Langer Tag

Ich habe heute über elf Stunden bei der Arbeit verbracht. Ich bin müde. Und wieder deprimiert.

Den Vormittag habe ich mit der Aktualisierung von wissenschaftlichen Softwaren verbracht. Ich war kaum ins Büro angekommen, dass mein Zimmerkollege, der IT-Ingenieur, meinte, es gäbe Zugangsprobleme für eine bestimmte Gruppe von Benutzern. Er hätte mir früher sagen können, dass sie nicht die gleichen Berechtigungen wie wir haben. Und das sagt er mir jetzt, obwohl ich die Programme schon seit fast zwei Monaten installiert habe. Ich habe festgestellt, dass es sowieso wieder neuere Versionen von den Programmen gab, und habe sie gleich heruntergeladen und installiert. Jetzt weiß ich sogar, wie ich mit dem Software-Package die 32-bit Version ganz bequem installieren kann. Zwischendurch gab’s ein Problem mit dem Speicherplatz, das gelöst werden sollte. Dann musste ich herausfinden, wie man ein ganzes Verzeichnis für alle Gruppen benutzbar macht (chmod -R a+r *, oder mal a+x, am Ende funktionierte es endlich). So verging der Vormittag.

Nachmittags hatten wir unseres wöchentliche Gruppenmeeting. Es dauert immer zwei gute Stunden. Ich konnte stolz berichten, dass ich am Freitag die beta-Version von meinem Programm eine Woche früher als geplant zum Testen zur Verfügung gestellt hatte. Es gäbe noch Kleinigkeiten zu tun, bevor wir das offizielle Release machen können, aber die aufwendigste Änderung ist fertig. Es war für mich nicht selbstverständlich, wenn ich bedenke, dass ich vor dreieinhalb Monaten weder Python noch Linux benutzen konnte. Ich muss jetzt noch die Installation auf verschiedene Betriebssystemen testen. Hoffentlich kommen keine große Schwierigkeiten.

Ab morgen sind wir nach der längeren Sommerpause wieder im Nutzerbetrieb. Wir müssen die Geräte testen, bevor unsere Gäste sie benutzen können. Mein Chef meinte, ich sollte es mit Martin zusammen machen. Ursprünglich wollten wir uns erst morgen um 08:30 dafür treffen. Als es bekannt gegeben wurde, dass wir heute schon ab 18:00 mit dem Testen anfangen konnten, statt um 19:00 wie geplant, hat Martin mir vorgeschlagen, doch heute Abend an den Geräten zu arbeiten. Ich wollte eigentlich Feierabend machen, als er mich ins Büro angerufen hat. Na gut, dann bin ich halt geblieben. Wir sind bis etwa 20:30 dort geblieben.

Und ich habe einen Schlag ins Gesicht bekommen. Kurz vor 20:00 hat er zum Telefon gegriffen und jemanden angerufen. „Ich bin’s.“ „Ich habe dir gesagt, dass es heute länger dauern würde.“ „Ich bin gegen 21:00 bei dir.“ Ich war zu benommen, un nachzufragen, mit wem er telefoniert hat. Selbst wenn, hätte ich nicht gewusst, wie ich es natürlich fragen könnte. Er hat es mir nicht gesagt. Es geht mir also nicht an. Doch eine Freundin? Versteht das jemand? Er hat es nie erwähnt. Er hat mir sonst so viel über seine Familie erzählt, und dass er alleine lebt; er hat, seitdem ich ihn kenne, zwei mal Urlaub gemacht, jedesmal ohne Begleitung; bei unserem letzten Date war er auch allein in der Stadt unterwegs… Ich habe ihn heute über sein Wochenende gefragt, und er meinte, er hätte nicht viel gemacht, außer seine Verwandte zu besuchen und eine Wohnung zu besichtigen (er sucht eine Wohnung zum Kaufen, und von der Größe her ist es klar, dass er weiterhin allein leben will). „Ich habe dir gesagt, dass es heute länger dauern würde.“ Es hörte sich nicht so an, als ob er die Person erst kennen gelernt hätte. Es hörte sich an, als ob er daran gewöhnt wäre, zu dieser Person abends zu gehen. Was sollte sein Verhalten letzte Woche? Oder ist es eine Ex, mit der er seit kurzem wieder zusammen ist? Ich habe die Rückfahrt nach Hause auf dem Fahrrad zwischen den Tränen kaum wahrgenommen. OK, das mit dem Einreden, nicht mehr verliebt zu sein, ist wohl gescheitert.

Morgen müssen wir ganz früh wieder zur Arbeit, weil wir etwas heute Abend nicht selber machen konnten und unseren Chef fragen müssen, bevor die ersten Nutzer ankommen. Ich werde bestimmt ganz müde sein. Selbst angenommen, ich könnte gut einschlafen, ich muss morgen früh um 06:30 aufstehen, um pünktlich dort zu sein (Dusche, Frühstück, Mieze versorgen, Sporttasche vorbereiten, es dauert bei mir schon lange, und da es regnen soll, werde ich mit der Straßenbahn fahren, ich brauche länger als mit dem Fahrrad). Ich könnte seine morgendliche Frische bewundern, mit der Bemerkung, dass er im Gegenteil zu mir heute Abend noch verabredet war. Er muss mir dabei aber nicht erzählen, mit wem er sich heute Abend trifft. Ob ich mich dann traue, ihn zu fragen… Irgendwie muss ich es tun, um meine Ruhe wieder zu finden. Es ist schon lächerlich, so viele Jahre Single geblieben zu sein, um mich kurz nach einem Umzug wegen eines Types so schlecht zu fühlen.

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2 Gedanken zu “Langer Tag

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