Am Hotel

Ich bin Montag spät nachmittags zum Hotel angekommen. Es war angenehm warm und die Sonne schien. Die Frau an der Rezeption hat mich freundlich empfangen und mir den Schlüssel zu meinem Zimmer gegeben (eine Magnetkarte).

Das Zimmer selbst hat mir gefallen. Ich habe einen Moment gebraucht, um zu verstehen, wie man das Licht anmacht. Den Schalter zu betätigen hat nicht funktioniert. Bis ich das Kästchen neben der Tür bemerkt habe, wo drauf stand, dass die Magnetkarte rein sollte. Ich habe sie rein gesteckt und das Licht ging an. Gerne hätte ich das Fenster geöffnet, weil ein leichter muffiger Geruch in der Luft hing. Die Klimaanlage war an, ich habe es also geschlossen gelassen – und gleich die eingestellte Temperatur gesenkt. 22°C sind doch viel zu warm in einem Schlafzimmer. Ich habe meine Sachen ausgepackt und meine Handtasche leichter gemacht, weil ich abends vor hatte, ein bisschen in Berlin spazieren zu gehen und das noch schöne Wetter zu genießen.

Ich wollte mich vor dem Spaziergang kurz auf Facebook einloggen und berichten, dass ich gut gelandet war, vor allem, damit sich meine Mami keine Sorgen macht, aber es hat mit dem WLAN im Hotel nicht funktioniert. An der Rezeption meinte die Frau, dass ein anderer Gast berichtet hatte, dass es extrem langsam ging. Bei mir hatte ich im Browser nicht mal die Registrierungsseite fürs WLAN bekommen. Ich habe beschlossen, später abends noch mal zu probieren. Immerhin, es ist das einzige Hotel, das ich in letzter Zeit besucht habe, das WLAN nicht kostenlos zur Verfügung anbietet. Für eine Stunde verlangen sie schon über 3€. Geht’s noch geiziger? Ja, die halbe Liter Wasserflasche auf dem Schreibtisch, die zwischen zwei Gläsern stand, trug einen Schild, auf dem 3,90€ stand. Kaufland liegt auf der anderen Seite der Straße.

In der Einladung zum Vorstellungsgespräch waren auch, neben der Hotelempfehlung, die Email-Adressen meiner drei anderen Mitkandidaten im Header vorhanden. Ich hatte mich am Wochenende gefragt, ob ich sie kontaktieren soll um vorzuschlagen, zusammen den Abend zu verbringen. Ich habe dann gedacht, dass es vielleicht nicht so gut ankommt und die Idee vergraben. Wie ich am nächsten Tag erfahren habe, waren sie eigentlich am Abend schon im Hotel. Ich bin knapp zwei Stunden in der Stadt unterwegs gewesen, habe einige Fotos in der Gegend vom Alexanderplatz für meine Mami aufgenommen (ich bin selber schon für verschiedene Fachtagungen ein paar Male in Berlin gewesen), habe mir eine asiatische Nudelbox am Ostbahnhof mitgenommen und bin zurück zum Hotel gefahren. Ich hatte vergessen, Wasser zu kaufen, aber das Leitungswasser hat noch gut geschmeckt. Ich habe auch meine Bilder auf Facebook hochladen können.

Einschlafen war schwierig. Nicht, dass ich wegen des Vorstellungsgespräches am Dienstag nervös war, weil ich nach so vielen Vorstellungsgesprächen gelassener geworden bin. Aber die Matratze war mir zu hart. Die Klimaanlage war zu laut. Es gab zu viele Lichter im Zimmer. Ich denke, ich habe bis 01:00 gebraucht, um einzuschlafen. Und bin um 06:30 von alleine wieder aufgewacht, obwohl mein Wecker noch nicht geklingelt hatte. Ich habe ein Weilchen im Bett gefaulenzt und bin kurz nach 07:00 aufgestanden. Meinem Rücken hat das Bett nicht gefallen, nach der Dusche ging’s wieder. Ich habe mich für den Tag angezogen und bin in meinem schwarzen Kostüm zum Frühstückszimmer gegangen – ein großer, heller Raum im Erdgeschoss. Ich hatte kein großes Hunger, habe aber verschiedene geräucherte Fischsorten mit Kornbrot, Rührei, Obstsalat und ein kleines Croissant gegessen, mit Kaffee und Orangensaft. Als ich aus dem Frühstücksraum raus ging, ist mir ein älteres Paar entgegen gekommen. Wir haben uns freundlicherweise einen guten Tag gewünscht. Als die Frau vorbei ging, hat mir ihr Mann seine Zimmerkarte gezeigt und Zimmernummer angegeben. Nach zwei Sekunden Ratlosigkeit habe ich gelacht und ihm gesagt, dass ich nicht zum Personal des Hotels gehöre. Der Mann hat sich entschuldigt und meinte, ich würde doch so formal aussehen. Ich habe es nicht übel genommen. Aber ist so eine Verwechslung bei den Männern schon mal passiert, die morgens ebenfalls im Anzug frühstücken? Ich glaube kaum. Ich habe meine Toilette fertig gemacht, ein bisschen geschminkt, habe meine Sachen zusammen gepackt, meine Rechnung bezahlt und das Hotel verlassen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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