Ich glaube nicht daran

Ich sitze gerade im Zug aus Holland zurück und habe noch etwa zwei Stunden, bis ich kurz nach 00:00 wieder zu Hause bin (und diesen Eintrag veröffentliche). Wenigstens ist das ältere Paar, das vor mir saß, endlich weg. Sie haben die ganze Zeit, wie soll ich sagen, schlechte Geruche von sich raus gelassen. Es war immerhin gut überlegt, eine Zugverbindung mit möglichst langen Umsteigezeiten zu planen. Alle Züge hatten heute Morgen mindestens 5mn Verspätung.

Mit dem Gespräch von heute Nachmittag bin ich nicht zufrieden. Wir haben vieles diskutiert, auf Englisch, und ich habe gezeigt, dass ich fachlich sehr gut für die Stelle passe, trotzdem denke ich, es wird ein Flop. Ich glaube langsam, mir fehlt bei Vorstellungsgesprächen einfach an Arroganz, um in der freien Wirtschaft zu arbeiten. Es fällt mir schwer, zu behaupten, dass ich besser als andere Kandidaten bin, die ich nicht kenne, und das auch noch zu begründen, obwohl es offensichtlich von mir erwartet wird. Mann, wie ich diese blöden Fragen hasse, selbst wenn ich mir längst eine parate Antwort überlegt habe. Es ist für mich fast genauso schlimm wie die Frage, warum man sich bei einem bestimmten Unternehmen beworben hat. Dass man arbeitslos ist, nach Arbeit sucht und auf der Profilbeschreibung passt, darf man nicht sagen. Nein, man muss immer irgendwas erzählen, um glaubhaft zu machen, dass man in erster Linie eine große Vision hat und nicht daran interessiert ist, Geld zu verdienen. Hypokrisie pur. Ich habe etwas erzählt, das meiner Meinung nach für die Firma eine wichtige Entwicklung in der Software für Datenverarbeitung wäre (sie stellt analytische Instrumente in meiner Branche her). Es war ein kompliziertes Thema, aber der Gruppenleiter hat ja gesagt, dass er Physik studiert hat. Ich habe den Eindruck bekommen, er hat doch nicht verstanden, was ich ihm gesagt habe. Und hat deswegen eine Reaktion gehabt, die für mich blöde Situationen verspricht, falls ich dort arbeiten sollte: Er hat dann behauptet, es wäre wahrscheinlich gar nicht nötig, diesen Punkt zu verbessern. Obwohl er am Anfang noch gesagt hatte, ein Ziel wäre es, besser als eine andere bestimmte konkurrierende Firma zu sein, bei der ich weiß, dass genau dieser Punkt eine schwache Stelle ist. Eine Dank-Email muss nach einem Vorstellungsgespräch geschickt werden, ich glaube, ich hänge dran mein Poster der letzten Tagung als PDF, in dem ich das Problem genauer beschrieben habe. Tja, ich dürfte spätestens in zwei Wochen Bescheid wissen. Wenn ich nichts höre, brauche ich dann nicht länger zu warten.

Ich werde mich jetzt damit beschäftigen, den Flug zu meinen Eltern zu buchen. Ich muss noch morgen die ganzen Reisekosten dieser Woche beantragen, ein Blatt zur Arbeitsagentur für die Weiterbildung schicken, und eventuell mit Mei mittags essen gehen, falls sie das zwischendurch nicht vergessen hat und ich früh genug aufwachen kann. Ich bin jetzt wirklich müde. Gut, dass ich auf meinem Laptop einige meiner CDs kopiert habe. Eine gefällt mir sehr, die ich gerade höre: Flamenco arabe von Hossam Ramzy an der Tabla und Jose Luis Monton an der Gitarre. Einfach herrlich, diese beide Musiker zusammen. Gerne hätte ich eine Choreographie darüber gelernt, aber meine damalige Bauchtanzlehrerin wollte es nicht. Sie mag Hossam Ramzy nicht, sie findet seine Musik zu klassisch. Schade.

Vorstellungsgespräch in Berlin

Das Kostüm für morgen ist gebügelt, das Butterbrot ist geschmiert. Ich wollte noch vor dem Gespräch von morgen in Holland über den Verlauf des gestrigen Tages berichten.

Das Institut lag gerade zehn Minuten vom Hotel entfernt. Als ich zum Gebäude ankam, habe ich einen jungen Mann mit schwarzem Anzug ankommen gesehen. Ich habe vermutet, dass er Mitkandidat #1 wäre, und hatte recht. Wir haben uns gegenseitig vorgestellt und auf den bequemen Sesseln im Eingang ein wenig diskutiert. Kurz danach kam mein zweiter Mitkandidat #2 an. Wir haben da gewartet, bis unsere Gesprächspartner angekommen sind. Sie sind zum Hörsaal für die Vorträge gegangen und wir konnten unsere Präsentationen auf dem Laptop kopieren.

Ich war von der Ausstattung vom Hörsaal enttäuscht. Es gab kein Pult, der Laptop wurde einfach auf einem Stuhl der ersten Reihe gestellt, und wir haben einen einfachen Laserpointer bekommen, der keine Fernbedienung fürs Laptop hatte. Irgendwie hat mich der starke Eindruck nicht verlassen, dass ich schon mal in dem Hörsaal gesessen hatte. Bei einer früheren Fachtagung? Es kann sehr gut sein, ich komme nur nicht mehr drauf. Kurz danach ist die dritte Mitkandidatin angekommen, sie sprach kein Deutsch und hatte sich auf dem Weg verlaufen. Hätte ich doch allen angeboten, zusammen am Abend vorher essen zu gehen, wie ich am Wochenende gedacht hatte, hätten wir gemeinsam zum Vorstellungsgespräch gehen können. Wir waren sowieso noch nicht so weit und wurden mehrfach so insistent über den Kaffeeraum im ersten Geschoss informiert, dass wir auch dorthin unseren „Prüfern“ gefolgt sind. Ein der beide Männer, #1, meinte, es wäre bestimmt dazu gedacht, damit wir uns vor den Vorträgen entspannen können, es war für ihn aber das allererste Vorstellungsgespräch, weil er gerade im Schreiben seiner Doktorarbeit steckt, und er meinte, er würde sich nicht trauen, noch irgendwas zu schlucken, das Frühstück war ihm schon schwierig genug gewesen. Gutmütig wie ich bin, habe ich auch noch versucht, ihn aufzumuntern. So eine blöde Kuh kann ich manchmal sein.

Die Vorträge selbst kamen mir danach sehr schnell vor. Ich war als zweite dran und war als Physikerin die einzige, die nichts mit Biologie zu tun hat. Wir teilen nur eine gemeinsame Messmethode. Ich habe den anderen zugehört und war dabei froh, wenn ich irgendwas von ihren Ergebnissen verstanden habe. Sie haben mir aber gesagt, bei meinem Vortrag ging es ihnen genauso. Und ich dachte, ich hätte extra versucht, didaktisch zu sein… Der Vorteil war, dass ich am Schluss gar keine fiese Frage bekommen habe. Bei meinen Mitkandidaten sind teilweise solche Fragen gestellt worden, bei denen ich dachte, es war offensichtlich, dass die „Prüfer“ sie durchbohren wollten. Bei Mitkandidat #1 waren die Fragen sogar auf einem solchen Grundniveau, dass ich es als beleidigend für ihn empfunden hatte. Aber offensichtlich konnte er mit der Frage nichts anfangen.

Nach den Vorträgen wurde es schon Zeit für die Mittagspause. Wir sind zu viert alleine geblieben und haben beschlossen, zur Mensa zu gehen – was uns nach ein bisschen Verlaufen tatsächlich gelungen ist. Nachmittags hatten wir individuelle Gespräche. In der ersten halben Stunde hatte ich frei, zusammen mit der anderen Mitkandidatin, und wir haben auf den Sesseln auf der zweiten Etage geplaudert. Sie sagte, sie wollte vor allem in Deutschland arbeiten, weil ihr Freund auch hier ist. Ich habe ihr über meine Erfahrungen in Deutschland erzählt. Sie hat mir gesagt, unsere zwei Mitkandidaten würden ihr Angst machen. Wahrscheinlich würden sie eher die Stelle bekommen. Ich fand es frech, dass sie mich nicht als ernste Mitkandidatin betrachtet hat. Danach habe ich eine Gruppenbesprechung gehabt, die meiner Meinung nach gar nicht schlecht lief, und nach der Besprechung sollte ich eine halbe Stunde mit dem aktuellen Inhaber der Stelle sprechen.

Wir haben einen Kaffee geholt und auf der Terrasse draußen diskutiert. Es wurde eine ganze Stunde. Mir ist danach aufgefallen, weil wir den Tagesablauf per Email bekommen hatten, dass es vorgesehen war, dass er nur mit mir spricht und nur eine halbe Stunde, meine Mitkandidaten waren mit anderen Mitarbeitern beschäftigt. Ein gutes Zeichen? Wir haben über vieles diskutiert. Ich fand ihn sehr sympathisch. Er hat auch eine Katze, die er leider nicht nach Berlin mitnehmen konnte. Berlin mag er sowieso nicht. Er hat mir erzählt, dass er es müde war, so viele befristete Verträge in der Wissenschaft durch zu machen, und dass er sich endlich mal niederlassen möchte. Er ist zu dem Schluss gekommen, dass es als Wissenschaftler nicht möglich ist, und hat jetzt ein neues Studium fürs Lehramt begonnen. Diese verbitterte Erkenntnis ist mir leider allzu oft zu den Ohren gekommen. Wissenschaftler im öffentlichen Dienst in Deutschland haben es schwer. Und es ist kein Leben, ständig für einen zwei oder drei Jahren langen Vertrag umziehen zu müssen. Dabei kann man keine Pläne für die Zukunft machen. Kein Haus kaufen. Keine ernste Beziehung aufbauen, zum Beispiel, das habe ich bei jedem meiner Umzüge bis jetzt festgestellt. Es ist kein Zufall, wenn ich jetzt lieber ledig bleibe. Ich habe selber häufig genug feststellen müssen, dass es keinen Zweck hat. Genau das hat mir ein anderer Wissenschaftler aus meiner Uni letztes Jahr auch erzählt, der Mitte vierzig ist. Auf einen Punkt waren wir uns gestern einig: Es ist eine Schande, wie wenig Geld Wissenschaftler an Großforschungseinrichtungen in England verdienen. Zwischendurch haben wir uns auch daran erinnert, über die Stelle sachlich zu sprechen. Am Ende hat er mir angeboten, im Büro über die Webcam die wissenschaftlichen Geräte zu schauen. Genau dort haben wir Mitkandidatin #3 im Gespräch mit den anderen Mitarbeitern gefunden. Danach hat sie mir mehrmals gesagt, „Wow, du warst eine ganze Stunde mit ihm?“ Worauf ich geschlossen habe, dass es doch möglich ist, dass ich für diese Stelle tatsächlich in Frage komme, obwohl meine Biologiekenntnisse aus dem Gymnasium stammen. Wichtig für die Stelle ist ja, dass man gut programmieren kann, und ich konnte aus meinen Mitkandidaten nicht erkennen, dass sie jemals programmiert hätten.

Als wir alle durch waren, haben wir im Kaffeebereich gewartet, weil wir noch die Formulare für die Reisekosten bekommen sollten. Mitkandidat #1 hat erzählt, dass es ihm während des Gruppengespräches empfohlen wurde, sich auf eine andere Stelle bei denen zu bewerben. Es klang, als ob sie ihn nicht für diese Stelle haben wollten. Ich fand’s hart, dass er auf dieser Art bei einem ersten Vorstellungsgespräch inoffiziell aber direkt eine Absage am gleichen Tag bekommt. Die zwei anderen haben nichts Besonderes über ihr Gespräch erzählt. In meinem Gespräch haben sie mir ausdrücklich gesagt, was ich alles nachzuholen hätte, wobei ich geantwortet hatte, dass es mir bewusst ist, ich aber über eine schnelle und gute Auffassungsgabe verfüge und es als kein Problem betrachte. Ich bin es allerdings nicht gewöhnt, mich selbst so affirmativ zu loben, aber es stimmt, lernen kann ich gut und schnell, meine (wenige) neidische Kommilitonen haben es während meines Studiums hinterlistig häufig zum Ausdruck gebracht – haben mich deswegen gemobbt, was mir aber egal war, ich habe es nicht als eine schlechte Erfahrung eingestuft und hatte eher Mitleid für sie. Winfried, ein der drei „Prüfer“, mit dem ich bei der Tagung in März zuerst geredet hatte, hat mit mir gesprochen und sich mit mir so verhalten, als ob er mich schon als eine seiner Mitarbeiter betrachten würde. Aufgrund meiner vielen Pleiten nach Vorstellungsgesprächen will ich mir keine Hoffnung machen, aber irgendwie ist die Hoffnung doch da. Ich hoffe sehr, dass ich nicht wieder enttäuscht werde.

Am Hotel

Ich bin Montag spät nachmittags zum Hotel angekommen. Es war angenehm warm und die Sonne schien. Die Frau an der Rezeption hat mich freundlich empfangen und mir den Schlüssel zu meinem Zimmer gegeben (eine Magnetkarte).

Das Zimmer selbst hat mir gefallen. Ich habe einen Moment gebraucht, um zu verstehen, wie man das Licht anmacht. Den Schalter zu betätigen hat nicht funktioniert. Bis ich das Kästchen neben der Tür bemerkt habe, wo drauf stand, dass die Magnetkarte rein sollte. Ich habe sie rein gesteckt und das Licht ging an. Gerne hätte ich das Fenster geöffnet, weil ein leichter muffeliger Geruch in der Luft hing. Die Klimaanlage war an, ich habe es also geschlossen gelassen – und gleich die eingestellte Temperatur gesenkt. 22°C sind doch viel zu warm in einem Schlafzimmer. Ich habe meine Sachen ausgepackt und meine Handtasche leichter gemacht, weil ich abends vor hatte, ein bisschen in Berlin spazieren zu gehen und das noch schöne Wetter zu genießen.

Ich wollte mich vor dem Spaziergang kurz auf Facebook einloggen und berichten, dass ich gut gelandet war, vor allem, damit sich meine Mami keine Sorgen macht, aber es hat mit dem WLAN im Hotel nicht funktioniert. An der Rezeption meinte die Frau, dass ein anderer Gast berichtet hatte, dass es extrem langsam ging. Bei mir hatte ich im Browser nicht mal die Registrierungsseite fürs WLAN bekommen. Ich habe beschlossen, später abends noch mal zu probieren. Immerhin, es ist das einzige Hotel, das ich in letzter Zeit besucht habe, das WLAN nicht kostenlos zur Verfügung anbietet. Für eine Stunde verlangen sie schon über 3€. Geht’s noch geiziger? Ja, die halbe Liter Wasserflasche auf dem Schreibtisch, die zwischen zwei Gläsern stand, trug einen Schild, auf dem 3,90€ stand. Kaufland liegt auf der anderen Seite der Straße.

In der Einladung zum Vorstellungsgespräch waren auch, neben der Hotelempfehlung, die Email-Adressen meiner drei anderen Mitkandidaten im Header vorhanden. Ich hatte mich am Wochenende gefragt, ob ich sie kontaktieren soll um vorzuschlagen, zusammen den Abend zu verbringen. Ich habe dann gedacht, dass es vielleicht nicht so gut ankommt und die Idee vergraben. Wie ich am nächsten Tag erfahren habe, waren sie eigentlich am Abend schon im Hotel. Ich bin knapp zwei Stunden in der Stadt unterwegs gewesen, habe einige Fotos in der Gegend vom Alexanderplatz für meine Mami aufgenommen (ich bin selber schon für verschiedene Fachtagungen ein paar Male in Berlin gewesen), habe mir eine asiatische Nudelbox am Ostbahnhof mitgenommen und bin zurück zum Hotel gefahren. Ich hatte vergessen, Wasser zu kaufen, aber das Leitungswasser hat noch gut geschmeckt. Ich habe auch meine Bilder auf Facebook hochladen können.

Einschlafen war schwierig. Nicht, dass ich wegen des Vorstellungsgespräches am Dienstag nervös war, weil ich nach so vielen Vorstellungsgesprächen gelassener geworden bin. Aber die Matratze war mir zu hart. Die Klimaanlage war zu laut. Es gab zu viele Lichter im Zimmer. Ich denke, ich habe bis 01:00 gebraucht, um einzuschlafen. Und bin um 06:30 von alleine wieder aufgewacht, obwohl mein Wecker noch nicht geklingelt hatte. Ich habe ein Weilchen im Bett gefaulenzt und bin kurz nach 07:00 aufgestanden. Meinem Rücken hat das Bett nicht gefallen, nach der Dusche ging’s wieder. Ich habe mich für den Tag angezogen und bin in meinem schwarzen Kostüm zum Frühstückszimmer gegangen – ein großer, heller Raum im Erdgeschoss. Ich hatte kein großes Hunger, habe aber verschiedene geräucherte Fischsorten mit Kornbrot, Rührei, Obstsalat und ein kleines Croissant gegessen, mit Kaffee und Orangensaft. Als ich aus dem Frühstücksraum raus ging, ist mir ein älteres Paar entgegen gekommen. Wir haben uns freundlicherweise einen guten Tag gewünscht. Als die Frau vorbei ging, hat mir ihr Mann seine Zimmerkarte gezeigt und Zimmernummer angegeben. Nach zwei Sekunden Ratlosigkeit habe ich gelacht und ihm gesagt, dass ich nicht zum Personal des Hotels gehöre. Der Mann hat sich entschuldigt und meinte, ich würde doch so formal aussehen. Ich habe es nicht übel genommen. Aber ist so eine Verwechslung bei den Männern schon mal passiert, die morgens ebenfalls im Anzug frühstücken? Ich glaube kaum. Ich habe meine Toilette fertig gemacht, ein bisschen geschminkt, habe meine Sachen zusammen gepackt, meine Rechnung bezahlt und das Hotel verlassen.

Sonntag 26.05.2013

Ich habe gerade meinen Vortrag für Dienstag fertig gemacht. So richtig anstrengend war’s nicht, ich musste nur aus früheren Vorträgen ein paar Folien kopieren und ggf. ins Englisch übersetzen. Ich brauche noch ein schönes Bild für eine der Folien in der Einleitung, und dann konvertiere ich den Vortrag als PDF, weil ich nicht sicher bin, dass dort Office zur Verfügung steht, sie scheinen vor allem mit Linux-ähnlichen Systemen zu arbeiten. Deswegen konnte ich das Programm doch nicht im Voraus testen, das für diese Stelle so wichtig ist, ich kann nur die Veröffentlichungen darüber lesen.

Mein Powerpoint verhält sich immer noch komisch mit der Miniaturansicht. Das macht das Einfügen von Folien ziemlich mühsam, zuerst auf die Folien in der Ansicht links klicken, um heraus zu finden, wo die gewünschte Folie zum Kopieren eigentlich liegt, weil die Miniaturanzeige stets die falschen Inhalte anzeigt, und mit zwei offenen Dateien werden die Inhalte in der Anzeige gemischt, dann das gleiche Spielchen in der anderen Präsentation, um die Folie am richtigen Ort einzufügen… So macht es kein Spaß. Was ist los mit meiner Installation von Office? Auf meinem früheren Rechner mit XP ging’s so gut, und ich habe die gleiche CD für den neuen Rechner mit Windows 7 benutzt. Word erkennt Fehler nicht richtig bei der Rechtschreibung, Powerpoint baut so ein Mist in der Anzeige… Nur mit Excel geht’s, ich benutze es ja die ganze Zeit, um den Stand meiner Bewerbungen für die Arbeitsagentur zu bearbeiten.

Gestern habe ich den ganzen Nachmittag in der Stadt verbracht. Ich bin gegen 14:30 weg gegangen und wollte mir ein neues Kostüm kaufen. Ich war überall, aber ich bin nicht fündig geworden. Ich wollte ein helles Kostüm. Dunkle habe ich schon genug. Mit meiner Psoriasis auf der Kopfhaut möchte ich die eventuelle Anwesenheit von Schuppen auf den Schultern durch die Farbe des Kostümes verstecken. Die wenigen hellen Kostüme, die ich gestern gesehen habe, gingen nicht. Entweder war genau meine Größe nicht mehr vorhanden, oder die Hose saß total blöd mit den Taschen auf der Seite. Ich hätte gerne ein Kostüm mit einem langen Rock gehabt. Ich habe einmal im Zug eine Frau mit einem sehr schönen Kostüm gesehen, schwarz-weiß kariert, und der Rock ging ihr fast bis zu den Knöcheln. Nirgendwo in der Stadt zu finden. Schade. Ich werde wohl mit Hautcreme für die Kopfhaut tricksen müssen, um die Abschuppung zu verhindern. Irgendwie haben die Salbe und der Shampoo, die mir die Dermatologin verschrieben hatte, nicht viel geholfen. Es juckt nur nicht mehr so stark, aber ich bekomme den Eindruck, dass sich die kranke Hautfläche verbreitet hat.

Zwischendurch bin ich gestern am Marktplatz vorbei gegangen. Es waren viele Leute da, weil ein Oldtimer-Rallye gerade dort endete. Ich habe mir die alten Autos eine Weile angeschaut, und bin weiter einkaufen gegangen. Ich konnte es nicht fassen, aber es war schon 19:30, als ich nach Hause kam. Kein Wunder, dass mein Ischias so stark schmerzte. Ich wollte heute zum Sport gehen, aber das lasse ich doch lieber sein.

Sonst ist heute Muttertag. In Frankreich findet es immer am letzten Sonntag von Mai statt. Vatertag ist bei uns ebenfalls ein Sonntag, zwei Wochen nach Muttertag. Ich wollte meine Mami anrufen, aber sie war gerade nicht zu Hause. Hoffentlich können meine Geschwister sie heute besuchen. Ich habe mich noch nicht um die Reise dort Anfang Juni gekümmert. Ich werde wahrscheinlich erst dazu kommen, wenn beide Vorstellungsgespräche diese Woche vorbei sind. Ach stimmt, ich sollte heute auch nicht vergessen, die Klausur vom Kurs über Datenmanagement mit SQL zu schreiben.

Weihnachten 2000

Mein letzter Eintrag über die Bahn hat mich an das letzte Mal erinnert, als ich zu meinen Eltern mit dem Zug gefahren bin. Danach habe ich beschlossen, nur noch das Flugzeug zu benutzen. Es folgen also meine Horror-Zug-Geschichten.

Ich steckte mitten in meiner Doktorarbeit. Fast alle meine Kollegen waren schon im Urlaub. Ich hatte die Geräte für mich alleine und hatte Stickstoff bestellt, um eine Tieftemperaturserie an meiner Probe zu messen. Meine Messung war bis zum 23. Dezember geplant, mein Zug fuhr am 24. sehr früh morgens los. Ich brauchte damals über zehn Stunden, um mit dem Zug nach Hause zu fahren. An diesem Jahr hatten meine Eltern die Einladung meiner Tante in Nizza für Weihnachten angenommen, so dass wir mit dem Auto keine lange Fahrzeit vom Bahnhof aus noch nach Hause hatten. Ich hätte also gegen fünf Uhr nachmittags ankommen sollen. Erstes Problem: Mein Zug kam verspätet im Nordbahnhof von Paris an. Ich musste zuerst zur Gare de Lyon wechseln, und die Zeit dafür hatte nicht mehr gereicht. Ich konnte meine Fahrkarte tauschen und bekam einen Sitzplatz in einem späteren TGV. So weit, so gut, ich rief meine Eltern an und sagte, ich würde gegen 18:30 ankommen. So einfach ging’s aber nicht. Die erste Überraschung kam im TGV, als ich zu meinem Sitzplatz gehen wollte. Die SNCF hatte es an dem Tag geschafft, den kompletten Wagen doppelt zu buchen. Ich habe also die ersten Stunden vor der Tür neben den Toiletten verbracht. Ich habe im Laufe der Fahrt den Eindruck bekommen, dass wir langsamer als sonst fuhren. Die Ankunftszeiten in den Städten haben sich immer mehr gegenüber dem Plan verspätet. Kurz vor Avignon sind wir mitten im Nichts auf der Strecke geblieben. Es war schon richtig dunkel. Der Fahrer sagte, der Zug hätte einen technischen Defekt, und wir mussten nach einem Ersatzzug warten. Das hat lange gedauert. Ich bin an diesem Weihnachtsabend gegen 22:00 bei meiner Tante angekommen.

Nach dem Urlaub musste ich zurück nach Deutschland. Ich hatte Freunde in Marseille, die dort studierten und die ich besucht hatte. Meine Rückfahrkarte habe ich dort am Schalter gekauft. Ich hatte mir meine ausgewählte Zugverbindung ausgedruckt, weil ich über Belgien fahren wollte (ich wollte unterwegs Freunde in Lothringen besuchen). Ich wusste, dass diese Verbindung nicht standardmäßig angeboten wurde, sie war aber billiger und schneller als die Strecke über den Rheintal, auch wenn ich ziemlich viel umsteigen musste. Der Mann am Schalter hat meinen Zettel gelesen und mir eine Fahrkarte verkauft, auf der nur Start und Ziel angegeben waren, mit den üblichen kryptischen Drei-Buchstaben-Kürzeln, auf die ich nie sonderlich geachtet hatte. Tja, ich saß also friedlich im Zug, als ich durch Belgien fuhr, als ein Kontroller ankam. Ich habe ihm meine Fahrkarte gegeben, und er sagte, dass sie ungültig war. Ich konnte es zuerst nicht fassen, aber er sagte, mit dieser Karte hätte ich über den Rheintal fahren sollen, es würde doch auf der Karte stehen, über welche Städte ich fahren müsste. Als ich ihm den Kauf meiner Karte mit meiner ausgedruckten Verbindung geschildert hatte und ihn fragte, wo die Stadtnamen denn auf der Karte stehen würden, weil es mir nicht aufgefallen war, meinte er die kryptischen Kürzel. Ende des Lieds: Ich musste 200 belgische Francs nachbezahlen. Und habe beschlossen, nie wieder heim mit dem Zug zu fahren. Nicht nur beschlossen, ich habe es auch konsequent durchgezogen. Das Fliegen ist eh viel schneller und günstiger, da kann ich echt auf den Bahnärger verzichten.

Schaltergeschichte an der Bahn

Ich habe heute meine ganzen Fahrkarten für nächste Woche auf einmal besorgt. Am Schalter. Ich mag Automaten nicht. Außerdem wollte ich meine beiden zweistündigen NRW-Tickets kaufen, um für Berlin zum Flughafen hin und zurück zu fahren, und am Automat wären sie sofort entwertet gewesen. Es waren viele Leute da, aber mit vier Schaltern ging es schnell, ich habe gerade fünf Minuten gewartet. An meinem Schalter war eine ganz junge Frau, die ich noch nie gesehen hatte, mit kurzen dunklen Haaren und einem kleinen Brillant auf der Nase geklebt. Sie war vielleicht wegen ihren vorherigen Kunden gereizt, auf jeden Fall wirkte sie gar nicht sympathisch. Nachdem ich die NRW-Tickets bestellt hatte, habe ich nach Reisemöglichkeiten für mein zweites Vorstellungsgespräch gefragt: „Ich möchte sonst am Donnerstag nach Almelo in Holland hin und zurück fahren.“ Den Namen der Stadt hat sie zuerst nicht verstanden, dann fragte sie, wann ich denn fahren möchte (was ich eben gesagt hatte), dann fing sie an, super schnell auf ihrem Rechner eine Verbindung zu suchen und mir eine Seite zu drucken, bevor ich überhaupt sagen konnte, ob die Verbindung in Ordnung wäre. Ich habe bloß Zeit gehabt, um die gewünschte Ankunftszeit zu sagen, und dass ich möglichst viel Zeit beim Umsteigen haben möchte – nach einigen Verspätungsgeschichten mit der Bahn bin ich vorsichtig geworden. Die Verbindung, die sie mir vor der Nase gehalten hatte, ging gar nicht. Bei allen Umstiegen hatte ich knapp über 5mn, das Verspätungsrisiko war mir zu groß. Da sagte die Frau, ich hätte doch nach möglichst wenigen Umstiegen gefragt – hatte ich aber nicht. Ich hatte im Voraus von zu Hause aus selber nachgeschaut, und es gab eine Verbindung mit dem Thalys über Duisburg, die mich interessiert hätte. Genervt meinte die Frau, der Thalys würde gar nicht so weit in Deutschland fahren und wäre sowieso teurer. Ich hatte mich dabei nicht über die Kosten geäußert und fand es schon eine Frechheit, dass sie meinte, meinem Aussehen nach müsste ich aufs Geld achten. Sie gab mir dann gleich eine neue Verbindung über Brüssel. Die wollte ich nicht haben, die Reisezeit hätte sich deutlich verlängert. Ich hatte die ganze Zeit auf ihrem Bildschirm geschaut und ganz kurz die gewünschte Verbindung gesehen – ja, tatsächlich gab es die mit dem Thalys über Duisburg. Endlich hatte ich meine Hinfahrt gesichert. Die Rückfahrt war noch dran, es ging schneller. Ich hatte ihr gesagt, dass ich um halb sieben zurück fahren wollte. Die erste Verbindung, die sie mir gedruckt hat, ging um 17:30, die zweite um 19:30. Beim dritten Mal hat es geklappt. Also echt… In der Regel habe ich bei der Bahn mit einer anderen Frau um die vierzig zu tun, die einen viel besseren Umgang mit Kunden hat, heute war sie leider nicht da. Ich bin sonst überrascht, wie günstig die Fahrt nach Almelo hin und zurück ist, knapp über 100€. Für die gleiche Reisedauer innerhalb Deutschland habe ich häufig das Doppelte bezahlt.

Hotelreservierung

Wie manches so schief gehen kann. Ich hatte vor fast zwei Wochen für nächste Woche ein Zimmer in einem Hotel in Berlin reserviert, da ich fürs Vorstellungsgespräch früh morgens dort sein muss. In der Email der Einladung war ein Link für das Hotel angegeben, das bevorzugt werden sollte. Ich bin dem Link gefolgt und habe am Sonntagabend die online Buchung gemacht. Ein bisschen irritiert war ich, weil ich gar keine Bestätigung bekam, als ich auf „verbindlich buchen“ oder Ähnliches geklickt hatte. Durch ein Gespräch mit meiner Vermieterin am nächsten Tag habe ich aber erfahren, dass es normal sei, da ihre Söhne häufig geschäftlich unterwegs sind und das gleiche Problem haben. Ich hatte mir vorgenommen, dort anzurufen, habe es aber bis heute vergessen. Und ich hätte tatsächlich früher anrufen sollen: Die Reservierung ist bei denen gar nicht registriert worden. Ich habe sie also eben am Telefon erneut gemacht, es gab noch freie Zimmer, der Preis ist aber um 20€ gestiegen. Ach, es soll mir egal sein, die Kosten werden zurück erstattet. Ich habe etwas gelernt, man kann sich nicht immer auf diese online Transaktionen verlassen und sollte wirklich nachfragen, wenn keine Bestätigung kommt.

Kalt

Ich habe doch die Heizung wieder an gemacht. Selbst mit dem Pulli bin ich am Zittern vor dem Rechner, meine Hände, Füße und Nase sind gefroren, und ich kriege Kopfschmerze. Es war gestern abend schwierig genug, das Bett bequem zu bekommen, obwohl meine Katze die Fußstelle vorher erwärmt hatte. Heute Morgen bin ich aufgestanden, habe die Katze gefüttert, und bin zurück ins Bett gegangen, weil es mir doch zu kalt war. Ende Mai, und wir hatten heute maximal 7°C.

Heute Nacht gegen 01:00 habe ich ein lautes Wassergeräusch wahrgenommen. Ich habe gedacht, ein von meinen Nachbarn duscht gerade. Zurzeit machen sie das häufig um diese Uhrzeit, und die Wand der Dusche ist gleichzeitig die Wand zu meinem Schlafzimmer. Es war wirklich laut. Aber irgendwie habe ich die anderen üblichen Geräusche von der Dusche nicht gehört. Ich bin aufgestanden und habe ein Fenster aufgemacht. Es waren doch nicht die Nachbarn, es regnete einfach sehr stark, und ich hörte den Gully, der am Dach entlang läuft. Heute hat es weiter geregnet. Wir hatten in letzter Zeit gerade einen Tag Sonne, das war Sonntag. Ich muss unbedingt für ein paar Tage in den Süden Urlaub machen, bevor meine Weiterbildung anfängt, ich halte es langsam nicht mehr aus.

Jubelstimmung

Denn ich gerade meine Emails abgerufen habe, und drin war eine neue Einladung für ein Vorstellungsgespräch. Nächste Woche Donnerstag nachmittags, in Holland. Zwischen vier und fünf Stunden Zug. Hin. Das ist noch in einem Tag zu schaffen.

Dann muss ich noch für das Vorstellungsgespräch nächste Woche Dienstag in Berlin einen Vortrag vorbereiten. Ich weiß, ich habe schon vor kurzem einen Vortrag halten müssen. Aber jetzt muss es auf Englisch sein, und die Leute, die es hören, sind keine Laien in meinem Gebiet wie beim letzten Mal. Ich muss also weniger über die Methoden und mehr über die Ergebnisse erzählen. Und nebenbei auch mir das Programm herunterladen und anschauen, das mit Python umprogrammiert werden soll. Das war, neben der Gerätebetreuung für Messgäste, die Haupttätigkeit, die ich mit den Anbietern der Stelle bei der Tagung in März diskutiert hatte. Problem: Das Programm ist für große biologische Strukturen gedacht, ich habe aber nur Erfahrung mit kleinen anorganischen Strukturen. Nun, das wissen sie, ein großes Hindernis kann es also nicht sein.

Ich habe sonst morgen Vormittag einen Termin bei einer der drei Firmen, die die Qualitätsmanagement-Weiterbildung anbieten. Ich habe zuerst diese ausgewählt, weil sie am einfachsten von zu Hause aus mit dem Bus zu erreichen ist, es gibt viele Buslinien, die ohne Umstieg dahin fahren. Sonst sind sie alle vom Programm aus ziemlich gleich.

Sollte es mit der Weiterbildung klappen, und sollte ich nichts Besonderes von den beiden Stellen hören, werde ich Anfang Juni zu meinen Eltern fliegen. Sonst hätte ich bis Ende September keine Gelegenheit mehr dazu. Und es wäre gar nicht so schlecht, ausnahmsweise im Mittelmeer schwimmen zu können, bevor die ganze Touristenmeute auftaucht und ihren ganzen Dreck am Strand hinterlässt. Das habe ich während meines Studiums häufig gemerkt. Ich hatte im Frühling am Wochenende gerne mit einer Freundin vormittags am Kiesel-Strand gelernt (Sand haben wir dort nicht), gerade 40mn zu Fuß vom Campus entfernt. Um 08:00 ist keiner auf der Prom‘ außer die Jogger, man kann wunderbar den Tag mit ein bisschen Brustschwimmen beginnen, und man muss beim Lernen nur darauf aufpassen, dass der Wind die handgeschriebenen Notizen nicht weg reißt. Die Qualität vom Meereswasser ist im Mai-Juni wirklich nicht mit der Hochsaison in Juli-August zu vergleichen. Ob Meereswasser gegen Psoriasis hilft…

Kleiner Erfolg

Ich meine hiermit den online Kurs vom openHPI über Datenmanagement mit SQL. Heute Abend war die Frist für die Abgabe der letzten Hausarbeit, und bis nächster Woche kann man die Klausur bearbeiten. Es gab 6 Hausarbeiten, eine pro Woche, die insgesamt zur Hälfte der Punkte für den Zertifikat beitragen. Die Klausur macht mit 220 Punkten die zweite Hälfte. Zusätzlich gab es für 40 extra Punkte eine Bonus-Aufgabe, die nicht pflichtig war, wo man mit einer Beispieldatenbank SQL Anfragen probieren konnte. Und ich habe gerade die Ergebnisse für die letzte Hausarbeit und für die Bonusaufgabe bekommen: Im Grunde könnte ich es mir sparen, die Klausur zu schreiben, denn ich schon über die Hälfte der Punkte gesammelt habe! Natürlich werde ich die Klausur schreiben. Ich hätte sonst den Eindruck, nicht mein Bestes gegeben zu haben. Aber dieser kleine Erfolg zwischen den ganzen Absagen bei Bewerbungen freut mich sehr, auch wenn es vom Niveau gerade einer Einführungsveranstaltung im Bachelor entspricht.