Sonnabend

Heute ist Sonnabend. Ich habe es auf dem Fahrplan gesehen, als ich nach dem Sport auf die Tram wartete. Da waren Fahrpläne für Montag bis Donnerstag, für Freitag, für Sonnabend, und für Sonntag und Feiertage. Ich habe mehrmals in den Spalten nach Samstag gesucht, bis ich verstanden habe, dass es unter Sonnabend zu finden war. Wikipedia hat es mir gerade bestätigt. Laut Plan sollte drei Minuten später eine Tram ankommen; sie musste aber schon früher gefahren sein, weil ich die nächste genommen habe. Ein Glück, dass es nicht so kalt war. Ich habe festgestellt, dass die Leute in der Tram am frühen Samstagabend gut riechen. Warum schaffen sie das während der Woche nicht? Wenn ich nach der Arbeit mit der Tram nach Hause fahre (nicht häufig, ich bin noch lieber mit Fahrrad unterwegs), sind meistens Menschen da, die stark nach Salami, Tabak oder Bier stinken, oder auch muffelige Mäntel tragen. Wenn sie Hundebesitzer sind, wird es für mich an naßen Tagen unerträglich. Ich bin schon mal deswegen früher ausgestiegen und habe den Rest der Strecke zu Fuß gemacht, weil ich es satt war, meinen parfürmierten Schal die ganze Zeit vor der Nase zu halten.

Ich war heute beim Sport, statt wie üblich am Sonntag, weil ich morgen vor habe, ein Museum zu besuchen. Ich habe am Dienstag kurz mit meinem Ex-Chef telefoniert, und er hat mich gefragt, was ich bis jetzt in Berlin besucht habe. Als ich ihm in Juni gesagt hatte, dass ich eine neue Stelle hier gefunden hatte, war er begeistert. Er liebt diese Stadt, weil es so viele Museen gibt. Ich musste zugeben, dass ich kulturell noch nicht so viel unternommen habe. Ich war letzte Woche mit dem Fahrrad am Deutschen Historischen Museum vorbei gefahren und wäre gerne spontan rein gegangen, aber es war schon drei Uhr nachmittags, und da ich noch anderthalbstunde nach Hause brauchte und nicht gerne nachts Fahrrad fahre, habe ich es sein lassen. Für morgen habe ich mir die Dalí-Austellung am Potsdamer Platz ausgesucht. Ich habe schon lange den Traum, sein Museum in Figueres zu besuchen. Vielleicht im Sommer.

Ich merke, wie ich mit dem Gedanke spiele, nach dem Museumbesuch Martin “ganz spontan” anzurufen, um gemeinsam einen Glühwein trinken zu gehen. Ich frage mich, ob ich das machen soll. Ich glaube nicht, dass es ein Rückfall ist. Mir sind schon die Schuppen vor den Augen gefallen. Aber es wäre nicht schlecht, ihn ab und zu außerhalb der Arbeit zu treffen. Er hat mir so viel zu Hause geholfen, ich will nicht, dass er denkt, dass ich gar nichts mehr mit ihm zu tun haben will, jetzt, wo ich keine Hilfe mehr brauche. Und nett ist er, er ist nur nicht als Liebespartner für mich geeignet. Die Wahrscheinlichkeit ist eh sehr groß, dass er ablehnt, weil er Sonntags immer mit seinem Vater etwas unternimmt. Ich gehe kein großes Risiko ein. Ich könnte Mieke fragen, die auch in der Gegend wohnt. Ich habe den Eindruck, dass es ihr zur Zeit nicht so gut geht.

Maverick & PyQt…

Keine Ahnung, wie das gehen soll. Eins weiß ich, mir hat’s gereicht.

Am Anfang hörte es sich relativ harmlos an. Uschi wollte, dass ich die Installation meines Programmes auf seinem Mac teste. Meine bisherige Erfahrung mit Mac-Rechnern: Ich habe die schon mal aus einem Schaufenster im Apple-Laden gesehen. Ich habe für mein Programm mit Python2.6 und PyQt4 auf Linux gearbeitet. Dass einige Sachen anders sein würden und ich viele Fehler auffangen sollte, wusste ich. Was mir nicht klar war, ist die Tatsache, dass PyQt4 auf Uschi’s Mac nicht installiert ist. Kein großes Problem, dachte ich. Schließlich habe ich zu Hause auf meinem Windows 7 Rechner ohne Problem aus einem Installer PyQt4 bekommen.

Der Hacken ist, dass es für Mac keinen Installer gibt. Anweisungen zur Installation habe ich auf Internet gefunden, die mich immer mehr verwirrt haben. Um PyQt installieren zu können, braucht man SIP. Ich hatte bisher von SIP noch nie was gehört. Ok, SIP installiert, dann PyQt4… Ach nee, Qt gibt’s doch gar nicht auf dem Rechner! Da fiel Uschi auf, dass er für die Installation von Qt noch Teile von Xcode brauchte. Ich habe nichts gesagt, keine Ahnung, wovon er redete. Ich habe ihn diesen Teil installieren lassen (2GB Download immerhin), dann haben wir Qt5.1.1 installiert, dann SIP4.15.4, dann die ziemlich letzte Version von PyQt, und es hat nicht funktioniert. Um zu diesem Ergebnis zu kommen, haben wir fast zwei Stunden gebraucht.

Da Uschi heute unterwegs ist, meinte er, die Gelegenheit wäre perfekt, damit ich alleine an seinem Mac arbeiten könnte, um PyQt zu installieren. Seit der Mittagspause habe ich an seinem Rechner gesessen. Ich habe ziemlich alles probiert, was mir durch den Kopf gegangen ist. Verschiedene Versionen, mit --arch x86_64 oder --arch i386, Qt4, Qt5…

  • Qt5.2.0 beta + PyQt4.10.4: Fehlermeldung /Library/Python/2.7/site-packages/PyQt4/QtCore.so: No such file or directory beim sudo make install (ich habe inzwischen Administratorrechte bekommen)
  • Qt4.7.3 + PyQt4.10.4: Ich war begeistert, es gab beim sudo make install keine Fehlermeldung, selbst wenn ich beim make jede Menge Warnungen über die nicht unterstützte Mac OS X Version (Maverick) gesehen habe. Aber als ich dann meinen Programm laufen ließ: Traceback bei from PyQt4.QtGui import *, mit der Beschimpfung ImportError: dlopen(/Library/Python/2.7/site-packages/PyQt4/QtCore.so, 2)
  • Ein Versuch mit einer 32-bits Architektur: mach -o, but wrong architecture
  • Qt4.6.4 + PyQt4.10.4: Am configure.py ist es schon gescheitert: Error: Failed to determine the layout of your Qt installation
  • Qt4.8.4 oder Qt4.8.5 + PyQt4.10.4: wieder die ImportError Meldung
  • Irgendein Build von Qt5.2.0 beta + das letzte Snapshot von PyQt5.2: SIP konnte beim sudo make install nicht gefunden werden (ich habe mich nicht darüber gefreut, dass die Fehlermeldung nach dem make kam, der schon 10mn braucht)
  • Statt python2.7, habe ich auch python2.6 versucht: ImportError

Das einzige, was ich nicht geändert habe, war die Version von SIP. Jetzt ist es fast neun, ich sitze immer noch im Büro und habe tierisch Hunger. Schnauze voll, ich gehe nach Hause. Warum soll es eigentlich mein Job sein, wenn wir im Team einen IT-Ingenieur haben? Schließlich habe ich Physik studiert, nicht Informatik.

Bestechungsversuch

Es ist dadurch zustande gekommen, dass ich auf Ebay den Verkäufer für die Kommode neutral bewertet habe, zusammen mit einer Angabe der wichtigsten Gründen für meine Unzufriedenheit, die in der knappen Anzahl von Zeichen im Kommentarfeld passten. Eigentlich sollten sie froh sein, dass ich keine negative Bewertung abgegeben habe, ich hatte es kurz in Erwägung gezogen.

Heute Morgen kam eine Email von Finebuy an.

Guten Tag Frau XXXX,
leider musste ich feststellen, dass Sie uns neutral Bewertet haben. Uns liegt viel daran, dass unsere Kunden mit unserem Service zufrieden sind. Ich kontaktiere Sie um die Umstände mit Ihnen zu klären. Wie Sie angegeben haben, waren Sie mit der Lieferung nicht zufrieden. Dafür bitte ich vielmals um Entschuldigung. Aufgrund dieser Umstände möchte ich Ihnen einen Preisnachlass in Höhe von 5 EUR anbieten. Ich würde mich freuen, wenn Sie unsere Entschuldigung annehmen und damit einverstanden sind, dass die Bewertung wieder gelöscht wird. Sie müssten mir bitte nur auf diese Mail antworten, „Ja, ich bin mit der Löschung meiner Bewertung einverstanden.“ Ich veranlasse dann umgehend die Gutschrift in Höhe von 5 EUR! Frau XXXX, ich würde mich freuen, wenn Sie der Rücknahme der Bewertung zustimmen würden und uns die Chance geben unseren Service zu verbessern. […]

Kommt nicht in Frage. Zuerst schicken sie mir eine Email, damit ich eine Bewertung abgebe, dann wollen sie gegen 5€ meine Bewertung löschen dürfen… Beleidigend, für wie billig sie mich halten. Ich hatte noch nicht mal erwähnt, dass in einer kleinen Plastik-Tüte lose Schrauben mit einer Tube von weißem Klebstoff für Holz zusammen gepackt waren, und dass die Tube beim Transport explodiert hatte, was dazu führte, dass die Schrauben erstmals gereinigt werden mussten. Wie trottelig muss man sein, um auf eine solche Idee zu kommen? Ich hatte mich gewundert, dass sie 99,4% positive Rückmeldungen haben, vielleicht liegt es nur an dieser Art von Emails. Es ist nicht das erste Mal, dass ich eine neutrale Bewertung abgebe, aber schon das erste Mal, dass ein Verkäufer versucht, mich dazu zu bringen, meine Bewertung löschen zu lassen. Noch mal: Meine Erlaubnis dazu gebe ich niemals.

Ich wette, als nächste Reaktion auf meiner Bewertung wird es in einigen Tagen eine Antwort unter meinem Kommentar von dem Stil geben:

Austausch oder Kaufpreisrückerstattung angeboten -> keine Reaktion

Das habe ich bei einigen negativen Kommentaren auch gesehen. Als ob am Ende der Käufer daran Schuld wäre, keine zufriedenstellende Lösung gefunden zu haben. Wenn sie alle eine Email mit 5€ Rückerstattung bekommen haben, kann ich gut verstehen, dass sie das Angebot abgelehnt haben.

Neue Woche

Ich glaube, ich habe mich erkältet. Wahrscheinlich heute Morgen, als ich mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren bin. Ich hatte vorher die Wettervorschau geprüft und hatte nur positive Temperaturen gesehen (na ja, knapp über 0°C). Eigentlich war es kälter, es gab einige glatten Stellen am Straßenrand. Ich hatte mich richtig warm angezogen, bin jetzt trotzdem verschnupft. Das mit dem Fitness-Studio habe ich für heute Abend sein lassen. Die Sporttasche ist im Büro geblieben, falls es mir morgen besser geht. Ich habe sowieso am Wochenende genug Sport gemacht, da ich wieder ganz spontan eine über 40km Radtour gemacht habe – und fast zwei Kilos auf dem Weg verloren habe. Nach meinem Besuch bei der Telekom habe ich mich so erleichtert gefühlt, dass ich mich auspowern musste. Es war nicht warm, ich dachte zuerst, ich könnte für die Rückfahrt mit der S-Bahn fahren, aber ich habe doch die ganze Strecke hin und zurück mit dem Fahrrad geschafft. Ich wollte bei Dussmann einkaufen gehen. Zwischendurch habe ich mir einen Kasseler-Teller mit Sauerkraut in einem kleinen deutschen Lokal in Berlin Mitte gegönnt. Der Lokal war richtig süß, ganz pink mit vielen Puppen überall auf die altmodischen Möbeln. Was mich aber vor allem dahin gebracht hatte, war, dass ich Hunger hatte und schon an vielen geschlossenen Lokalen gefahren war. Das Essen war lecker. Und nachdem ich mehrmals die Friedrichsstraße rauf und runter gefahren bin, bevor ich merkte, dass ich um die Baustelle einen Bogen machen musste, darf sogar ein neues Buch meinen Bücherregal schmücken – wenn ich einen Bücherregal hätte, ich muss mir einen kaufen. Alle meine andere Bücher sind noch in den Umzugskartons gepackt.

Ich habe mich auf Ebay umgeschaut und sehr wahrscheinlich meinen Wunsch-Bücherregal gefunden. Ich schaue mir nur neue Waren mit Sofort-Kauf und Lieferung an. Das ist auf Ebay nicht einfach, man kann schon Schrott bekommen. Ich hatte mir vor einigen Jahren eine grasgrüne Stoff-Couch in einem Laden dort bestellt und war begeistert davon. Ganz leicht, ich kann sie selber tragen, im Prinzip sind es nur zwei Matratzen aufeinander gestellt, mit Reisverschluss verbunden und Lehnen. Die kann man sehr einfach in zusätzlichen Betten verwandeln, sie ist schon mehrmals dafür zum Einsatz gekommen. Mit Haushaltwaren war ich auch häufig zufrieden. Vor einem Monat habe ich mir einen Bartisch für die Küche bestellt und fand die Ware nicht so toll. Es sah besser auf dem Bild aus als in Wirklichkeit. Der Tisch ist zu leicht, würde schnell weg fliegen, wenn man mit Schwung dagegen stoßen würde, und die Oberfläche wirkt trotz Beschreibung nicht wirklich wie Holz. Dazu kam, dass ich seit so langer Zeit auf Ebay nicht mehr auf die Herkunft des Produktes aufgepasst habe, und bei einem chinesischen Verkäufer bestellt habe. Ich habe mich schon dabei im Gedanke gesehen, wie ich beim Zoll meinen schweren Paket holen müsste. Zum Glück ist es zu Hause geliefert geworden. Mein letzter Versuch war eine Kommode mit Schubladen für Hauswäsche bei Finebuy. Was ich bekommen habe ist für mich Müll. Zusammen gepresste Holzfaser (ich habe den Namen vom Material vergessen), Griffe von schlechter Qualität und wegen der unsorgfältigen Verpackung im Transport beschädigt, Anleitung für eine andere Kommode ohne Schublade (so schwierig war es aber nicht), und falsche Anzahl von Schrauben, ich habe noch um die 40€ bei OBI gelassen, um mir passable Griffe und fehlende Schrauben zu besorgen. Die Qualität lag deutlich unter dem Preis, auch wenn man es nicht mehr merkt, wenn das Ding fertig gebaut ist. Mal schauen, wie es mit dem Bücherregal wird. Ich weiß jetzt wenigstens, bei wem ich nichts mehr kaufen will.

Und ich hatte es geahnt: Nachdem ich letzte Woche mit dem Studentenpraktikum voll beschäftigt war, und die Woche davor mit der Vorbereitung zum Praktikum, hat mir heute mein Chef, den ich hier ab jetzt Uschi nennen werde (nur er weiß warum), vorgeworfen, zu wenige Fortschitte in meinem Projekt gemacht zu haben. Das heißt, dass ich jetzt Vollgas daran arbeiten muss. Obgleich ich schon zwei Vormittage mit Nutzerbetreuung diese Woche verbringen werde, als Ausgleich dafür, dass ich letzte Woche nicht einsetzbar war. Ich habe mir vorgenommen, zuerst die Installation meines Programmes auf seinem Rechner zu prüfen. Er hat einen Mac. Ich habe noch nie damit gearbeitet, habe also keine Admin-Rechte drauf, was sicherlich vernünftig ist, aber es heißt, dass Uschi selber fehlende Programme installieren muss. Zum Beispiel PyQt4. Das läuft nicht so glatt, und er erwartet, dass ich ihm sage, wie es zu installieren ist, obwohl er viel mehr Erfahrung als ich mit dem Betriebssystem hat. Das wird ein Spaß… Wenigstens habe ich Lob für den glatten Ablauf des Praktikums und für meine Vorlesungsteile bekommen.

Ich denke sonst, dass ich nicht mehr verliebt bin. Es war bloß ein Bug, den ich beseitigen konnte. Warum ich denke, dass es vorbei ist, liegt daran, dass Martin mir letzte Woche schon zwei mal – indirekt – vorgeschlagen hatte, etwas zu unternehmen, und ich nicht drauf reagiert habe. Dabei bin ich um den Eisprung gewesen, also die Zeit, wo ich am meisten von Männern angezogen bin. Irgendwie zieht er mich nicht mehr an. Seine unentschloßene Art hat mich zu sehr genervt, und die Tatsache, dass er sich doch komisch im Umgang mit anderen Menschen verhält. Das war mir ein paar mal aufgefallen, aber letzte Woche richtig, als er Mieke kurz im Flur aufhalten wollte und es nicht über sich brachte, sie vollständig am Arm zu packen. Ein Waschlappen halt (auf Französisch würde ich sagen, dass er einen Besenstiel im Po hat – ich denke nicht, dass der Ausdruck auf Deutsch existiert). Ich sehe ihn nicht mehr als Mann sondern als kleiner Junge. Dabei ist er Mitte vierzig. Heute Morgen war ich also überrascht, als wir zu zweit im Büro waren und er meinte, er hätte sich am Wochenende überlegt, ob er nicht ins Kino gehen wollte, und hätte mich natürlich angerufen, falls er sich dafür entschieden hätte. Ob ich nicht beim nächsten Mal mit ihm gehen möchte? Tja, warum nicht, es ist nicht, als ob ich am Wochenende so viel zu tun hätte. Er hat auch zwei Kumpel erwähnt, mit denen er sonst ins Kino geht. Vielleicht wäre da etwas.

Erleichtert

Da ich von der Deutschen Telekom seit letzter Woche nichts gehört habe, bin ich heute Morgen zum Shop gegangen. Als ich dran war, war nur die Frau Becher verfügbar. Ich habe mir kurz überlegt, ob ich nicht tun sollte, als ob ich mir nur Handys anschauen würde und die Leute hinter mir vor lassen, damit ich einen anderen Berater bekomme, aber ich wollte nicht zu lange im Shop bleiben. Ich habe ihr den Brief mit dem Umschaltetermin für den anderen Anbieter in zwei Jahren gezeigt, und habe gesagt, ich würde es nicht verstehen, da mein Vertrag nur bis Juni läuft. Ich habe mich gefragt, was sie mir diesmal als Vorwürfe am Kopf werfen würde, aber es kam nichts. Sie hat lediglich auf ihrem Rechner nachgeprüft und gesagt, der Fall wäre schon seit letzter Woche in Bearbeitung, und es wäre ein Fehler gewesen, natürlich ginge die Umschaltung ab dem 15.06.2014. Ich bräuchte nur noch auf die schriftliche Bestätigung zu warten, die in Kürze ankommen sollte, um O2 Bescheid zu sagen. Der gelangweilte Berater von O2 meinte, es wäre kein Problem, der Vertrag würde dann direkt anfangen. Nicht in zwei Jahren. Es würde also genau so laufen wie ursprünglich geplant. Blöde Telekom, so viel Stress umsonst.

Als ich nach meinem Besuch bei der Telekom im O2-Shop wartete, habe ich einen anderen Fall mitbekommen, der sich schlimm anhörte. Ein Paar stand vor mir und diskutierte mit dem Berater, der heute ausnahmsweise gut drauf war. Vielleicht fand er einfach die Geschite lustig; das Paar auf jeden Fall nicht. Jemand hätte vor einigen Tagen ihrer Tochter ein Smartphone geschenkt, mit dem Hinweis, dass sie damit Internet benutzen könnte. Seitdem würde es die Tochter die ganze Zeit benutzen. Es fiel den Eltern aber noch ein, dass der Handy-Vertrag der Tochter keine Internet-Benutzung enthielt – genau wie mein alter Genion-Vertrag. Sie standen also völlig entsetzt da und erklärten dem Berater das Problem. Laut ihrer eigenen Schätzung würde die Rechnung bestimmt um die 150€ sein, was schon eine beeindruckende Summe ist. Der Berater, dem es anscheinend Spaß machte, dem Paar Angst einzujagen, meinte, wenn die Tochter tatsächlich die ganze Zeit Internet benutzt hätte, könnte die Rechnung (Taschenrechner geholt)  bis zu 650€ für die fünf Tage steigen. Aus welchem Grund auch immer, konnte er den genauen Betrag der aktuellen Rechnung nicht prüfen. Die Frau war von der Summe völlig schockiert. Damit hatte es der Berater leicht, denen einen neuen Vertrag mit Internet-Benutzung zum Unterschreiben zu geben. Mit der unpassenden Bemerkung, dass das Paar eh bestimmt mehr Geld als er armer Berater verdienen würde und sich die einmalige hohe Rechnung leisten könnte. Ich meine, er kriegt, was er verdient. Mir würde es stinken, einen Mitarbeiter mit einer solchen arroganter Art zu bezahlen. Danach meinte er, wenn der Betrag tatsächlich so hoch wäre, sollten sie zu ihm zurück kommen, er könnte bestimmt die Rechnung senken lassen.

O2 – Fortsetzung

Oder Geschichte einer Verarschung. Es soll als Warnung für andere potentiellen Kunden dienen. Gerade aus dem Sport nach einer harten Arbeitswoche, habe ich einen Brief von O2 in meinem Briefkasten entdeckt. Ich glaube, ich kriege die Krise.

Zusammenfassung: Vor drei Wochen hatte ich mich darüber informiert, ob es ginge, dass O2 meinen bis Mitte Juni 2014 bestehenden Vertrag mit der Deutschen Telekom übernimmt. Da die Konditionen in Ordnung waren, haben wir auch einen Vertrag abgeschlossen. Am 08.11.2013 kam eine SMS von O2 an, in der stand:

wir freuen uns, Ihnen mitzuteilen, dass Sie ab dem 17.09.2013 Ihr Produkt nutzen können.

Schon komisch, da das Datum vorbei war und dem Datum des Telekom-Umzuges entsprach. Am 12.11.2013 erhielt ich einen Brief der Deutschen Telekom vom 08.11.2013, in dem meinen Entschluss, den Anschluss zu kündigen, bedauert wird, wobei gleichzeitig die Information steht, dass der Anschluss erst am 17.09.2015 zum neuen Anbieter umgestellt wird. Was für mich nicht nachvollziehbar ist, da mein Vertrag bis zum 15.06.2014 läuft, ich habe es eben noch im Kundencenter geprüft. Am 10.11. hatte ich auch ohne Vorwarnung gar keine Verbindung mehr zu Hause; dafür eine Aufforderung von O2, die Nummer 0800-5251378 anzurufen, um zu der Störung einen Technikertermin zu vereinbaren. Am 13.11.2013 kam eine neue SMS von O2 an, mit dem selben Inhalt wie am Montag, abgesehen von einem Detail:

wir freuen uns, Ihnen mitzuteilen, dass Sie ab dem 17.09.2015 Ihr Produkt nutzen können.

Was soll der Quatsch? Heißt das, dass ich jetzt einen Vertrag abgeschlossen habe, um erst in zwei Jahren eine Leistung zu bekommen, wenn mein Arbeitsvertrag auslaufen wird und ich sehr wahrscheinlich wieder umziehen muss? So ist es für mich nicht akzeptabel. Laut dem uninteressiert wirkenden Berater im O2-Shop soll es tatsächlich der Fall sein, der letzte Brief wäre rechtswirkend. Obwohl er im gleichen Gespräch meinte, wenn mein Telekom-Vertrag bis Mitte Juni läuft, müsste ich erst ab dem Zeitpunkt bei O2 Kundin werden (da ich einen möglichen Widerruf erwähnte, hatte er sich danach ein bisschen mehr Mühe gegeben, freundlicher zu wirken). Über den Widerrufungsrecht bin ich im O2-Shop beim Abschließen des Vertrages gar nicht informiert worden. In dem Vertrag steht auch nichts darüber, so häufig ich drin blättere, es gibt nur Informationen über Laufzeit und Kündigung. Für beide Freischaltungstermine habe ich einen schriftlichen Brief von O2 bekommen, auch ohne Hinweis auf eine mögliche Widerrufung. Ich habe gegoogelt und an verschiedenen Stellen, so wie hier, die Information gefunden, dass man innerhalb von zwei Wochen einen Vertrag widerrufen darf. Es war letzte Woche noch nicht vorbei mit der Frist, ganz davon zu schweigen, dass ich über Widerrufungsrecht nicht informiert wurde. Ich habe noch vom 15.11.2013 einen Beleg der Post für die Zusendung meiner Widerrufung bekommen, genau 14 Tage nach Abschließen des Vertrages. Der Rückschein war vom 18.11.2013 datiert, aber was zählt ist das Sendedatum. Die täglichen SMS zur Aufforderung von einer Terminfindung mit einem Techniker haben auf jeden Fall aufgehört. Aber es kann sein, wie ich gerade sehe, dass ich doch nicht den Vertrag widerrufen kann, weil ich von mir aus zum O2-Shop gegangen bin, selbst wenn ich urpsrünglich einen anderen Grund für den Besuch hatte. Im heutigen Brief:

wir haben Ihren Wunsch zur Kündigung erhalten und bedauern Ihre Entscheidung sehr.

Aufgrund der bestehenden Mindestlaufzeit Ihres Vertrages werden wir die Kündigung nach dem 17.09.2015 zum nächstmöglichen Termin ausführen.

So wie es aussieht, habe ich einen Vertrag mit O2 für zwei Jahren ab dem 17.09.2015 an der Backe. Ob es immer noch so stimmt, wenn sich herausstellt, dass die Deutsche Telekom Unrecht bei der Umschaltung des Anschlusses hat? Wenn mein Vertrag bis Mitte Juni läuft, sehe ich nicht, warum die Umschaltung so lange dauern müsste. Die Beraterin beim Telekom-Shop war auch dieser Meinung und wollte es prüfen lassen. Ich werde mich morgen erneut darüber erkundigen.

Als Fazit der Geschichte: Nie, nie, nie, unter keinen Umständen einen zweiten Anbieter zur Übernahme eines bestehenden Vertrages beauftragen. Am besten: Selber den Vertrag kündigen, dann den neuen Anbieter einschalten. Wenn überhaupt.

Der Marokkaner

Ich habe seinen Namen völlig vergessen.

Ich habe ihn vor zehn Jahren kennen gelernt. Ich war nach meiner Doktorarbeit zurück nach Frankreich gegangen und hatte eine Arbeit in der Nähe von Paris gefunden (die Gegend habe ich gehasst, nie wieder will ich im Großraum Paris leben). Ich war noch nicht lange dort, als ich eines Tages aus irgendeinem Grund alleine zur Cantine des Forschungszentrums essen gegangen bin. In Gedanken versunken, habe ich in der Schlange zwei jungen ausländisch aussehenden Männern gemerkt, und habe bei einem den starken Eindruck bekommen, dass ich ihn schon kannte. Nach einer oder zwei Minuten fiel es mir wieder ein: Es konnte nur Majid sein, ein Tunesier, der während meiner Diplomarbeit Doktorand im selben Institut war und den ich seit vier Jahren nicht mehr gesehen hatte. Ich bin also mit breitem Lächeln zu ihnen gegangen und habe „Hallo“ gesagt. Die Beiden haben zurück breit gelächelt und mich gegrüßt. Als ich anfing, Majid zu fragen, wie es ihm nach all der Zeit ging, merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Er sah verwirrt aus und fragte mich, woher wir uns denn kennen würden. Ach je. Es war doch gar nicht Majid, sondern ein völlig unbekannter Post-Doc aus Marokko. Wir haben trotzdem zusammen gegessen und uns kennen gelernt. Beim Essen wurde mir klar, dass ich sie nicht unbedingt wieder sehen wollte. Beim Marokkaner ging es; das Verhalten seines Freundes hat mich sehr gestört. Ständig hatte er sein Essen zurück in den Teller gespuckt und weiter gegessen. „Es ist kulturbedingt“, habe ich mir eingeredet. Es hat mich trotzdem so geekelt, dass es mir den Appetit verdorben hat.

Es sollte einfach sein, keinen Kontakt mehr zu haben. Er arbeitete in einer ganz anderen Abteilung in einem anderen Gebäude. Außerdem war ich sonst immer mit meinen Kollegen essen gegangen. An einem Wintertag stand er plötzlich vor meiner Bürotür. Sie war wie immer geöffnet, wie bei meinen Kollegen auf dem Flur. Ich habe mich gefragt, woher er wusste, wo ich arbeitete. Ich hatte es ihm nicht explizit gesagt. Wir haben ganz kurz geredet. Er wollte mir vorschlagen, am Wochenende in Paris spazieren zu gehen, da er selber neu in der Gegend war. Von seinem Freund war keine Rede, und es sah aus, als ob ernsthaft nur Lust darauf hatte, die Stadt zu entdecken, also dachte ich, „Warum nicht“, nachdem ich das Fenster wegen plötzlich muffeliges Geruches öffnen musste. Besser, als das Wochenende zu Hause zu verbringen. Wir haben die Katakomben besucht. Die Stille dort unten war beeindruckend. Wir sind zu einem Museum gegangen. Der Marokkaner hatte sich so natürlich verhalten, dass ich dachte, es wäre genial, endlich einen Mann kennen zu lernen, der nicht sofort mit mir eine Beziehung haben wollte und nur ein kumpelhaftes Interesse zeigte. Nicht wie zum Beispiel das Balg, das ich seit der Strahlenschutzbelehrung kannte.

Ich habe schnell gemerkt, dass es mir aus einem wichtigen Grund unangenehm war, mit dem Marokkaner zu lange zu sein. An seinem Verhalten war nichts zu meckern, aber es entwickelte sich immer innerhalb von fünf Minuten ein komischer Geruch, sobald er ein Zimmer betrat. Deswegen musste ich selbst im tiefsten Winter das Fenster öffnen, wenn er in der Nähe war. Ich denke, es war sein Mundgeruch. Ich habe mich nicht getraut, ihm etwas zu sagen. Er konnte nichts dafür. Wahrscheinlich Magenprobleme. Als er mich bei sich zu Hause zum Essen einlud, war ich geteilter Meinung. Nett war er, marokkanisches Essen mag ich, aber ich fragte mich sofort, wie ich so lange die Luft anhalten könnte. Ich hätte eigentlich glatt ablehnen sollen. Ich habe nicht gemerkt, dass er dabei war, sich zu verlieben. Und fürs Essen hätte es sich eh nicht gelohnt. Im Gegenteil zu Mahmoud konnte er wirklich nicht kochen. Er hat einfach Butternudel mit Hackfleisch-Steaks vorbereitet. Die waren noch nicht mal komplett aufgetaut. Ich habe mich bedankt, um seine Gefühle nicht zu verletzen. Er hatte sich Mühe gegeben. Und ich habe beschlossen, nie wieder eine solche Einladung anzunehmen. Außerdem habe ich an dem Abend den Verdacht bekommen, dass er doch Interesse anderer Natur entwickelte. Ich habe mich also von ihm distanziert und ihn einige Wochen lang nicht mehr getroffen.

Es ging gut, bis er überraschenderweise eines Tages am Wochenende bei mir klingelte. Er musste mir seine Liebe gestehen. Ich war geniert, aber ich musste ihm erklären, dass ich gar nicht in ihm verliebt war und ihn nur als Kumpel sah. Seine Reaktion war nicht schön. Ich habe sie mehrmals bei Männern beobachtet, wenn ich sie abgelehnt habe. Immer das gleiche Muster. Auch wenn ich mit Takt vorgehe. Sie fangen damit an, es nicht zu fassen. Ach, stimmt… Ich müsste bei ihnen meine echten Gefühle nicht aus Scheu verstecken, ich könnte schon ruhig zugeben, dass ich sie liebe… Also, wiederholt abgelehnt, ich bin wirklich nicht verliebt. Kann es sein? Wie kann es eine Frau wagen, ihnen zu widerstehen? Der Ärger kommt. Der Marokkaner hat seine Wut gut im Griff behalten, als er mit kalter Stimme sagte, ich müsste es mir gut überlegen, ein solches Angebot würde ich nicht jeden Tag bekommen. Nicht so viele Männer würden sich für mich interessieren, es wäre schon sehr großzügig von ihm gewesen. Wie oft habe ich diesen Satz bei abgelehnten Männern gehört? Glauben sie wirklich, dass sie durch solche Beleidigungen ihr Ziel besser erreichen? Für mich bedeutet das nur, dass die Person versucht, zurück zu stechen. Was daneben läuft, da ich in solchen Situationen sowieso keine Gefühle für sie empfinde, sonst gäbe es keine Ablehnung. Ich habe ihn erstmals weiter reden lassen. Als er nicht aufhören wollte und mich anfassen wollte, musste ich ihm sagen, er soll mich jetzt zu Hause in Ruhe lassen und weg gehen, ehe ich die Polizei anrufe. Er hat später häufig bei mir geklingelt, und ich habe es ignoriert. Genau wie seine Anrufe. Es war sehr stressig, ich fühlte mich zu Hause nicht mehr in Ruhe. Ich musste mit anderen Freunden einen Klingelcode entwickeln, um zu wissen, wann ich an der Sprechanlage antworten konnte. Bei der Arbeit hat er sich nicht getraut, sich wieder zu zeigen. Es muss ihm also bewusst gewesen sein, dass sein Verhalten nicht in Ordnung war. Was seinem Stalkern wirklich ein Ende setzte, war, als mein Vertrag zwei Monate später zu Ende ging, und ich aus der Gegend auszog.

Küchenexperimente, auf die man verzichten kann

Ihr braucht es also nicht zu probieren, es lohnt sich nicht. Ich habe davon in dem Lokal kürzlich erfahren, wo ich meine Mittagspausen mit den Kollegen verbringe. Vielleicht haben sie einen neuen Koch eingestellt. Der sollte bitte schön nach der Probezeit gefeuert werden.

Kaninchen mit Lauch

Nein. Es passt einfach nicht zusammen. Selbst mein Chef fand es komisch. Traditionellerweise wir bei mir Kaninchen mit einem Ragout von Kartoffeln, grünen Oliven und Weiswein vorbereitet. Dazu gehören selbstverständlich Thymian und Rosmarin. Und Lorbeerblätter. Es ist bei mir so fest verankert, dass ich im Sommer beim Wandern in den Voralpen bei meinen Eltern an Kaninchen denke, wenn ich an wilden duftenden Rosmarinen-Büschen am Straßenrand vorbei gehe.

Die Eltern von David besitzen einen Bauernhof in den Vogesen. Wir waren häufig dort am Wochenende. Sie bereiten das Essen wirklich ganz frisch vor. Auch die Kaninchen. Ich bin in einer ruralen Umgebung groß gewachsen, es hat mich nicht schockiert. An dem Tag hatten wir dazu Reis und Mirabellen vorbereitet. Das hatte besser als Kaninchen mit Lauch geschmeckt.

Spätzle mit Pilzen und roter Beete

Ich habe es selber nicht getestet. Ich bin auf Nummer sicher gegangen und habe die heutigen königsberger Klopse bestellt. Martin war neugierig genug, um es auszuprobieren. Den Teller hat er am Ende halb voll liegen lassen. Es ist gar nicht seine Art. Sein Fazit, als wir raus gegangen sind: „Jetzt schnell ein Kaffee“. Es sagt alles, wirklich.

Stress

Morgen früh fängt unser Praktikum an. Ich habe häufig in meinem letzten Job Lehrveranstaltungen betreut. Warum bin ich auf einmal so nervös? Es ist nicht, als ob ich alleine da stehen würde, selbst wenn ich die Verantwortliche für unseren Teil vom Kurs bin. Winfried hat mir versprochen, mir Unterstützung zu geben und bei den Datenauswertungen mit den Studenten dabei zu sein. Ich habe letzte Woche noch geprüft, was ich den Studenten an den Geräten erklären muss und habe gesehen, dass ich die dafür vorgesehenen zwei Stunden gut füllen kann. Ich fühle mich doch irgendwie gar nicht gut vorbereitet. Eine Powerpoint-Präsentation für eine Vorlesung am Mittwoch muss noch fertig werden. Das schaffe ich heute. Den Stoff habe ich schon früher vorgetragen, nur die benutzte Software ändert sich, und die kenne ich jetzt gut. Ich habe für den praktischen Teil selber mit alten Datensätzen gespielt und die Skripte mehrmals durchgelesen. Die habe ich korrigiert und allen Studenten per Email geschickt, zusammen mit praktischen Hinweisen zum Kurs. Bis auf einen Teilnehmer, der auf dem Zettel am Freitag seine Email-Adresse falsch geschrieben hat. Es sind nur neun Teilnehmer. Ich habe sie schon letzte Woche bei den Vorlesungen kennen gelernt. Und ich mag kleine Gruppen, es viel angenehmer, um zu arbeiten. Trotzdem bin ich gestresst.

Ich brauche Ausgleich. Ich bin seit einer Woche nicht mehr zum Fitness-Studio gegangen. Zu viel zu tun. Ich musste ein paar mal früher als sonst aufstehen und wollte am Abend vorher nicht spät nach der Arbeit Sport machen, weil ich sonst häufig gegen 21:00 nach Hause komme. Als ich letzte Woche früh aufgestanden bin, um mit S- und U-Bahn zur Uni zu fahren, wollte ich meine ganzen Sport-Sachen nicht mitnehmen, es wäre mir zu umständlich gewesen. Und es gab noch den Stress mit meiner Internet-Verbindung. Von Martin ganz zu schweigen. Ich war bei der Deutschen Telekom und habe gefragt, warum ich zu Hause keine Leistung mehr hatte. Antwort: „Eine größere Störung in dem ganzen Gebiet“. Es hätte damit nichts zu tun, dass ich den Anbieter wechseln wollte. Dabei hatte ich von O2 seit Mittwoch mehrmals SMS bekommen, um für die aktuelle Störung einen Termin zu vereinbaren. Obwohl ich laut noch laufendem Vertrag bei der Telekom erst ab Juni zu O2 wechseln sollte, und O2 mir den Umschaltetermin in zwei Jahren angekündigt hatte. Beim O2-Shop war ein junger Mann, der den Eindruck gab, sich für mein Problem gar nicht zu interessieren und gar nicht versuchen wollte, den ganzen Informationschaos durchzuforschen. Ich habe als Folge dessen vorsichtshalber den Vertrag bei O2 noch fristgemäß widerrufen. Ich will jetzt definitiv keinen Vertrag für in zwei Jahren abschließen, gerade wenn mein Arbeitsvertrag ausgelaufen ist und ich wahrscheinlich wieder umziehen muss. Mein Kündigungstermin bei der Telekom wird auf jeden Fall geprüft. Die Frau im Shop, die diesmal nicht die Frau Becher war und sich viel netter verhalten hatte, meinte, es wäre nicht normal. Seit gestern habe ich wieder Internet. Telefonieren kann ich auch. Ich habe nur gemerkt, dass ich nicht angerufen werden kann. Vom Handy aus bekomme ich die Nachricht, „Der gewünschte Gesprächspartner ist zur Zeit nicht erreichbar“. Dabei stehe ich neben meinem Festnetz-Telefon und er sieht ganz brav wie immer aus. Und gestern hat mich ein Telekom-Techniker anrufen können. Sehr merkwürdig.

Heute will ich zum Sport. Ich könnte auf dem Hin- oder Rückweg zum Fitness-Studio in meinem Büro auf dem Laptop PuTTY installieren. Mir ist gestern Abend beim Einschlafen eingefallen, dass ich morgen nach der ersten Vorlesung meines Chefs eine kurze Einführung in Linux und vi geben soll, und dafür nur meinen Windows 7 Laptop zur Verfügung habe. Ich will keine Vorlesung halten, sondern nur am Beamer zeigen, wie man arbeitet. Es soll schnell gehen. Die Studenten kriegen Zettel mit den wichtigsten Befehlen, die ich noch ausdrucken muss, stimmt. Das heißt, ich muss schauen, wie ich in dem Raum eine Internet-Verbindung bekommen kann, um mit remote desktop an meinem eigenen Rechner im Büro Sachen vorzuführen. Ich muss daran denken, wie mein Chef es mir empfohlen hatte, den Pförtnern meine Handy-Nummer zu geben, falls Studenten verspätet ankommen, um sie selber abzuholen. Ich sollte auch eine Beschilderung vorbereiten (kein großer Aufwand, nur A4-Blätter für den Haupteingang und vor der Treppe). Aber das kann ich mir vielleicht sparen, oder einen anderen Kollegen damit beauftragen. Oh, und ich sollte diese Woche zwischendurch Zeit finden, um aus gegebenem Anlass einen Kuchen zu backen. Es wird anscheinend erwartet. Das heißt, dass ich an dem Tag kein Fahrrad fahren kann, sonst sieht der Kuchen danach nicht so appetitlich aus. Ich werde wahrscheinlich etwas einfaches wie eine Schokoladetorte vorbereiten.

Benjamin

In der Serie „Herzen, die ich gebrochen habe“. Ich hatte es gar nicht kommen gesehen. Er war doch viel zu jung. Und gar nicht mein Typ. Ich stehe nicht auf Blonden.

Ich habe Benjamin vor etwa vier Jahren auf einer Fachtagung kennen gelernt. Er war Doktorand bei einer Gruppe in einer Uni nicht weit weg von meiner. Ich war schon längst promoviert. Seine Doktormutter hatten wir häufig in meinem Institut zu Besuch gehabt, sowie ihren Mann, der ihre Arbeitsgruppe leitete. Die beiden mochte ich sehr. Ich habe also nichts besonderes gedacht, als ich mit ihm über sein Poster diskutiert habe, wobei ich vom Anfang an Probleme hatte, ihn zu verstehen, da er aus Holland kommt und einen sehr starken Akzent hat.

Wir haben während der Tagung am Gesellschaftabend zusammen mit einem anderen Kollegen gegessen. Er wirkte sehr deprimiert. Er hatte große Schwierigkeiten mit dem präparativen Teil seiner Arbeit, was zu Stress mit seiner Doktormutter geführt hatte. Das Singlesein fiel ihm auch schwer. Irgendwie tat er mir Leid. Und da ich am Wochenende einen Bauchtanzauftritt in einer Nachbarstadt in Holland hatte, habe ich ihm spontan vorgeschlagen, hin zu gehen. Wie blöd von mir. Weil mich schon die Musik alleine immer aufgemuntert hatte, und ich großes Spaß daran hatte, Lebensfreude durch Tanz dem Publikum mitzuteilen. Ich hatte sogar gedacht, ich könnte ihm die Studentinnen vorstellen, die in meiner Gruppen waren, vielleicht würde er sich in eine verlieben und glücklicher werden. Er hat sie alle aber kaum beachtet.

Einige Wochen später hat er sich wieder gemeldet. Er hat mir vorgeschlagen, an einem Samstag einen Museum in Köln zu besuchen. Da ich gerne Museen besuche, habe ich sofort ja gesagt. Wir haben in dem Nachmittag gerade den Erdgeschoss geschafft, der eine Sammlung von Gemälden aus dem Mittelalter enthielt. Wenn ich alte Gemälde betrachte, versinke ich häufig in kleinen Details und kann nicht mehr weiter gehen. Das fand er anscheinend sehr lustig. Und da er selber gerne gezeichnet und gemalt hat, hat er angefangen, mir per Email Kopien seiner Skizzen zu schicken. Ich habe ihn später zu einer Ausstellung in meiner Stadt eingeladen, da er sich so sehr für Kunst interessiert. So haben wir angefangen, mehr oder weniger regelmäßig in Kontakt zu sein.

Es hat einen gruseligen Charakter bekommen, als ich meinen Geburtstag hatte. Ich war abends von der Arbeit nach Hause gekommen und hatte etwas im Briefkasten. Ein Gemälde von Benjamin mit einer Nachricht zum Geburtstag. Einfach so, ohne Briefumschlag. Er musste heimlich selber vorbei gekommen sein. Ich habe gerätselt, woher er wusste, dass es mein Geburtstag war, und dass ich dort wohnte. Er hat dann angefangen, mich jedesmal anzurufen oder mir eine SMS zu schicken, wenn er zufällig in der Nähe war, oder wenn er nur mit dem Zug an meiner Stadt vorbei fuhr. Zufällig war eigentlich sehr häufig. Kleine Skizzen ohne Briefumschlag habe ich mehrmals in meinem Briefkasten gefunden. Ich habe mich sehr schnell gestalked gefühlt.

Eines Tages habe ich einen Vorwurfsbrief von ihm bekommen. Er war anscheinend in meiner Stadt gewesen und hatte mich auf der Straße gesehen. Ich hätte in seiner Richtung geschaut, hätte ihn völlig ignoriert und wäre sofort in die andere Richtung gegangen. Ich hätte ihn dabei sehr verletzt. Fakt ist, ich konnte mich gar nicht daran erinnern und muss ihn total übersehen haben. Als er mir gnädigerweise vergab (was ich nicht nötig hatte), schlug er mir einen Termin in der Stadt vor. Ich wollte mich schon nicht mehr mit ihm treffen. Meine jüngere Freundin Sabrina war noch single und suchte nach einem Mann, ich habe sie also gefragt, ob sie mitkommen wollte. Ich habe auch die chinesische Doktorandin eingeladen, mit dem Argument, dass es für sie gut wäre, andere Doktoranden in ihrem Fach kennen zu lernen. Im letzten Moment hat mich Sabrina im Stich gelassen. Sie hatte sich mit ihrer Mutter gestritten und fühlte sich nicht gut. Die Doktorandin war zum Glück dabei und hat mit ihm viel geredet. Es hat alles nicht geholfen. Eine Woche später bekam ich eine richtige Liebeserklärung in meinem Briefkasten. Mit einem Ölgemälde auf Papier. Ich wusste nicht, wie ich darauf reagieren sollte. Ich habe es mir so lange überlegt, dass es zu spät wurde. Wir haben sehr lange keinen Kontakt mehr gehabt.

Seit einigen Monaten hat er mich wieder angeschrieben. Er hat erzählt, dass er einen neuen Job in Holland bekommen hat und mit seiner Freundin dahin umgezogen ist. Es hat mich gefreut, dass er endlich eine Freundin hat. Andererseits finde ich es komisch, dass er nie ihren Namen erwähnt hat. Es fühlt sich nicht echt an.