Tagung in Österreich

Wir sind am Donnerstag gegen mittags nach Salzburg geflogen. Die Alternative mit der Bahn fand ich mit über zehn Stunden Fahrt nicht besonders attraktiv, und ich hatte keine Mühe gehabt, meinen Chef und unsere Studentin davon zu überzeugen, den Flugzeug zu benutzen. Gerne hätte ich Günther, einen ehemaligen Kollegen, besucht, der seit einigen Jahren dort arbeitet, aber die Zeit dafür hatte ich nicht. Mein Chef hatte einen Leihwagen gebucht und wir sind direkt vom Flughafen zum Tagungsort gefahren – ein sehr schönes Hotel in der Nähe eines großen Sees umgeben von Bergen. Es ist definitiv ein Ort, an dem ich für den Urlaub zurück fahren möchte.

Das Programm der Tagung war sehr dicht, mit vielen Teilnehmern aus mehreren Ländern, wir haben in drei Tagen über dreißig Vorträge gehört. Es war für mich nicht einfach, weil ich in dieser Thematik ganz neu bin, ich bin als Programmiererin quer eingestiegen. Meine Biologie-Kenntnisse stammen aus dem Gymnasium, und das liegt schon fast zwanzig Jahre zurück. Außerdem war die Tagung für junge Wissenschaftler gedacht, damit sie Übung im Präsentieren von Ergebnissen bekommen, Credit-Points konnten sie dafür kriegen. Ich habe auch einen Vortrag gehalten, weil mein Chef es so wollte, aber es passte nicht richtig im Konzept der Tagung. Es hat doch Vorteile, dass ich noch sehr jung aussehe.

Abends gab’s von den industriellen Ausstellern freies Bier in der Kneipe vom Hotel. Ich habe am ersten Abend den eingeladenen Lecturer aus Ungarn kennen gelernt, der als einzige geduldeter deutlich älterer Wissenschaftler als Highlight der Tagung eine Vorlesung gehalten hatte, in der ich vieles lernen konnte. Wir haben den ganzen Abend fachlich geredet. Neben uns haben Doktoranden die Kegelbahn benutzt, was mich nicht besonders interessierte. Ein industrieller Aussteller hatte anscheinend schon ganz früh zu viel getrunken, weil er mit nicht richtig zu gemachter Hose überall in der Kneipe nach seiner Tasche suchte, wobei er mindestens fünf mal zu unserem Tisch gekommen ist und uns gefragt hat, wo seine Tasche wäre. Der Wirt hat irgendwann die Geduld verloren und ihn unsanft zum Hotelempfang gebracht. Der Mann hat am nächsten Tag in der Sponsoren-Session die Produkte seiner Firma vorgestellt, aber es war klar, dass sie nicht mehr marktführend in dem Sektor sind. Irgendwie Schade, ich hatte mit den Geräten dieser Firma vor fünfzehn Jahren angefangen zu arbeiten. Als mein Gesprächspartner nach einem Telefonat zurück zum Tisch kam, fragte er mich, ob die Studenten mich zum Kegelspielen eingeladen hätten. Da ich dies beneinte, meinte er mit geekelter Miene, „They don’t care“. Ich wollte ihm gleich „Welcome in Germany“ antworten, als mir einfiel, dass wir in Österreich waren. Außerdem gab’s Interessanteres zu besprechen, als über die nicht philanthropischen Art von Deutschen zu philosophieren. Ich habe mich seit langem daran gewöhnt, aber ich sehe immer wieder, dass es für ahnungslose Ausländer wie ein Schock wirkt. Die Doktoranden kannte ich eigentlich schon vage seit Dienstag, sie hatten einen Vortrag bei unserem Meeting gehalten. Wir sind auch später ins Gespräch gekommen und haben zusammen gespielt, nachdem mein Gesprächspartner sie darum gebettet hat, obwohl Kegeln nicht mein Ding ist. Ich bin nach Mitternacht zu meinem Zimmer gegangen. Schlafen konnte ich lange nicht, weil Leute unter meinem Fenster laut diskutiert haben. Wie ich am nächsten Tag erfahren habe, war unsere Studentin daran schuld, sie hatte sich bis 05:00 mit anderen Studenten unterhalten.

Am zweiten Abend habe ich mich mit einer Österreicherin unterhalten. Es gab nicht viele Anknüpfungspunkte, ich kenne sie nur durch eine ehemalige Mitarbeiterin aus meiner Gruppe, die ausgeschieden ist, bevor mein Vertrag anfing, und mit der ich selber nur einmal gesprochen habe. Ich habe erwähnt, dass ein früherer Kollege von mir jetzt wie sie an der Uni Salzburg arbeitet, mit der Bemerkung, dass sie ihn kaum kennen dürfte, da er Mineraloge ist. Aber als ich den Namen von Günther erwähnte, war sie ganz überrascht, und meinte, sie hätte Vorlesungen von ihm gehört. Klar, ich hatte völlig vergessen, dass er unsere Methode für Biologen unterrichtet hatte. Ich bin relativ früh zu meinem Zimmer gegangen, weil ich am Samstagvormittag meinen Vortrag halten musste. Ich hatte mir Sorgen gemacht, weil die vorgesehene Zeit die Hälfte von meinem Vortrag am Dienstag war, und ich musste heftig meine Folien kürzen. Ich habe es doch gut geschafft, die Zeit einzuhalten. Mittags ging die Tagung zu Ende, wir haben nicht gegessen und wir sind sofort zum Flughafen zurück gefahren.

Im Flugzeug saß in der Reihe vor mir eine dünne Frau um die vierzig mit zwei kleinen Kindern, die extrem nach Käse roch. Die Kinder haben auch gestunken, ich habe vom Anfang an gedacht, dass sie die Windeln voll haben mussten. Es hat mich genug gestört, dass ich trotz verpasstes Mittagessens das verteilte Snack nicht essen wollte. Als die Frau nach einer guten halben Stunden anfing, auf den Sesseln selbst die Windel von dem kleinsten zu wechseln, hat eine Stewardess sie angesprochen und gesagt, dass es in der Toilette einen Wickeltisch gibt und es völlig unhygienisch für die anderen Gäste wäre. Die Frau hat die typische „Leck mich am Arsch“ Haltung adoptiert und meinte, sie hätte erwartet, von der Stewardess mindestens Verständnis zu bekommen, da sie überfordert wäre, mit ihren zwei Kindern alleine zu reisen. Dass die Stewardess eine Frau ist, bedeutet aber lange nicht, dass sie solche rücksichtlose Verhalten von anderen Frauen verteidigen muss. Wir hatten sowieso nicht mehr lange zu fliegen, und die Kinder hatten schon so lange gestunken, das bisschen Warten hätte keinen Unterschied mehr gemacht. Mich wundert, dass sie es nicht früher gemerkt hat, aber ich habe den Eindruck bekommen, dass es ihr wirklich Spaß gemacht hatte, die anderen Reisende auf dieser Weise zu stören.

Ich bin mit meinen Kollegen noch eine Weile S-Bahn gefahren, wir wollten in die gleiche Richtung, wobei ich am weitestens vom Flughafen wohne – uns am nähesten von der Arbeit. Ich habe beschlossen, meinen Laptop im Büro zu lassen, statt damit nach Hause zu fahren und ihn am Montag zu schleppen. Ich konnte danach noch einkaufen gehen, und habe den Rest des Wochenendes zu Hause verbracht. Ich glaube, ich habe mich erkältet. Meine Katze, die von meiner Nachbarin gepflegt wurde, hat sich gefreut, mich wieder zu sehen, und hat mich am Sonntag nicht mehr los gelassen.

Meine erste Wohnung

Vor fünfzehn Jahren habe ich meine Gegend in Südfrankreich verlassen, um eine Diplomarbeit in meiner Wunschfachrichtung zu machen, da sie in meiner Uni nicht vertreten war. Ich hatte mich bei drei Unis beworben. Zwei hatten mich abgelehnt, mit der Begründung, dass ich mit meinem reinen Physikstudium zu viele Chemiekenntnisse nachholen müsste; die dritte hat mich angenommen. Ich habe deswegen Anfang September meine Sachen gepackt und bin über Nacht mit meinem Vater nach Nancy gefahren. Eigentlich wäre ich gerne alleine mit dem Zug gefahren, aber mein Vater wollte davon nichts hören. Wir sind am frühen Morgen angekommen. Der Anblick von der noch beleuchteten prachtvollen Place Stanislas hat mich völlig den Atem beraubt. Mein Betreuer in meiner früheren Uni hatte mich gewarnt, dass es die kälteste Gegend Frankreichs wäre, und ich musste ihm Recht geben: Kaum angekommen, musste ich meine „Winterkleider“ anziehen (Pullis in September waren für mich bis dahin völlig undenkbar gewesen).

Ich hätte mich gerne umgeschaut und Anzeigen für Wohnungen in der lokalen Zeitung durchgelesen. Mein Vater ist aber nicht gerade für seine Geduld bekannt. Wir sind zufällig an einer Immobilienagentur vorbei gegangen, und er ist sofort rein gegangen und hat für damals 600F (ohne Inflation umgerechnet: fast 90€) eine Liste mit Anzeigen gekauft. In der Zeitung wären die Anzeigen viel billiger gewesen. Ohne Kenntnisse über die Stadt, hat er angefangen, von einer Kneipe aus alle Vermieter anzurufen, um Besichtigungstermine auszumachen (zur Erinnerung: Damals, Ende 90′, war Internet von weitem nicht so verbreitet wie heute, und Handys waren relativ selten zu sehen – sehr groß und schwer waren sie auch noch, mit einer Antenne und Tasten, die größer als Fingerspitzen waren). Wir haben an dem Tag sofort einen Termin bekommen, und die erste möblierte Wohnung, die wir besucht haben, musste ich gleich mieten, weil mein Vater keine Lust hatte, so lange noch durch die ganze Stadt Wohnungen zu besichtigen. Als er meine Sachen aus dem Auto zur Wohnung gebracht hat, hat er den Eindruck bekommen, seine Pflicht getan zu haben, und ist wieder weg nach Südfrankreich zurück gefahren.

Dass es mit der Wohnung ein großer Fehler war, habe ich schnell bemerkt. Den Vermieter hatte ich sofort unsympatisch gefunden, er kam mir sehr hinterlistig vor. Und ich denke, ich hätte mir in der ganzen Stadt nur mit großer Mühe einen schlimmeren Viertel aussuchen können. Meine neuen Kommilitonen haben mir später alle gesagt, sie würden dort nicht mal gegen Geld wohnen wollen. Place des Vosges. Meine Wohnung war im Erdgeschoss. Angeblich wohnte auf der dritten Etage ein Student. Ich habe ihn nie gesehen. Auf der zweiten Etage war ein Mann, der vielleicht 45 Jahre alt war, und schwer Alkoholiker war. Er hatte schon viele Rehabilitationen durchgemacht, alle ohne Erfolg. Eigentlich ganz nett, aber nachtsüber nicht auszuhalten. Wenn er zu viel getrunken hatte, fing er immer an, bei lauter Musik seine Möbel durch die Wohnung um sich herum zu schmeißen. Der Lärm war unglaublich. Die einzigen Momente, wo er leise wurde, waren als meine Nachbarin aus der ersten Etage mit ihren Kunden ankam – sie war Prostituierte und ging die ganze Nacht die Treppe rauf und runter. Mit ihr hatte ich kein Problem, sie war sehr freundlich, ich fand es nur unheimlich, dass so viele Unbekannte sich im Haus herumtrieben. Im Haus gegenüber von mir auf der anderen Straßenseite wohnte ein Drogendealer. Der Alkoholiker meinte, sein Handy hätte in seinem Haus kein Empfang, und er müsste immer auf der Straße seine Geschäfte telefonisch abwickeln. Das stimmte, ich habe es selber mitbekommen, wenn ich zum Lüften das Fenster geöffnet habe. Er hat mir auch erzählt, wie das Loch in meiner Wohnungstür zustande gekommen war. Von der Außenseite zum Treppenhaus war meine Tür total beschädigt, das Loch ging aber nicht ganz durch. Es war eine Woche vor meiner Ankunft passiert. Vor mir hatte dort ein Kunde von dem Drogendealer gewohnt.  Er hatte kein Geld mehr gehabt, um seinen Stoff zu kaufen, und dachte, er würde einfach in die Wohnung einbrechen, um Geld dafür zu bekommen. Dass noch niemand drin wohnte wusste er anscheinend nicht.

Ich habe es in der Wohnung gerade drei Monate ausgehalten. Vor allem konnte ich den Alkoholiker nicht ertragen. Ich hatte den ganzen Tag im Wintersemester noch Vorlesungen zu hören und konnte es mir nicht leisten, so häufig an Schlafmangel zu leiden. Die Wohnung hat auch schnell einen muffeligen Geruch entwickelt. Ein Freund, der zu Besuch gekommen war, meinte, es würde stark nach Pilzen riechen. Meine persönlichen Gegenstände haben teilweise Schaden bekommen. Dem Rat dieses Freundes folgend, habe ich es dem Vermieter mitgeteilt. Er hat mir schriftlich in herabwertender Weise geantwortet, dass ich es in Lothringen nicht erwarten könnte, ein Wetter wie in „meiner sonnigen Heimatland Südfrankreich“ zu haben, und dass es auch etwas wie Regen gäbe. Ich war zu froh, aus der Bude wieder raus zu sein, um groß Ärger zu suchen, aber er hätte es schon verdient, dass ich gegen ihn klage. Nur, wenn macht das schon als Student?

Schlechter Tag

Das hat man ab und zu. Heute zum Beispiel. Wir hatten ein eintagiges Fachtreffen für alle Forschungsgruppen meiner Fachrichtung in der Stadt. Mein Chef hatte schon lange einen Vortrag von mir angekündigt, den ich heute halten musste. Als Probevortrag für die nächste Tagung übermorgen in Österreich passte es gut – zu dieser Tagung hatte er mich Ende Juni mit Vortrag angemeldet, bevor ich überhaupt meinen Arbeitsvertrag unterschrieben hatte.

Ich habe mich schon heute Morgen auf dem Weg zur Uni verspätet, obwohl ich trotz sehr kurzer Nacht pünktlich aufgestanden bin – ich war noch nie dahin gefahren. Als ich zur ersten S-Bahn-Station auf meinem Plan ankam, war die Linie nicht angezeigt, die ich hätte nehmen sollen, die spätere Linie war schon angekündigt. Ich habe gedacht, ich hätte sie gleich verpasst und habe nicht besonders aufgepasst, als eine Minute später eine S-Bahn ankam. Es war doch die, die ich nehmen wollte, aber die Anzeige hat mich verwirrt, und ich habe sie deswegen verpasst, obwohl ich am Gleis stand. Ich habe es gemerkt, als der Fahrer die Ankündigung mündlich machte, gerade als die Bahn wieder weg fuhr. Recht blöd gelaufen.

Das Gebäude habe ich nicht sofort gefunden. Ich hatte mir die Adresse aufgeschrieben und bin nach einer Stunde in der S-Bahn zur richtigen Straße angekommen. Die richtige Nummer habe ich nicht gefunden. Ich bin nur deswegen doch angekommen, weil ich zwei Frauen zufällig getroffen habe, die ebenfalls dahin wollten. Ich bin ihnen einfach gefolgt, sie kannten anscheinend schon den Weg. Man musste auch wissen, dass man durch Hausnummer 110 zur Hausnummer 17 gelangen kann. Wir hatten zehn Minuten Verspätung und gerade die Begrüßungsrede verpasst (ich glaube, deswegen gibt es überhaupt Begrüßungsreden am Anfang von Tagungen).

Mein Vortrag war in der zweiten Session des Vormittages geplant, direkt nach dem Vortrag von meinem Gruppenleiter. Ich habe seit letzter Woche daran gearbeitet, habe mich troztdem nicht gut genug vorbereitet gefühlt. Meine erste Folie hatte ich aus einem früheren Vortrag von meinem Chef übernommen und bearbeitet, aber ich komme damit gar nicht klar. Bei meiner Vorbereitung gestern Abend zu Hause habe ich große Schwierigkeiten gehabt, die Einleitung klar darzustellen, und habe ein schlechtes Gefühl bekommen. Es ging heute Morgen nicht viel besser. Ich fand meinen Vortrag insgesamt schlecht und konnte der Frau vorne nicht böse sein, die neben Martin saß und es trotzdem schaffte, ständig beim Einnicken den Kopf zu senken. Als ich mich am Ende bei den Zuhörern für ihre Aufmerksamkeit bedankt habe, habe ich gedanklich hinzugefügt „und dafür, dass Sie nicht laut geschnarcht haben“. Umso überraschter war ich, als Mieke danach meinte, der Vortrag wäre gut gelaufen. Ich habe gedacht, sie wollte nett sein und mich trosten, aber Martin hat es mir auch gesagt. Ich dachte, wenigstens mein Chef würde auf mich sauer sein und hatte mich auf seine spöttischen Bemerkungen vorbereitet – im Gegensatz dazu hat er mich gelobt, nachdem er meinte, ich hätte am Anfang nervös gewirkt – so war es nicht, Schuld ist diese blöde erste Folie, die ich nicht mag und die ich jetzt für die Tagung in Österreich komplett ändern werde. Ich habe später gemerkt, dass die Frau vorne bei den anderen Vorträgen auch eingenickt ist.

Danach habe ich mich noch schlecht gefühlt, weil ich den ganzen Tag so nah an Martin war, und trotzdem so weit entfernt, weil ich unheimlich gerne seine Freundin wäre und er anscheinend kein Interesse zeigt. Ich sehe, dass er sich einfach mit allen Frauen gleich süß verhält, sein Benehmen mit mir hat nichts besonderes zu bedeuten. Ich hätte abends bei der Rückfahrt nach Hause in der S-Bahn heulen können, wenn ich alleine gewesen wäre.

Salzbutter

Ich liebe Salzbutter. Zum ersten Mal hatte ich sie als Vierzehnjährige in einer Jugendherberge in Irland kennen gelernt, als ich dorthin mit einer Schülergruppe der Mittelstufe während den Sommerferien gefahren war. Die Kombination von Salzbutter mit Marmelade zum Frühstück fand ich sehr ungewöhnlich, aber interessant. Nach dieser Reise habe ich jahrelang gar keine Salzbutter mehr gegessen, da meine Mami immer nur ungesalzene Butter gekauft hatte. Ich hatte sogar ganz vergessen, dass es so etwas gibt. Als Studentin habe ich es für mich sehr selten gekauft, da es eine Kalorienbombe ist und ich Butter nicht als notwendiges Nahrungsmittel betrachte. Ohne Butter schmeckt mir Brot mit Marmelade auch gut.

Während meiner Doktorarbeit hatte ich für ein paar Tage einen früheren Kommilitonen besucht, der selber in der Normandie mit seiner Doktorarbeit beschäftigt war. Er wohnte in Caen mit seiner neuen Freundin zusammen. Und zum Frühstück gab’s zur heißen Schokolade eine leckere Baguette mit Erdbeer-Konfitüre und Salzbutter. Das hat mir so gut gefallen, dass ich danach angefangen habe, selber Salzbutter zu kaufen. Es ist aber in Deutschland nicht einfach. Ich muss immer zu französischen Marken greifen. Die deutschen Salzbuttersorten haben alle maximal 1% Salz. Das merke ich gar nicht, es schmeckt mir total langweilig. Dann doch lieber ohne Butter essen. Am besten finde ich die „motte de beurre“ von Président, genauer gesagt die mit der grünen Verpackung. Das nur, weil es die Marke ist, die am häufigsten in deutschen Supermärkten zu finden ist. Beim Kaufhof in meiner früheren Stadt hatte ich schon günstigere französische Salzbutter gefunden. Hier in Berlin muss ich mich noch umschauen. Ich habe bis jetzt nur die Salzbutter in der blauen Verpackung von Président gefunden, die mag ich nicht besonders. Das ist Butter mit groben Meeressalzkörnern. Es schmeckt gut, aber man kann es nur im Kühlschrank aufbewahren. Ich möchte meine Butter bei Raumtemperatur in der Küche lassen, damit sie weich wird und sich besser streichen lässt, so dass man nicht zu viel zu sich nehmen muss. Mit den groben Salzkörnern ist es keine gute Idee, weil Salz hygroskopisch ist und sich mit der hiesigen feuchten Luft davon macht. Man bekommt schnell am Rand am Boden der Verpackung eine mit Salz übersättigte Wasserpfütze, die die Umgebung um die Butter herum und unter der Verpackung völlig versaut und mit Küchenpapier nicht zu saugen ist, und nach einiger Zeit schmeckt die Butter selbst wie normale Butter ohne Salz. Die Diffusionsrate von Salzkörnern in Butter unter feuchter Atmosphäre scheint sehr hoch zu sein. Dabei ist es unglaublich, was man für große Salzkristalle mit einem schönen kubischen Habitus bekommen kann. Es klappt viel besser, als wenn man für einige Tage Leitungswasser mit Küchensalz verdampfen lässt (ich habe es auch mal probiert).

Nicht nur zum Frühstücken ist Salzbutter gut. Es passt hervorragend zum Abendbrot zu Baguette mit frischem Schinken, oder sogar mit Coppa. Mit Käse finde ich es nicht so toll, weil Käse schon häufig sehr salzig schmeckt und vor allem ohnehin fett genug ist. Man kann auch statt normale Butter Salzbutter für die Zubereitung von Apfelkuchen benutzen, probieren lohnt sich auf jeden Fall.

Blöde Straßenbahn

Die Geschichte hatte ich schon erzählt bekommen. Deswegen bin ich immer sehr vorsichtig, wenn ich mit dem Fahrrad über Straßenbahnschienen fahren muss, und versuche, die Räder dabei möglichst senkrecht zu den Schienen zu lenken. Es ist mir trotzdem passiert.

Am Montagabend wollte ich nach der Arbeit einkaufen gehen. Ich habe meine Küche am Wochenende bekommen und kann endlich zu Hause kochen. Es regnete stark, als ich aus dem Supermarkt raus ging. Bei der Hälfte der Strecke nach Hause gibt es eine Stelle, wo die Fahrradspur die Straßenbahnschienen überkreuzt. Normalerweise ist es kein Problem. Mit nassen Rädern und vollem schwerem Fahrradkorb doch nicht. Ich bin einfach in die Schiene runter gerutscht und konnte nichts mehr machen, außer zu warten und zu fallen. Zum Glück fuhr ich nicht schnell und kein Auto kam in dem Moment. Das Rutschen auf der Straße schien mir ewig lange zu dauern, aber ich denke, es liegt daran, dass ich wirklich nichts mehr machen konnte. Ich bin danach schnell aufgestanden und habe meine verstreuten Einkäufe auf der Straße wieder gesammelt.

Ich habe so gut wie keinen Kratzer bekommen. Meine lange Wolljacke ist völlig heil geblieben, meine schwarze Hose auch. Auf dem Bein habe ich jetzt einen riesen blauen Fleck. Die vordere Lampe hing gerade noch. Ich habe sie vollständig vom Rad getrennt, ehe sie als wildes Müll landet, und bin zum Fahrradladen bei mir um die Ecke gegangen, es war noch nicht so spät. Der Mann sagte, die Räder würden ein bisschen eiern, aber bei dem Fall wäre es erstaunlich, wie wenig Schaden verursacht wurde. Als ich nach Hause kam und meine Einkäufe aufgeräumt habe, waren sogar noch alle Eier in ihrer Packung in Ordnung. Am nächsten Tag habe ich gemerkt, wie stark ich mich bei dem Fall verkrampft haben muss, weil ich im linken Oberarm total Muskelkater habe. Heute immer noch.

Krankenkasse

Ich hatte mich so gefreut, endlich einen höheren Lohn zu bekommen. In meiner früheren Uni waren die Gehälter von wissenschaftlichen Mitarbeitern seit Jahren schon blockiert – wenn ich mich richtig erinnere, war diese Sparmaßnahme kurz nach dem Freiheitsgesetz von der Uni-Verwaltung entschieden worden. Das war noch bevor wir angefangen hatten, am Institut Stellen und sogar einen ganzen Lehrstuhl zu verlieren – wieder eine Sparmaßnahme. Nur komisch, dass man dabei gerne vergisst, auch bei der Verwaltung Stellen einzusparen… Aber egal, darüber wollte ich eigentlich nicht schreiben.

Mich hätten sie warnen können. All die Jahre während meines letzten Vertrags an der Uni habe ich Ü13-3 bezogen. Jetzt war ich so richtig froh, in die Stufe 5 gekommen zu sein. Und es ist mir auch recht, da meine neue Wohnung leer ist und ich alles kaufen muss – der Schlafzimmer ist fast fertig, die Küche kommt am Wochenende… Die Hälfte meiner bleibenden Ersparnisse nach der Arbeitslosigkeit ist schon weg. Das alles für einen nicht verlängerbaren zweijährigen Arbeitsvertrag. Und jetzt das mit der Krankenkasse. Ich wusste wirklich nicht Bescheid.

Vor etwa drei Wochen kam ein Brief der Techniker Krankenkasse. Sie haben es richtig geschickt formuliert.

Wir freuen uns, dass Sie sich mit Beginn Ihrer neuen Beschäftigung weiter bei uns versichern möchten. Die Anmeldung Ihres Arbeitgebers liegt uns bereits vor.
Nach den übermittelten Angaben überschreitet Ihr zukünftiges Einkommen die sogenannte Versicherungspflichtgrenze. Deshalb versichern wir Sie als sogenanntes freiwilliges Mitglied. Dafür ist jedoch ein gesonderter Antrag von Ihnen erforderlich.
Unsere Bitte: Senden Sie uns das beiliegende Formular unterschrieben in dem Freiumschlag zurück. Noch schneller geht es, wenn Sie uns Ihre Antwort einfach faxen. Sind die Voraussetzungen für die freiwillige Mitgliedschaft erfüllt, erhalten Sie umgehend eine Bestätigung Ihrer Mitgliedschaft von uns.
Wir bedanken uns für Ihre Unterstützung und wünschen Ihnen alles Gute und viel Erfolg für Ihre neue Tätigkeit.

Dass sie sich freuen, glaube ich ihnen sofort. Wer jetzt denkt, es handelt sich nur um eine Formalität, die so einfach erledigt werden kann, um weiterhin versichert zu bleiben, liegt hier total falsch. Was der obere Brief tatsächlich bedeutet, ist in der heutigen Antwort zu meinem Antrag übersetzt.

Sie haben eine neue Beschäftigung aufgenommen, bei der Ihr Arbeitsentgelt über der Versicherungspflichtgrenze liegt. Aus diesem Grund sind sie bei uns freiwillig krankenversichert.
Ihre Beiträge (inklusive des Arbeitgeberanteils) ab dem 1. Juli 2013:
zur Krankenversicherung: 610,31 EUR
zur Pflegeversicherung: 90,56 EUR
insgesamt: 700,87 EUR
Ihr Arbeitgeber übernimmt neben den Beiträgen zur Renten- und Arbeitslosenversicherung die Zahlung der Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge für Sie. Dabei beträgt sein Anteil an der Krankenversicherung 287,44 Euro und an der Pflegeversicherung 40,36 Euro.
Beachten Sie jedoch, dass Sie als freiwillig versichertes Mitglied grundsätzlich selbst zur Zahlung der Beiträge verpflichtet sind.

Das hätten Sie im vorherigen Brief erklären können. Gut, ich hätte auch eine Suche über „freiwillige Krankenversicherung“ machen können. Ich kannte aber das Konzept aus Frankreich gar nicht (vielleicht liegt es daran, dass niemand in meinem Umfeld viel Geld verdient) und wäre nicht auf die Idee gekommen, dass es hier so läuft. Ich habe nicht mal daran gedacht, mich mit meinen Kollegen darüber zu unterhalten.

Was es konkret für mich heißt: Ich muss jetzt selber jeden Monat 400€ zur TK bezahlen. Fazit: Mir bleibt am Ende netto genau so viel Geld wie bei meinem früheren Job. Scheiße. Und ich muss noch bestimmt die drei ersten Monate auf einmal nachbezahlen. Krise-Beratung bei meiner Freundin Sabrina, die mit ihrem guten Job seit langem das Thema kennen sollte. Ihre Erklärung: Ich bin freiwillig in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert, ich dürfte jetzt in eine private wechseln. Es hätte nur Vorteile, solange man gesund bleibt. Nach dem Wechsel könnte ich nie wieder zurück zur gesetzlichen. Sie meinte, ich sollte besser selber nachschauen, weil sie sich nicht so sicher ist. Da ihr Mann, der viel Geld verdient und es auch gut verwaltet, bei einer gesetzlichen Krankenkasse geblieben ist, werde ich es wahrscheinlich auch so machen. Ich möchte eh lieber in einem solidären System bleiben. Ich werde mir die Meinung meines ex-Chefs noch holen, ich hatte früher so gerne mit ihm einfach gequatscht und er hatte immer gute Tipps zu geben.

Ab jetzt werde ich auf jeden Fall peinlich drauf achten, dass ich für jede Kleinigkeit sofort zum Arzt renne. Ich will mindestens den Eindruck haben, dass ich nicht umsonst so viel Geld ausgebe. Das nächste Mal, dass ich am Ärztehaus neben der Arbeit vorbei gehe, mache ich ein paar Termine. Ich habe ja meinen Ischias, der immer noch ab und zu schmerzt, und das mit dem Psoriasis ist noch nicht vorbei, einen Zahnarztbesuch könnte ich gebrauchen, ein paar Vorsorge-Checks wegen Diabetes und beim Gynäkologen wären nicht schlecht, das letzte Mal war schon lange her, und neue Brille brauche ich auch…

Die Deutsche Telekom hat versagt

Und dadurch: Wieder ein Eintrag mit Verzug publiziert.

Ich habe vor etwa zweieinhalb Wochen meinen Umzug mit altem Tarif beauftragt. Ich habe zuerst eine automatische Email bekommen, und danach gar keine Information mehr. Vor zwei Wochen hatte ich online meinen Auftragsstatus geprüft und war ein bisschen verwirrt. Die Termine für die Kündigung meines alten Vertrages waren alle für heute angekündigt. Genauer gesagt: Die Schaltung war vereinbart für: „10.09.2013 15:59“. Heute also. Ich habe heute Abend versucht, meine alte Nummer vom Handy aus anzurufen, und habe die Meldung bekommen, dass diese Nummer nicht vergeben ist.

Kniffliger war es für die Termine für die Bereitstellung an meiner neuen Adresse. Vereinbarter Termin für die Schaltung: „10.09.2013 18:29“. Vereinbart mit wem? Ich bin dabei nicht gefragt worden. Bei der Montage von meinem Router hieß es: „Der Bereitstellungstermin wurde wie gewünscht verändert“. Wieder: Ich war’s nicht. Vielleicht hat es sich der Monteur gewünscht? „Der Termin für die Montage in Ihren Räumen ist vereinbart für: 03.09.2013 15:59“. Das war letzte Woche Dienstag. Ich habe also beim Telekom-Shop gefragt, wann nun der Termin wäre, und die Frau dort sagte mir auch heute. Letzten Montag habe ich online im Kundencenter nochmal geschaut: Der Termin für den 03.09. stand noch da. Ich habe beschlossen, trotzdem früher nach Hause zu fahren. Wie schon berichtet: Keiner kam. Um etwa halb sechs bin ich in die Stadt gegangen; als ich nach Hause zurück kam, hatte ich laut Handy-Display um 19:12 einen Anruf verpasst. 0306331100: Eine Nummer der Telekom. Bestimmt, gerade als der alte Mann mich an der Terrasse beim Abendessen belästigt hatte.

Am Wochenende habe ich ein Briefpäckchen von meiner früheren Vermieterin erhalten, die meine Post noch sammelt und mir schickt, mit einem Brief der Telekom. Ich hatte doch meine neue Adresse angegeben. Nicht nur für den Auftrag, auch für die Rechnungsadresse. Im Brief Stand, dass meine neue Berliner Nummer wie gewünscht nicht ins Kommunikationsverzeichnis eingetragen wird. Das ist gut so, nicht jeder soll mich ins Telefonbuch suchen können. Sie haben sich also meine alte Präferenz gemerkt, das ist schon mal was. Als „meine Referenzen“ ist in dem Brief „Ihr Auftrag zum 10.09.2013“ angegeben.

Also heute… Ich habe heute Morgen beim Telekom-Shop angerufen. Mir wurde versichert, dass die Bereitstellung heute stattfindet, und dass ich nicht dabei sein müsste. Gut, ich musste keinen halben Urlaubstag dafür verbraten. Andererseits war ein zentraler Server bei der Arbeit tot, ich konnte heute gar nichts am Rechner machen. Die andere weniger schöne Nachricht war, dass trotz Ankündigung in meinem Auftragstatus im Kundencenter niemand für die Montage des Routers kommen wird, ich muss es alleine machen. Und bezahle trotzdem den gleichen Preis für den Umzug, wie bei der ersten Bereitstellung, als ich den Vertrag abgeschlossen hatte und ein Techniker bei mir gekommen war. Nach der Arbeit habe ich meinen Router und das Telefon angeschlossen. Alles korrekt gemacht, laut Bedienungsanleitung. Da meine alte Nummer schon nicht mehr vergeben ist, habe ich meine neue Nummer mit dem Handy probiert. Mehrmals, den ganzen Abend. Es scheint ganz normal zu klingeln, aber offensichtlich nicht bei mir. Andererseits ist niemand dran gegangen. Am festen Telefon kriege ich keinen Ton, selbst wenn ich das Telefon direkt an der Steckdose allein anschließe statt am Router. DSL-Signal habe ich auch nicht. Alles, was am Router leuchtet, ist „Power“ und „WLAN“. Und jetzt ist es schon fast 22:00.

Morgen früh werde beim Telekom-Shop wieder anrufen müssen, um mich zu erkundigen, was da schief gelaufen ist. Ich bin gespannt, welche Ausrede ich erzählt bekommen werde. Falsche Wohnung angeschlossen? Oder hätte ich trotz Aussage der Frau am Telefon heute Morgen zu Hause sein sollen? In diesem Falle könnten Sie sogar noch versuchen, mehr Geld von mir zu verlangen…

Träume

Ich stand draußen in der Sonne und las ein Buch. Ich befand mich vor der Haustür meiner früheren Wohnung. Es war ganz schön warm, ich war völlig nackt. Niemand hat es am Anfang für komisch gehalten, ich auch nicht. Nach einiger Zeit haben Passanten mich angestarrt. Eine Frau mit Kindern meinte, sie würde die Polizei rufen. Ich habe nicht gewartet, dass die Polizei kommt, und bin die Treppe hoch zu meiner Wohnung unter dem Dach gelaufen. Die Treppe hat sich wie häufig in meinen Träumen nicht normal verhalten: Ich bin zur blanken Wand angekommen, der Gang mit der Tür zu meiner Wohnung hing hinter mir in der Luft. Und wie häufig in meinen Träumen musste ich über die Rampe der Treppe springen, um zu meinem Gang zu kommen. In der Wohnung habe ich meine Reflexion im Spiegel beobachtet und mich geschämt, so nackt draußen gestanden zu haben.

Szenenwechsel. Es war nachts, ich ging an einer ruhigen Straße entlang. Auf einer Bank unter einer Laterne saß Nathalie, eine ehemalige Schulfreundin, die ich seit dem Kindergarten kenne, mit jüngeren Leuten. Als ich vorbei ging, merkte ich Tränen auf ihrem Gesicht, obwohl sie gleichzeitig am Lächeln war. Ich habe sie gefragt, was los war, und sie hat mir ihren Fuß mit einem voll blutigen Pflaster an die große Zehe gezeigt. Ich habe ihr gesagt, so könnte sie hier nicht bleiben, sie sollte zu mir kommen, ihre Wunde waschen und ein neues Pflaster bekommen. Als ich sie fragte, wie sie die Wunde bekommen hatte, meinte sie, ihre Mutter hätte ihr gesagt, auf dieser Weise könnte man totgeborene Kinder wieder lebendig bekommen, und hat dabei ihren Bauch sanft gestreichelt. Ich habe die Wunde genauer betrachtet und habe gesehen, dass es ein sehr sauberer Schnitt um den Nagel herum war. Ich habe mich innerlich geärgert, dass sie einem solchen Unsinn Glauben schenkt und sich selber diese Wunde absichtlich gemacht hatte.

Jalousien usw.

Ich hätte nie gedacht, dass ich mit Jalousien so viel Ärger bekommen würde. Ich hatte mit dem Arbeitszimmer angefangen, wo ich momentan noch auf der Couch schlafe, bis mein Bett im Schlafzimmer fertig wird. Bei OBI hatte ich Rollos von Gardinia gefunden, die genau die Maße meiner Fenster haben und super einfach zum Einklemmen auf den Fensterrahmen sind. Ich war begeistert, weil ich keine Lust hatte, in meinen Fensterrahmen Löcher zu bohren. Die Farbe hatte ich passend zur Couch gewählt, da diese in dem Zimmer bleiben wird.

Als nächstes hatte ich mir die Küche vorgenommen. Morgens gehe ich häufig in die Küche, bevor ich überhaupt geduscht habe – weil meine Mieze auf ihre morgendlichen Leckerlies wartet. Das heißt, dass ich dann kaum angezogen bin. Da meine Küche aus dem Parkplatz gut sichtbar ist, wollte ich dünne Vorhänge dort hängen. Weil OBI praktischerweise auf dem Weg von der Arbeit nach Hause liegt, habe ich letzte Woche dort geschaut. Dünne Vorhänge von der gewünschten Größe habe ich nicht gefunden. Es gab aber Jalousien, von der gleichen Marke wie die Rollos, und drauf waren die gleichen Zeichen zu sehen wie auf die Rollos, die bedeuten, dass man weder eine Bohrmaschine (die ich nicht habe) noch einen Schraubendreher fürs Einbauen braucht. Ich war mir nicht so sicher, weil die Zeichen nicht so groß wie auf den Rollos auf der Verpackung zu sehen waren, aber mangels Berater auf der Etage habe ich beschlossen, die Jalousien mitzunehmen.

Das war ein Fehler. Zu Hause angekommen habe ich festgestellt, dass man für die Halterung doch Löcher bohren muss. Ich habe es versucht, aber ich hätte mir die Mühe sparen sollen. Ich habe nicht mal die erste Schraube richtig hingekriegt. Nach dem sie mir zum zehnten Mal auf dem Boden gefallen ist, bin ich aus der geliehenen Leiter von meinem Nachbar mit Werkzeug in der Hand selber gerutscht und gefallen. Keine Verletzung (na ja, der Daum hat geblutet), aber die Ablageplattform auf der Leiter hat jetzt ein Loch. Ich muss schauen, ob ich das Teil ersetzen kann. Voll sauer, weil das Produkt eh nicht das entsprach, was ich aus der Packung wahrgenommen hatte, habe ich beschlossen, alle Jalousien auf dem Fahrrad zu packen und damit zurück nach OBI zu fahren. Die Frau am Kundenservice, als ich die Situation erklärte: „Ja, Moment, ich kann nicht sehen, was auf der Packung steht…“ Brillen gesucht, es hat anscheinend nicht geholfen, Kollegin gefragt, die selber zu ihren Brillen greifen musste, bis sie sagte, dass die Zeichnungen als Beschreibung des zusätzlichen empfohlenen Artikel da waren, nicht als Beschreibung der Jalousien selbst. Da stünde ja „Tipp“, jeder sollte verstehen, dass es nicht zu Produktbeschreibung gehört, sagte mir energisch die Frau, die es selber fünf Minuten vorher ohne die Hilfe ihrer Kollegin nicht gewusst hätte. Sie hat dann versucht, mich zu überzeugen, die anderen „Tipp“-Halterungen zu kaufen, was zu einer Verdopplung des gesamten Preises geführt hätte. Ich habe darauf bestanden, die Artikel zurück zu geben, und habe am Ende auch das Geld zurück bekommen. Später habe ich doch dünne Vorhänge gefunden, die genau so groß wie meine Fenster sind und die man am Fensterrahmen ganz einfach mit Klettband fest machen kann.

Um für das Schlafzimmer nicht den gleichen Fehler zu machen, habe ich mir eine Beraterin bei OBI geholt. Ich habe ihr meine Anforderungen genau erklärt: Größe, Anzahl, Farbe, und vor allem die gleiche „Easy Fix“ Halterung wie bei meinen ersten Rollos, ich habe ihr sogar eine Packung davon gebracht, damit sie selber sieht, was ich meine. Ich hatte es auf der Homepage von Gardinia zusammen gebastelt bekommen, musste aber die Bestellung bei OBI machen, weil Gardinia nicht an privaten Kunden verkauft. Die Beraterin hat am Anfang Schwierigkeiten gehabt, das Produkt zu finden, aber am Ende meinte sie, es geschafft zu haben, und wir haben die Bestellung gemacht, die Wartedauer sollte gut drei Wochen betragen. Gestern Abend bekam ich eine SMS, in der stand, dass ich meine Bestellung schon abholen konnte. Super, dachte ich, heute ist ja verkaufsoffener Sonntag, ich habe danach noch Zeit, die Rollos im Schlafzimmer zu installieren. Bei OBI habe ich am Kundenservice meinen Bestellungszettel abgegeben. Eine gute Überraschung war, dass heute 15% Rabatt auf alle Artikel waren, bei meinen sau teuren Rollos war es ein bemerkbare Unterschied. Hätte ich sie morgen abgeholt, hätte ich den vollen Preis bezahlt. Als ich bezahlen wollte, hat die Kassiererin wie jedes Mal misstrauisch nach meinem Fahrradkorb gefragt (wie die dort drauf sind, so was habe ich sonst woanders nie erlebt, sie wollen mir jedes Mal meinen eigenen zehn Jahre alten Korb verkaufen – jetzt behalte ich den Helm die ganze Zeit auf dem Kopf, sie haben dadurch aufgehört, danach zu fragen). Zu Hause angekommen, musste ich feststellen, dass die Halterung doch nicht die ist, die ich der Beraterin schon drei Mal erklärt hatte. Nein, ich habe wieder etwas zum Bohren bekommen. Ich könnte heulen. Oder lieber, die Beraterin prügeln. Weil die Ware auf Sonderwunsch mit meiner Unterschrift bestellt wurde, kann ich sie jetzt unmöglich zurück bringen. Ich hätte wirklich nach dem Jalousien-Desaster für die Küche direkt zu JalouCity gehen sollen. Dort hatte ich für meine frühere Wohnung in Aachen eine sehr kompetente Beratung bekommen. Ich muss meinen Hausmeister fragen, ob er mir helfen kann, die Rollos zu montieren, wenn er am kommenden Wochenende mit seinem Sohn die Küche meiner ausziehenden Nachbarin bei mir installiert. Sonst werde ich versuchen müssen, die Rollos auf Ebay zu verkaufen. Dank des Rabatts heute kann ich sie ja billiger als sonst anbieten.