Beim Betriebsarzt

Fast hätte ich den Termin verpasst. Ich hatte am Abend davor so schön mit Martin gesessen und ein Bier getrunken, es hätte fast gereicht, um den Termin zu vergessen. Ich wollte gerade mein zweites Bier bestellen, als ich mich plötzlich wieder daran erinnerte.

Ich hatte den Termin per Email bekommen. Mein Betriebsarzt ist an einer ganz anderen Ecke von Berlin, weil mein Arbeitgeber nicht an meinem Arbeitsort sitzt, mit der S-Bahn brauche ich eine gute Stunde. Es hieß, der Termin wäre zwischen 08:00 und 11:30 geplant. Ich habe noch in Erinnerung meine Termine beim Betriebsarzt an der Uni, wo man nie weiß, wann man dran ist, weil die Studenten auch dorthin gehen und man dadurch schon den ganzen Vormittag dort verbringen kann. Ich bin also pünktlich um 08:00 angekommen, was für mich hieß, um 05:45 aufzustehen. Als ich ankam war niemand in der Praxis. Ich habe zehn Minuten gewartet, bis eine Sekretärin sich gezeigt hat. Der Termin selbst ging schnell. Das Gespräch mit dem Arzt war sehr oberflächlich. Bei der Blutprobe hat sich eine junge Frau um mich gekümmert. Ich habe sie in der Kategorie „zickig“ gespeichert. Ständig hat sie Fragen gestellt. Warum ich in Deutschland bin, ob ich einen Freund habe (was geht’s ihr an?), ob ich nicht irgendwann zurück nach Frankreich möchte (für mich ist es ein getarnter Ausdruck von Ausländerfeindlichkeit geworden, so häufig ich diese Frage gestellt bekommen habe…), ob es stimmte, dass Franzosen Deutsche hassen, und die enttäuschte Reaktion, als ich dies verneinte (aus meiner Erfahrung sind Deutsche Franzosen ziemlich egal, wie die anderen Leute halt, wir sehen euch nur als Touristen im Sommer). Ich konnte es nicht glauben, aber als ich ins Büro zurück kam, nach wieder einer Stunde Fahrt, war es gerade um die 10:30. Ich hatte deswegen einen Termin bei meinem Chef verschoben und hätte es eigentlich gar nicht nötig gehabt.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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