Deutschland, Jammerland?

Das dachte ich langsam, aber ich war nur zu lange nicht mehr in Kontakt mit meinen Landesgleichen in meiner Heimat gewesen. Wir können’s auch gut.

Letzte Woche lag ich am Strand in Fréjus und genoss die Sonne. Es gab einige Leute auf dem Strand, aber ganz wenige haben es gewagt, ins noch relativ kühle Wasser zu gehen – nur eine englische Familie mit Kleinkindern ist außer mir an dem Tag geschwommen. Hinter mir, einige Meter entfernt, war ein Paar französischer Rentner da. Ich habe sie gemerkt, als wir den ersten Hund auf der weit entfernten Straße kurz bellen hörten: Der Mann fing gleich an, sich aufzuregen und schoss alle seine Lieblingsschimpfwörter gegen Hunde hintereinander. Das wiederholte er, jedes Mal, wenn ein Hund sich bemerkbar machte. Ehrlich gesagt waren die Hunde so weit entfernt, dass ich sie nicht mal wahr genommen hätte, und so lange haben sie nicht gebellt, vielleicht gerade eine oder zwei Sekunden. Der alte Mann war mir mit seinen hasserfüllten Tiraden eine viel größere Belästigung. Es war eine Erleichterung, als das Paar den Strand verlassen hat.

Bei meiner Rückkehr aus dem Urlaub nach Deutschland bin ich geflogen. Als ich zu meinem Sitzplatz am Fenster angekommen bin, habe ich gemerkt, dass hinter mir ein dreijähriger Italiener saß und es anscheinend schwer hatte, ruhig sitzen zu bleiben. Da der mittlere Platz nicht reserviert war, habe ich nach einigen Tritten im Rücken einfach den Sitzplatz gewechselt. Der Mann, der neben dem Gang auf meiner Reihe saß, fragte mich auf Deutsch, ob ich aufstehen wollte, daher habe ich ihm die Situation erklärt. Seine Bemerkung: „Ach ja, die haben mich im Wartezimmer am Flughafen schon genervt“. Ich war ein bisschen überrascht, schließlich haben wir im gleichen Wartezimmer gesessen, und mir war die italienische Familie nicht besonders aufgefallen. Daraufhin hat der Mann mit mir geplaudert, wobei er sich ab und zu immer noch über die italienische Familie ein bisschen bösartig lustig machte, als das Kind ab und zu laut gesprochen hat (da ich Italienisch in der Schule hatte, wusste ich, dass es hinter uns nur um ein Märchen ging, dass sein Vater ihm vorlas, und das das Kind so begeistert hatte). Ich fand den Mann ein bisschen komisch, und dachte, dass Deutsche wirklich nur jammern können, bis er mich wegen meines Akzentes fragte, ob ich nicht Französin wäre, und er sich selbst als Franzose entpuppte (ok, ich hatte auch seinen Akzent bemerkt, aber er hat’s bestätigt).


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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