Ist heute „Töte-ein-Fahrradfahrer“-Tag?

Ich wäre heute beinahe in zwei Unfällen gerieten. Jedesmal genau in der gleichen Situation: Ich fahre rechts auf dem Radweg, komme an einer Kreuzung an, will weiterhin geradeaus fahren, und das Licht ist grün. Es gibt kein separates Licht für Fahrradfahrer, was bedeutet, dass das Lichtsignal für den motorisierten Verkehr gilt. Und jedes Mal bin ich dabei fast von einem Auto erwischt worden, das rechts abbiegen wollte.

Heute Morgen, auf dem Weg zur Arbeit, hat mich noch die Frau im Auto beschimpft. Ich hatte sie die ganze Zeit im Auge behalten und die Hände auf die Bremse parat vorbereitet, so dass ich rechtzeitig bremsen konnte. Es gibt eine andere Kreuzung auf meinem alternativen Weg, wo Autofahrer mir jedesmal die Vorfahrt gelassen haben, daher dachte ich schon, in einer solchen Situation eine Vorfahrt zu haben. Ich habe danach gegoogelt: Es stimmt auch. Ich vermute, die Frau hatte mich entweder nicht gesehen, oder sie wusste einfach nicht von dieser Regel Bescheid.

Beim Abbiegen gilt – egal für welchen Verkehrsteilnehmer – wer abbiegt, muss warten, bis diejenigen, die geradeaus fahren oder gehen die Straße überquert haben. Gerade Autofahrer biegen gerne einmal ab, ohne auf überquerende Füßgänger oder Fahrradfahrer zu achten, das ist aber entgegen der Verkehrsordnungen. Auch bei grünen Ampeln (etwa beim Abbiegen) gilt, dass der Verkehrsteilnehmer, der bei Grün geradeaus geht, immer Vorfahrt hat.

Heute Abend, als ich die Arbeit verlassen habe, ist mir fast das gleiche in krasserer Version passiert. Ich fuhr auf dem Radweg und kam an einer Kreuzung an, bei der ich geradeaus fahren wollte. Neben mir blinkte ein Auto, um nach rechts abzubiegen, hinter mir auch. Ich bin langsamer gefahren und habe noch das rote Auto vor mir fahren gelassen. Das Auto hinter mir ist ebenfalls langsamer gefahren und hat mir Platz gelassen. Super, dachte ich. Ich fuhr hinter dem roten Auto und wartete darauf, dass es fertig abbiegt, um schneller geradeaus fahren zu können. Auf den Zebrastreifen war nichts, aber das rote Auto hat plötzlich ohne Grund auf dem Radweg eine Vollbremse gemacht und ist für einige Sekunden zum Stillstand gekommen. Hätte ich selber nicht vollgebremst, wäre ich ins Auto gefahren. Es hätte einfach ein Zufall sein können. Aber da das kleine Mädchen auf der hinteren Sitzreihe sich in dem Moment umgedreht hat und mich angeschaut hat, vermute ich zwei Möglichkeiten:

  • Der oder die MitfahrerIn vorne hat dem oder der FahrerIn gesagt, dass es gerade gefährlich gewesen war, weil es hinter dem Auto ein Fahrrad gab. Das halte ich für unwahrscheinlich, weil das Auto schon vor der Ampel gezögert hatte, ob es mich fahren lassen sollte oder nicht, und der oder die FahrerIn muss mich wahrgenommen haben – mit meiner Erfahrung vom Morgen bin ich deswegen langsamer geworden und habe die Vorfahrt gelassen, wo es eigentlich keine gab.
  • Die wahrscheinlichere Variante: Der oder die FahrerIn fand’s einfach lustig. Schließlich trug ich ein kurzes Kleid, wenn auch mit dicken bunten Strumpfhosen, man müsste ja der Schlampe auf dem Fahrrad mal was beibringen. Eine Denkweise, von der ich leider häufig in meinem Herkunftsdorf als Kind Zeugin wurde.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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