Umzug überstanden

Wir sind gestern vormittags los gefahren. Mein Helfer hatte einen Freund mitgebracht, damit sie sich beim Fahren abwechseln können. Ich habe es gerade rechtzeitig geschafft, die Kartons fertig zu packen. Natürlich habe ich Kleinigkeiten in der alten Wohnung vergessen. Die Wanduhr hängt immer noch in der Küche, und ich habe meine schöne von meiner Mami geschenkte Tischdecke auf dem Küchentisch liegen lassen. Ich sollte irgendwann im Herbst für einen Vortrag an der Uni zurück kommen, vielleicht kann meine Vermieterin die Sachen bis dahin für mich sicher stellen.

Am schwierigsten war es, die Katze zu überzeugen, in ihre Reisetasche zu gehen. Es ist mir nicht gelungen. Ich musste es am Ende mit Gewalt selber machen: Tasche vertikal gestellt, Katze gefangen, fauchende Katze mit ausgestreckten Krallen in die Tasche rein, vordere Klappe zu. Sie hat dann angefangen, ganz heftig zu miauen. Die kleine Decke, die ich vorbereitet hatte, lag natürlich nicht mehr schön am Boden, sondern war zusammen gefaltet auf der anderen Seite der Tasche. Sie hat sich im Treppenhaus so laut gewehrt, dass die Vermieterin uns zum Abschied nicht verpassen konnte. Ich hätte mich gerne nach all den Jahren länger verabschiedet, aber ich wollte meine Fahrer nicht zu lange warten lassen. Es wird einen ausführlichen Brief geben.

Im Leihwagen haben wir die Katze nicht zu sehr gehört. Zum einen war der Motor sehr laut. Zum anderen hat sie selber nach einer halben Stunde aufgehört, so fürchterlich zu miauen. Ich hatte sie am Anfang bei meinen Füßen gehabt. Die Sonne schien, die Tasche ist schwarz, ich habe die Fußventilation eingestellt und mit meinem langen Rock Schatten erzeugt. Gegen mittags haben wir eine kurze Pause gemacht. Mein Rücken tat weh. Nach dem Fahrerwechsel habe ich die Katze in ihrer Tasche auf meine Beine genommen. Mit einer Einweg-Pipette aus dem Chemie-Labor konnte ich ihr während der Fahrt Wasser durch die Löcher der Tasche zum trinken geben. Sie hat nach fünf Stunden Fahrt trotzdem angefangen, ganz heftig zu heucheln. Eine halbe Stunde vor Ende der Reise wurde sie ganz unruhig und fing an, sich in der Tasche ständig zu bewegen. Ich war froh, als wir endlich angekommen sind. Wir hatten Glück, weil sie sich gar nicht übergeben hat, und sonst auch nicht die Tasche als Klo benutzt hat. Es war für mich mit sieben Stunden Fahrt nicht selbstverständlich, deshalb hatte ich eine Decke in die Tasche vorbereitet.

Da ich für die Wohnungsübergabe nicht da war, hat es Mieke, eine Kollegin, für mich gemacht und die Schlüssel geholt (ich könnte eigentlich eindeutig „meine“ statt „eine“ sagen, da alle meine anderen Kollegen männlich sind, außer die Studentin). Sie hatte auf uns vor dem Haus gewartet. Die Wohnung und die Lage haben ihr so gut gefallen, dass sie sich jetzt ernsthaft überlegt, in das Haus umzuziehen, weil der Hausmeister ihr gesagt hat, dass eine bald frei wird. Es wäre toll, sie als Nachbarin zu haben. Beim Ankommen habe ich meine Helfer die Kartons hoch tragen lassen und bin mit der Katze zum Badezimmer gegangen. Ich habe sofort ihr Klo vorbereitet, damit sie einen vertrauten Geruch zu riechen bekommt. Sie war noch ganz aufgeregt und hat im Haus weiter gehechelt. Ich habe ihr noch ihre Schüssel mit Wasser gebracht und habe sie im Badezimmer in Ruhe gelassen.

Die Wohnung ist wirklich klasse. Ich hatte sie schon nicht mehr so gut in Erinnerung gehabt. Ich werde wieder sehr viele Fenster zu putzen haben. Meine Vormieter haben es nicht gemacht, es gibt überall kleine Fingerspuren auf Zwerghöhe. Die Gegend ist wirklich traumhaft ruhig. Es ist schon laut, wenn jemand im Treppenhaus unterwegs ist, weil es ein Altbau ist, aber sonst sind meine Nachbar bis jetzt sehr leise, obwohl Kinder in der Nachbarschaft sind. Gestern hatte ein Kleinkind Geburtstag im Garten gefeiert bekommen. Ich war kurz zur Arbeit gefahren, um den Staubsauger zu holen, und habe bei der Ruckkehr einen kleinen nackten blonden Zwerg auf der Wiese rumlaufen gesehen (es war wirklich sehr warm). Ich habe auf meiner Etage meine Nachbarin kennen gelernt, sie wirkte ganz nett.

Heute habe ich geputzt. Nur nicht im zukünftigen Schlafzimmer, weil dort noch alle Kartons im Weg stehen. Außer meiner Couch habe ich gar nichts. Ich brauche zuerst dringend eine Waschmaschine, einen Ständer zum trocknen für die Kleider, eine komplette Küche, einen Spiegel im Badezimmer, einen Vorhang für die Dusche, und Lampen. Und natürlich Kratzbäume. Die Katze hat sich schon gut eingelebt. Sie ist gar nicht mit rundem Rücken durch die Wohnung seitlich gehüpft, wie damals, als ich meine Wohnung vergrößern lassen hatte. Sie hat sich alle Zimmer mit tiefem und wedeldem Schwanz angeschaut. Bei jedem Geräusch spitzt sie intensiv die Ohren. Heute hat sie sich bis zum Balkon draußen getraut. Es ist ganz neu für sie. Ich lasse sie aber nur raus, wenn ich selber anwesend bin. Es hat ihr sehr gut gefallen, draußen zu sein. Heute Abend hat sie sich neben mir auf dem Sofa gelegt und hat geschnurrt. Alles gut.

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2 Gedanken zu “Umzug überstanden

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