Schaltergeschichte an der Bahn

Ich habe heute meine ganzen Fahrkarten für nächste Woche auf einmal besorgt. Am Schalter. Ich mag Automaten nicht. Außerdem wollte ich meine beiden zweistündigen NRW-Tickets kaufen, um für Berlin zum Flughafen hin und zurück zu fahren, und am Automat wären sie sofort entwertet gewesen. Es waren viele Leute da, aber mit vier Schaltern ging es schnell, ich habe gerade fünf Minuten gewartet.

An meinem Schalter war eine ganz junge Frau, die ich noch nie gesehen hatte, mit kurzen dunklen Haaren und einem kleinen Brillant auf der Nase geklebt. Sie war vielleicht wegen ihren vorherigen Kunden gereizt, auf jeden Fall wirkte sie gar nicht sympathisch. Nachdem ich die NRW-Tickets bestellt hatte, habe ich nach Reisemöglichkeiten für mein zweites Vorstellungsgespräch gefragt: „Ich möchte sonst am Donnerstag nach Almelo in Holland hin und zurück fahren.“ Den Namen der Stadt hat sie zuerst nicht verstanden, dann fragte sie, wann ich denn fahren möchte (was ich eben gesagt hatte), dann fing sie an, super schnell auf ihrem Rechner eine Verbindung zu suchen und mir eine Seite zu drucken, bevor ich überhaupt sagen konnte, ob die Verbindung in Ordnung wäre. Ich habe bloß Zeit gehabt, um die gewünschte Ankunftszeit zu sagen, und dass ich möglichst viel Zeit beim Umsteigen haben möchte – nach einigen Verspätungsgeschichten mit der Bahn bin ich vorsichtig geworden. Die Verbindung, die sie mir vor der Nase gehalten hatte, ging gar nicht. Bei allen Umstiegen hatte ich knapp über fünf Minuten, das Verspätungsrisiko war mir zu groß. Da sagte die Frau, ich hätte doch nach möglichst wenigen Umstiegen gefragt – hatte ich aber nicht. Ich hatte im Voraus von zu Hause aus selber nachgeschaut, und es gab eine Verbindung mit dem Thalys über Duisburg, die mich interessiert hätte. Genervt meinte die Frau, der Thalys würde gar nicht so weit in Deutschland fahren und wäre sowieso teurer. Ich hatte mich dabei nicht über die Kosten geäußert und fand es schon eine Frechheit, dass sie meinte, meinem Aussehen nach müsste ich aufs Geld achten. Sie gab mir dann gleich eine neue Verbindung über Brüssel. Die wollte ich nicht haben, die Reisezeit hätte sich deutlich verlängert. Ich hatte die ganze Zeit auf ihrem Bildschirm geschaut und ganz kurz die gewünschte Verbindung gesehen – ja, tatsächlich gab es die mit dem Thalys über Duisburg. Endlich hatte ich meine Hinfahrt gesichert. Die Rückfahrt war noch dran, es ging schneller. Ich hatte ihr gesagt, dass ich um halb sieben zurück fahren wollte. Die erste Verbindung, die sie mir gedruckt hat, ging um 17:30, die zweite um 19:30. Beim dritten Mal hat es geklappt. Also echt… In der Regel habe ich bei der Bahn mit einer anderen Frau um die vierzig zu tun, die einen viel besseren Umgang mit Kunden hat, heute war sie leider nicht da. Ich bin sonst überrascht, wie günstig die Fahrt nach Almelo hin und zurück ist, knapp über 100€. Für die gleiche Reisedauer innerhalb Deutschland habe ich häufig das Doppelte bezahlt.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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