Traum am Montagmorgen

Mein Wecker hat heute um 07:00 geklingelt. Ich habe ihn ausgeschaltet. Zwanzig Minuten später kamen Nachbarn die Treppe runter und weckten mich wieder, was meiner Katze offensichtlich nicht gelungen war. Der Traum liegt zeitlich dazwischen.

Ich saß in meiner Wohnung und las meine Briefe. Mittendrin war ein Brief von meinem Hausmeister. Er hatte einfach so in meinem Briefkasten gelegen, ohne Briefumschlag. Drin stand, dass ich in der Wohnung nicht bleiben könnte und bis Januar Zeit hätte, mir eine neue zu suchen, weil ich ab Januar nicht mehr hier sein dürfte. Es folgte irgendein Blabla mit der Hausverwaltung und Besitzerwechsel. Ich habe gedacht, das kann nicht sein. Ich habe an meine Einbauküche gedacht, die ich erst seit anderthalb Monat von meiner ausziehenden Nachbarin gekauft habe, und die der Hausmeister mit seinem Sohn bei mir installiert hat. Der ganze Umzug-Stress schon wieder? Ich habe den Brief genauer geschaut. Der Rand vom Papier war rot, das Papier selbst war gelb und kariert. Der Brief war handgeschrieben und nicht mal unterschrieben. Ich habe mich gefragt, ob ihn nicht einfach ignorieren könnte, da er an wesentlichen formalen Punkten mangelte.

Ich habe mir die Ideen wechseln wollen und habe mich auf Internet rum geklickt. Und sehe da, auf Facebook war ein Update von Metallica, wo sie sagten, dass sie gerade in einem Konzert in Berlin mit anderen Künstlern zusammen waren. Es gab einen Link zum live anschauen. Ich war sauer auf mich, dass ich mich nicht früher darüber informiert habe. Der Konzert fand in der Arena statt. Ich müsste mit der Ü6 dahin fahren[1]. Der Konzert hatte schon angefangen, und ich dachte, es macht keinen Sinn, jetzt dahin zu fahren. Aber ich war plötzlich dort, und nicht in der Menge, nein, ich lag ganz kuschelig auf der Bühne neben der Band versteckt. Es war eine sehr kleine Bühne. Vor dem letzten Stück meinte James zu mir, ich würde es bestimmt kennen. Klar, sagte ich. Ich habe doch alle CDs. Ich hatte das Programm vom Abend in der Hand, aber es kam nicht, was drauf stand, stattdessen haben sie Nothing Else Matters gespielt.

Als sie die Bühne verlassen haben, bin ich ihnen einfach gefolgt. Wir sind kurz in einem Supermarkt gewesen. An der Kasse hat die Kundin vor uns eine Zeitschrift fallen lassen, und dadurch hatte man auf einer Seite das Gesicht eines Modells gesehen. James hat sich auf einmal verliebt. Ich habe ihm gesagt, er soll sich zusammen reißen, Modells würden eh alle gleich aussehen. Die Diplom-Studentin, die plötzlich rechts von mir stand, fing an, sich mit James über die verschiedenen Modells zu unterhalten (sie ist so, sie kann über alles ausführlich diskutieren, manchmal muss ich zugeben, dass ich dabei anfange, in meine eigenen Gedanke zu versinken). Als wir aus dem Supermarkt raus gingen, musste ich James sagen: „Don’t forget that you are married“, und habe ihn im Rücken leicht geklopft. Er meinte, stimmt, ich hätte Recht, aber dieses Modell wäre so schön, er müsste die Frau unbedingt kennen lernen. Ich wollte gleich zurück zur U-Bahn-Station, um nach Hause zu fahren. Kirk hat einfach tschüß gewinkt. Wo die zwei anderen geblieben waren, keine Ahnung. James meinte, wir sollten uns zum Abschied küssen. Gerne. Er hat auf den Mund gezielt. Ich hab’s nicht eingesehen, nachdem ich ihn gerade an seiner Frau erinnert hatte, und habe ihn auf die Wange geküsst. Er war nicht rasiert, ich habe es auf der Wange deutlich gespürt.

Auf dem Weg zur U-Bahn wollte ich mit dem Handy auf Facebook schreiben „Hey Leute, ich habe gerade James von Metallica geküsst, ich wasche mir nie wieder das Gesicht“ und dachte, es wäre doch cool, dass ich gerade meinen Tarif gewechselt habe und Internet benutzen könnte. Aber ich hatte keinen Empfang für O2. Ich habe mehrmals versucht, O2 zu finden, und habe jedes Mal andere Netze gefunden. Ich hab’s aufgegeben. Ich stand auf einer niedrigen Mauer, vielleicht 50 cm hoch, und bin drauf Richtung U-Bahn balanciert. Irgendwann musste ich doch runter kommen, weil es plötzlich viele kleine Hütten gab, die Lebensmittel verkauften (Bratwürste, Schokofrüchte auf Spieß, das typische Bend-Essen), und die waren mir im Weg. Ich konnte aber nicht herunter springen. Eine Frau stand da vorne und unterhielt sich am Telefon. Und jedesmal, wenn ich einen besseren Platz zum herunter springen gefunden hatte, ist sie genau dahin gegangen. Sie hat mich genervt. Als ich endlich an ihr vorbei gegangen bin, habe ich gemerkt, dass sie auf Französisch redete. Es klang sehr komisch, als ob sie sehr große Mühe hätte, Wörter auszusprechen.

[1] Ja, ich weiß, 1) es heißt U6, aber in meinem Traum habe ich wirklich Ü6 gesehen, und 2) ich muss im Traum wohl Berlin und München verwechselt haben.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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