Salzbutter

Ich liebe Salzbutter. Zum ersten Mal hatte ich sie als Vierzehnjährige in einer Jugendherberge in Irland kennen gelernt, als ich dorthin mit einer Schülergruppe der Mittelstufe während den Sommerferien gefahren war. Die Kombination von Salzbutter mit Marmelade zum Frühstück fand ich sehr ungewöhnlich, aber interessant. Nach dieser Reise habe ich jahrelang gar keine Salzbutter mehr gegessen, da meine Mami immer nur ungesalzene Butter gekauft hatte. Ich hatte sogar ganz vergessen, dass es so etwas gibt. Als Studentin habe ich es für mich sehr selten gekauft, da es eine Kalorienbombe ist und ich Butter nicht als notwendiges Nahrungsmittel betrachte. Ohne Butter schmeckt mir Brot mit Marmelade auch gut.

Während meiner Doktorarbeit hatte ich für ein paar Tage einen früheren Kommilitonen besucht, der selber in der Normandie mit seiner Doktorarbeit beschäftigt war. Er wohnte in Caen mit seiner neuen Freundin zusammen. Und zum Frühstück gab’s zur heißen Schokolade eine leckere Baguette mit Erdbeer-Konfitüre und Salzbutter. Das hat mir so gut gefallen, dass ich danach angefangen habe, selber Salzbutter zu kaufen. Es ist aber in Deutschland nicht einfach. Ich muss immer zu französischen Marken greifen. Die deutschen Salzbuttersorten haben alle maximal 1% Salz. Das merke ich gar nicht, es schmeckt mir total langweilig. Dann doch lieber ohne Butter essen. Am besten finde ich die „motte de beurre“ von Président, genauer gesagt die mit der grünen Verpackung. Das nur, weil es die Marke ist, die am häufigsten in deutschen Supermärkten zu finden ist. Beim Kaufhof in meiner früheren Stadt hatte ich schon günstigere französische Salzbutter gefunden. Hier in Berlin muss ich mich noch umschauen. Ich habe bis jetzt nur die Salzbutter in der blauen Verpackung von Président gefunden, die mag ich nicht besonders. Das ist Butter mit groben Meeressalzkörnern. Es schmeckt gut, aber man kann es nur im Kühlschrank aufbewahren. Ich möchte meine Butter bei Raumtemperatur in der Küche lassen, damit sie weich wird und sich besser streichen lässt, so dass man nicht zu viel zu sich nehmen muss. Mit den groben Salzkörnern ist es keine gute Idee, weil Salz hygroskopisch ist und sich mit der hiesigen feuchten Luft davon macht. Man bekommt schnell am Rand am Boden der Verpackung eine mit Salz übersättigte Wasserpfütze, die die Umgebung um die Butter herum und unter der Verpackung völlig versaut und mit Küchenpapier nicht zu saugen ist, und nach einiger Zeit schmeckt die Butter selbst wie normale Butter ohne Salz. Die Diffusionsrate von Salzkörnern in Butter unter feuchter Atmosphäre scheint sehr hoch zu sein. Dabei ist es unglaublich, was man für große Salzkristalle mit einem schönen kubischen Habitus bekommen kann. Es klappt viel besser, als wenn man für einige Tage Leitungswasser mit Küchensalz verdampfen lässt (ich habe es auch mal probiert).

Nicht nur zum Frühstücken ist Salzbutter gut. Es passt hervorragend zum Abendbrot zu Baguette mit frischem Schinken, oder sogar mit Coppa. Mit Käse finde ich es nicht so toll, weil Käse schon häufig sehr salzig schmeckt und vor allem ohnehin fett genug ist. Man kann auch statt normale Butter Salzbutter für die Zubereitung von Apfelkuchen benutzen, probieren lohnt sich auf jeden Fall.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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