Was für ein Samstag…

Ich bin gestern Abend mit dem Zug recht spät angekommen und bin fast sofort ins Bett gegangen.

Heute Morgen, wie bei den zwei letzten Wochenenden, hat sich meine Katze übergeben. Diesmal nicht so viel, es war vor allem klare (stinkende) Flüssigkeit, Futter und Haare waren ganz wenig dabei. Ich bin also früh aufgestanden, um hinterher zu putzen. Jetzt schläft sie friedlich auf meinem Koffer.

Ich hatte durch meine Vermieterin einen Handwerker beauftragt, um meine Wohnung zu renovieren. Er hat sich diese Woche angeboten, um mir bei dem Umzug zu helfen. Wir sind also heute zum nächsten Baumarkt gefahren, um Kartons zu kaufen. Ich werde mindestens bis morgen brauchen. Ich hatte den ersten Karton fertig gepackt und wollte ihn mit Klebeband zu machen, als ich merkte, dass ich meine Schere nicht dabei hatte. Ich musste raus gehen, um neue zu kaufen. Ich habe die Gelegenheit genutzt, um noch einen Müllsack voll mit alten Kleidern zum Sammelcontainer zu bringen. Dort habe ich gemerkt, wie hungrig ich war, da ich mittags vergessen hatte zu essen. Ich überlegte gerade, wohin ich einkaufen gehen sollte, als ein rotes Auto neben mir hielt und eine weibliche Stimme meinen Namen rief – meine ehemalige Kollegin Angelika. Sie fuhr gerade nach Hause, fünf Minuten von meiner Wohnung entfernt, und ich bin eingestiegen, um mit ihr ein bisschen zu quatschen. Bei ihr ist um die Ecke ein Kaiser’s, und ich habe dort zum Essen eingekauft. Schere hatten sie nicht, dafür aber vitello tonnato. Ich habe beschlossen, dass mein Cutter auch gut geeignet ist, um Klebeband zu schneiden.

Als ich mich auf Facebook einloggte, hatte ich eine neue Nachricht. Von meinem Vater. Er liege im Krankenhaus, ihm ginge es gut und er denke, schon am Montag raus gehen zu können. Ratlosigkeit, weil ich nicht mal wusste, dass er dahin musste. Ich habe ihn also angerufen. Sein Aufenthalt war doch nicht geplant. Die Nachricht hatte er mit seinem Handy geschickt, aber er konnte sich schon nicht so gut daran erinnern. Er war gerade mit seiner Freundin im Wohnwagen im Urlaub unterwegs, als es ihm schlecht ging. Herzinfarkt, genau wie vor vierzehn Jahren. Notaufnahme in Paris, Katheter überall… Er sagt, er hat jetzt beschlossen, das mit dem Rauchen und Trinken endgültig aufzuhören. Ich frage mich, wie lange er das diesmal durchhält. Er hatte dasselbe meinem Onkel auf seinem Sterbebett vor zwanzig Jahren schon versprochen. Ich habe ihm gesagt, mit dem dabei gesparten Geld könnte er sich bestimmt jeden Monat einen Zugticket von Südfrankreich aus nach Berlin gönnen. Vielleicht ist es für ihn eine Motivation, sich daran zu halten, obwohl ich daran zweifle, so nah zu einander sind wir wirklich nicht. Seine Freundin wird auf jeden Fall auf ihn aufpassen und streng sein. Sie hat einen guten Einfluss auf ihn, was seiner Gesundheit angeht. Mein Bruder sagte mir eben am Telefon, er würde auch zusehen, dass er nicht mehr raucht.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

2 Gedanken zu “Was für ein Samstag…

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