Weihnachten 2000

Mein letzter Eintrag über die Bahn hat mich an das letzte Mal erinnert, als ich zu meinen Eltern mit dem Zug gefahren bin. Danach habe ich beschlossen, nur noch das Flugzeug zu benutzen. Es folgen also meine Horror-Zug-Geschichten.

Ich steckte mitten in meiner Doktorarbeit. Fast alle meine Kollegen waren schon im Urlaub. Ich hatte die Geräte für mich alleine und hatte Stickstoff bestellt, um eine Tieftemperaturserie an meiner Probe zu messen. Meine Messung war bis zum 23. Dezember geplant, mein Zug fuhr am 24. sehr früh morgens los. Ich brauchte damals über zehn Stunden, um mit dem Zug nach Hause zu fahren. An diesem Jahr hatten meine Eltern die Einladung meiner Tante in Nizza für Weihnachten angenommen, so dass wir mit dem Auto keine lange Fahrzeit vom Bahnhof aus noch nach Hause hatten. Ich hätte also gegen fünf Uhr nachmittags ankommen sollen. Erstes Problem: Mein Zug kam verspätet im Nordbahnhof von Paris an. Ich musste zuerst zur Gare de Lyon wechseln, und die Zeit dafür hatte nicht mehr gereicht. Ich konnte meine Fahrkarte tauschen und bekam einen Sitzplatz in einem späteren TGV. So weit, so gut, ich rief meine Eltern an und sagte, ich würde gegen 18:30 ankommen. So einfach ging’s aber nicht. Die erste Überraschung kam im TGV, als ich zu meinem Sitzplatz gehen wollte. Die SNCF hatte es an dem Tag geschafft, den kompletten Wagen doppelt zu buchen. Ich habe also die ersten Stunden vor der Tür neben den Toiletten verbracht. Ich habe im Laufe der Fahrt den Eindruck bekommen, dass wir langsamer als sonst fuhren. Die Ankunftszeiten in den Städten haben sich immer mehr gegenüber dem Plan verspätet. Kurz vor Avignon sind wir mitten im Nichts auf der Strecke geblieben. Es war schon richtig dunkel. Der Fahrer sagte, der Zug hätte einen technischen Defekt, und wir mussten nach einem Ersatzzug warten. Das hat lange gedauert. Ich bin an diesem Weihnachtsabend gegen 22:00 bei meiner Tante angekommen.

Nach dem Urlaub musste ich zurück nach Deutschland. Ich hatte Freunde in Marseille, die dort studierten und die ich besucht hatte. Meine Rückfahrkarte habe ich dort am Schalter gekauft. Ich hatte mir meine ausgewählte Zugverbindung ausgedruckt, weil ich über Belgien fahren wollte (ich wollte unterwegs Freunde in Lothringen besuchen). Ich wusste, dass diese Verbindung nicht standardmäßig angeboten wurde, sie war aber billiger und schneller als die Strecke über den Rheintal, auch wenn ich ziemlich viel umsteigen musste. Der Mann am Schalter hat meinen Zettel gelesen und mir eine Fahrkarte verkauft, auf der nur Start und Ziel angegeben waren, mit den üblichen kryptischen Drei-Buchstaben-Kürzeln, auf die ich nie sonderlich geachtet hatte. Tja, ich saß also friedlich im Zug, als ich durch Belgien fuhr, als ein Kontrolleur ankam. Ich habe ihm meine Fahrkarte gegeben, und er sagte, dass sie ungültig war. Ich konnte es zuerst nicht fassen, aber er sagte, mit dieser Karte hätte ich über den Rheintal fahren sollen, es würde doch auf der Karte stehen, über welche Städte ich fahren müsste. Als ich ihm den Kauf meiner Karte mit meiner ausgedruckten Verbindung geschildert hatte und ihn fragte, wo die Stadtnamen denn auf der Karte stehen würden, weil es mir nicht aufgefallen war, meinte er die kryptischen Kürzel. Ende des Lieds: Ich musste 200 belgische Francs nachbezahlen. Und habe beschlossen, nie wieder heim mit dem Zug zu fahren. Nicht nur beschlossen, ich habe es auch konsequent durchgezogen. Das Fliegen ist eh viel schneller und günstiger, da kann ich echt auf den Bahnärger verzichten.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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