Oder auch nicht

Am Dienstag hieß es, ich wäre nicht mehr verliebt. Von wegen.

Das dachte ich noch am Mittwoch. An dem Tag ging’s mir nicht so gut. Ich bin mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren, wie jeden Tag. Es hat stark geregnet. Ich habe nicht daran gedacht, Regenkleider anzuziehen. Ich war schon verspätet und habe gedacht, das Wetter würde gleich besser werden. Nein, es hat im Gegenteil noch stärker geregnet, als ich weg gefahren bin. Aber mit der Straßenbahn wäre ich länger unterwegs gewesen. Ich habe den ganzen Vormittag in meinem Zimmer gebraucht, bis meine Hose wieder trocken wurde. Mittags bin ich zu meinen Kollegen auf der ersten Etage herunter gegangen, um mit ihnen essen zu gehen. Meine schwarze Wolljacke war noch ein bisschen naß und kalt. Und da saß Martin vor seinem Rechner, mit bloß einem T-Shirt. Ich habe spontan Lust gehabt, in anzufassen. Ich habe es auch getan. Nein, ich wollte ihm nur zeigen, wie kalt meine Jacke noch war, als ich seinen Arm sanft berührt und gestreichelt habe. Ich war ja doch gar nicht mehr von ihm angezogen. Er hat die Näße meiner Wolljacke zuerst gar nicht gemerkt und mich mit angenehm überraschtem Lächeln geschaut. Dadurch ist mir meine Tat bewusst geworden. Ich habe mich innerlich gefühlt, als ob ich gleich mehrere Stufen in der Treppe verpasst hätte. Uh oh.

Heute haben wir nur zu zweit gegessen. Er war den ganzen Vormittag unterwegs, und ich hatte ihm gestern am Telefon gesagt, dass ich mittags auf ihn warten würde. Er hatte mich in meinem Zimmer angerufen, um mich über seine Abwesenheit zu informieren. Meine anderen Kollegen wollten heute früher essen gehen, und so konnte ich alleine mit Martin sein. Beim Kaffee hat er mich daran erinnert, dass wir mal über den Beaujolais nouveau geredet hatten (ich weiß es noch ganz genau, es war bei unserem dritten Date). In Frankreich schauen wir zwar auf diesen Wein immer herunter, aber gefeiert wird er trotzdem. Da sagte er, „Wenn du willst, könnten wir zusammen –“ „Ja!“, meinte ich sofort. „… zusammen bei mir zu Hause etwas dafür machen.“ Schüchternes Lächeln. Hätte ich wenigstens auf das Ende seines Vorschlages warten können, dann hätte es nicht so eifrig gewirkt. „Ja, gerne,“ wiederholte ich mit einem Lächeln. Ich war diesmal in der Lage, seinen Blick zu erwidern.

So ist Der Plan also. In zwei Wochen besaufen wir uns bei ihm. Wenn dann nichts passiert… Hoffentlich kommt er nicht auf die Idee, andere Freunde einzuladen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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