Arbeitsvertrag unterschrieben

Es ist jetzt offiziell, ich bin ab Juli nicht mehr arbeitslos. Yeah!

Ich habe dafür in gerade vierundzwanzig Stunden die Fahrt nach Berlin hin und zurück mit dem Zug überlebt. Ich bin endlich zu Hause angekommen und fühle mich total schwindelig.

Heute Nacht war es schlimm im ICE. Ein Mal gemacht, nie wieder, das nächste Mal benutze ich einen Zug mit Liegen, auch wenn es teurer wird. Einen gibt es ab Frankfurt. Geschlafen habe ich, erholsam war es nicht. Wie könnte es auch sein? Im Wagen herrschte extrem helles Licht. Es gab keine Liege. Ich konnte beide Sessel meiner Sitzreihe benutzen, aber bequem war es nicht. Jedes Mal, wenn ich aufwachte, schmerzte ein Körperteil: Der Nacken, der Rücken, die Füße, die mal eingeschlafen waren, der Arm, auf dem der Kopf lag, ohne vom Ischias zu sprechen… Aufgewacht bin ich sehr häufig. Bei jeder Haltestelle musste der Fahrer eine Ankündigung machen, in der Art „In Kürze erreichen wir XXX, wir bedanken wir uns bei allen Fahrgästen, die jetzt aussteigen, Tschüss und auf Wiedersehen“, manchmal auch gefolgt von den weiteren Verbindungen, die erreicht werden können, und danach beim weg Fahren „Guten Morgen und Willkommen im ICE der Deutschen Bahn (ach was!) nach Berlin Ostbahnhof über blablabla…“ Jedes Mal total laut. Sehr lästig, weil Haltestellen teilweise im 10mn Takt oder noch weniger vorkamen. Bei meinen früheren Nachtfahrten mit dem Zug in Frankreich hatten sich damals die Fahrer immer an das Minimum gehalten und gerade den Namen der Stadt angegeben. Heute bei der Rückfahrt nachmittags waren dagegen die Durchsagen immer sehr leise und unverständlich (wenn nicht sogar mit Larsen überlappt). Machen sie das absichtlich, dass es den Reisenden nachtsüber den Schlaf raubt? Einige Mitreisenden waren beim Einsteigen nicht besser und haben manchmal durch den Wagen geschrien, als ob sie alleine wären. Haben die Leute hier noch nie etwas von Rücksicht gehört? Die Kontrolleurin nach Magdeburg heute Morgen war die Krönung, sie hat angefangen, sich mit einem Reisenden total laut zu unterhalten und zu lachen, völlig ohne Respekt für die immerhin noch dafür bezahlenden Gäste. Mich hat es schon gestört, obwohl ich Ohropax die ganze Nacht benutzt hatte. Irgendwie muss ich danach geschlafen haben, weil wir plötzlich um 08:30 am Hauptbahnhof waren.

Ich brauchte nach Plan eine Stunde, um bis zum Campus zu fahren. Er liegt ganz woanders als mein Arbeitsort, ich war noch nie dort und ich habe mich auf dem Weg nach der S-Bahn total verlaufen. Eigentlich hätte ich mit einem Bus fahren können, aber ich hatte Google gefragt, den Weg zu rechnen, und von Bussen hat Google anscheinend keine Ahnung. Ich habe eine Frau mit zwei Kindern nach dem Weg gefragt, um eine große Straße wieder zu finden, und sie hat mich in die total entgegengesetzte Richtung geschickt. Sie sagte, ich sollte die Straße weiter folgen, bis ich an einem Supermarkt kam, aber am Ende der Straße angekommen, hatte ich immer noch keinen Supermarkt gesehen und es gab nur eine große wilde grüne Fläche. Später getroffene Bauarbeiter haben mich netterweise auf dem richtigen Weg wieder gebracht, zurück woher ich kam. Ich hatte zum Glück keine feste Uhrzeit mit der Personalabteilung ausgemacht. Es gab im Vertrag noch eine schöne Überraschung, die ich nicht beachtet hatte: Ich bin jetzt zwei Stufen höher in meiner Eingruppierung im Tarifvertrag. Ich war davon ausgegangen, dass ich den gleichen Gehalt wie in meiner früheren Uni bekommen würde.

Ich bin danach direkt zur Wohnungsbesichtigung gefahren – wieder anderthalb Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Keine der Wohnungen hat mir gefallen. Die erste, die mich wegen der Größe und Anzahl der Zimmer wirklich interessierte, liegt direkt an der Straßenbahn – daran hatte ich nicht gedacht. Und beide Zimmer, in denen man schlafen kann, sind auf Straßenseite. Mit geschlossenen Fenstern hört man die Straßenbahn extrem. Außerdem sind wir beim Steigen der engen Treppen vor einer Wohnung gegangen, in der gleich zwei großen Hunden angefangen haben zu bellen. Ich hatte deswegen schon vor dem Besuchen der Wohnung keine Lust mehr, dort zu wohnen. Die Frau hatte von anderen kleineren Wohnungen erzählt, aber sie waren gerade Einzimmerwohnungen. Seit dem Studium habe ich keinen Bock mehr, in Besenkammern zu wohnen. Ok, ich übertreibe ein bisschen, so klein waren sie nicht, aber nur ein Zimmer ist mir zu wenig. Und alle Wohnungen waren gerade noch in einem Bauarbeitsstadium, und das Konstruktionsmaterial wie das Laminat kam mir billig vor. Ich werde mich im Juli mit der schon gebuchten temporären Unterkunft zufrieden stellen müssen, obwohl ich nicht denke, dass ich meine Katze mitnehmen kann, weil sie dazu neigt, an den Wänden kratzen zu wollen. Die Wohnungssuche wird vor Ort stattfinden müssen. Blöd, weil ich meine jetzige Wohnung dadurch länger behalten muss, und zwei Mieten im Monat bezahlen muss.

Bei der Rückfahrt habe ich mich mit einem jungen Griechen unterhalten, den ich am Bahnsteig kennengelernt habe. Ich war früher als geplant am Bahnhof und konnte einen früheren Zug nehmen, den er auch genommen hat. Da wir beide keine reservierten Sitzplätze hatten, haben wir im Speisewagen gesessen. Ich habe am Abend die Königsberger Klopse mit Kapernsauce und Butterreis probiert. Ich war sehr enttäuscht. Angeblich ein „Gastronomie“-Gericht. Den Geschmack von den Kapern hat man gar nicht wahrgenommen. Die Sauce war viel zu salzig. Ich empfehle es wirklich nicht weiter. Eine Frau im Speisewagen hatte sich ein Eis genommen, ein Solero, glaube ich, es ist ihr aber beim Essen fast in der Hand gefallen, obwohl sie es gerade ausgepackt hatte. Das Eis war nicht mal richtig gefroren.

Als ich endlich gegen 23:15 zu Hause war, habe ich festgestellt, dass die Haustür nicht geschlossen war. In unserer Hausordnung steht, dass sie nach 21:00 verriegelt werden sollte. Nicht nur war sie nicht verriegelt, sie war nicht mal zu. Das Schloss wurde zu gedreht, und die Tür war gegen das Schloss am Türrahmen offen angelehnt. Ich habe die Tür zu gemacht, es ging ungewöhnlich sehr schwer von innen. Ich habe den Kater meiner Vermieterin aus dem Garten rein gelassen und bin zu meiner Wohnung hoch gegangen. Auf dem Weg habe ich meine studentischen Nachbarn getroffen, die von der geöffneten Tür nichts wussten – sie wirkten eher unangenehm überrascht oder schockiert, als ich das erzählte. Meine anderen Nachbarn sind nicht da, meine Vermieterin auch nicht. Es kann nur noch die Nachbarin der ersten Etage sein. Die dienstagvormittags für die Müllabfuhr normalerweise die Tür aufmacht, wenn die Vermieterin nicht da ist. Ich nehme an, sie hatte kein Bock, morgen früh aufzustehen, um auf den Knopf der Sprechanlage in ihrer Wohnung zu drücken. Und dafür gegen alle Vorsichtsmaßnahme des Hauses verstößt, in dem sie Einbrecher quasi ins Haus einlädt.

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