Krankenkasse

Ich hatte mich so gefreut, endlich einen höheren Lohn zu bekommen. In meiner früheren Uni waren die Gehälter von wissenschaftlichen Mitarbeitern seit Jahren schon blockiert – wenn ich mich richtig erinnere, war diese Sparmaßnahme kurz nach dem Freiheitsgesetz von der Uni-Verwaltung entschieden worden. Das war noch bevor wir angefangen hatten, am Institut Stellen und sogar einen ganzen Lehrstuhl zu verlieren – wieder eine Sparmaßnahme. Nur komisch, dass man dabei gerne vergisst, auch bei der Verwaltung Stellen einzusparen… Aber egal, darüber wollte ich eigentlich nicht schreiben.

Mich hätten sie warnen können. All die Jahre während meines letzten Vertrags an der Uni habe ich Ü13-3 bezogen. Jetzt war ich so richtig froh, in die Stufe 5 gekommen zu sein. Und es ist mir auch recht, da meine neue Wohnung leer ist und ich alles kaufen muss – der Schlafzimmer ist fast fertig, die Küche kommt am Wochenende… Die Hälfte meiner bleibenden Ersparnisse nach der Arbeitslosigkeit ist schon weg. Das alles für einen nicht verlängerbaren zweijährigen Arbeitsvertrag. Und jetzt das mit der Krankenkasse. Ich wusste wirklich nicht Bescheid.

Vor etwa drei Wochen kam ein Brief der Techniker Krankenkasse. Sie haben es richtig geschickt formuliert.

Wir freuen uns, dass Sie sich mit Beginn Ihrer neuen Beschäftigung weiter bei uns versichern möchten. Die Anmeldung Ihres Arbeitgebers liegt uns bereits vor.
Nach den übermittelten Angaben überschreitet Ihr zukünftiges Einkommen die sogenannte Versicherungspflichtgrenze. Deshalb versichern wir Sie als sogenanntes freiwilliges Mitglied. Dafür ist jedoch ein gesonderter Antrag von Ihnen erforderlich.
Unsere Bitte: Senden Sie uns das beiliegende Formular unterschrieben in dem Freiumschlag zurück. Noch schneller geht es, wenn Sie uns Ihre Antwort einfach faxen. Sind die Voraussetzungen für die freiwillige Mitgliedschaft erfüllt, erhalten Sie umgehend eine Bestätigung Ihrer Mitgliedschaft von uns.
Wir bedanken uns für Ihre Unterstützung und wünschen Ihnen alles Gute und viel Erfolg für Ihre neue Tätigkeit.

Dass sie sich freuen, glaube ich ihnen sofort. Wer jetzt denkt, es handelt sich nur um eine Formalität, die so einfach erledigt werden kann, um weiterhin versichert zu bleiben, liegt hier total falsch. Was der obere Brief tatsächlich bedeutet, ist in der heutigen Antwort zu meinem Antrag übersetzt.

Sie haben eine neue Beschäftigung aufgenommen, bei der Ihr Arbeitsentgelt über der Versicherungspflichtgrenze liegt. Aus diesem Grund sind sie bei uns freiwillig krankenversichert.
Ihre Beiträge (inklusive des Arbeitgeberanteils) ab dem 1. Juli 2013:
zur Krankenversicherung: 610,31 EUR
zur Pflegeversicherung: 90,56 EUR
insgesamt: 700,87 EUR
Ihr Arbeitgeber übernimmt neben den Beiträgen zur Renten- und Arbeitslosenversicherung die Zahlung der Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge für Sie. Dabei beträgt sein Anteil an der Krankenversicherung 287,44 Euro und an der Pflegeversicherung 40,36 Euro.
Beachten Sie jedoch, dass Sie als freiwillig versichertes Mitglied grundsätzlich selbst zur Zahlung der Beiträge verpflichtet sind.

Das hätten Sie im vorherigen Brief erklären können. Gut, ich hätte auch eine Suche über „freiwillige Krankenversicherung“ machen können. Ich kannte aber das Konzept aus Frankreich gar nicht (vielleicht liegt es daran, dass niemand in meinem Umfeld viel Geld verdient) und wäre nicht auf die Idee gekommen, dass es hier so läuft. Ich habe nicht mal daran gedacht, mich mit meinen Kollegen darüber zu unterhalten.

Was es konkret für mich heißt: Ich muss jetzt selber jeden Monat 400€ zur TK bezahlen. Fazit: Mir bleibt am Ende netto genau so viel Geld wie bei meinem früheren Job. Scheiße. Und ich muss noch bestimmt die drei ersten Monate auf einmal nachbezahlen. Krise-Beratung bei meiner Freundin Sabrina, die mit ihrem guten Job seit langem das Thema kennen sollte. Ihre Erklärung: Ich bin freiwillig in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert, ich dürfte jetzt in eine private wechseln. Es hätte nur Vorteile, solange man gesund bleibt. Nach dem Wechsel könnte ich nie wieder zurück zur gesetzlichen. Sie meinte, ich sollte besser selber nachschauen, weil sie sich nicht so sicher ist. Da ihr Mann, der viel Geld verdient und es auch gut verwaltet, bei einer gesetzlichen Krankenkasse geblieben ist, werde ich es wahrscheinlich auch so machen. Ich möchte eh lieber in einem solidären System bleiben. Ich werde mir die Meinung meines ex-Chefs noch holen, ich hatte früher so gerne mit ihm einfach gequatscht und er hatte immer gute Tipps zu geben.

Ab jetzt werde ich auf jeden Fall peinlich drauf achten, dass ich für jede Kleinigkeit sofort zum Arzt renne. Ich will mindestens den Eindruck haben, dass ich nicht umsonst so viel Geld ausgebe. Das nächste Mal, dass ich am Ärztehaus neben der Arbeit vorbei gehe, mache ich ein paar Termine. Ich habe ja meinen Ischias, der immer noch ab und zu schmerzt, und das mit dem Psoriasis ist noch nicht vorbei, einen Zahnarztbesuch könnte ich gebrauchen, ein paar Vorsorge-Checks wegen Diabetes und beim Gynäkologen wären nicht schlecht, das letzte Mal war schon lange her, und neue Brille brauche ich auch…


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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