigsten Änderungen durchgeführt wurden, und das Programm veröffentlicht werden sollte. Ich muss noch die Installation auf verschiedenen Betriebssystemen prüfen. Was für ein Mist. Das Programm greift auf anderen Programmen zu, die die Nutzer schon installiert haben sollten. Mein Vorgänger hat die absoluten Pfade bei unserer Installation benutzt. Das geht natürlich nicht, wenn Nutzer sich das Programm herunterladen und es mit ihren eigenen Installationen benutzen wollen. Natürlich könnte ich in den Anweisungen zur Installation die Nutzer dazu auffordern, selber im Code den richtigen Pfad zu setzen. Das wäre die einfachste Lösung, aber für viele doch ein viel zu komplizierter Schritt. Ich habe stattdessen entschieden, in den Aliasen nach dem richtigen Pfad selber zu suchen. Also: os.system("alias >& " + workdir + "/alias.txt"), dann, abhängig davon, ob bashrc oder tcsh, mir den richtigen Pfad aussuchen und anschließend alias.txt löschen. Das ging nicht. Ich habe das Löschen der Datei auskommentiert: Sie wird erstellt, aber die Datei ist leer. Wenn ich im gleichen Verzeichnis im Terminal alias >& alias.txt eingebe, enthält alias.txt tatsächlich den Output von alias. Ich habe auch den String "alias >& " + workdir + "/alias.txt" in einer Variable gespeichert und die Variable im os.system() benutzt, es hat nichts geändert. Die Variable habe ich im Terminal drucken lassen, beim Copy/Paste im Terminal funktioniert es, aber nicht, wenn der Befehl im Programm gestartet wird.

Irritiert, habe ich gegen halb sechs Feierabend gemacht. Mein Plan war, mich zu Hause auf Internet mit einem Bier zu entspannen. Meine Vorlesungen für nächste Woche wollte ich auch von zu Hause aus vorbereiten, da ich PowerPoint benutzen wollte und durch remote desktop mit PuTTY einfach snapshopts machen könnte. Als ich zu Hause ankam, hatte ich aber auf einmal weder Internet noch Telefon. Stimmt, da war was. Als ich bei O2 die Übernahme meines Vertrages bei der Deutschen Telekom beantragt hatte, habe ich mehrmals betont, dass mein Vertrag bis zum 15. Juni 2014 noch läuft. Das hatte ich schon seit meinem Umzug selber häufig genug geprüft. Am Montag kam eine Email, in der stand, dass O2 die Umschaltung am 17.09.2013 durchführen wollte, und ich an dem Tag mit Unterbrechungen rechnen müsste. Was völlig Quatsch ist, da das Datum längst vorbei ist. Es ist eigentlich das Datum, an dem die Umschaltung wegen Umzug bei der Deutschen Telekom stattgefunden hat. Die Deutsche Telekom selber hat mir gestern einen Brief geschickt, in dem mein Entschluss, nicht mehr Kundin zu bleiben, bedauert wird. Und drin steht, dass die Umstellung zum neuen Anbieter am 17.09.2015 erfolgen wird. Gestern kam eine ähnliche SMS von O2 mit dem gleichen Datum an. Was soll der Mist? Es ist doch rechtwidrig, den Vertrag bei einem Umzug zu verlängern. Und heute Abend habe ich gar keine Verbindung mehr. Eine SMS von O2 kam an, indem ich aufgefordert wurde, für meine aktuelle Störung eine 0800… Nummer anzurufen. Ich werde morgen zum O2 Shop gehen müssen.

Mein Handy hat seit gestern ein Problem: Ich kann kaum andere Leute hören. Meine frühere Vermieterin in Aachen hat mich gestern angerufen, und wir konnten nicht reden. Ich musste sie aus meinem dienstlichen Telefon zurück rufen. Sie hat mir erklärt, dass die Renovierungsarbeiten meine ganze Kaution aufgefressen haben (die Arbeiten sind schon seit zwei Monaten abgeschlossen). Wie kann man über 1200€ für das Wechseln eines Teppichbodens und das Streichen von Wänden ausgeben? Belege hätte sie nicht, weil die Leute, die sie dafür beauftragt hatte, nicht deklariert gearbeitet haben. Die Frau ist übrigens Rechtsanwältin. Ich komme mir sehr verarscht vor. Das hatte ich noch nötig. Ich habe heute Abend testweise Mei mit dem Handy angerufen. Wir konnten nur sprechen, weil ich die Lautsprecher benutzt habe. Sie war übrigens auch der Meinung, dass Martin sich unverschämt mit mir verhält. Es hat mir gut getan, endlich ein Ohr zu haben, um meinen ganzen Frust raus zu lassen.

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6 Gedanken zu “Ein beschissener Tag

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