Ein Tag in Karlsruhe

Gestern war schon hart. Ich bin um 05:00 aufgestanden, um mit einem Zug gegen 06:00 zu fahren. Die Idee war, um die 09:00 in Karlsruhe anzukommen, um eine Stunde Zeit zu haben, bis zum Ort des Vorstellungsgespräches zu fahren. Es war warm, der Zug wurde schnell voll, es war eine gute Idee, einen Sitzplatz reserviert zu haben. Ich saß an einem Tisch. Auf der anderen Seite des Ganges saß eine Frau in Begleitung von einem Arbeitskollegen. Sie fuhren zu einer Stadt, deren Namen ich schon vergessen habe, um bei einer Messe Ergebnisse vor verschiedenen Firmen vorzustellen – das habe ich erfahren, weil sie sich die ganze Zeit mit einer Freundin am Telefon unterhalten hat. Sie war dabei so laut, dass ich beschlossen habe, mir im Speisewagen in Ruhe ein Croissant mit Kaffee als Frühstück zu gönnen. Als ich zehn Minuten später zurück kam, war sie immer noch am quatschen. Zum Glück sind wir dann durch Tunnels gefahren, die Verbindung wurde mehrmals abgebrochen, und sie hat eingesehen, dass es keinen Sinn machte, weiter telefonieren zu wollen.

In Karlsruhe ist mir erst aufgefallen, dass es ein sehr warmer Tag werden würde. Ich hatte eins vor der Fahrt vernachlässigt: Mich über das Wetter zu informieren. Mit meinem Kostüm war ich schnell verschwitzt. Ich habe die Jacke ausgezogen und bin mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Forschungszentrum gefahren. An der Pforte waren andere Gäste vor mir, die ebenfalls einen Besucherausweis brauchten. Es hat so lange gedauert, dass ich trotz schnellen Laufens mit fünf Minuten Verspätung zum Termin angekommen bin. Das Institut liegt gut zehn Minuten zu Fuß von der Pforte entfernt. Die Sonne hat auf dem Weg voll geknallt. Auf den Wiesen habe ich die gleichen gelben Blumen wie in meiner Heimat gesehen. Ich habe gedacht, allein wegen des Wetters wäre es schon toll, dort zu arbeiten.

Ich habe im Gebäude die Jacke wieder angezogen und bin zur ersten Etage gegangen. Von meinem Empfang bin ich enttäuscht gewesen. Die Organisatoren haben es scheinbar für unnötig gehalten, irgendwelche Getränke anzubieten – dass habe ich noch nie erlebt, ich hatte bei allen anderen Gesprächen immer mindestens einen Kaffee oder Wasser angeboten bekommen. Vor allem bei der Hitze hätte ich es gestern nötig gehabt. Es sagt für mich schon einiges darüber aus, wie das Wohlbefinden der Mitarbeiter an diesem Institut geschätzt wird. Ich bin zu einem Raum gebeten worden, der trotz vielen Fenstern sehr dunkel wirkte. Zwei Personen waren da, der noch junge Institutsleiter und die Gleichstellungsbeauftragte[1]. Der Institutsleiter hat sich am Tisch gegenüber von mir mit dem Rücken zu den Fenstern so platziert, dass ich ihn kaum sehen konnte: Ich habe die ganze Zeit mit einer dunklen Gestalt gesprochen, deren Gesichtszügen ich nicht mal erkennen konnte. Von dem Gespräch bin ich auch nicht überzeugt gewesen. Es war interessant, aber obwohl ich die Anforderungen erfülle, denke ich nicht, dass ich für die Stelle geeignet bin[2]. Nach dem Gespräch habe ich mit der Leiterin der Personalabteilung kurz gesprochen und einige organisatorischen Fragen geklärt.

Kurz nach 11:00 war ich schon fertig. Ich habe Michael, einen ehemaligen Kollegen, angerufen, der fünf Jahren in meinem früheren Institut gearbeitet hat, bevor er zum Forschungszentrum gewechselt ist. Er hat mir die Maschine gezeigt, die er jetzt am Synchrotron betreut. Wir haben über die Nutzer gelästert, die manchmal mit Proben ankommen, aber gar nicht wissen, was sie damit anstellen wollen, wobei ich mich dann frage, wie sie einen erfolgreichen Antrag auf Messzeit schreiben konnten – ich werde in Berlin bestimmt den gleichen Ärger bekommen. Wir haben mittags in der Kantine zusammen gegessen. Es war so warm, bestimmt um die 35°C, dass ich die Jacke meines Kostüms nicht mehr angezogen habe. Nach dem Mittagessen hatten wir eine lange Kaffeepause, und ich konnte danach andere wissenschaftliche Geräte sehen. Ich hatte für einen Zug um 17:00 reserviert und Michael hat mich zum Bahnhof mit seinem Auto gefahren.

Bei der Rückfahrt hat sich mein Ischias plötzlich wieder heftig gemeldet. Ich habe zum ersten Mal seit langem gedacht, wie schön es wäre, eine Diclofenac-Tablett dabei zu haben. Zum Glück war es mir im ICE bequem genug, und der Schmerz hat nachgelassen. Ich habe die Nürnberger Würstchen mit Kartoffelsalat im Speisewagen gegessen, ich wollte sie schon lange mal probiert haben. Das kühle Weizenbier dazu war super – der Speisewagen war der einzige Wagen ohne Klimaanlage. Der Zug hatte Verspätung und ich musste mit einem späteren Anschlusszug weiter fahren. Meine Mami hat mich angerufen, um über den Verlauf des Gespräches informiert zu werden, aber ich saß noch im Zug und die Verbindung war schlechter Qualität. Im Zug war auch eine Truppe von Rentnern anwesend, die sich auf der Treppe zwischen beiden Etagen niedergelassen hatte. Dabei war eine Frau, die so laut ihre Meinung über alles Mögliche ununterbrochen sagen musste, dass die Frau vor mir ausgerastet ist und selber noch angefangen hat, sich laut über die Frau zu beschweren. Ich war froh, aus dem Zug auszusteigen.

[1] Gleichstellungsbeauftragten habe ich allerdings bei Gesprächen in der Industrie nie gesehen, nur an Unis oder Forschungszentren.
[2] Außerdem habe ich vorgestern per Email eine gescannte Kopie meines neuen Arbeitsvertrages in Berlin bekommen, den unterschreibe ich am Montag.

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