Meine Katze und Fisch, eine Liebesgeschichte

Um meine Katze glücklich zu machen, ist es recht einfach: Fisch, Fisch und Fisch. Am liebsten mit Fisch. Dabei ist ihre Lieblingssorte Seelachs. Thunfisch aus der Dose (mit Wasser) liebt sie auch. Sie will aber nicht alle Fische, zum Beispiel ist sie an Lachs – gekocht oder geräuchert – gar nicht interessiert. Rotbarsch hat sie einmal probiert und nie wieder gewollt. Der Geruch war verlockend, aber der Geschmack hat ihr nicht so gefallen. Steinbutt ist in ihrem Napf unberührt geblieben und getrocknet. Riesengarnelen werden nur gegessen, wenn es nichts Anderes gibt.

Ich habe es festgestellt, als sie vier oder fünf Monate alt war. Wir waren gerade in meiner aktuellen Wohnung eingezogen und ich hatte einen Kollegen mit seiner Frau zum Abendessen eingeladen. Es sollte Aïoli geben, mit Kabeljau, Kartoffeln und Möhren. Ein typischer Gericht von zu Hause, und die Beiden mögen Knoblauch. Ich habe zuerst ein tiefgefrorenes Kabeljaufilet aus dem Kühlschrank rausgenommen, auf der Arbeitsfläche getan, mich umgedreht, um das nächste Filet zu holen… und das erste Filet war verschwunden! Ich hatte gar nichts gemerkt, nichts gehört, aber ich ahnte etwas. Unter dem Küchentisch versteckt habe ich meine Katze entdeckt, mit dem noch gefrorenen Filet im Maul, der fast so groß wie sie damals war. Ich musste lachen, wie sie ihre Beute herausfordernd an sich fest hielt. Es war ihre erste Erfahrung mit Fisch überhaupt. Ich habe das Stück für sie getrennt gekocht. Seitdem bekommt sie von mir in regelmäßigen Abständen – einmal im Monat – ein Seelachsfilet (100g) in Wasser gekocht.

Bei Trockenfutter geht es noch, da isst sie alles, was ich ihr mitbringe, auch wenn es Fleisch enthält. Bei Nassfutter ist es viel schwieriger. Als Kätzchen hat sie ohne Problem die Dosen von Aldi gegessen. Sie hatte sich drauf geworfen und nichts übrig gelassen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt wollte sie sie auf einmal nicht mehr haben. Ich habe zuerst alle billigen Sorten probiert, aber sie hat sie trocknen lassen. Auch wenn ich über Nacht kein Trockenfutter gefüllt habe. Ich habe angefangen, Marken zu kaufen. Ich habe schnell gemerkt, dass sie lieber Dosen mit Fisch als mit Fleisch essen wollte. Sie hat aber immer ein bisschen gegessen, und den Rest trocknen lassen. Einmal habe ich das allerteuerste gekauft: Die runden Dosen von Sheba. Es tat meinem Geldbeutel schon weh, aber die liebt sie jetzt immer noch über alles. Ich habe genauer nachgelesen und kenne jetzt den Grund, warum die anderen billigeren Sorten ihr nicht gefallen. Die runden Sheba Dosen (Thunfisch oder Meeresfrüchten) enthalten wirklich 100% Fisch. Bei den anderen Sorten (auch die billigeren eckigen Dosen von Sheba) steht immer drauf „mit“ Fisch („mit“ Lachs, „mit“ …), und wenn man die Zutaten liest, gibt es immer hauptsächlich Fleisch und Tiererzeugnisse (man weiß nicht, was drin ist, und möchte es vielleicht nicht so genau wissen), und gerade 4% von dem „mit“, mit dem geworben wird. Meine Feinschmeckerin von einer Katze verarscht man aber nicht, das merkt sie sofort. Nun, die Dosen sind teuer, ich gebe ihr nur eine halbe Dose am Tag (eine ganze Dose wäre mit 80g zu viel).

Fleisch isst sie sehr selten. Ich habe mir schon mal Lammfilet im Backofen gemacht, oder Entenbrust, und sie wollte es unbedingt probieren, und hat es gerne gegessen. Aber nur beim ersten Mal, danach war sie nicht mehr interessiert. Was sie mag ist ein bisschen Schinken, nur wenn es ganz ganz frisch ist, und Leberpastete ab und zu. Bei der Pastete mit Preiselbeeren von Kaufhof habe ich ihr ein Stückchen auf der Hand gegeben, und sie hätte mir die Finger fast mit gegessen. Sie hat noch lange dran geleckt, als es schon nichts mehr gab.

Heute Mittag habe ich mir ein bisschen Reis in einem Topf Wasser mit Salz vorbereitet. Die Dunstabzugshaube hatte ich angeschaltet, um das Kondensieren vom Wasser überall herum zu vermeiden. Es konnte also nicht nach Fisch riechen. Es war aber sehr lange her, dass ich ihr Fisch gegeben hatte, da ich erst seit letzter Woche aus dem Urlaub zurück bin. Sie hat den Topf auf der Kochplatte gemerkt und angefangen zu miauen. Nicht nur ein bisschen. Sie hat ihre schauspielerische Stimme angelegt, von dem kleinen Kätzchen, das so misshandelt und verhungert wäre, dass es nur noch mit gebrochener Stimme miauen könnte – eine Oscar-reife Darstellung. Das kann sie gut. Ich hatte aber nur Reis im Topf und arbeitete am Rechner. Sie ist mehrmals vom Zimmer zur Küche und umgekehrt gelaufen. Sie hat angefangen, mir ihre sanfte Pfote auf den Arm zu legen[1]. Sie hat sich im Flur mit ihrer traurigen Miene auf dem Rücken gelegt und mich vorwurfsvoll angeschaut. Da es schon lange her war, habe ich ihr doch Fisch gekocht. Die ganze Zeit hat sie natürlich nur gemiaut, bis der Fisch fertig gekocht war. In einer Stunde ist das Filet schon fast verschwunden. Sie schläft jetzt auf ihrem Bett und verdaut vor sich hin.

[1] Wenn sie Leckerlies essen möchte, beißt sie mich auch manchmal ganz sanft am Arm und schaut mich dabei in die Augen. Sie kann sich sehr gut verständlich machen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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