Neulich beim Fitness-Studio

Ich bin nur seit zwei Wochen dort angemeldet. Ich hatte es vermisst, an den Geräten zu trainieren, es macht Spaß. Ich war schon fünf mal dort. Ich sehe, wie ich mich in so kurzer Zeit verbessert habe, jetzt schaffe ich endlich vollständig meine vorgesehenen Sätze auf der Schulterpresse (und wir hatten mit meinem Trainer vorsichtshalber mit dem kleinsten Gewicht angefangen).

Neulich beim Fitness-Studio habe ich andere Frauen kennen gelernt, die auch hier trainieren und sich total freundlich verhalten. Sie sprechen sogar unbekannte Leute wie ich an. Das muss ich meiner Kollegin erzählen. Sie kommt aus Süddeutschland und beschwert sich immer noch ab und zu darüber, wie die Leute in Berlin schlecht mit einander umgehen. In meinem neuen Fitness-Studio geht es auch anders.

Am Sonntag habe ich etwas gemerkt, was mich entsetzt hat. Männer enthaaren sich jetzt unter den Armen. Männer in meinem Alter, und älter auch. Wie tief können wir noch sinken? Ich erinnere mich daran, wie wir ein mal mit Freundinnen aus der Uni im Auto durch Nizza unterwegs waren (es war Mitte 90′), und wir alle an einer Ampel über den großen Werbeplakat für eine Jeans-Marke geschwärmt haben, weil ein Mann mit nacktem Oberkörper und gut behaartem Bauch zu sehen war… Diese Zeiten sind vorbei. Ich finde behaarte Männer sehr attraktiv (und bin in Martin verliebt, was völlig paradoxal wirkt). Ich weiß noch, wie ich ein mal in Aachen im Hochsommer unterwegs war, und ein Mann mit freiem Oberkörper auf Fahrrad mir entgegen kam, und ich nur vom Schock starren konnte, weil er keinen einzigen Haar auf der Brust hatte… Ich hatte mich gefragt, warum Männer sich so was blödes antun würden, oder ob er vielleicht eine Krankheit hätte. Er hat meinen Blick gemerkt und mich noch so angelächelt, als ob er sich für unwiderstehlich halten würde, und ich musste wegen der Situationskomik einfach lachen, weil er mich so misverstanden hatte… Aber ich schweife ab.

Wenn ich schon über Männer rede… Letzte Woche war ich im Hantelbereich und machte eine Übung auf einer Liege. In dem Moment ist ein Mann mit seinem Sohn angekommen. Vom Aussehen und vom Akzent her kommt er bestimmt aus Südeuropa. Er hat angefangen zu trainieren, und danach seine Hantel kurz liegen lassen, um die Haltung von seinem Sohn bei einer Bewegung zu korrigieren. In der Zeit sind zwei junge Deutsche angekommen und haben angefangen, mit Hanteln zu trainieren. Ich habe nicht besonders aufgepasst. Ein der beiden Männer hat die Hantel vom Ausländer benutzt, die er am Boden neben sich liegen lassen hatte. Natürlich gab es Streit. Der Streit selbst war mir unwichtig, genauso wie die Männer, aber die Ursache finde ich schon interessant. Wieder ein Kultur-Clash. Aus Sicht des Ausländers: „Ich habe meine Hantel liegen lassen, jemand benutzt sie jetzt, von mir aus, wenn er Pause macht hole ich sie zurück und mache weiter“. Der Deutsche hat sich dabei sofort beschwert und aggressiv gesagt, er wäre nicht fertig, obwohl er gerade seine Pause angefangen hatte. Aus seiner Sicht: „Da liegt eine Hantel, ich hole sie mir, wenn jemand dagegen ist, wird er sich schon melden, sonst, selber Schuld.“ Das hat der Ausländer nicht gemacht, weil er eine andere Erziehung bekommen hat (an schlechten Tagen denke ich einfach, „weil er eine Erziehung bekommen hat“) und das Teilen mit anderen in ihm geprägt ist. Und ich bin mir sicher, dass der Deutsche immer noch der Meinung ist, nichts falsches gemacht zu haben.

Heute, wieder im Hantelbereich, bin ich Zeugin einer klugen Anmache von einem jungen Mann zu einer jungen Frau gewesen. Also Jungs, so geht’s auch, lernt daraus. Ich habe es den beiden einfacher gemacht, in dem ich meine Wiederholungen leise durchgezählt habe („douze, treize, quatorze…“), sie haben bestimmt gedacht, ich würde nichts verstehen. Er hat angefangen, sie zu fragen, ob sie schon lange trainiert, weil sie so gut mit den Hanteln arbeitet, und so sind sie ganz natürlich ins Gespräch gekommen. Leider hat es vom Alter nicht gepasst. Die Frau ist gerade siebzehn, noch minderjährig, der Mann ist zehn Jahre älter (und ich kam mir dazwischen wie eine Oma vor). Ich hätte schwören können, dass sie Älter war, der junge Mann ancheinend auch. Ein bisschen Neid. Ich weiß, wie es mich genervt hat, am Anfang von einem Semester von den Studenten für eine HiWi gehalten worden zu sein, als ich schon meine Doktorarbeit seit fast zehn Jahren abgeschlossen hatte. Ich hätte mir echt gewünscht, älter auszusehen, oder wenigstens wie mein Alter auszusehen. Ich habe häufig den Eindruck gehabt, dass es bei Vorstellungsgesprächen gegen mich gespielt hat. Ich habe mich riesig gefreut, als ich meinen ersten grauen Haar vor drei Jahren entdeckt habe, aber so viele sind es noch nicht geworden.

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