Spontanes Date

Wenn ich mich nicht verzähle war’s gestern mein fünftes Date mit Martin. Und es war nicht mal geplant. Die beste Art von Dates überhaupt.

Wir haben wieder spät gearbeitet, wie bei jedem Montag. Wir sind nicht sehr effizient gewesen. Ich denke, unser Chef hätte für die gleiche Aufgabe locker die Hälfte der Zeit gebraucht. Ich kenne mich noch nicht so gut mit den Geräten aus, und Martin arbeitet lieber langsam, dafür sehr sorgfältig. Ich muss gestehen, er arbeitet ein bisschen zu langsam für mein Gefühl. Aber ich beschwere mich nicht, sonst hätten wir früher den Labor verlassen und danach vielleicht gar kein Date gehabt.

Es war schon nach 20:00, als wir Feierabend gemacht haben. Wir waren deutlich früher als letzte Woche fertig, da uns keine neue Probe zu messen gegeben wurde. Ich hatte schon Martin daran erinnert, dass wir letzte Woche ursprünglich vor hatten, Eis essen zu gehen, was uns doch nicht gelungen war. Er meinte, wir sollten es am Ende der Woche nachholen, da das Wetter besser werden soll. Wir sind zu seinem Büro zurückgekehrt, wo ich meine Sachen auf dem Weg zum Labor schon gelassen hatte, um nicht zu dritten Etage zurück gehen zu müssen (im Dunkel auch noch, nur mit dem Licht für die Fluchtwege, ich habe bis jetzt nicht herausgefunden, wo die Lichtschalter im Flur sind).

Als wir die Treppe zum Haupteingang herunter gingen, meinte Martin plötzlich, dass wir essen gehen könnten. Ich habe ihn also durch den Viertel auf der anderen Seite der S-Bahn-Station geführt – ich kenne mich dort sehr gut aus, da ich in den ersten anderthalb Monaten hier keine Wohnung hatte (die Notwohnung in Juli war mit Spinnen infiziert, ich habe so wenig Zeit wie möglich dort verbracht). Wir sind zu einem asiatischen Restaurant gegangen. Genauer kann ich es nicht spezifieren, weil sie Gerichte aus vielen Ländern anbieten. Ich habe Sushi bestellt. Die Auswahl war schwierig. Weil Martin mir gegenüber saß, und mir wieder so ein schönes Lächeln geschenkt hat. Also musste ich viel durchblättern, bevor ich überhaupt etwas von der Karte wahrnehmen konnte. Warum muss ich dabei immer so nervös sein? So wird es nie was, wenn ich mich ständig schüchtern verhalte. Ich hätte gedacht, ich wäre dafür schon längst aus dem Alter raus.

Wir haben gerade eine Stunde im Restaurant verbracht, weil Martin auf der anderen Seite der Stadt wohnt und noch eine lange Fahrt hatte. Ich bin mit dem Fahrrad nach Hause gefahren, und war verblüfft, am Park kurz vor meiner Wohnung einen Fuchs zu treffen. Fotografieren ging nicht, es war viel zu dunkel. Er hat mich geschaut und ist ins Gebüsch verschwunden, als ich mich langsam näherte. Heute habe ich Martin kaum gesehen. Es liegt aber daran, dass ich mittags beim Zahnarzt war, um alte Füllungen neu zu machen, und den ganzen Nachmittag einen schiefen Gesicht hatte. Die Wirkung der Betäubung hat über fünf Stunden gedauert.

Advertisements

Am frühen Montagmorgen

Es ist fast 06:00. In vierzig Minuten klingelt mein Wecker. Ich bin schon wieder seit 04:30 wach.

Gestern Abend nach dem Sport habe ich gedacht, ich sollte früh ins Bett gehen, um die neue Woche frisch zu starten. Es war nicht schwer, müde zu werden. Ich lese seit einem Monat die Omnibus 1 Sammlung von Lovecraft. Diese erste Geschichte At the Mountains of Madness fesselt mich wirklich nicht. Ich brauche gerade eine oder zwei Seiten zu lesen, um plötzlich einzunicken. Ich glaube, ich habe das Licht kurz vor 23:30 ausgemacht.

Und als der Wecker meiner Nachbarin zwei Etagen höher geklingelt hat, bin ich aufgewacht. Wahrscheinlich dachte mein Körper, da ich in letzter Zeit so wenig geschlafen habe, wären die knappen fünf Stunden schon ein Luxus. Den Wecker der Nachbarin habe ich wie immer nicht wahrgenommen. Beim Aufwachen habe ich dafür die Schritte von jemanden weit oben gehört. Danach wurde es wieder ruhig. Ich denke, meine Nachbarn direkt über mich werden auch davon wach. Die habe ich kurz gehen gehört (sie sind sonst immer so leise, ein junges Paar mit einem kleinen Mädchen, sie schlafen über mein Schlafzimmer und nicht mal beim Sex höre ich sie). Tja, ich bin auch kurz aufgestanden. Ruf der Natur, danach bin ich zurück ins Bett gegangen. Wieder einschlafen war nicht mehr möglich. Dabei hatte ich noch, wie meine Mami es mir vor Jahren empfohlen hatte, ein Glas Milch getrunken – ich probiere es immer wieder, obwohl ich mich nicht daran erinnern kann, dass es jemals funktioniert hat. Die Nachbarin ist kurz vor 05:30 leise die Treppe herunter gegangen. Ich weiß, dass sie eine Frau ist, weil sie so viele verschiedene Schuhen trägt, die unterschiedlich im Treppenhaus schallen. Heute hatte sie immerhin keine Pumps an.

Um 06:20 ist ein anderer Nachbar dran, der die Treppe immer schnell herunter läuft. Der zweite Nachbar folgt gerade zehn Minuten später. Wenn ich von der Nachbarin nicht geweckt werde, ist es meistens der Zeitpunkt, an dem ich morgens aufwache. Im Prinzip bräuchte ich keinen Wecker. Es nervt mich aber, dass mein Schlaf so leicht ist und ich beim kleinsten Geräusch aufwache.

Wochenende

So schnell.

Ich hatte diese Woche viel zu tun. Die Nutzer-Betreuung hat viel Zeit in Anspruch genommen. Ich war eigentlich nur gestern für die Nutzer zuständig, aber ich bin immer wieder gerufen worden, weil sie meine Software benutzen. Das ist gut, dadurch kann ich am besten ihre Bedürfnisse erfahren und Bugs identifizieren. Der Nachteil ist, dass ich sehr wenig Zeit für mein Projekt hatte. Ich habe heute Nachmittag schnell ein paar neue Bugs beseitigt, um bei unserem Meeting am Montag etwas zu erzählen zu haben.

Heute kam eine nette Gruppe aus Polen, die ich bei der letzten Tagung kennen gelernt hatte. Es hat mich sehr gefreut, sie wieder zu sehen. Ich war früh angekommen, um den Stand der Geräte nach meinen Gruppen von gestern zu prüfen und für die nächsten Gruppen aufzuräumen. Sie haben angenommen, dass ich ihre Gerätewissenschaftlerin wäre, aber heute war Martin dran.

Ihm ging’s heute nicht gut. Er hat seit Mittwoch immer noch Kopfschmerz. Er sagt, es liege am Schlafmangel. Heute beim Kaffee wirkte er besonders schlecht gelaunt. Er hat sich aber entschuldigt, als er gesehen hat, dass ich mir Sorgen gemacht habe. Er hat erzählt, dass er morgen mit seinem Vater nach Hamburg fahren muss. Er ist wirklich sehr häufig mit ihm. Ich frage mich manchmal, ob es ihn nicht ein bisschen bedrückt. Ich habe versucht, ihn aufzumuntern. Ich wollte ihn umarmen, aber ich habe mich nicht getraut. Immerhin habe ich es geschafft, ihm auf dem Rückweg zur Arbeit ein Lächeln zu entlocken. Vielleicht warte ich, dass es ihm besser geht, bevor ich in die Offensive gehe.

Ich hatte gehofft, dass wir am kommenden Montag wieder zu zweit eine Spätschicht machen würden. Unser Chef hat sich dazu nicht geäußert. Als ich Martin gefragt habe, ob er etwas wüsste, meinte er spontan, es wäre schön, wenn wir wieder zusammen arbeiten könnten. Ich konnte nur zustimmen. Seine Aussage hat mich sehr gefreut. Aber ich frage mich, wenn er das wirklich meint, warum hat er mich gestern Abend nicht zurück gerufen? Ich hatte versucht, ihn aufs Handy zu erreichen, und er war nicht dran gegangen… Heute hat er es nicht mal erwähnt. Merkwürdig.

Und doch kein Date

Heute Morgen bin ich beim Aufwachen immer noch sehr müde gewesen. Ich habe eine Stunde gebraucht, bis ich mich endlich von dem Bett gelöst habe. Beim Fahrrad fahren zur Arbeit wollte ich an jeder Ampel einschlafen, und habe einen leichten Kopfschmerz gespürt, der mich den ganzen Tag begleitet hat. Es liegt daran, dass ich gestern Abend wieder spät bei der Arbeit geblieben bin, bis etwa 19:30. Eine Beamline war ausnahmsweise frei, und ich habe die Gelegenheit genutzt, um weitere Proben zu messen. Gleichzeitig waren Nutzer an den anderen Geräten beschäftigt, und ich habe für sie nebenbei den local contact gespielt, da Winfried, der gestern dran war, schon nach Hause gefahren war. Danach musste ich alles im Labor aufräumen, was ich für die Probenvorbereitung gebraucht hatte. Ich hatte noch vor, an dem Tag zum Fitness-Studio zu gehen. Ich habe die letzten Übungen mit Mühe gemacht und bin nach 22:00 nach Hause angekommen. Heute war schwierig. Ich bin mehrfach vor meinem Rechner fast eingedöst. Nicht ganz, weil mein IT-Kollege da war. So richtig produktiv war ich nicht.

Gegen 17:30 hat Martin mir gesagt, wir könnten jetzt zu mir gehen. Das Wetter war bedeckt. Wir haben beide festgestellt, dass wir Kopfschmerz hatten. Meine Kollegin Mieke, die sonst ständig darunter leidet, fühlte sich heute ausnahmsweise gut. In meinem Fall liegt es definitiv am Schlafmangel. Seit dem Wochenende habe ich viel zu wenig geschlafen. Hauptsächlich wegen Martin. Aber er hatte mir am Montag angeboten, heute Abend Eis essen zu gehen, und ich wollte mit ihm ausgehen, egal, wie ich mich fühle. Er wollte vorher bei mir noch mit Hilfe der Bohrmaschine die restlichen Lampen aufhängen. Es hat über eine Stunde gedauert. Wir sind nicht Eis essen gegangen. Sein Vater hat ihn zwischendurch angerufen. Als er mit meinen Lampen fertig war, hat sich Martin von mir verabschiedet und ist für seinen Vater einkaufen gegangen. Morgen Abend hat er sich mit ihm verabredet. Ich habe mich für seine Hilfe mehrmals bedankt, und er hat gesagt, dass er das doch sehr gerne gemacht hat. Und ist mit einem breitem Lächeln weg gegangen. Und nicht mal ein Küsschen auf die Wange. Ich bin auf meine Katze neidig. Sie hat sich hemmungslos voll gegen ihn gereibt, und er hat sie viel gestreicht. Mich hat er kaum berührt. Das ist so unfair.

Mein Kopfschmerz ist verschwunden, seitdem wir zu mir angekommen sind. Ich bin auf ein mal nicht mehr so erschöpft. Ich fühle mich jezt aber leer. Eigentlich wollte ich mit ihm einen schönen Abend verbringen. Es ist ganz anders gelaufen. Es ist vielleicht besser so, ich habe viel Schlaf nachzuholen, und morgen bin ich zum allerersten Mal offiziell local contact für die Nutzer an den Beamlines. Das heißt, ich muss spätestens um halb neun bei der Arbeit sein, und muss dafür schon um zehn vor acht mit der Straßenbahn fahren. Mein Fahrrad ist heute bei der Arbeit geblieben, wir sind mit Martin im Auto zu mir gefahren. Gerade hat er mich angerufen. Ich war wieder voll aufgeregt, aber es ging nur darum, zu wissen, ob er morgen mit mir als local contact stehen soll oder nicht. Soll er nicht. Morgen muss ich ihn daran erinnern, dass wir eigentlich vor hatten, Eis essen zu gehen. Mal schauen, wie er darauf reagiert. Hoffentlich nicht mit einem „Warum fragst du nicht Ronald?

Wieder ein langer Tag

Aber anders als letzte Woche.

Ich wusste, dass ich so spät bei der Arbeit bleiben würde, und bin erst zur Mittagspause angekommen. Ich habe meine Kollegen beim Essen getroffen. Hunger hatte ich nicht, ich habe mir nur ein Erdbeer-Quark geholt und hatte es schwer, alles zu essen. Ich hatte ausnahmsweise gefrühstückt. Ich wollte ursprünglich heute Morgen zum Fitness-Studio gehen, aber ich war nach der Radtour von gestern völlig erschöpft. Der Weg zur Arbeit war schon hart genug.

Nach dem Mittagessen bin ich mit Martin Kaffee trinken gegangen, während die anderen Kollegen wie immer zurück zum Büro gegangen sind. Unser Chef war mittags nicht da. Martin hat es geschafft, mir in der kurzen Zeit zwei Komplimente zu machen. Ich habe mich gefragt, was auf ein mal wieder los war. Ich werde es nicht leugnen, es hat mich sehr gefreut. Beim Verlassen des Cafes hat er noch charmanterweise meine Tasse selbstverständlich entsorgt, bevor ich es selber machen konnte. Ganz wie früher. Hmm. Ich will nicht so schnell wieder nachgeben.

Heute Abend hatten wir viel zu tun. Proben mussten vorbereitet und gemessen werden. Es war für mich ganz neu, weil ich in meinem früheren Institut eine völlig andere Methode der Probenpräparation benutzt hatte. Ich hatte bisher auch nur mit anorganischen Proben gearbeitet. Wir haben leider nicht die schönen Ergebnisse bekommen, die unser Chef erwartet hatte. Die Auflösung hat nicht gereicht. Es könnte an der Präparation liegen. Vielleicht müssen wir noch mal nächste Woche dran sitzen und neue Proben vorbereiten.

Bei der Datenauswertung haben wir viel zu nah zu einander gesessen. Martin hat sich dabei gegen mich angelehnt. Ich fand’s sehr gefährlich. Ich habe gedacht, wenn er mir noch näher kommt, könnte es passieren, dass ich ihn überfalle. Da ich nicht weiß, wie er darauf reagieren würde, musste ich mich dazu zwingen, meine Aufmerksamkeit ausschließlich dem Bildschirm zu richten. Vielleicht liegt es daran, dass ich bald beim Eisprung bin. Meine Hormone helfen mir nicht wirklich, im Gegenteil. Andererseits hätte er mich nicht unbedingt so berühren müssen. Es muss schon ein bisschen absichtlich gewesen sein. Noch mal Hmm. Zum Glück hat Mei mich zwischendurch angerufen und abgelehnt, als wir gerade während einer Messung Pause machten.

Martin hat noch erzählt, dass das schöne Wetter ein Weilchen dauern würde, und dass wir wieder abends Eis essen gehen könnten. Zum Beispiel am Mittwoch. Ich hatte mir vorgenommen, bei seinem eventuellen nächsten Vorschlag, etwas mit mir zu unternehmen, ihn zu fragen, warum er nicht Ronald fragen würde, mit ihm zu gehen. Als kleine Rache für Donnerstag. Needless to say, ich bin gescheitert. Meine Reaktion war eher: „Oh ja!“, mit einem breiten Grinsen. Wir sind also wieder privat verabredet. Ein neues Date. Hmm…

Ich bin kurz nach halb zwölf mit dem Fahrrad nach Hause angekommen. Meine Katze hat sich beschwert. Wie immer, wenn ich zu spät nach Hause komme. Jetzt will ich nur noch schlafen.

Fahrradtour am Sonntag

Ich habe heute Nacht wieder extrem wenig geschlafen. Gerade fünf Stunden. Ich bin früh aufgestanden, weil es hätte sein können, dass Martin zum Kaffee vorbei kommt. Gestern am Telefon hatte er nicht nein gesagt. Tja.

Ich habe meine neue Kaffeemaschine ausprobiert. Die Küche geputzt. Essen wollte ich nicht wirklich. Ich habe die halbe Popcorn-Tüte von gestern Abend leer gemacht. Langsam habe ich die Wut in mir steigen gespürt. Vor zwei Wochen hatte mich Martin noch glauben lassen, dass er sich für mich interessierte, und seitdem ist er so kalt und distanziert geworden, und will nichts mehr mit mir zu tun haben. Ich habe gedacht, Deutsche haben echt einen Knall.

Ich habe angefangen, mich nach Ausländern in Single-Börsen umzuschauen. Aber irgendwie… Nein, nicht mein Ding. Ich habe gedacht, so tief bin ich noch nicht gesunken, dass ich auf solchen Mitteln greifen sollte. Oder? Nein, ich will nicht einen Mann um jeden Preis. Ich kann auf Männer verzichten. Es hat seit über zehn Jahren prima geklappt. Nur, wenn ich jemanden kennen lerne, der mich interessiert, warum nicht… Aber es musste gerade Martin sein, der anscheinend psychisch gestört ist.

Ich bin richtig sauer geworden. Für wen hält sich der Typ, dass er so mit mir gespielt hat? Meine Katze hat mich mit ihrem ständigen Miauen auch genervt. Ich glaube, sie wollte Fisch. Ich habe gedacht, wenn ich jetzt nichts tue, drehe ich durch. Ich habe das Fahrrad geholt und bin abgehauen. Ich hatte keinen Ziel. Ich wollte einfach meine Wut weg radeln. Ich habe entschieden, am Treptower Park vorbei zu schauen, da ich dort häufig mit der S-Bahn vorbei gefahren bin.

Ich weiß nicht mehr, wie lange ich bis dahin gebraucht habe. Laut Google Maps sind es 13km gewesen. Am Anfang hat mir die Wut einen dicken Knoten im Hals gemacht. An einer Kreuzung wollte ich sie plötzlich los brüllen. Das habe ich nicht gemacht. Mit der Zeit hat es sich beim Fahrrad fahren tatsächlich verbessert. Der Park sah schön aus. Ich habe mir dort Zeit genommen und Fotos gemacht. Die wollte ich nachher auf Facebook hochladen. Nicht wirklich, um den Ort zu zeigen. Ich wollte damit vor allem meinen Eltern vortäuschen, dass es mir gut geht, da ich die Wohnung verlasse und schöne Fotos zu zeigen habe.

Überall bin ich Pärchen begegnet. Ich fand’s sehr deprimierend. Ich wollte gerade nach Hause zurück fahren, als zwei Fahrradfahrer mich überholt haben. Sie sprachen auf Italienisch. Echte Männer! Ich bin ihnen gefolgt. Es hat sich aber herausgestellt, dass sie mit zwei Frauen unterwegs waren, zu denen sie gerade fuhren. Ich habe das Interesse verloren. Dafür habe ich den Soviet Memorial besucht. Und Übung im Flirten bekommen, da ich mit unbekannten Männern Blickkontakte aufgebaut habe. Immerhin ein Anfang. Aber ich denke nicht, dass ich mich fit genug dafür fühle.

Beim Verlassen des Parkes habe ich plötzlich den Fernsehturm gemerkt. So weit weg konnte es nicht sein, dachte ich. Es war noch nicht so spät nachmittags. Ich habe beschlossen, bis zum Alexanderplatz zu fahren. Ich konnte mich schwer verfahren, da der Turm gut zu sehen war, dachte ich. So einfach war es doch nicht, es gab Momente, wo ich gar nicht mehr wusste, wo ich war, aber ich habe es geschafft.

Kurz vor dem Alexanderplatz waren zwei betrunkene Fahrradfahrer vor mir. Ich habe Abstand gelassen, während Autos sie angehupt haben, weil sie sie ständig ausweichen mussten. Ein der beiden Fahrradfahrer hat an einer Ampel eine Flasche Bier geöffnet und sie sehr schnell getrunken. Bei der nächsten Ampel hat er einfach seine Flasche zum Bürgersteig geworfen, wo sie am Boden explodiert hat. Ich habe beschlossen, dass ich bei der nächsten Gelegenheit die beiden nicht mehr vor mir haben wollte. So bin ich zum Prenzlauer Berg gefahren, statt zum Alexanderplatz wie ursprünglich gedacht. Da ich keinen Ziel hatte, bin ich zufällig gefahren. Irgendwann habe ich mich entschieden, zum Brandenburger Tor zu fahren, um etwas vom Festival of Lights zu sehen. Es war noch zu früh und ich habe dort an einer Terrasse ein Bier bestellt. 4,50€ für ein Weizenbier! Es gab kein Trinkgeld. Als ich den Verkehr auf der Straße geschaut habe, hätte ich auf ein mal schwören können, dass Martin an mir mit seinem Fahrrad vorbei gerast ist.

Nachdem ich mit meinem Handy ein Paar Fotos gemacht habe (es geht für Bilder bei Nacht viel besser als mit der Kamera), bin ich durch Zufall zum Potsdamer Platz gefahren. Ich habe auf die Uhr nicht geschaut, als ich beschlossen habe, zurück nach Hause zu fahren. Ich habe mich am Anfang ziemlich verfahren, bis ich den richtigen Weg gefunden habe. Ich war um 21:30 wieder zu Hause. Laut Google Maps bin ich insgesamt knapp über 40km gefahren. Mit einer halben Popcorn-Tüte, ein Weizenbier und jede Menge Zorn als Treibstoff.

Die Wut ist noch da, aber ich bin zu müde und schiebe sie zur Seite. Morgen gehe ich spät zur Arbeit. Ich werde mich vorher beim Fitness-Studio entfrustrieren. Mein Chef hat letzte Woche gesagt, ich soll mit Martin bis spät abends Proben messen. Es kann locker bis 23:00 dauern. Anders geht’s nicht, da sonst externe Nutzer die Geräte belegen. Scheiße. Nicht nur wegen der Uhrzeit. Ich bin immer noch sauer auf ihn.

Samstag 19.10.2013

Drei Uhr morgens, aber ich fühle mich noch nicht bereit, einzuschlafen.

Ich bin für einen Samstag früh aufgestanden. Martin wollte kurz nach 10:00 zu mir kommen. Er war sich nicht sicher, weil er heute zur Arbeit musste und nachmittags einen Termin hatte. Als er eine Stunde später anrief und sagte, es würde nicht klappen, war ich nicht überrascht. Morgen muss er wieder kurz arbeiten. Ob von zu Hause aus oder am Büro, das wusste er noch nicht. Er meinte zuerst, er könnte mir danach zu Hause helfen. Das habe ich abgelehnt, weil es morgen Sonntag ist und Ruhe eingehalten werden muss (wir wollten Löcher bohren). Ich habe ihm stattdessen angeboten, danach einen Kaffee zu trinken, falls er tatsächlich zur Arbeit fahren muss. Mal schauen.

Ich bin heute Nachmittag einkaufen gegangen. Das letzte Mal, dass ich im KaDeWe war, war bei einer Fachtagung vor zehn Jahren. Mein ehemaliger Kollege Günther hatte gerade während der Tagung die Geburt seines Sohnes erfahren und ich hatte ihm mit Sebastian ein Geschenk organisiert. Heute wollte ich neue Kleider und eine italienische Espressomaschine kaufen. Falls Martin morgen doch kommt, muss ich ihm einen guten Kaffee anbieten können. Falls er nicht kommt, kann ich mir immer noch selber einen guten Kaffee machen, statt das übliche wasserlösliche Zeug.

Auf dem Rückweg nach Hause habe ich mir eine Kino-Karte besorgt. Ich wollte schon seit längerer Zeit den Film von Metallica schauen. Er ist seit dem 3. Oktober in den Kinos zu sehen, aber ich habe den Eindruck, dass er nicht so gut läuft. Die einzigen Darstellungen sind jetzt alle nach 22:00. Ich wollte ursprünglich in der Stadt bis zum Film bleiben, aber meine Einkäufe waren mir zu viel.

Es war 21:00, als ich wieder am Alexanderplatz ankam. Ich bin zwei Stunden lang durch die Stadt gegangen. Mein Chef hatte uns von dem Festival of Lights erzählt, das heute Abend endet, und ich habe mich ein bisschen umgeschaut. Es war schön, die Temperatur war sehr angenehm. Mein Ischias schmerzt wieder stark. Und ich bin von meiner Kamera enttäuscht. Bilder bei Nacht kann ich mit ihr vergessen. Gut, ich habe sie schon seit sechs Jahren.

Im Kino war der Raum gefühlt gerade ein Viertel voll. Ich habe mir eine kleine Packung salziges Popcorn mit einem Köstritzer geholt. Nach den super langen Werbungen und Vorschauen („47 Ronin“ sieht total cool aus), fing der Film endlich an. Ich hatte vermutet, dass die Handlung schwach wäre, und war nicht enttäuscht: Ich fand sie schwach. Sie wurde zum Glück sehr kurz gehalten, meistens hat man Szenen von Konzerten gesehen (sie sind letztes Jahr aufgenommen worden). Ich war aber nicht für die Story zum Kino gegangen. James in 3D! Der heißeste Typ überhaupt, und seine Stimme… Als der Konzert startete, habe ich trotz Pulli richtig Gänsehaut bekommen. Ich habe vergessen, meine Popcorn zu essen und mein Bier zu trinken. Zum Schluss haben sie Orion gespielt. Ein meiner Lieblingsstücke. Ich hatte Metallica schon vor zehn Jahren auf dem Werchter Festival in Belgien mit Pascal live erlebt. Es war aber anders, wir waren zu weit weg von der Bühne.

Donnerstag 17.10.2013

Schon wieder ein mieser Tag.

Heute war mein Zimmerkollege nicht da. Alleine fand ich es langweilig. Ich bin zum Büro von meinen anderen Kollegen auf der ersten Etage herunter gegangen und habe dort gearbeitet. Ich habe den Rechner der Diplom-Studentin benutzt, die nicht mehr bei mir im Büro sitzt, und momentan im Urlaub ist. Eigentlich hätte ich heute mit Winfried Datensätze bearbeiten sollen. Wir haben in Kürze ein Praktikum, und ich sollte den Studenten Datenauswertung erklären. Er hat sich aber nicht bei mir gemeldet.

Ich habe an meinem Programm weiter gearbeitet, wobei ich sehr abgelenkt war, da Martin mir schräg gegenüber saß. Ich habe ihn viel häufiger als den Bildschirm geschaut. Er hat mich aber kaum beachtet. Er hat sich seit letzter Woche sehr geändert. Ich sehe, dass er sich bemüht, freundlich zu bleiben, aber irgendwie ist unser Verhältnis ganz anders geworden. Auch wenn er doch nur mit seinem Vater am Montag verabredet war. Vielleicht hat es mit meiner Reaktion zu unserem geplatzten Termin zu tun. Vielleicht hat er doch gemerkt, dass er mich dadurch verletzt hat, aber die falschen Schlüsse gezogen. Vielleicht denkt er, ich will ihn nur ausnutzen. Verdammt, so ist es nicht.

Ich hatte gestern Abend in meinem Viertel einen Plakat für eine Musikveranstaltung gesehen und ihm auf dem Weg zur Mensa davon erzählt. Seine Reaktion: „Warum fragst du nicht Ronald, mit dir hin zu gehen?“ Ich hatte ihn dabei nicht mal gefragt, ob er Lust darauf hätte, mich zu begleiten. Ich habe mich gewundert, wie er auf diese Idee gekommen ist. Mit Ronald habe ich nun wirklich gar nichts zu tun. Nichts gegen ihn, aber wir sind nur Kollegen. Er ist verheiratet, hat seine Familie, und wir haben uns nie privat getroffen oder treffen wollen. Nicht wie mit Martin. Es hat mir den Appetit verdorben. Ich habe vor meinem Tablett am Tisch völlig lustlos gesessen und mich gezwungen, etwas zu essen.

Er sah ziemlich sauer aus, als er gegen 17:30 Feierabend gemacht hat. In dem Moment dachte ich, ich wäre endlich geheilt, weil ich von seinem Verhalten auch sauer geworden war und mir sagte, es wäre gut, dass wir nicht zusammen sind, da er so schnell schlechte Laune bekommen kann. Aber es schmerzt doch. Ich bin kurz danach weg gegangen und habe mich beim Fahrradfahren richtig schlecht gefühlt. Wir haben uns für Samstag bei mir verabredet. Ich habe den Eindruck, dass es ihm unangenehm geworden ist, und dass er das nur macht, weil er mir versprochen hatte, mir zu Hause zu helfen. Er hat keine Lust mehr, sich mit mir zu treffen.

Ich bin unter dem Gewitter nach Hause gefahren. Es war recht dunkel. Ich fand’s gut, weil keiner merken konnte, dass ich schon wieder am weinen war. Selbst wenn, es konnte einfach der strömende Regen gewesen sein. Andererseits ist er mir egal, ich kenne eh sonst niemanden hier. Ich bin noch zum Supermarkt gegangen. Ich habe gedacht, ich sollte für zu Hause Lebensmittel kaufen. Aber ich habe nur vor den Regalen gestanden und nichts wahrgenommen, weil ich einfach zu sehr damit beschäftigt war, nicht auf der Stelle zusammen zu brechen. Ich bin am Ende mit Schinken, Käse und Wein aus dem Laden raus gegangen. Gegessen habe ich heute Abend nicht. Keine Lust.

Ich hatte es heute wirklich nicht nötig, aber als ich zu Hause ankam, wartete eine andere schlechte Nachricht auf mich. Ich hatte ja schon lange einen neuen Router von der Deutschen Telekom bekommen, weil sie nicht in der Lage waren, die Ursache von Fehlern an meiner Verbindung zu finden. Es lag nicht am Router, aber ich habe dadurch zwei Geräte zu Hause gehabt, für die ich gleichzeitig bezahlen musste. Ich habe den alten Router endlich abmelden lassen. Sie wollten es nicht im Laden zurück bekommen, es musste per Post gehen. Ich habe von der Deutschen Telekom einen Brief bekommen, mit einem Aufkleber, mit dem ich den Router zurück schicken konnte. Das habe ich auch sofort gemacht. Das war vor einem Monat. Heute kam ein Brief an.

Sehr geehrte Frau ***,
wir hatten Sie um die Rücksendung der gekündigten Endgeräte gebeten. Leider sind diese bisher noch nicht bei uns eingetroffen.

Tja, jetzt bin ich also noch für Versäumnisse der Deutschen Post verantwortlich? Wie bequem. Ich könnte zum Telekom-Shop zurück gehen und nachfragen. Wenn ich mich an die Frau Becher erinnere, habe ich schon keine Lust mehr. Sie werden es irgendwie schaffen, mir die Schuld zu geben, das sehe ich kommen. Ich muss mich daran erinnern, dass mein Vertrag bis zum 15.06.2014 läuft. Den Kündigungstermin habe ich mir im Kalender eingetragen. Ich werde ihn nicht verpassen. Der Brief ging weiter:

Sehr geehrte Frau ***, wir erweitern und verbessern unsere Produktpalette ständig. Vielleicht ist in Zukunft wieder etwas für Sie dabei – das würde uns sehr freuen.

Was ich gerade dabei denke, schreibe ich lieber nicht. Sonst könnten sie noch gegen mich wegen Beleidigung klagen.

Neulich beim Fitness-Studio

Ich bin nur seit zwei Wochen dort angemeldet. Ich hatte es vermisst, an den Geräten zu trainieren, es macht Spaß. Ich war schon fünf mal dort. Ich sehe, wie ich mich in so kurzer Zeit verbessert habe, jetzt schaffe ich endlich vollständig meine vorgesehenen Sätze auf der Schulterpresse (und wir hatten mit meinem Trainer vorsichtshalber mit dem kleinsten Gewicht angefangen).

Neulich beim Fitness-Studio habe ich andere Frauen kennen gelernt, die auch hier trainieren und sich total freundlich verhalten. Sie sprechen sogar unbekannte Leute wie ich an. Das muss ich meiner Kollegin erzählen. Sie kommt aus Süddeutschland und beschwert sich immer noch ab und zu darüber, wie die Leute in Berlin schlecht mit einander umgehen. In meinem neuen Fitness-Studio geht es auch anders.

Am Sonntag habe ich etwas gemerkt, was mich entsetzt hat. Männer enthaaren sich jetzt unter den Armen. Männer in meinem Alter, und älter auch. Wie tief können wir noch sinken? Ich erinnere mich daran, wie wir ein mal mit Freundinnen aus der Uni im Auto durch Nizza unterwegs waren (es war Mitte 90′), und wir alle an einer Ampel über den großen Werbeplakat für eine Jeans-Marke geschwärmt haben, weil ein Mann mit nacktem Oberkörper und gut behaartem Bauch zu sehen war… Diese Zeiten sind vorbei. Ich finde behaarte Männer sehr attraktiv (und bin in Martin verliebt, was völlig paradoxal wirkt). Ich weiß noch, wie ich ein mal in Aachen im Hochsommer unterwegs war, und ein Mann mit freiem Oberkörper auf Fahrrad mir entgegen kam, und ich nur vom Schock starren konnte, weil er keinen einzigen Haar auf der Brust hatte… Ich hatte mich gefragt, warum Männer sich so was blödes antun würden, oder ob er vielleicht eine Krankheit hätte. Er hat meinen Blick gemerkt und mich noch so angelächelt, als ob er sich für unwiderstehlich halten würde, und ich musste wegen der Situationskomik einfach lachen, weil er mich so misverstanden hatte… Aber ich schweife ab.

Wenn ich schon über Männer rede… Letzte Woche war ich im Hantelbereich und machte eine Übung auf einer Liege. In dem Moment ist ein Mann mit seinem Sohn angekommen. Vom Aussehen und vom Akzent her kommt er bestimmt aus Südeuropa. Er hat angefangen zu trainieren, und danach seine Hantel kurz liegen lassen, um die Haltung von seinem Sohn bei einer Bewegung zu korrigieren. In der Zeit sind zwei junge Deutsche angekommen und haben angefangen, mit Hanteln zu trainieren. Ich habe nicht besonders aufgepasst. Ein der beiden Männer hat die Hantel vom Ausländer benutzt, die er am Boden neben sich liegen lassen hatte. Natürlich gab es Streit. Der Streit selbst war mir unwichtig, genauso wie die Männer, aber die Ursache finde ich schon interessant. Wieder ein Kultur-Clash. Aus Sicht des Ausländers: „Ich habe meine Hantel liegen lassen, jemand benutzt sie jetzt, von mir aus, wenn er Pause macht hole ich sie zurück und mache weiter“. Der Deutsche hat sich dabei sofort beschwert und aggressiv gesagt, er wäre nicht fertig, obwohl er gerade seine Pause angefangen hatte. Aus seiner Sicht: „Da liegt eine Hantel, ich hole sie mir, wenn jemand dagegen ist, wird er sich schon melden, sonst, selber Schuld.“ Das hat der Ausländer nicht gemacht, weil er eine andere Erziehung bekommen hat (an schlechten Tagen denke ich einfach, „weil er eine Erziehung bekommen hat“) und das Teilen mit anderen in ihm geprägt ist. Und ich bin mir sicher, dass der Deutsche immer noch der Meinung ist, nichts falsches gemacht zu haben.

Heute, wieder im Hantelbereich, bin ich Zeugin einer klugen Anmache von einem jungen Mann zu einer jungen Frau gewesen. Also Jungs, so geht’s auch, lernt daraus. Ich habe es den beiden einfacher gemacht, in dem ich meine Wiederholungen leise durchgezählt habe („douze, treize, quatorze…“), sie haben bestimmt gedacht, ich würde nichts verstehen. Er hat angefangen, sie zu fragen, ob sie schon lange trainiert, weil sie so gut mit den Hanteln arbeitet, und so sind sie ganz natürlich ins Gespräch gekommen. Leider hat es vom Alter nicht gepasst. Die Frau ist gerade siebzehn, noch minderjährig, der Mann ist zehn Jahre älter (und ich kam mir dazwischen wie eine Oma vor). Ich hätte schwören können, dass sie Älter war, der junge Mann ancheinend auch. Ein bisschen Neid. Ich weiß, wie es mich genervt hat, am Anfang von einem Semester von den Studenten für eine HiWi gehalten worden zu sein, als ich schon meine Doktorarbeit seit fast zehn Jahren abgeschlossen hatte. Ich hätte mir echt gewünscht, älter auszusehen, oder wenigstens wie mein Alter auszusehen. Ich habe häufig den Eindruck gehabt, dass es bei Vorstellungsgesprächen gegen mich gespielt hat. Ich habe mich riesig gefreut, als ich meinen ersten grauen Haar vor drei Jahren entdeckt habe, aber so viele sind es noch nicht geworden.

Langer Tag

Ich habe heute über elf Stunden bei der Arbeit verbracht. Ich bin müde. Und wieder deprimiert.

Den Vormittag habe ich mit der Aktualisierung von wissenschaftlichen Softwaren verbracht. Ich war kaum ins Büro angekommen, dass mein Zimmerkollege, der IT-Ingenieur, meinte, es gäbe Zugangsprobleme für eine bestimmte Gruppe von Benutzern. Er hätte mir früher sagen können, dass sie nicht die gleichen Berechtigungen wie wir haben. Und das sagt er mir jetzt, obwohl ich die Programme schon seit fast zwei Monaten installiert habe. Ich habe festgestellt, dass es sowieso wieder neuere Versionen von den Programmen gab, und habe sie gleich heruntergeladen und installiert. Jetzt weiß ich sogar, wie ich mit dem Software-Package die 32-bit Version ganz bequem installieren kann. Zwischendurch gab’s ein Problem mit dem Speicherplatz, das gelöst werden sollte. Dann musste ich herausfinden, wie man ein ganzes Verzeichnis für alle Gruppen benutzbar macht (chmod -R a+r *, oder mal a+x, am Ende funktionierte es endlich). So verging der Vormittag.

Nachmittags hatten wir unseres wöchentliche Gruppenmeeting. Es dauert immer zwei gute Stunden. Ich konnte stolz berichten, dass ich am Freitag die beta-Version von meinem Programm eine Woche früher als geplant zum Testen zur Verfügung gestellt hatte. Es gäbe noch Kleinigkeiten zu tun, bevor wir das offizielle Release machen können, aber die aufwendigste Änderung ist fertig. Es war für mich nicht selbstverständlich, wenn ich bedenke, dass ich vor dreieinhalb Monaten weder Python noch Linux benutzen konnte. Ich muss jetzt noch die Installation auf verschiedene Betriebssystemen testen. Hoffentlich kommen keine große Schwierigkeiten.

Ab morgen sind wir nach der längeren Sommerpause wieder im Nutzerbetrieb. Wir müssen die Geräte testen, bevor unsere Gäste sie benutzen können. Mein Chef meinte, ich sollte es mit Martin zusammen machen. Ursprünglich wollten wir uns erst morgen um 08:30 dafür treffen. Als es bekannt gegeben wurde, dass wir heute schon ab 18:00 mit dem Testen anfangen konnten, statt um 19:00 wie geplant, hat Martin mir vorgeschlagen, doch heute Abend an den Geräten zu arbeiten. Ich wollte eigentlich Feierabend machen, als er mich ins Büro angerufen hat. Na gut, dann bin ich halt geblieben. Wir sind bis etwa 20:30 dort geblieben.

Und ich habe einen Schlag ins Gesicht bekommen. Kurz vor 20:00 hat er zum Telefon gegriffen und jemanden angerufen. „Ich bin’s.“ „Ich habe dir gesagt, dass es heute länger dauern würde.“ „Ich bin gegen 21:00 bei dir.“ Ich war zu benommen, un nachzufragen, mit wem er telefoniert hat. Selbst wenn, hätte ich nicht gewusst, wie ich es natürlich fragen könnte. Er hat es mir nicht gesagt. Es geht mir also nicht an. Doch eine Freundin? Versteht das jemand? Er hat es nie erwähnt. Er hat mir sonst so viel über seine Familie erzählt, und dass er alleine lebt; er hat, seitdem ich ihn kenne, zwei mal Urlaub gemacht, jedesmal ohne Begleitung; bei unserem letzten Date war er auch allein in der Stadt unterwegs… Ich habe ihn heute über sein Wochenende gefragt, und er meinte, er hätte nicht viel gemacht, außer seine Verwandte zu besuchen und eine Wohnung zu besichtigen (er sucht eine Wohnung zum Kaufen, und von der Größe her ist es klar, dass er weiterhin allein leben will). „Ich habe dir gesagt, dass es heute länger dauern würde.“ Es hörte sich nicht so an, als ob er die Person erst kennen gelernt hätte. Es hörte sich an, als ob er daran gewöhnt wäre, zu dieser Person abends zu gehen. Was sollte sein Verhalten letzte Woche? Oder ist es eine Ex, mit der er seit kurzem wieder zusammen ist? Ich habe die Rückfahrt nach Hause auf dem Fahrrad zwischen den Tränen kaum wahrgenommen. OK, das mit dem Einreden, nicht mehr verliebt zu sein, ist wohl gescheitert.

Morgen müssen wir ganz früh wieder zur Arbeit, weil wir etwas heute Abend nicht selber machen konnten und unseren Chef fragen müssen, bevor die ersten Nutzer ankommen. Ich werde bestimmt ganz müde sein. Selbst angenommen, ich könnte gut einschlafen, ich muss morgen früh um 06:30 aufstehen, um pünktlich dort zu sein (Dusche, Frühstück, Mieze versorgen, Sporttasche vorbereiten, es dauert bei mir schon lange, und da es regnen soll, werde ich mit der Straßenbahn fahren, ich brauche länger als mit dem Fahrrad). Ich könnte seine morgendliche Frische bewundern, mit der Bemerkung, dass er im Gegenteil zu mir heute Abend noch verabredet war. Er muss mir dabei aber nicht erzählen, mit wem er sich heute Abend trifft. Ob ich mich dann traue, ihn zu fragen… Irgendwie muss ich es tun, um meine Ruhe wieder zu finden. Es ist schon lächerlich, so viele Jahre Single geblieben zu sein, um mich kurz nach einem Umzug wegen eines Types so schlecht zu fühlen.